mehr erkennen lassen, daß cs eine friedliche Schlich
tung nicht wünsche, und Preußen wird zu keinem
Schritt um des Friedens willen sich drängen lassen,
der mit seiner Ehre, mit den Beschlüssen der Bun
desversammlung, auf welchen Preußens Stellung in
dieser Frage beruht, und mit den guten Neckte» der
Herzogthümer nicht im Einklänge steht. In diesem
Sinne soll Herr v. Usedom das jüngste dänische
Expose beantwortet haben. Die Ausführungen dieser
Replik stützen sich dem Vernehmen nach vorzugsweise
aus den Inhalt des der preußischen Regierung durch
den Bundesbeschluß vom 4. April 1848 ertheilten
Mandats. Darnach hält Preußen sich zu keinem
Absckluß berechtigt, der die Reckte der Herzogthümer,
vor allen anderen aber die staatsrechtliche Verbindung
Schleswigs mit Holstein, zu verkümmern geeignet
sein würde. Preußen kann daher so wenig eine
Einverleibung zulassen, als es das Recht einer an
deren Macht zu interveniren anzuerkennen vermag.
Namentlich würde ein solches Jnterventionsrecht. von
welcher Seite dasselbe auch angesprochen werden sollte,
mit Entsckiedenheit zurückgewiesen werden müssen.
Die „Kölner Ztg." läßt sich schreiben:
Berlin, den 17. Juli. Die Friedensunterhand
hingen sind mit den Dänen wieder im Gange. Der
einsacke Friede, vorbehältlich der aus den Bundes
beschlüssen von 1846 und vom 4. April 1848 fol
genden Rechte, so wie der Bnndesschutz Holsteins
wird die Grundlage bilden. Selbst diese aus den
Bestimmungen der Wiener Schluß-Acte (Art. 41 bis
45) sich ergebende Forderung erregt das Befremden
der Diplomatie, welche nicht bloß Schleswig mit
fremder Intervention beglücken möchte. Der Bnn-
desbeschluß vom 15. Sept. 1834 hat aber entschieden
jede Einmischung fremder Mächte in die innern An
gelegenheiten Deutschlands zurückgewiesen, den Unter
Zeichnern der Congrcß-Acte jedes Schutzrecht über
Bundesgliedcr abgesprochen, ja den Mäckten die Der
bmdllchkeit zuerkannt, sich jeder Einmischung zu ent
halten, weil die Unabhängigkeit des Bundes gegen
das Ausland nur den Absichten und Zwecken der
Bundesstifter entsprechend sei. Eine fremde Inter
vention würde Preußen im Namen Deutschlands in
Schleswig schon um der Lage Norddeutschlands willen
nicht zugeben. Das ganze Land ist bis nach Minden,
Magdeburg und Spandau zu, weder durch Natur
noch durch Festungswerke geschützt. Welche Bedeu
hing würde eine fremde Macht, etwa Rußland, für
Deutschland Haben, wenn sie Alsen besetzte, und diese
furchtbare Angriffsposition gegen Deutschland im
Besitz behielte! Die Nichtintervention soll daher
wie behauptet wird, falls der Krieg zwischen Däne
mark und Holstein ausbräche, besonders festgestellt
werden. Wrr müssen nach den sich wiederholenden
Forderungen der Dänen fast verzweifeln, daß sie in
etwas willigen werden, wodurch ihnen nicht die de
finitive Abtretung Holsteins und die Unterwerfung
der Herzogthümer durch Preußen gesickert ist. Dä
nenfreunde erklären hier ganz naiv, es' wäre sonder
bar. wenn Dänemark in Zeitverhältnissen nachgiebig
sein jollte, welche seinen Plänen mehr als je günstig
wären. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat
das däu. Ministerium denn auch die Verhandlungen
mit den Vertrauensmännern abgebrocken.
— Eine Kopetihagener Corresp. der „Köln. Ztq"
lchreibt vom 15. Juni: Vor einigen Tagen kam
mir eine Abschrift eines Protokolls der tzondoner
Conferenzen zu Gesicht, in welchem die Garantie
des dänischen Gesammtstaates, wenn auch noch nicht
ganz direct, von Rußland. England und Frankreich
ausgesprochen ist. Ich wundere mich, daß die deut
sche Presse davon noch keine Kunde bekommen hat
denn Abschriften sollen sowohl nach Wien als nach
Berlin gekommen sein. Giebt Preußen so weit nach,
daß die Casino-Minister den Frieden annehmen zu
können glauben, so fängt der Krieg an, denn die
dänische Armee muß, um beisammen zu bleiben, be-
schastigt werden.
— Einer Mittheilung aus Berlin vom 20. Juni
in den „Hamb. Nachrichten" zufolge, soll der Polizei
Präsident von Berlin. Hr. v. Hinkeldey. dem Gene
ral v. Willisen. eine Aufforderung haben zugehen
lassen, sich binnen sechs Wochen in Berlin zu stellen,
widrigenfalls derselbe seiner Rechte als Preuße ver
lustig wäre.
Die „N Pr. Ztg." schreibt: Wen» es seit Eröff
nung der Friedens-Unterhandlungen Hierselbst den An-
schein hatte, als suche man dieselben dänischer Seits
hinauszuschieben, so steht doch jetzt entsckieden fest
dag die dänischen Bevollmächtigten mit aller Kraft
dahin streben, die Unterhandlungen ihrem Ende,
welches dieses auch sei, zuzuführen. In Bezug auf
die in der letzten, von uns bereits erwähnten Er
klärung des preuß. Bevollmächtigten, Herrn v. Use
dom, enthaltenen Vorschläge haben die dänischen Com-
missarie» sogleich nähere Erläuterungen nachgesucht,
die ihnen auch bereits zugestellt worden sind. — Es
iinrb behauptet, daß die Letzteren von Kopenhagen
den gemessenen Befehl erhalten hätten, so früh als
möglich einen endlichen Austrag der Unterbandlungen
herbeizuführen, weil man daselbst nicht' länger im
Stande oder gewillt sei, euren gerüsteten Waffenstill
stand den Herzvgthümern gegenüber beizuhaltcn
— Da die „N. Pr. Z." über die Absichten der
dänischen Regierung i» der Regel gute Quellen hat,
die obige Mittheilung überdies zusammentrifft mit'
einer gestern von der „Köln. Ztg." gebrachten An
deutung. so gehört demnach ein baldiger Abschluß
des sogenannten einfachen Friedens in Berlin nicht
zu den Unmöglickkeiten. Der Angriff Dänemarks
auf Schleswig würde aller Wahrscheinlichkeit nach
dem Abschluß des Friedens mit Preußen unmittelbar
folgen. Das dänische Ministerium scheint durch das
immer mächtigere Andringen der Friedenspartei Tscher-
lÜNg bewogen, den Versuch einer gewaltsamen Lö
sung zu beschleunigen.
— Der Oberstlieutenant Hann v. Weyhern, ehe
maliger Commandeur des ersten Dragonerregiments,
hat von Berlin aus folgende Worte des Abschiedes
an gedachtes 'Regiment erlasftn:
„Da heute meine Verabschiedung aus schleswig-
holsteinischen Diensten mir zugegangen ist, kann ich
nickt unterlassen, das Regiments-Commando zu er
suchen. nachstehende wenige Worte an mein altes
treues Regiment gelangen zu lassen:
Es ist eine schmerzliche Veranlassung, die mich
heute zum letzten Male einige Worte an Euch
richten läßt. — Gezwungen durch die Verhältnisse
war ich genöthigt, um meine Entlassung zu bitten;
sie ist mir unter dem 31. v. M. ertheilt, heute
zugegangen, und es drängt mich. Euch, meinen
treuen Freunden und Kameraden, noch ein herz
lichcs Lebewohl zu sagen, Euch meinen Dank aus
zusprechen für den vortrefflichen Geist, für den
Geist der Ordnung und Discivlin, den Ihr mir
bei jeder Gelegenheit gezeigt habt.
Ich scheide tief betrübt aus Eurer Mitte, denn
Ihr Alle wäret mir an's Herz gewachsen und ich
fand mein ganzes in meiner Stellung zu Euch;
habt Ihr mich aber geliebt und geachtet, so haltet
auch fortan jenen vortrefflichen Geist aufrecht unter
Euch zu Eures Vaterlaudes Besten, das wird noch
in der Ferne mich beglücken, und wenn alle Welt
Euch rühmt, dann werde ich mit Stolz sagen:
„Das war mein Regiment, das waren meine
wackern Dragoner." lind nun lebt wohl, meine
Kameraden, gedenket in Liebe Eures alten Com
mandeurs.
Berlin, den 7. Juni 1850.
Hann v. Weyhern.
Husum, den 17. Juni. Der wegen der schles
wig-holsteinischen Jnvalidenstiftung rühmlichst bekannte
hiesige Frauen-Verein hat nunmehr über die am 3.
d. M. hier stattgehabte Derloosung öffentlich Rechen
schaft abgelegt, wornach sich eine reine Einnahme
von 2596 Mk. 5y 2 ßl. Cour, ergiebt und cs hat
sich noch ein Ungenannter, ein Landmann hiesigen
Amtes, erboten, dieser unebenen Summe so viel hin
zulegen zu wollen, daß sie auf 2650 Mk. Cour, ge
bracht werde, welche Offerte mit dem größten Dank
angenommen worden ist. Legt man nun hinzu die
aus der Schillingssammlung hierorts sich resultiren
den reichlich 2100 Mk. Cour., so ergiebt sich die er
kleckliche Summe von ca. 4800 Mk. Cour., und man
sieht hieraus, daß hier alles Mögliche für die Stiftung
gethan worden ist. — In Bredstedt wird nächstens
eine gleiche Verloosung vorgenommen werden, wozu
bereits reichlich 4000 Loose à 4 ßl. vergriffen sein
sollen. — Aus der benachbarten reichen und patrioti
scheu Landschaft Eiderstedt fehlen hier bestimmte Nach
richten darüber, was dort für die besagte Stiftung
geschehen ist. Merkwürdig ist es. daß man nichts
von Sammlungen und Berloosungen dort liest; an
genommen wird es hier, daß im Stillen dort gewirkt
und dieser District Husum und Bredstedt in dieser
Stistungssache weit überflügeln wird.
Flensburg, den 20. Juni. Das Gerücht von
dem Plan eines'Lagers im Nordwesten erneuert sich.
Die Gegend von Tingles, zwischen Apenrade und
Tondern, wird als das ausersehene Terrain genannt.
Ob Neutrale ober die Dänen zunächst sich den Platz
ersehen haben, darüber herrscht Ungewißheit; weniger
freilich wohl darüber, wem zuletzt und in der Wirk
lichkeit der Plan zu Nutzen kommen soll.
Die Dänen .scheinen sich wirklich auf große Dinge
gefaßt machen zu wollen; selbst im nördlichen Alsen
werden Schulen für Lazarethe in Anspruch genommen.
Gestern wurde der bei den hiesigen Lazaretheu
der Neutralen angestellte dänische Oberarzt oder Ober
stabsarzt Hedemann nach Dänemark und zwar nach
Jütland abgerufen. Dieses Factum giebt eine treffende
Parallele ab für die Sorge, welche die Dänen in
dieser Zeit überhaupt für die Einrichtung von Mili-
tairlazarethen an den Tag legen. Den' abgerufenen
dänischen Arzt wird nicht ein anderer dänischer Mi-
litairarzt ersetzen, sondern ein hiesiger Arzt.'welcher
in der letzteren Zeit einmal wieder dänische Farbe
zeigt.
Mancher Orten in Dänemark ist man mit dem
Treiben in Kopenhagen nicht einverstanden, sondern
gar sehr unzufrieden. Jnsbejondere gilt dies von
den Bauern in dem Amte Holbeck auf Seeland Ihr
Unmuth über das Verhalten des Reichstages oder
Volksthings soll sehr groß kein.
Apenrade, den 21. Juni. In der vergan
genen Nacht ward unser Mitbürger Kopperholdt
plötzlich durch die Schergen unserer Gewalthaber aus
,einem Bette gerissen und in ein Verbrechergefänq-
niß geworfen. Die Statthalterschaft hatte Tondern
zu unserm Wahlort bestimmt und Kopperholdt suchte
nun gestern die nöthigen Vorbereitungen für eine
Fahrt nach Tondern zu treffen. Dies ist von unsern
TwingHerrn als ein Verbrechen angesehen und hat
seine Einkerkerung zur Folge gehabt. Wir sind be
müht, ihm durch Cautionsstellung wenigstens eine
etwas erträglichere Lage zu verschaffen. Bisher war
Alles vergeblich. — Trotzdem ist die Stimmung l ier
eine jehr entjchlossene; fällt auch der Himmel ein,
wir wählen.
Rendsburg Bei der kürzlich stattgehabten
Uebersiedelung der Karrenstcäflinge von hier nach
dem Zuchthause in Glückstadt betrug die Zahl der
selben 37, wovon 33 geborne Dänen und die andern
4 deutscher Abkunft waren. Von den 33 der däni
schen Nationalität angehörenden Individuen sind ver
urteilt: 20 zu lebenswieriger Sklaverei und die
übrigen 13 auf eine verschiedene Anzahl von Jahren;
von den Deutschen: 3 zu lebenslänglicher Strafzeit
und 1 auf eine bestimmte Anzahl von Jahren.
Der General von Rauch über Schleswig-
Holstein.
(Aus der Reform.)
Gewiß von ungeheurer Gewichtigkeit sind die
Worte dieses in jeder Beziehung höchst ausgezeich
neten leider kürzlich verstorbenen Militairs. der sel
ber bei dem Berliner Hofe in großem Ansehen und
vielbeneideter Gunst stand, die Worte, die er, un
längst nach einem mehrwöchigen Aufenthalte in
Schleswig-Holstein von dort zurückgekehrt und dem
Tode, möchte man schmerzlich sagen, schon so gut
als verfallen, gegen sehr hoch gestellte Männer und
m Gegenwart des ersten preußischen Diplomaten
ausjprach. Es ist kaum möglich, sich richtiger und
präziser über das Verhältniß unserer Herzogthümer
auszudrücken, als General Rauch es in diesen Wor
ten gethan hat, er, der dies Verhältniß während
seiner Anwesenheit in Schleswig-Holstein mit seinem
durchdringenden Scharfblicke vollkommen durchschaut
und erkannt hatte. „Glauben Sie mir", sagte er.
„der Tractat vom 10. Juli hätte nun und nimmer
mehr geschlossen werden dürfen, das war ein gro
ßer Fehlgriff. Man braucht kaum mehr als einen
achttägigen Aufenthalt in Holstein und Schleswig,
um aufs Klarste einzusehen, daß es eine reine Un
möglichkeit, die in sich so genau vcrwacksenen Her
zogthümer von einander zu trennen."
Wir wollen von Herzen wünschen, daß diese gol
dene»-Worte des jetzt dahingeschiedenen Ehrenman
nes in silberne Schalen gefallen sein mögen.
Ständewahl.
In Nr. 50 d. Bl. findet sich ein Artikel „Wahl
angelegenheit" überschrieben, der uns zu einigen Be
merkungen veranlaßt.
Es wird zunächst darauf gedrungen Keinen von
den bisherigen Ständedeputirten wieder zu wählen,
weil diese dem Lande in den letzten 2 Jahren nichts
genützt, sondern es in einem so unglücklichen Zustand
verletzt haben, aus dem es um jeden Preis, gleich
gültig in welchen andern Zustand, gebracht werden
muß. Es Jveiß nun jedes Kind, daß an dem jetzigen
traurigen Stande der Dinge nicht unsere Landesver
sammlung Schuld ist: der Verfasser des Aufsatzes
weiß es aber auch selbst, da er mit dürren Worten
lagt, daß die Diplomatie die Schuld trage; es ist
dies ein handgreiflicher Widerspruch, so handgreiflich,
daß es uns an der Aufrichtigkeit des Vers, zweifeln
läßt. Es ist dies nicht der einzigste. Der Vers,
schlägt zwei Mittel vor aus der jetzigen Lage her
auszukommen: wir sollen entweder den Krieg er
öffnen und uns schlagen bis auf den letzten Mann —
mit diesem entweder scheint es nicht aufrichtig ge
meint zu sein: denn erstlich weiß der Vers, sehr wohl,
daß grade unsre Landesversammlung sehr energisch
auf Krieg gedrungen hat, und es ihr also nicht zur
Last gelegt werden kann, wenn das vom Vers, vor-
gescklagene Mittel nicht ergriffen ist. zweitens
scheint es dem Vers, auch nicht sonderlich Ernst mit
dem Dareinschlagen zu sein nach den Worten „in
ihren Händen liegt es, ob wir noch einige Tausende
von unsern Kindern tödten und verkrüppeln lassen
wollen, oder uns mehr dem Frieden hinneigen."
Wenn man also annehmen muß. daß derselbe sein
entweder selbst verwirft, so bleibt nur sein oder
übrig. Dieses oder ist nun nichts andres als im
Vertrauen auf die Grvßmuth unsrer Feinde uns auf
Gnade und Ungnade zu ergeben. Wer freilich nach
allem bisher erlebtem noch etwas von der Großmut!)
unsrer Feinde hoffen kann, mit dem läßt sich nicht
streiten, es muß der Maun nicht ganz zurechnungs
fähig sein. Hat er sich je einmal klar vergegenwärtigt,
was die Folgen einer solchen Ergebung sein würden?
wenn wir uns machtlos und entwaffnet selbst in die
Hände der Dänen lieferten? Oder ist er eben selbst
nur kein Grundbesitzer, den keine Abgaben drücken
würden, mit denen wir die Kriegskosten zu bezahlen
hätten? Oder hat er eben selbst keine Söhne, die
nach Friedericia oder Kopenhagen geschleppt wurden,
um dort für ihr Deutjchseinwollen von Unterofficieren
cujonirt zu werden? oder ist er eben selbst kein
Rendsburger um sich hier in Rendsburg selbst von
dänischen Lieutenants hudeln zu lassen? Oder tröstet