Jahrgang.
43fö
Nenösburger
M 53.
Mittwoch, den 3. Juli
L8LO.
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnunqr „An die
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. - Der Preis dieses Rlän
ist für Interessenten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen be den
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. " ^
Tagesgeschîchte.
Großbritannien.
London, den 28. Juni. Gestern Abend wurde
ein wahnsinniges Attentat auf die Königin verübt.
Sie war in Begleitung dreier ihrer Kinder und der
Viscounteß Joceln bei dem kranken Herzog von
Cambridge zum Besuche gewesen und wollte in den
Wagen steigen, um sich nach Buckingham-Palace zu
rückzubegeben, als ein Mann aus der aus dem Hofe
versammelten Zuschauermenge aufsic zutrat und mit ei
nem schwarzen Stock einen scharfen Hieb nach ihrem Kopse
führte, der aberweiter keine Folge hatte, als das ihr der
Hut ins Gesicht gedrückt wurde. Die Königin ordnete
ihren Hut, ohne Unruh zu verrathen, und fuhr so
fort nach Buckingham-Palace. Zwei Stunden später
erschien sie in der ita!.Oper, wo sie mit unendlichem
Jubel empfangen wurde. Der Thäter ward sofort
von der Menge ergriffen, die in ihrer Erbitterung
nahe daran war. eine Lynch-Justiz an ihm zu üben,
als er durch einen herbeieilenden Sergeanten ihrem
Angriff entzogen und nach der Polizei-Station abge
führt wurde. Hier machte er im Verhör die Aus
sage, daß er Robert Pate heiße und früher Lieute
nant beim 10. Husarenregiment war. Auf die Frage,
was er auf die gegen ihn erhobene Anklage zu er
wiedern habe, antwortete er: es sei wahr, daß er
Ihrer Majestät einen leichten Schlag mit einem dün
nen Stock versetzt habe, aber, fügte er emphatisch
mit Hinweisung auf die Zeugen hinzu, diese Men
schen da können nicht beweisen, ob ich sie auf den
Kopf oder auf den Hut geschlagen habe. Der Ver
haftete ward darauf nach dem Polizei-Gefängniß ge
führt. Bei der Durchsuchung fand man bei ihm 2
Schlüssel und ein Schnupftuch, aber kein Geld und
keine Waffe irgend welcher Art. Der Stock war
nicht dicker als ein gewöhnlicher Federkiel, und nur
2 Fuß 2 Zoll lang; er wog keine volle 3 Unzen.
Aus den eingezogenen Erkundigungen ergab sich, daß
der Thäter seit drittehalb Jahren eine elegante Reihe
von Zimmern in Ducke-Street bewohnte und in sei
ner Lebensweise durchaus respectabel war. Bis An
fang dieses Jahrs war er Mitglied der Armee- und
Marine-Clubs. «Sein Alter ist etwa 40 Jahr. Un
ter seinen Papieren fand man nichts, was über seine
That hätte Aufschluß geben können. Heute wurde
im „Home Office" ein Verhör mit ihm vorgenommen.
(H. N.
Däne m rt t* k.
Kopenhagen, den 26. Juni. Die „Flyvepost"
ist mit ihren Mittheilungen über die letzte geheime
Sitzung im Volksthing weniger zurückhaltend, als
das „Fädrel." Sic sagt, man sei auf die geheime
Sitzung um so gespannter gewesen, da ein wohlbe-
gründetes Gerücht im Umlauf gewesen sei, demzu
folge die Anhänger der Theilungspartei und der Frie
denspartei die Gelegenheit hätten benutzen wollen,
um einen theilweisen Ministerwechsel zu veranlassen,
ein Ereigniß, das gerade jetzt von der äußersten
Wichtigkeit gewesen wäre. So weit man erfahre,
habe das Ministerium diese Crise glücklich überstan
den, indem alle Versuche dasselbe zu stürzen an der
festen Haltung der zwei Minister, die man habe ver
treiben wollen, nämlich der beiden Kriegsminister ge
scheitert sei. Aus der Mittheilung über die Unter
handlungen sagt sie dann, eben wie „Faedrelandet
sei es hervorgegangen, wie schändlich Dänemark und
auch die Großmächte von den Feinden hintergangen
seien, und erwähnt unter Anderem, daß die sogenann
ten Vertrauensmänner dem Hrn. v. Meyendorf und
später den in Kopenhagen anwesenden fremden Diplo
maten einen Vorschlag zu einer Friedensbasis ge
macht hätten, der durchaus verschieden sei von dem,
womit sie gleichzeitig die dänische Regierung bekannt
gemacht hätten. Aus der Debatte theilt sie dann
mit, B. Christensen, und Tscherning hätten den Zu
stand in Schleswig nicht so unerträglich gefunden,
daß Grund zu kriegerischen Demonstrationen sei, son
dern gemeint, man solle sich die Sache noch eine
Weile ansehn und die Unterhandlungen ihren Gang
gehen lassen. Ferner hätten sie gefunden, daß man
das Heer zu früh zusammenberufen und zu kostbare
Seerüstungen gemacht hätte; in 8 bis 14 Tagen
müßte man das Heer haben zusammenrufen können,
aber man habe viel längere Zeit gebraucht und ohne
an die Ernennung desjenigen zu denken, der die
Seele und der Leiter des ganzen Unternehmens sein
sollte. Auf den ersten Punkt habe der Minister
Clausen geantwortet: Diejenigen, die für Schleswigs
Theilung wären, könnten den Zustand nicht so drü
ckend finden, da die Gesetzlosigkeit nur in dem Theil
des Herzogthums herrsche, von dem man sich gerne
trennen wolle. Für diejenigen dagegen, die auf
Dänemarks Recht an dem ganzen Schleswig hielten,
sei der Zustand in jenem Theil des Landes höchst
unheimlich, ja geradezu unerträglich, und deßhalb
könne das Ministerium von seinem Standpunkt aus
nicht anders handeln as cs gethan habe. Den Vor
würfen in Beziehung auf die Rüstungen traten die
Kriegsminister entgegen. Der Marineminister fand
sich unter Andern: auch veranlaßt, auf den geäu
ßerten Zweifel über seine dänische Gesinnung zu er
widern: er könne eine so unbegründete Beschuldigung
mit Verachtung zurückweisen, und wenn er auch nicht
in Abrede stellen wolle, baß er von Anfang an eine
gütliche Uebereinkunft für das Wünschenswertheste
angesehn habe, so könnte ihn doch nun Nichts zum
Wanken bringen, und er wünsche nichts mehr als den
Aufruhr niederzuschmettern, sobald er freie Hände
habe. Trotz dieser kräftigen Haltung der Minister
und der großen Mehrzahl des Things, sagt „Flyve-
post", scheine die Opposition die Hoffnung ftloch nicht
aufzuheben, daß B. Christensen sich seine frühere In
terpellation vorbehalten habe.
Kopenhagen, den 29. Juni. Ueber den Stand
der Fliedensverhandlungen berichtet die heutige Num
mer der „Flyveposten": „Es heißt die Regierung habe
günstige Mittheilungen erhalten, sowohl von St.
Petersburg — durch den hier eingetroffenen dänischen
Gesandten Graf v. Pleffcn und durch einen russi
schen Courier — als von Berlin; inwieweit indeß
dieselben darauf hinausgehen sollten, daß, wie ein
Gerücht gestern besagte, Rußland, Oesterreich und
England einig darin seien, die Integrität des'däni
schen Gesammtstaates zu sichern (bas Londoner Pro
tocol!, siehe unter dem Bericht die „K. Z." aus Ber
lin) namentlich dadurch, daß sie Holsteins Austritt
aus dem deutschen Bund bewirken, können wir nicht
sagen. Man meint übrigens, daß Preußen sich be
reit gezeigt habe, auf denjenigen Theil des dänischen
Ultimatums einzugehen, der den Frieden mit Deutsch
land betrifft; doch wird man hierüber kaum
etwas Definitives vor Montag erfahren bis zu
welcher Zeit Kammerjunker Ouaade zurückerwartet
wird." Diese Andeutungen, meint „Flyveposten",
finden auch ihre Bestätigung in einem Artikel der
„N. Pr. Z." vom 25sten Juni, wohingegen freilich
die „Deutsche Reform", in Uebereinstimmung mit
der „Voss. Ztg." und den „Berliner Nachrichten", in
Anlaß des dänischen Ultimatums geharnischte Artikel
brächten, mit der Erklärung, daß Preußen durchaus
nicht aus letzteres eingehen könne, şaedrel." will
diesen Auslassungen der Berliner ministeriellen Or
gane nicht eben großes Gewicht beilegen, da es sich
oft genug gezeigt habe, daß man in Preußen seine
Blätter Dies und Jenes sagen lasse, während man
selber das Gegentheil davon thue; auch sollen die
am 27sten von Berlin eingetroffenen Briefe die Aus
sicht eröffnen, daß, was nun auch sonst wohl unter
richtete Leute versicherten, die preußische Regierung
aus die letzten dänischen Vorschläge eingehen würde.
Mit der gegentheiligen Hoffnung schmeichelt man sich
bekanntlich in Berlin.
Nach Berichten aus Dänemark, die für zuverlässig
ausgegeben worden, besteht das dänische Heer gegen
wärtig aus drei Armeecorps, von welchen das stärkste
auf Fühnen, etwa 16,000 Mann, die beiden anderen,
aus Alsen und an der jütischen Grenze, jedes unge
fähr 10,000 Mann betragen. Die ausgerüstete Flotte
besteht aus sieben Kriegsschiffen, die Dampfschiffe un
gerechnet, und aus einer großen Anzahl (70—80)
zum Transport bestimmter Kauffahrteischiffe. — Der
Geist des Heeres wird als theilweise sehr wenig kriegs
lustig, theilweise aber auch als sehr ungeduldig ge
schildert, endlich aus der llnthätigkeit und der unbe
quemen Lage herauszukommen, in welche sich sowohl
die alsener als vie jütische Heeresabtheilung befindet.
Was die Bevölkerung außerhalb Kopenhagens betrifft,
so wünscht dieselbe, namentlich aus dem platten Lande,
mit Sehnsucht den Frieden; da man aber sieht, daß
die Diplomatie keinen Friedensschluß, nicht einmal
einen gesicherten Waffenstillstand, der die Waffen auf
längere Zeit niederzulegen gestattet, zu Stande brin
gen kann oder will, so wünscht man vielfach den
Krieg als Mittel zum Frieden. Dies geschieht be
sonders von denen, welche meinen, daß in den Her-
zogthümern der Widerstand nicht mehr stark sein
werde, und daß aus der schleswig-holsteinischen Armee
der kriegerische Geist gewichen sei, eine Meinung,
welche von den Kopenhagener Zeitungen durch die
unsinnigsten Berichte über Schleswig-Holstein genährt
wird. Es wird schon seit langer Zeit geheimnißvoll
das Gerücht verbreitet, daß allernächstens der Krieg
mit einem Hauptschlage eröffnet werden solle.
(Fr. Pr.)
DesZtsMMd.
Hamburg, den 27. Juni. Unsere Polizei
forscht mit großem Eifer nach den Mitgliedern und
Verzweigungen einer Verbindung, welche unter dein
Namen „der Elite bund" gleichzeitig socialistische
und politische Tendenzen verfolgt. Von dem Bestehen
einer solchen Gesellschaft waren wir schon seit einiger
Zeit unterrichtet, da der darauf bezüglichen Vorla
dungen und Verhöre schon manche vorgekommen
sind; indessen hätten wir unsererseits wirklich ver
brecherische Endzwecke des „Elitenbundes" nimmermehr
vorausgesetzt, es müssen solche jedoch wohl vorhanden
sein, denn gestern nahm die Polizei die Verhaftung
einer nicht unbekannten Persönlichkeit vor. Es ist
dies der ehemalige Schriftsteller E. I y,
welcher aber, so viel wir wissen, seit Jahren schon
bei einem gewerblichen Unternehmen betheiligt war.
Er soll Präses jener Gesellschaft gewesen sein. Von
der Polizei gesucht, ließ I. sich in seiner Wohnung
als verreist melden, wurde dann aber in einem der
Stadt nahe liegenden Dorfe gesehen und gestern
nach dem Winserbaum abgeführt. Die Untersuchung
wird das Weitere ergeben; es soll Grund vorhanden
sein, an eine versuchte Ausbreitung des „Elitenbundes"
in weiteren, nicht hiesigen Kreisen zu glauben; doch
mögen wohl manche Uebertreibungen der Furcht oder
der Sucht nach „Enthüllungen" mit unterlaufen. So
viel wir aus guter Quelle erfahren, kennen die Mit
glieder des „Elitenbundes" im Allgemeinen einander
nicht und soll derselbe überhaupt mit vieler Vorsicht
organisirt sein. (W. Z.)
Wien, den 27. Juni. Nach einer Notiz des
„Wanderers" sind mehrere Ungarn von Amerika nach
liste Rummer desstnu Quartals,)