Full text: Newspaper volume (1850)

Jahrgang. 
43ï 
er 
Rendsburger 
M 51. 
Mittwoch, den 26. Zuni 
L85V. 
Bon diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnung; „An die Expedition 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomcn werden. ^ Intelligenz - Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes 
ist für Interessenten, denen cs hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn cs von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post 
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 o.age vor Ablauf eines Quartals erbeten. 
Tagesgeschichte. 
Großbritannien.' 
London, vom 18 Juni. Lord Brougham ist 
zwar seit lange der Komiker aus der politischen Bühne 
aber so ins Platte hinab, wie gestern, hat er seine 
Rolle noch nie gespielt. Die Weise, wie er gestern 
im Oberhause den preußischen Gesandten beleidigte, 
ist in der „Times" vollkommen richtig dargestellt, und 
die darin ausgesprochene Entrüstung ist nur das Echo 
des allgemeinen Urtheils. Der Vorfall ist folgender: 
dem preußischen Gesandten wurde bei seinem Ein 
treten vom Usher ein Platz auf der gerade nur von 
Damen besetzten Tribüne, als ihm von Amts wegen 
zukommend, angewiesen. Da erscheint Lord Broug 
ham mit zwei Damen, denen er Sitze verschaffen 
will; und da keine frei sind (besonders aus dem 
Grunde, daß man die linke Seite der Tribüne für 
die Herzogin von Cambridge offen hielt), ruft er dem 
Gesandten zu, er solle sich entfernen, wo nicht, so 
würde er, Lord B., die Sache vors Haus bringen. 
Der Gesandte zeigte sich natürlich nicht bereit, die 
Würde und die Ansprüche seiner amtlichen Stellung 
vor einer, wie ihm scheint, völlig unberechtigten jähen 
Laune des bekannten edlen Lord fallen zu lassen, der 
in diesen: Falle auch nicht einmal bei den Damen 
der Tribüne Unterstützung findet. Indessen zögert 
Lord B. nicht, die Sache nun wirklich vor das Haus 
zu bringen und sein Vortrag hat den unglaublichen 
— nur aus der Unbekanntschaft der. anwesenden Peers 
mit der Sachlage, so wie aus der Verlegenheit und 
Aengstlichkeit Sir August Cliffords zu erklärend en 
— Erfolg, daß Letzterer geht, um den Gesandten 
amtlich von seinem Platze wegzuweisen, der sich nun 
natürlich für den Augenblick fügt und das Haus 
verläßt. Doch hat er gleich darauf eine schriftliche 
Beschwerde über de» Vorfall an Palmerston einge 
reicht. 
D ä it c in tt V k. 
Kopenhagen, den 19. Juni. Unsere Regie- 
rung — schreibt „Flyveposten" — soll dieser Tage 
Depeschen aus Berlin erhalten haben, deren Inhalt, 
wie es heißt, die Aussichten zu einem schleunigen 
Frieden mit Deutschland mindern. Die preußische 
Regierung soll nämlich wieder verschiedene Einwen 
dungen wider das dänische Ultimatum gemacht haben 
und ist zugleich mit einem neuen Vorschlage hervor 
getreten, der zwar die von Preußen zuletzt aufge 
stellten Forderungen in ein paar Punkten abänderte, 
allein doch von einer Beschaffenheit gewesen sein soll, 
daß die dänische Regierung nicht darauf wird ein 
gehen können. Preußen wolle aber, fährt „Flyvep." 
fort, wie man sehe, die Sache nur m die Lange 
ziehen und Dänemark müsse energische Schritte thun, 
da der schwebende Zustand auf die Länge unerträg 
lich werde. 
Kopenhagen, den 20. Juni. Der König ist 
gestern zur Stadt gekommen und hat daselbst Staats 
rath gehalten; es sollen, nach „Flyveposteiv," die 
preußischen Vorschläge vorgekommen sein. — I" der 
gestrigen Sitzung des Volksthing bat B. Christensen 
folgende Interpellation an das Ministerium ange 
kündigt: „ob die Regierung einen bestimmten Plan 
oder Beschluß hinsichtlich der gegenwärtigen Verwick 
lungen in Schleswig gefaßt habe, und ob das Mi 
nisterium dem Reichstage vollständige Aufklärung 
über die gegenwärtige Stellung des dänischen Staats, 
gegenüber dem Auslande und namentlich Deuffchland, 
.eben wolle. Sonst enthalten die Blätter nichts von 
Zdeutung. 
Kopenhagen, den 20. Juni. Das Volksthing 
beschloß in seiner heutigen Sitzung bei namentlichem 
Aufruf mit 77 gegen 2 Stimmen, daß die Inter 
pellation Christensens stattfinden solle. Die anwe 
senden Minister stimmten nicht mit. Darauf machte 
der Justizminister im Namen des Premierministers 
die folgende Mittheilung: „Das Ministerium hat 
schon seit längerer Zeit gewünscht und war darauf 
vorbereitet, beiden Thingen eine Uebersicht über den 
Gang der Friedensunterhandlungen und die ganze 
polltische Stellung des Reichs zu geben. Das Mi 
nisterium glaubte indessen, daß, ehe es mit einem 
solchen Belichte hervorträte, es einen passenden Zeit 
punkt in den Unterhandlungen abwarten müsse. Dieser 
Zeitpunkt ist jetzt gekommen, zugleich ist es nun die 
Absicht des Ministeriums am nächsten Montag dem 
Reichstag diesen Bericht vorzutragen, was aber in 
einer heimlichen Sitzung geschehen müsse." 
„Fiyveposten" meint, diese Erklärung des Ministers 
deute darauf hin, daß die Regierung von einer in 
den Verhältnissen eingetretenen Wendung oder aus 
andern Gründen veranlaßt, in dem am Mittwochen 
abgehaltenen Staatsrath einen vefiniiiven Beschluß 
gefaßt habe. Von welcher Beschaffenheit dieser sei, 
könne man natürlich nicht wissen, aber jedenfalls 
könne man annehmen, daß die Sache nun eine Wen 
dung in einer oder der andern Richtung nehmen 
werde, denn dieser Zustanb der Ungewißheit in des 
Vaterlandes Lebensfrage lasse sich nicht länger er 
tragen. 
Die „Berl. Ztg." bestätigt es, daß Graf Revent- 
lou-Farve Kopenhagen nicht freiwillig verlassen habe, 
aber es sei unwahr, daß er auf der Straße insultirt 
wäre. 
Derrtschl-rnd. 
Berlin, den 20. Juni. Sobald die Umfassungs 
mauern des Denkmals im Jnvalidenpark stehen, sollen, 
wie verlautet, die Leichen der hier am 18. März 
gefallenen Soldaten in den dazu um das Denkmal 
bestimmten Raum mit militairischen Feierlichkeiten 
übergeführt werden. 
Berlin, den 21. Juni. Ein Soldat des 14. 
Regiments ist so eben zu achtzehnmonatlicher Straf 
arbeit verurtheilt worden, weil er desertirt und den 
ungarischen Krieg mitgemacht. Welches Recht haben 
unsre Halbofficiellen noch auf Oesterreichs Barbareien 
hinzuweisen? und dieser unglückliche hat doch nicht 
einmal gegen den eignen Herrscher das Schwert ge 
zogen. 
Die Schumacherinnung weigerte sich, zu der Ge 
dächtnißfeier am 18. Juni Fahnen und Contingent 
zu stellen. 
Greifswald, den 19. Juni. Herr Hassenpflug, 
Premier-Minister des Kurfürstenthum Hessen-Kassel, 
ist (bei dem heute gegen ihn anstehenden Termine 
in der bekannten Unterschleifsache) nicht erschienen 
und der Gerichtshof hat i» contumaciam gegen ihn 
verfahren. Der Bundestagsgesandte u. Premierminister 
Kurhessens ist, wie vorauszusehen war, seiner Strafe 
nicht entgangen. Des Verbrechens der Fälschung 
schuldig befunden, zu 14tägiger Gefängnißstrafe und 
in die Kosten verurtheilt, der Anstellungsfähigkeit für 
den preußischen Staat beraubt, ist ihm ausdrücklich 
die preußische National-Cocarde nur deshalb nicht 
entzogen, weil er unserm Staatsverbandc seit dem 
Februar d. I. nicht mehr angehört. Der Gerichts 
hof war zusammengesetzt aus dem Director Dr. Teß- 
mann und den Assessoren Wuthenow und Sonnen 
schmidt. Das dem Vorsitzenden verkündete Urtheil 
rief ein lebhaftes Bravo des zahlreichen Publicums 
aller Stände und aller politischen Partheien hervor, 
eine Manifestation der öffentlichen Meinung, welche, 
weil sie gegen die gesetzlichen Vorschriften verstieß. 
Hr. Director Teßmann sich zu rügen gezwungen sah. 
Schleswig-Holstein. 
Kiel, den 19. Juni. Da in verschiedenen Zei 
tungen ungenaue und unrichtige Berichte über eine 
neuerdings stattgehabte Beschießung dänischer Kriegs 
schiffe aus einer Seebatterie im östlichen Holstein 
enthalten sind, so sehen wir uns veranlaßt, aus zu 
verlässiger Quelle nachstehend den genauen Sachver 
halt mitzutheilen. 
Schon seit dem 25. Mai liegen mehrere dänische 
Kriegsschiffe ziemlich stationair in der ungefähren 
Entfernung von 2 Meilen von Heiligenhafen an 
beiden Seiten des Fehmar-Sundes. Am'3. Juni 
segelte eine etwa NNW. von Heiligenhafen stationirte 
dänische Kriegsbrigg von circa 16 Kanonen auf die 
dortige Strandbatterie zu; als sie noch 4000 bis 
5000 Ellen von derselben entfernt war, wurde zuerst 
ein loser Schuß ohne Kugel und dann ein zweiter 
scharfer Avertissements-Schuß, jedoch vorbei, durch 
die Batterie abgegeben, worauf das Kriegsschiff den 
Cours ändernd, sich entfernte. 
Am 5. Juni gegen 11 Uhr Morgens kam ein 
großes dänisches Kriegsschiff, wahrscheinlich Holger 
Danske, nachdem es erst mit der oben erwähnten 
Kriegsbrigg communicirt hatte, auf die Strandbatterie 
zugestgelt, erhielt zuerst einen losen, sodann einen 
scharfen Avertissements-Schuß vorbei und da es diese 
Warnung nicht respectirte — vielmehr ohne zu wen 
den, oder beizulegen, den Cours direct auf die Batterie 
fortsetzte, so wurde in kleinen Intervallen zweimal 
scharf auf dasselbe geschossen, in ungefährer Entfer 
nung von 3 bis 4000 Ellen; jedoch liegt keine Mel 
dung vor, daß das Dampfschiff von diesen beiden 
Schüssen getroffen worden ist;'es ist auch schon in 
Anbetracht der zu großen Entfernung von 3000 bis 
4000 Ellen anzunehmen, daß dies nicht geschehen sei. 
Aus der obigen Darstellung ergiebt sich, daß von 
Seiten unserer Strandbatterie nichts geschehen ist, 
was nicht mit dem Völkerrecht und dem allgemeinen 
Kriegsgebrauch im vollkommensten Einklang steht. 
^ (A. M.) 
Kiel, den 22. Juni. Wir erfahren, daß der 
Statthalter Gras Reventlou sein Amt als Kloster- 
probst des adligen Convents in Preetz in diesen Ta 
gen niederzulegen gedenkt. Als 'Motiv für diesen 
Schritt wird angegeben, daß die vielfachen Geschäfte 
der Klosterprobstei, welche die obrigkeitliche Behörde 
über einen District mit fast 18,000 Einwohnern bil 
det, eine längere interimistische Verwaltung nicht wohl 
gestatteten. Da diese interimistische Verwaltung in 
dessen schon über zwei Jahre stattgefunden hat, ohne 
daß diese unstatthaft gefunden ist, so möchten noch 
andere Gründe hinzukommen, welche gerade jetzt die 
sen Entschluß hervorrufen. 
Die „N. Pr. Ztg." schreibt Folgendes: Wenn 
hiesige Blätter mittheilen, daß die Unterhandlungen 
der dänischen Bevollmächtigten mit der diesseitigen 
Regierung am 13. d. M. hier wieder ausgenommen 
worden seien, so ist dies in so fern unrichtig, als 
die Unterhandlungen am hiesigen Orte gar nicht un 
terbrochen gewesen sind. Gewiß ist, daß die prcuß. 
Regierung dieser Tage den dänischen Bevollmächtigten 
eine neue Erklärung hat zugehen lassen, durch deren 
Inhalt sich die letztern abermals nicht befriedigt ge 
fühlt haben. Es hat ganz den Anschein, als ob 
Dänemark und die Herzogtümer ihren Streit auf 
die eine oder die andere Weise allein zum Austrag 
bringen werden. 
— Das „C. B." schreibt: In gutunterrichteten 
Kreisen zweifelt man an einer nahen Lösung der 
dänisch-schleswigschen Differenzen. Dänemark soll in 
seinen Vorschlägen und Verhandlungen je länger ķ
	        
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