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Resŗdsburger
Jahrgang.
M L2.
Sonnabend, den 29. Juni
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Ķ, M llb ' "ķchahrlrch 19 ßl., «nd wen» es von der-Expedition abgeholt wird, 17 fit. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei d
lahrlrch 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. 9 ' 19
: »An die Expedition
.-'---.z Buttes
den Post-
Tagesgeschichte.
D ä n e m à V k.
Kopenhagen, den 22. Juni. Die „Berl.
Ztg." spricht in Folge der Erklärung der Negierung,
es sei der paffende Zeitpunkt zu einer Mittheilung
au den Reichstag ihre Vermuthungen aus. Sie
meint, man könne ohne Wiederspruch ^behaupten, daß
wiederholte und abermals wiederholte Versuche eines
halben Jahres die Unmöglichkeit dargethan hätten,
die Präliminarien vom 10. Juli v. "I. in einem
wirklichen, endlichen Friedensschluß zu wahrem Leben
zu bringen: daß Preußen die Dinge in der Schwebe
halte und daß die Großmächte im Augenblick auch
nicht viel vermöchten. Wenn nun die Unterhand
lungen so ständen — und die ganze Armee an deren
Seite seit längerer Zeit vollständig gerüstet — „so
Muß sicher der ministerielle Ausspruch, daß der paffende
Zeitpunkt zu einer Mittheilung von Seiten der Re
gierung jetzt (gerade jetzt) eingetreten ist. eine ganz
besondere Bedeutung erhalten', so gewiß wie diese
Mittheilung vernünftiger Weise offenbaren wird, was
die Regierung unter verschiedenen Voraussetzungen,
und zwar solchen, von denen die eine oder die an
dere sehr bald zur Wirklichkeit werden muß,
ohne weiteres Bedenken vorzunehmen beabsichtigt.
Dieser endliche Beschluß wird also den vom Volke
Erwählten bekannt gemacht werden, so wie man all
gemein annimmt, daß derselbe jetzt auf dem Wege
Nach Berlin ist, eine Vermuthung, die durch den Um
stand verstärkt wird, daß einer von den höhern Be
amten im Ministerium des Auswärtigen gestern über
Wismar dorthin abgegangen ist, als Ueberbringer
von Briefschaften an unsere Bevollmächtigte."
„Flyveposten sagt: Der Kammerjunker Quaade
sei am Donnerstag als Courier nach Berlin geschickt,
um der preußischen Regierung Dänemarks letztes Wort
in Betreff des Friedens zu überbringen, und es heiße,
daß ein fester Termin bestimmt sei, innerhalb dessen
die Antwort erwartet werde. Laufe dieselbe inzwi
schen nicht ein — man meine in der nächsten Woche —
so nehme die dänische Regierung an, daß sie nach
eigenem Gutdünken, und dem Beschluß genläß han
deln dürfe, der wie man meine, in der Staatsraths
sitzung vom Mittwoch gefaßt sei. Sie kenne diesen
Beschluß allerdings nicht, aber es sei kein Ausweg,
als das Heer in Schleswig einmarschiren zu lassen,
oder es aufzulösen. Das Letzte führe zu einem ent
ehrenden Frieden, sie sei daher selbstverständlich für
das Erstere. — Nach demselben Blatte hat der Ge-
neralpostdirector beim Finanzministerium einen Plan
zu einer gründlichen Veränderung des Briefportos
eingereicht.
Die „Kjöbenhavnspost" zweifelt au der Bedeu
tung des neulichen Staatsrathsbeschlusses. Man
habe sicher keine Unabhängigkeitserklärung beschlossen,
dann aber würden die bestimmtesten Beschlüsse auf
nichts Anderes hinauslaufen, als auf Vorschläge an
die „befreundeten, vermittelnden Mächte", es sei denn,
daß die Reichstagsversammlung am Montag der
Sache eine andere Wendung gäbe, oder daß der Kaf
fer von Rußland seine Autorität einlegte, man wisse
aber schon von Warschau daß dieser Politicus sich
dazu nicht bewegen lasse.
Kopenhagen, den 25. Juni. Gestern fanden
im Landesthrng und im Volksthing geheime Sitzun
gen Statt, in denen die angekündigten Mittheilungen
über den Gang der Unterhandlungen bis zu dem
bor einigen Tagen an Preußen gesandten Ultimatum
gemacht wurden. Diese Mittheilungen nahmen 1 V?
Stunden fort. Ueber den Inhalt dieses Ultim atum s
sagt hie „Berl. Ztg.": „So weit wir erfahren, soll
dasselbe im Wesentlichen darauf ausgehn, daß ent
weder ein Separatfrieden mit Preußen ab
geschlossen werde, oder, wenn dieser nicht zu Stande
kommen könne, der erste Punkt in den gehei-
men Artikeln der Friedenspräliminarien v. loten
Juli v. I. in Kraft trete, ft daß die neutralen
Truppen Schleswig verlassen und dieses von dänischen
Truppen besetzt werde. Wenn dann Unterwerfung
und Gehör,am in den Herzogthümern hergestellt
sei, sollte nach dem dänischen Vorschlage, Se. Maj.
der König eine Anzahl Schleswiger ernennen, zugleich
mit einer beiderseits gleichen Zahl von Männern aus
Dänemark und Holstein, die ein Bedenken in Betreff
der endlichen Ordnung der Verhältnisse abgeben
sollten."
Im Landsthing hat über diese Mittheilungen keine
Discussion Statt gefunden, im Volksthing sich da
gegen eine Debatte entsponnen, die vier Stunden
dauerte, und an der sich besonders B. Christiansen,
Monrad, David und Tscherning betbeiligten, ft wie
vom Ministerium: Spr"neck, Clausen, Hansen und
Zahrtmann, die mehrer" nähere Aufklärungen über
die Unterhandlungen und Rüstungen gaben. Es heißt,
daß vielleicht noch eine geheime Sitzung Statt fin
den wird.
Die „Flyvepost" theilt über die Unterhandlungen
mit Preußen einen Bericht, der dem der „Berling-
schen Ztg." ziemlich ähnlich ist. Sie sagt: „Erst am
Donnerstag wird Kammerjunker Quaade mit der
Antwort der preußischen Regierung auf die dänischen
Vorschläge zurück erwartet. Diese gehen nach dem
was wir erfahren daraus aus, daß vom König eine
Vermittelungscommission erwählt wird, aus drei Hol
steinern, drei Schleswigern und drei Dänen beste
hend, um die stattfindenden Zwistigkeiten zu erledigen,
während mit Preußen für Deutschld. ein einfacher Friede
abgelchlossen wird; bis jene Commission mit ihren Unter
handlungen fertig wird, soll Schleswig von dänischen u.
neutralen Truppen besetzt werden. Sollte Preußen
trotz der Billigkeit (!) dieser Vorschläge, denen die
anwesenden Gesandten der bei Erledigung der Frage
interessirten Großmächte beigetreten sein sollen, sich
nicht veranlaßt finden, darauf einzugehn, so verlangt
Dänemark die Erfüllung der geheimen Artikel des
Waffenstillstandes, welche bestimmen, daß Preußen
seine Truppen aus Schleswig ziehen soll, und dem
dänischen Heer das Recht zum Einmarsch geben. Dasselbe
Blatt sagt, der Reichstag werde vermuthlich am
Sonnabend aufgelöst werden.
Deutşchimsd.
Frankfurt, den 18. Juni. Graf Blome,
eurer der reichsten, wenn nicht der reichste Gutsbe
sitzer Schleswig-Holsteins (nicht zu verwechseln mit
dem frühern dänischen Gesandten zu St. Petersburg
gleichen Namens) hielt sich in diesen Tagen hier aus.
Derselbe ist auf flüchtigem Fuß, weil er sich des
Landesverraths schuldig machte, und deshalb von der
Statthalterschaft in Anklagestand versitzt wurde. Nach
dem er 1848 am Kriege gegen Dänemark eifrigen (?)
Antheil genommen, suchte er später seine Gutsange
hörigen, welche in der schleswig-holsteinischen Armee
dienten, zum Ueberlaufen in's dänische Lager zu ver
führen, und entwich, als ihm dieses mißlungen war,
nach Kopenhagen. So lautet, wie ich höre, die An
klage. Sollte er auf einer Sendung für Dänemark
begriffen sein — dies wird nämlich behauptet — ft
hoffen wir doch, daß kein deutscher Hof einen zum
Feinde übergelaufenen Deutschen annehmen werde.
™ ^ • (A. Z.)
Mannheim, den 22. Juni. In diesem Au
genblick ist General Wrangel hier angekommen. Der
selbe wird morgen die badischen Truppen vor dem
Ausmarsch Revue passiven lassen.
Baden. Einer Correspondenz des „St Galler
Boten" entnehmen wir folgende Beispiele der bar-
barischcn Prügelherrschast in Baden: Vor wenigen
Tagen sind zwei Knaben — in Engen und Stockach —
den Prügeln erlegen, und werden wahrscheinlich jetzt
schon gestorben sein. Der in Engen, weil er Abends
beim Heimgehen jauchzte, mußte 25 Stockstreiche
aushalten. Beim zwölften war er ohnmächtig, und
dem in Ohnmacht befindlichen wurden dessen unge
achtet die dreizehn übrigen noch aufgehauen, damit
die Zahl, das Maaß voll werde. Ein dabei stehen
der anderer Knabe meinte, das wäre doch nicht christ
lich, worauf auch dieser fünfzehn Streiche erhielt
In Stockach wurde ebenfalls ein Knabe in der irr-
thümlichen Meinung, er habe einem Preußen die
Munition aus der Tasche genommen, also völlig un
schuldig, dermaßen geprügelt, daß er jetzt sterben
muß, wenn er nicht schon vollendet hat.
Stralsund, den 20. Juni. Bekanntlich be
findet sich eure Anzahl größteutheils gebildeter junger
Leute aus Berlin wegen politischer Vergeben in der
hiesigen Strafsection, deren Arbeit im Karren von
Erde und ähnlichen Beschäftigungen zn dem Festungs
ban besteht. Einer derselben, weicher vor dem Fran-
kcnthore beschäftigt war, suchte am 18. d. M dem
Patroullleur zu entspringen. Letzterer, welcher ihn
verfolgte, feuerte sein Gewehr dicht am v d Oster-
schen Garten auf ihn ab. Der sich Flüchtende fiel
da ihn ein Rehposten traf, in den hierbei befindlichen
trocknen Graben. Hierauf (Einige erzählen, während
der Verfolgte im Aufstehen begriffen war, Andere,
während er schon aufgerichtet dastand) stieß ihm der
Patrouilleur das Bayonnet von hinten durch den
Rücken, daß die Spitze vorn an der Brust wieder
herausdrang. Der Unglückliche stürzte hierauf in dem
Graben zusammen, während das Blut seinen Körper
bedeckte. Es versammelte sich sofort eine große An
zahl Menschen um das beklagenswerthe Opfer bei
welchem der patrouillirende Soldat theilnahmlos und
ohne das gerrngste Zeichen einer Regung dastand
ruhig die Hände auf das Gewehr gelegt, dessen
Bayonnet noch vom Blute des Durchstochenen bedeckt
war. Es dauerte beinahe eine ganze Stunde ehe
ärztliche Hülse herbeigeschafft wurde, worauf'man
den Armen in das Lazarett) schaffte, der sich noch
am Leben befinden soll. Der Unglückliche ist der
Assessor Kaiser aus Berlin, und hat Mutter und Ge
schwister. In den lichten Augenblicken beklagte er
seine Mutter uud die Seinigen, nach denen er große
Sehnsucht hatte.
Die „Hamb. Nachrichten" schreiben Folgendes:
Hamburg, den 25. Juni. Mit der von uns
gegebenen Nachricht über die Anleihe der schleswig-
holsteinischen Klöster und adligen Güter, die'von so
verschiedenen Seiten als gänzlich unbegründet darge
stellt worden ist, hatte es seine vollkommene Richtig
keit, »wie sic uns denn auch aus untrüglicher Quelle
zugekommen war. Späterhin eingetretene Umstände
haben allerdings die Ausführung dieser Maaßregel
verhindert, wie sich aus dem nachstehenden Circulair
des betreàà«Mà>Şerhauses ergiebt: „Denen,
welche sich bei der Anleihe der schleswig-holsteinischen
Gutsbesitzer durch die mir zugekommene Zeichnung
betheiligen wollten und dieses vielleicht noch beab
sichtigen, zur gefälligen Nachricht, baß durch eine
jüngst erschienene Bekanntmachung der Landesver
waltung, die im neunten Stück des Gesetzblattes der
Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig-Hol
stein, -1. 'I. 10. April 1850, zugesicherte Ermächti
gung der Landesversammlung sich nicht auf die Klöster
und adeligen Güter von Schleswig bezieht, vielmehr
jene Güter ausdrücklich von der Gesammt-Commüne
ausgeschloffen bleiben. Da es nun zur ausdrücklichen