Die sächsische Regierung
verlangt Getzlers Rücktritt.
Dresden, 28. Juni. Heute veranstaltete der
sächsische Landtag eine Trauerkundgcbung für Ra
thenau. Bevor aber Präsident Fräsdorf seine An
sprache beginnen konnte, forderten die Kommuni
sten und Mehrheitssozialisten stürmisch, daß der
Erste Vizepräsident Dr. Wagner (Dntl.) und der
Zweite Vizepräsident Dünger (D. Vp.) den Sitz
ungssaal verlassen sollten. Da beide das ablehn
ten, verstärkte sich der Lärm. Sämtliche sozialisti
schen Parteien verließen geschlossen den Sitzungs
saal. Darauf fand in Anwesenheit der bürger
lichen Parteien die Kundgebung statt. Präsident
Fräsdorf würdigte den ermordeten Reichsminister.
Der Landtag vertagte sich für die Dauer von einer
Stunde zum Zeichen der Trauer.
Dresden, 38. Juni. Nachdem die Abgeordneten der
sozialistischen Regierungsparteien den Sitzungssaal vcr-
lasien batten, veranstalteten sie im Sitzungssaal der
früheren ersten Ständekammer eine besondere Traucr-
ieier mit der Arbeiterpartei für Ratbenau. Nachdem
Wirth (Soz.) zum Präsidenten gewühlt war, ergriff
Landtagspräsident Fräsdori auch in dieser Versamm
lung das Wort, llm die Republik zu sichern, müsse
vorübergehend mit Ausnahmegesetzen gearbeitet wer
den. In unabsehbarer Zeit würden voraussichtlich die
Wähler zu entscheide» haben. Mit einem Hoch aus die
Republik schloß diese Sondcrtrauerteier.
Zn der Rachmittagssitzung des Landtages verlas
Innenminister Lipinski eine Regierungserklärung, in
der die Teilnahme der sächsischen Reigerung anläßlich
der Ermordung Rathenaus ausgedrückt wird. Mit der
Reichsregierung sei auch die sächsische Regierung der
Auffassung, daß der Mord wohlvorbercitet und überlegt
ausgeführt wurde. Die Mordbubcn wurden durch
weitverzweigte Organisationen gestützt und gedeckt, die
alle mit der Deutschnationalen Volkspartei zusammen
hingen. Die sächsische Regierung babe alles getan, um
Ruhe und Ordnung auirechtzuerbalten, und alle natio
nalistischen Kundgebungen verboten. Sie habe darüber
hinaus in einer Protestnote an die Reichsregierung
darauf hingewiesen, daß die Reichswehr die monarchi
stische Agitation durch das Stellen geschlossener Forma
tionen zu Regimentsfeiern begünstige, und daß dies
vom Reichswebrminister angeordnet wurde, ohne die
vorherige Kenntnis der sächsischen Regierung. Sie mache
darauf aufmerksam, daß die Reichswehr trotz des Mor
des keine Dorbeugungsmatzregeln getroffen habe, und
verlange, daß die Demonstrationen der Reichswehr bei
Regimcntsfeiern und die Agitation hierfür verboten
würden. Die sächsische Regierung halte es für geboten,
daß durch einen. Wechsel in der Person des Reichswehr-
ministers die Voraussetzung dafür geschaffen sei, daß
die Reichswehr ein Mittel zum Schutze der Republik
werde.
Ausschreitungen.
Darmstadt, 28. Juni. Ausschreitungen kamen hier
vor. Die Menge drang in die Wohnungen der Ab
geordneten der Deutschen Dolkspartei, Dingeldey und
Dr. O. Sann ein und zertrümmerte dort die Woh
nungseinrichtungen. Dingeldey wurde schwer verletzt.
Auch Sann wurde mißhandelt. Dann drang die
Menge in die Redaktion der Hessischen Landeszeitung
ein, zerschlug Türen- und Fensterscheiben, demolierte
das Mobiliar und warf Zeitungen und Manuskripte
auf die Straße. Auch in der Redaktion des Täglichen
Anzeigers sind sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen,
das Mobiliar zerstört, und die Zeitungen auf die
Straße geworfen worden. Gegen 7 Uhr abends schritt
die Polizei ein. Sie feuerte nach einigen blinden
Schüssen scharf auf die Menge, worauf diese ausein-
andcrstob. Es joll bei den Zufammenstößen drei Tote
und etwa 25 Berwundete gegeben haben.
Weiter wird gemeldet: Der schwerverletzte
Abgeordnete Dingeldey befindet sich auf dem Wege
der Besserung. O. Sann konnte sich retten. Die
Wohnungen der Abgeordneten wurden völlig ver
wüstet und ausgeplündert. Auch die Räume der
„Hessischen Landeszeitung" bieten ein Bild der
Verwüstung. Beim „Täglichen Anzeiger" wurden
auch die Maschinen stark beschädigt. Rach einer
Mitteilung der Polizeibehörde ist bei den gestrigen
llnruhen eine Person umgekommen.
TU. Frankfurt a. M., 2g. Juni. (Eig. Draht
bericht.) Ueber die Lage in Darmstadt berichten die
„Frankfurter Nachrichten": Der Abgeordnete Din
geldcy wurde von der tobenden Menge nach dem
Marktplatz geschleppt, wo er gelyncht werden sollte
Im letzten Augenblick gelang cs Schutzleuten, ihn
in Sicherheit zu bringen. Doch muhte er gleich in
einem Krankenwagen, in dem sich ein sozialdemo
kratischcr Führer befand, ins Krankenhaus gebracht
werden. Der Schaden beläuft sich auf 10 M'-llio
nen Mark. In der Sitzung des Landtages erklär
len die Abgeordneten der Deutschen Volkspartri
daß sie nickt mit der Regierung weiter zusammen
arbeiten könnten, wenn nicht den Geschädigten
volle Genugtuung gegeben würde. Sie verliehen
daraus den Sitzungssaal.
WTB. Loeban (Sachsen), 28. Juni. Bei den
gestrigen Kundgebungen anläßlich der Ermordung
Rathenaus kam es hier zu Ausschreitungen. Die
demonstrierende Menge drang in das Grundstück
des „Sächsischen Postillon" und suchte den Verleger
und verantwortlichen Schriftleiter Witte, den sie
schließlich auch ausfindig machte. Als Witte einen
Schreckschuß abgab, fiel die Menge über ihn her
wobei Witte eine Kopfverletzung davontrug. W
wurde dann auf einem Wagen durch die Straßen
gefahren, bis er im Amtsgericht Aufnahme fand.
Braunschweig, 28. Juni. Den von den beiden
sozialistischen Parteien und den Kommunisten
gestern nachmittag anläßlich der Ermordung Ra
thenaus veranstalteten Kundgebungen sind am
Abend Ausschreitungen gefolgt. Einige hundert
junge Leute, vor allem die kommunistische Jugend
und andere Kommunisten, marschierten zum Kreis-
gefönFnis, wo eine Anzahl junger Leute in die
Wohnung des Gefängnisinfpcktors eindrang und
die Herausgabe der Schlüssel zur Ocffnung der
Zellen verlangte. Als dies verweigert wurde, ver
achte mau gewaltsam die Tore des Gefängnisses
zu öffnen. Zahlreiche Personen kletterten über
die Gefängnismauer und richteten im Garten des
Inspektors yrohc Verwüstungen an. Schließlich
brachte die Menge den im Gefängnis untergebrach
ten politischen Gefangenen, die den Kommunisten
nahestanden, durch Singen revolutionärer Lieder
Kundgebungen dar. Unter Drvhungen auf bal-
digeWiederkehr zerstreute sich dann die Menge.
Die für heute nachizrittag von den Gewerkschaften
hier anberaumten Kundgebungen gegen den Le-
bensmittelwuchcr sind abgesagt worden.
Ueber weitere Zwischenfälle wird gemeldet:
Frankfurt a. M., 28. Juni. Der „Frankfurter
Zeitung" zufolge besetzten heute früh Ausständige
die Fabrikeingänge der wegen Streiks der Tech
niker und Werkmeister stillgelegten Adlcrwerke und
nahmen eine drohende Haltung an. Der kauf
männische Direktor Wiegand flüchtete mit seinen
Kollegen über einen Bretterzaun. Er erlitt hier
bei einen Herzschlag und brach tot zusammen. Wie
gand war seit 30 Jahren bei den Adlerwerken
tätig.
Heidelberg, 28. Juni. Hier ereignete sich ge
stern nachmittag ein Zwischenfall, als der Nobel
preisträger Geheimrat Lenard gegen die Anord
nung des Direktors im Radiologifchen Institut der
Universität feine Borlefung hielt. Andringende
Arbeiter wurden durch Hydranten bespritzt und
von Studenten mit Steinen beworfen. Als Lenard
nebst einigen Studenten verhaftet war, drängten
ihnen Arbeiter über die Reuenheimcr-Brücke nach
und drohten sic in den Neckar zu werfen. Tie Ver
hafteten wurden in das Eewerkfchaftshaus und
dann ins Gerichtsgefängnis gebracht. Erst gegen
10 Uhr abends verlief sich die Menge vor dem
Gefängnistor.
Die Forderungen
der sozialistischen Parteien und
Gewerkschaften.
Ein Appell an die Arbeiterparteien des Auslandes.
Berlin, 28. Juni. In einer Sonderausgabe ver
öffentlicht der „Vorwärts" die Forderungen, welche die
drei sozialistischen Parteien gemeinsam mit dem Vor
stand des Allgemeinen Deutschen Gewcrlschaftsbnndcs
mrd dem Afa-Bund an die Reichsregierung und den
Reichstag richteten. Danach soll das Gesetz zum Schutze
der Republik u. a. entbalten: Sofortiges Verbot und
strenge Bestrafung jeder monarchistischen oder anti-
rcvublikanischen Agitation in Wort, Bild und Schrift,
Verbot u. sofortige Auslösung der antirepublikanischcn
Verbindungen, Berbot der monarchistischen Fahnen und
Farben, sofortige Beseitigung aller monarchistischen
Embleme in den öffentlichen Gebäuden und Anstalten,
Bestrafung jedes Angriffes in Tat, Wort und Schritt
auf die republikanischen Farben und Fahnen, strenge
Vorschriften zur Säuberung der Regierungsstellen und
Behörden einschließlich der Gerichte und Reichswehr
von allen monarchistischen oder antircvnblikanischen
Elementen, Verbot des Waüentragcns außerhalb des
Dienstes, Verbot des Uniformtragcns für ehemalige
Offiziere, llnterfagung weiterer Ernennungen rum
Reserveoffizier, Einsetzung eines außerordentlichen Ge
richtshofes in Berlin, Schaffung einer Reichsexekutive,
insbesondere einer Rcichskriminalpolizei. Die Gel
tungsdauer des Gesetzes soll zunächst auf mindestens 2
Iabre ieftgesetzt werden. Ferner wird gefordert: So
fortige Amnestie für alle wegen politischer Vergehen
Verurteilten, Amnestie auch für die anläßlich des Ei-
senbahnerstreiks zur Verantwortung Gezogenen. Fer
ner fordert die Erklärung von den Gewerkschaften und
Arbeiterparteien des Auslandes starke Einwirkung auf
ihre Regierungen in der Richtung, daß die Entente von
ihrer Gewaltpolitik gegen das deutsche Voll, die den
Nationalisten mrd Monarchisten immer neuen Agila-
tionsstoii liefere, endlich ablasse.
Inland.
Berlin, 28. Juni. Selbstmordversuch des
Fraucnmörücrs Erohmann. Im Untersuchungs
gefängnis in Moabit suchte sich der Frauenmörder
Karl Erohmann in der Nacht zum Mittwoch zu
erhängen, nachdem er die Fenster seiner Zelle mit
Zeitungspapier verklebt hatte. Er wurde aber
noch rechtzeitig daran verhindert.
Neueste NacheichLsu.
ReichZtÄg§KLîfl8şiņg
Wegen der Differenzen bezüglich
der GetreiöenmlKge?
T.-U. Berlin, 2». Juni. (Eig. Drahtbericht.)
Heute kommt im Reichstag die Regierungsvorlage
über die Getreideumlage zur zweiten Lesung, ohne
dah es bis jetzt gelungen ist, eine Einigung zu er
zielen. Zwischen den Forderungen der Sozialdemo
kratie und dem Standpunkt der bürgerlichen Koa-
litiansparteien klafft bis heute ein großer Gegen
satz. Die Sozialdemokratie besteht daraus, dah der
Roggenpreis nicht höher als auf 0390 Mark pro
Tonne und'der Weizenpreis nicht über 6809 Mark
festgesetzt wird. Die Bürgerlichen wollen noch be
stenfalls einen Roggenpreis von 7699 Mark zuge
stehen. Mit der dadurch entstandenen Situation
beschäftigte sich die sozialdemokratische Reichstags
fraktion gestern abend. In einer Sitzung, die sich
bis in die späten Abendstunden hinzog, wurde der
Meinung Ausdruck gegeben, daß eftie EiniWng
nickt mehr zu erzielen sei, und daß die Ncichetags-
auflöfung damit unabwendbar geworden sei.
Außerdem heksii es: "W * *• ~
Berlin, 28. Juni. Das Kompromiß in der Ge-
treideumlagc ist einstweilen wieder zerschlagen: die
Sozialdemokraten verlangen die Begrenzung der von
der Umlage befreiten landwirtfchaitlichen Fläche auf
V/~, Hektar.
TU. Berlin, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht.)
Der Reichskanzler hat gestern die Parteiführer
empfangen, um die Vorlagen zu besprechen, die
jetzt im Vordergrund des politischen Interesses
stehen, nämlich über die Getreideumlage und den
Gesetzentwurf zum Schutze der Republik. In der
Besprechung der Parteiführer beim Reichskanzler
haben sich die Gegensätze betreffend der Getreide-
umlage nicht überbrücken lassen. Die Fraktion der
sozialdemokratischen Partei erklärte, die Forderun
gen der Gegenseite unter keinen Umständet« bewilli
gen zu können, da sie diese vor der Arbeiterschaft
nicht verantworten könne. Zentrum und Demokra
ten wollen in neue Besprechungen mit der Deut
schen Volkspartci eintreten. Für heute nachmittag
ist eine interfraktionelle Besprechung angesetzt.
Das schwere Ringbahn-Unglück
in Rerlin.
TU. Berlin. 29. Juni. (Eig. Drahtbericht.)
Das Unglück auf der Nordringbahn bei der Schön
hauser Allee fordert immer mehr Todesopfer, da
fortgesetzt aus den Krankenhäusern Nachrichten
vom Tod Schwerverletzter einlaufen. Bisher waren
29 Tote und 47 Schwerverletzte gemeldet. Nach
Äsn letzten Meldungen beläuft sich die Zahl der
Toten auf 10 und de Zahl der Schwerverwundeten
auf 38. Die Eifenbahnbehörde ist gemeinsam mit
der Polizei am Werke, die Ursachen der Kata
strophe festzustellen.
Die dänische Militäivorlage.
Kopenhagen, 28. Juni. Es verlautet, daß
zwischen der Regierungspartei und den Konserva
tiven in der Frage der Militärvorlagen eine Ei
nigung erzielt worden ist. Der. eingesetzte Aus
schuß wird die Beratung der Vorlagen wahrschein
lich in allernächster Zeit beenden. Wie „Politiken"
meldet, soll die Regierungspartei einer Verstär
kung des Heeres auf 90 009 bis 100 000 Mann zu
gestimmt haben. Bisher schlug sie ein stehendes
Heer von nur 60 000 Mann vor. Auch die Flotte
oll verstärkt werden. In einem Leitartikel wen
det sich „Politiken" sehr scharf gegen diese neuen
Vorschläge, da sie anstelle einer gleichen und neu
tralen Verteilung der dänischen Heeresmacht eine
Lösung vorschlagen, die das Hauptgewicht für die
Landesverteidigung an die Südgrenze verlege und
den Stachel gegen Deutschland wende, indem man
von der unneutralen Vorstellung ausgehe, daß die
Entente dazu berufen sei, Dänemark zu helfen,
wenn dessen Neutralität angetastet werden sollte.
Heftige Rümpfe in Dublin.
London, 28. Juni. In Dublin wird heftig ge
kämpft. Die Truppen des Freistaates haben auf
das Hauptquartier der Aufständischen, die Four
Torts, einen Angriff mit Mörsern und Sqneli-
s.uergcschützen unternommen. Die Aufständischen
haben das Feuer erwidert. Es soll viele Tote und
Verwundete gegeben haben. Das Resultat des
Kampfes ist noch unbekannt. Die Regierung des
Freistaats hat die Nachrichtcnzensur eingeführt.
Die Teuer ungszulagen an
Beamte.
WTV. Berlin, 28. Juni. Im Hausholtsausfchutz
des Reichstages stand heute die Regierungsvorlage
über die mit den Gewerkschaften vereinbarten Teue
rungszulagen zur Beratung, wonach ab 1. Juni zum
Grundgehalt, Diäten- und Ortszuschlog. soweit diese
Bezüge den Betrag von insgesamt ly Mi JL nicht
übersteigen, 160 Pro;., im übrigen 105 Pro», als
Teuerungszuschlag bezahlt werden. Zu den Kinderzu
schlägen wird eine Teuerungszulage von 105 Praz. ge
währt. F 6, der für Vorschnhleistung dem Reichsfinanz
minister bis zu 100 Millionen zur Verfügung stellt,
wurde vom Ausschuß angenommen, ebenso § 4, der er
klärt, daß das Gesetz mit dem auf seine Verkündigung
folgenden Tage in Kraft tritt. Damit soll die Reichs
regierung in die Lage versetzt werden, die Auszahlung
der Mehrbeträge mit größter Beschleunigung vorneh
men zu können. — Zum Schluß wurden die Richt
linien'über die Gewährung von Kinderbeihilfen in ge
setzlich nicht geregelten Fällen gemäß den Vorschlägen
der Reichsregierung bewilligt. Hiernach kann im Falle
des Bedürfnisses auf Antrag allen Reichsbeamten und
Soldaten eine widerrufliche Beihilfe für Kinder vom
vollendeten 21. bis zum 24. Lebensjahre bewilligt
werden, wenn sie sich noch in der Ausbildung für ihren
Lcbcnsberuf befinden, und wenn sie nicht ein eigenes
Einkommen von wehr als 4000 ,M jährlich haben.
Alarcheit unö watzrheU
marschieren.
T.-U. London, 29. Juni. (Gig. Drahtericht.)
Reuter meldet: Aus der Konferenz der Arbeiter
partei in Edinburgh wurde der Verwaltung der
Partei eine Resolution übermittelt, in der erklärt
wird, daß der heutige Zustand der Politik dem
Obersten Rat zu verdanken sei. Die Resolution
fordert die sofortige Abänderung des Derjailler
Vertrages, Einschränkung der Reparationsoer-
pflichtungen Deutschlands zum Wiederaufbau der
verwüsteten Gebiete und Anerkennung der russi
schen Sowjctregierung.
Die meisten englischen Blätter ziehen es vor. diese
bedeutsame Kundgebung, di« den Deiiall aller Rer-
sammlungsteilnrbmer fand, zu unterdrücke«.
MMerîât
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' Zufuhr: 1263 Rinder, darunter 284 Ochsen, 112
Färsen, 263 Bullen, 601 Kühe, 1703 Schafe. _ Das Ge
schäft mit Rindern verlief rege, mit Schafen ruhig.
343 Rinder sind bereits ain 28. verkauft worden.
Doüarkurs am 29.Juni. vormittags.
Hamburg 360—362 y
Schleswig-Holstein.
Drei preußische Rein
in der GL'sß-Hambnral-Zrage.
Berlin, 28. Juni. Der preußische Ministerpräsi
dent Braun hat an den 1. Bürgermeister Dr. Diestcl
in Hamburg unterm 23. Juni ein Schreiben gerichtet,
in dem es heißt:
„Die Hamburger Unterhändler in der Angelegen
heit einer Abtretung preußischen Gebiets an die Freie
und Hansestadt Hamburg haben in den letzten Zusam
menkünften mit den preußischen Unterhändlern am 19.
ds. Mts. am Schluß der Verhandlungen diesen letzte
ren folgende drei Fragen vorgelegt:
1. Kann Hamburg darauf rechnen, daß *as von
der Gliederungskommifsion vorgeschlagene Gebiet zwi
schen Norder- und Süderelbc an Hamburg vorbehält-^
los abgetreten wird, wenn Hamburg dagegen Moor
burg an Preußen abtritt?
2. Will Preußen den sog. Gecstrücken zwischen
Schiffbek und Bcrgedorf an Hamburg abtreten, ohne
Gegenleistung dafür zu verlangen?
3. Kann Hamburg darauf rechnen. daß das Alster
tal an Hamburg gelangt gegen Groß-Hansborf-
Schmalenbeck?
Diesen Fragen haben sic die folgenden Erklärun
gen hinzugefügt: Don der Beratung dieser Fragen
müssen wir es abhängen lassen, ob in die Beratung
der Frage einer D-rwaltvngsgemeinschaft zwischen
preußischen und hamburgischen Lanbesteilen eingetre
ten werden soll. Hamburg ist bereit, in eine Erör
terung dieser Frage einzutreten, nachdem in Bezug
auf die territorialen Fragen Einverständnis erzielt
worden ist. Zu dieser Fragestellung sind wir Unter
händler an sich nicht berechtigt. Wjr müssen uns des-
hars ausdrUckrìck, dî- <Seņ-chrņi-,rtr>ņ de- Sen«t. und
der Bürgerschaft vorbehalten. Nur. um zu einer Ver
ständigung zu gelangen, bringen wir auf eigene Ge
fahr bas Opfer der Abtretung von Moorburg. Wenn
die preußischen Herren glauben, die Entscheidung über
unsere Fragen aussetzen zu müssen, wollen wir jetzt
nicht auf einer Antwort bestehen, müssen uns auch
alles nach der Antwort vorbehalten.
Die preußischen Unterhändler haben sich nicht ftir
kompetent gehalten, die vorstehenden drei Fragen von
sich aus endgültig zu beantworten, vielmehr erklärten
sie, daß sic sie dem preußischen Kabinett vorzulegen
sich verpflichtet hielten. Das ist sofort auch nach der
Rückkehr der Herren von Hamburg geschehen. Das
preußische Staatsminiftcrium hat sich in seiner heuti
gen Sitzung mit der Vorlage beschäftigt und erteilt
auf jene drei Fragen nachstehende drei Antworten:
1. Rein, sondern nur soweit es nachweislich van
Hamburg zum notwendigen Ausbau des Hafens ge
braucht wird.
2. Rein.
3. Rein.
Ich beeile mich wunschgemäß Ihnen diese drer
Antworten umgehend mitzuteilen und bitte ergeben.>
mich ebenfalls umgehend zu benachrichtigen.^ Sie
weitere Verhandlungen wünschen oder nicht."
* *
Elmshorn. 28. Juni. Rach Beendigung der
gestern anläßlich der Beisetzung Nathâus statt
gefunden cn Kundgebung, an der etwa Ş Perso
nen teilnahmen, kam es zu mehreren Zwischen
fällen. Sa drangen einige junge Leute tn dte
Bismarckschnle u. das Lyzeum ein, rissen dort aus
gehängte Bilder der Heerführer und andere Ge
mälde. darunter ein wertvolles Bismarckbild, von
den Wänden, vernichteten sie und warfen sie aus
den Fenstern. Aus dem Lşum wurden zwei
schwarz-weiß-rote Fahnen herausgeholt und zer
rissen Ferner drangen Teilnehmer des Demon
strationszuges in ein Privotkontor ein und ver
langten die Herausgabe von Kaiserbildern,
dann zerrissen und in die Menge geworfen wuriicn.
Außerdem wurde das Personal verschiedene Ban
ken und Geschäfte Zwangsweise entfernt und dre
Geschäftsinhaber zum Schließen der Geschäfte ver
anlaßt. Der iri der Bismarckschule angerichtete
Schaden dürfte, besonders infolge Vernichtung von
Lehrgegenständen, in die Taufende gehen.
Süsum. 28. Juni. Sturmflut in den
letzten Tagen hat an den Hafenbauarbeiten man
che Schaden verursacht und namentlich größere
Mengen Materials fortgespült. — Erhöhung der
Kurprersc. Infolge der steigenden Teuerung er
höhten die Hotelwirtc und Pensionsinhabcr in
Bufum die Preise um 30 Prozent.
MunkSrarup. 20. Juni. Der Mörder ist leider
noch nicht ermittelt. Die Untersuchung erfolgt in
großem llmfang. Das ermordete Mädchen Anna
Vrede. stammt aus Ostpreußen, aus einem kleinen