Hamburg zurückgekehrt, und stellten sich dein k. öster-
reichijchen Generat'consul vor, dem sie ihren Wunsch
äußerten, ins Vaterland zurückkehren zu wollen.
Schleswig-Holstein.
In einem längeren aus Berlin datirten Artike
bringt der „Wanderer" angeblich aus der besten
Quelle folgende Mittheilungen über die noch immer
nicht hinlänglich aufgeklärten Verhandlungen der Ver
trauensmänner in Kopenhagen. Es heißt hier:
Es ist aufgefallen, daß der englische Gesandte
sich diesen Verhandlungen feindlich gegenübergestellt,
und" man hat auch seinem Verhalten das Scheitern
derselben zugeschrieben. Lord Wynn wurde aber
auch von dem dänischen Ministerium, auf eine die
Treue des dänischen Characters sehr bezeichnende
Weise hintergangen.
Das dänische Ministerium verfaßte nämlich ein
Schriftstück, in welchem neben den von den Ver
trauensmännern ihm schriftlich übergebenen Vorschlä
gen eine Reihe von 5 bis 6 Artikeln ganz willkühv
lich nach der eigenen Composition der Herren Mi
nister hinzugefügt waren und producirte dieses so
zubereitete Actenstück (welches man im gewöhnlichen
Leben „verfälscht" nennen würde, während die di
plomatische Sprache sich des Ausdruckes „ungenau"
bedient), dem englischen Gesandten und den übrigen
Diplomaten als das Protocol! der Unterhandlungen
mit den Vertrauensmännern, während doch gar kein
Protocoll über die Unterhandlungen bestand, da sie,
wie bemerkt, schriftlich und nicht mündlich geführt
worden waren. Der englische Gesandte fand in Folge
der „ungenauen" hinzugefügten Artikel, von welchen
die Vertrauensmänner keine Ahnung hatten, die Vor
schlage als unannehmbar für Dänemark.
Durch eine Unterredung des englischen Gesandten
mü den Vertrauensmännern wurde" die „Ungenauiq-
keil" des dänischen Ministeriums bald daraus aufge
deckt, indessen fanden es die Dänen nach der auf
anderem Wege bereits bekannt gewordenen fortwäh
renden Steigerung ihrer Ansprüche endlich auch ge
rathen, die Unterhandlungen selbst gänzlich abzu
brechen.
Gras Reventlou blieb nach der Abreise seiner
Collegen noch in Kopenhagen. Eines Tages erhält
er den Besuch des dänischen Ministers Bille, der ihm
auseinandersetzte, wie es wünschenswert!) fei, daß er
rm Interesse eines baldigen Friedensabscklüffes die
Stadt baldmöglichst verlasse, denn es erscheine ganz
unangemessen, daß, nachdem die Unterhandlungen
abgebrochen, ein Bruder des schleswig-holsteinischen
Statthalters in Kopenhagen verweile, hier mit aller
hand Personen verkehre, sie für den Frieden günstig
zu stimmen versuche, und mit der Friedenspartei im
Laude selbst Verbindungen anknüpfe. Würde Däne
mark einen solchen Agenten nach Kiel schicken, die
Statthalterschaft würde ihn gleichfalls ausweisen.
Der Graf erwiderte daraus, daß er als Ver
trauensmann an den König-Herzog und nicht an das
dänische Ministerium gesandt sei,' daß er sich also
eine directe Weisung vom Könige selbst erbitte, wenn
man ihm den langem Aufenthalt in der Hauptstadt
nicht länger zugestehen wolle. Die dänische Excellenz
war durch diese Erklärung keineswegs außer Fassung
gebracht, Gras Reventlou erhielt vielmehr in dem
nächsten Augenblick den Befehl, sich unverzüglich
auf die Reise zu machen, und wenige Stunden dar
aus hatte er wirklich Kopenhagen bereits im Rücken.
Die „Köln. Ztg." theilt über das mystische Lon
doner Protocoll abermals Folgendes mit:
Berlin, den 26. Juni. Was in den Blättern
über die neue Wendung der schleswiger Angelegen
heit verlautet, rebucirt sich auf folgendes freilich wich
tiges Factum: Man hat hier Kenntniß von einem
Protocol! der drei Großmächte, bas vier Punkte nm-
* schließt. Ei» Arrangement soll getroffen werden,
welches die dänische Gesammtmonarchie als Basis
annimmt. Die hohe Weisheit des Königs von Dä
nemark berechtigt zu der Annahme, daß dieses Ar
rangement seine Zustimmung habe. Es wird außer
dem der europäischen Sanction unterbreitet. Es soll
viertens Preußen und Deutschland gegenüber energisch
• durchgesetzt werden. Dies waren die Grundzüge eines
Vertrages, der seiner Entwickelung entgegensah. Bim
st» erhielt Nachricht darüber und erklärte in sehr ent
schiedener, wenn auch vertraulicher Weise, daß ein
solcher Vertrag, wenn er zur Ausführung käme, eine
formelle Kriegserklärung gegen Deutschland involvire.
Die,es ist eui ganz sicheres Factum.
Namentlich der zweite der angeblichen 4 Punkte
über die „hohe Weisheit des Königs von Dänemark"
klmgt beinahe wie eine boshafte Satyre.
Das dänische Ultimum, auf welches man am
Donnerstag den 27. die Rückantwort von Berlin
erwartete, soll nach dem Kopenhagener Correspondcn-
ten der „Köln. Ztg." folgenden Inhalt haben, der
ganz unglaublich klingt, dadurch aber wahrscheinlich
wird, daß er von Mitgliedern des Reichstages mit
getheilt wird. 1) Dänemark ivill nicht mit den Her-
zogthümern verhandeln, sondern sogleich den Krstg-
2) es will fremde Intervention, also russische Hülfe
gestattet wissen; 3) es will entweder, daß Deutsch
land die Holsteiner unterwerfe, oder daß es Holstein
zu Lande und zur See angreisen dürfe;- 4) es will
von Preußen das Versprechen, daß die dänische Erb
folge auch für die Herzogthümer anerkannt werde;
5) es will, daß Preußen einen Separatfrieden schließe,
ohne die andern deutschen Staaten deshalb zu be
fragen.
Bestätigen sich diese Angaben, so scheint es aller
dings, daß es die dänischen Minister förmlich auf
Krieg abgesehen haben. Sie sollen übrigens unter
sich vollkommen einig sein und haben in der gehei
men Sitzung des Volksthing erklärt. Hr. v. Schleinitz
mit seiner unredlichen und wortbrüchigen Politik
trage die Schuld an der Verzögerung einer Ent
scheidung.
— Preußen hat, wie das „Correspondenz-Bnreau"
meldet, eine Antwort auf das sogenannte dänische
Ultimatum erlassen, die die aufgestellten Vorschläge
nur zum Theil als Basis gelten lassen will.
Die „Brem. Ztg.", welche mitunter halbosficielle
Mittheilungen aus Kopenhagen zu erballen scheint,
schreibt Folgendes:
Das „C.-B." schreibt: Die hoffentlich nahe
bevorstehende Lösung der dänischen Streitfrage hat
einen vollständigen Kongreß dänischer Bevollmächtigten
und Agenten hierher geführt. Man zählt deren sieben,
die den verschiedenen Parteien angehören, und zwar:
der demokratisch-nativnal-bänischen Partei ein Unter
händler und ein Attache 2. der Partei des Casino-
Ministeriums ebenso 2, der reactionairen Partei des
gleichen 2, seitens des jetzigen Ministeriums 1.
Altona, den 21. Juni. Was in mehreren
Blättern über die Absicht der dänischen Regierung
beim Wiederausbruch der Feindseligkeiten eine Proc
lamation an das schleswig-holsteinische Heer zu er
lassen verlautet hat, sehen wir uns jetzt im Stande
als gegründet zu verbürgen. Ueber den wesentlichen
Inhalt der Proclamation haben wir aus sicherer
Quelle Folgendes erfahren: 1) Die in Schleswig
oder in Holstein geborenen Soldaten, welche gleich
die Waffen niederlegen, und sich entweder zur däni
schen Armee begeben, oder in ihre Heimath zurück
kehren, und sich dort ruhig verhalten, sollen allen
Militärdienstes entbunden sein, bis nach eingetretenem
Frieden die Verhältnisse der Wehrpflicht aufs Neue
geordnet worden. 2) Eingeborne Unterofficiere, welche
die obigen Bedingungen erfüllen, -können fernerhin
in ihrer Stellung verbleiben, ober, falls sie es vor
ziehen, den Abschied mit Pension erwarten. 3) Of-
ficieren, aus einem der beiden Herzogthümer gebür
tig, welche erst nach dem 24. März 1848 angestellt
sind, wird völlige Amnestie zugesichert, wenn sie gleich
die Waffen niederlegen, und entweder zur dänischen
Armee oder auch nach irgend einem Orte in den
Herzogthümern gehen, und von da ihre Unterwerfung
und den Eid der Treue an de» Landesherrn einsen
den; es wird ihnen die Wahl gelassen, in ihre Charge
fortzudienen, oder den Abschied mit Pension zu er
halten."
— Fürwahr, herrliche Zumuthungen, die unserer
vraven Armee gestellt werden sollen! Sie wird mit
dem Schwert darauf antworten.
Altona., den 28. Juni. Der Vertrag über
den Anschluß Schleswig-Holsteins an den deutsch
österreichischen Postverein ist in Berlin vor Kurzem
abgeschlossen; der Chef des schleswig-holsteinischen
Postwesens, 1),-. Ahlmann, hatte sich längere Zeit'zu
dem Ende in Berlin aufgehalten. Der Anschluß
wird, wie man hört, wohl kaum zum 1. Juli, son
dern erst zum 15. ins Leben treten können.
— In diesen Tagen ist eine früher, so viel wir
wissen, nur als Manuscript gedruckte Brochüre des
Generals Willisen im Buchhandel erschienen. Der
Titel ist: Acten und Bemerkungen über meine Sen
dung nach dem Großherzogthum Posen im Frühjahr
1848. Von W. Willisen, command. Gen. der schles
wig-holsteinischen Armee. Kiel, Verlag von Carl
Schröder. Die hier mitgetheilten Actenstücke liefern
einen eben so interessanten Beitrag zur Geschichte
jener Zeit, als zu der ganzen Anschauungsweise und
zuin Charakter des Generals.
Kiel, den 30sten Juni. Gestern wurde hier den
beiden bei den bekannten Vorgängen vom 4. Sept.
1848 Betheiligten, nämlich dem Literaten Springborn
und dem Maurermeister Niebuhr, der Bescheid des
O.-A.-Gerichts publicirt. Ersterer, der schon seit
October 1848 hier in Haft gesessen, ist zu einjähriger
(statt vierjähriger) Zuchthausstrafe und, in so weit
es möglich, zur Zahlung der Kosten, letzterer zu 40
Tagen Gefängniß bei Wasser und Brod und eben
falls zur Kostenzahlung verurtheilt. Springborn
wurde es anheimgegeben, um Begnadigung bet der
Statthalterschaft einzukommen; derselbe erklärte in
deß, daß er, „da er von dem Rechte seines Urtheils
sich nicht überzeugen könne, niemals um Gnade bet
teln werde," und nur aus vieles Zureden seines An
walds, des Adv. Weber, der für den abwesenden Adv.
Hedde constituirt war, und des Advocate» Clausen,
so wie mit Rücksicht aus seine alte Mutter gestattete
Springborn, daß seiner Begnadigung halber eine
Bittfchrift an die Statthalterschaft gerichtet, werden
möge. Springhorn dankte dem Senate für die hu
mane Behandlung während seiner langen Hast. Nie
buhl erbat sich oie Erlaubniß, ebenfalls bei der
Statthalterschaft ein Gnadengesuch- eingeben zu dür
fen, was ihin denn auch erstattet wurde.
_! , (H. N.)
— Tue §Hamb. B.-H." berichtet: Das am 18.
von Cronstadt in Hull angekommene Dampfschiff
„Helen Bö Gregor," Cape, soll am 13. Juni bei Da-
gerort eine russische Flotte, ans 10 Linienschiffen
bestehend, gejehen haben; dieselbe wird muthmaßlich
in der Ostjee nmherkreuzen.
Schleswig, den 29. Juni. Die dän. Dampfer
lchemen als^ Vorposten überall zu sondiren, wo für
sie Fahrwasser ist. In diesen Tagen ist ein solches
Dampfschiff in die Schlei hineingegangen. Wie man
erzählt ist bei der Rabelsunder Mühle ans dasselbe
gejchossen worden und ist es hier umgekehrt; dies ist
nicht weit mehr von Cappeln entfern). Offenbar hat
es einen der Fahrt kundigen Lootsen gehabt, da es
ohne diesen sich nicht hätte hineinwagen dürfen.
Husum, den 27. Juni. Wenn nun einmal
von Husum die Rede ist, so kann man nicht umhin
auch des Hrn. David zu gedenken und, obgleich die
Variationen überdies Thema eben nicht zu den er
quicklichen gehören, will ich einige Kuriosa nachträg
lich erwähnen. Wäh-end der Jahrmarktswoche existirt
nach einem alten Herkommen hier noch eine soae-
nannte Bürgerwache; diese besteht darin, daß der
Polizeidiener die Bürger der Reihe mach zu diesem
Dienst ansagt und diese es dem ersten überlassen, für
die Vergütung einiger Schillinge irgend welche Sub-
fecte zu diesem Wachdienst anzuwerben. Hr David
fordert nun durch das Localdlatt die Bürger auf,
diese ihre Pflicht zu erfüllen, der Bürgerverein da
gegen ersucht die Bürger diesem Befehle nicht zu ge
horchen; Folge davon, daß keiner irgend einen Wach
dienst leistet und Hr. D. nicht einmal den Muth hat,
die Bürger durch feinen Diener auffordern zu lassen.
Ttatt dessen wird aber für die Jahrmarktswache die
Preußenwache verstärkt; denn am Donnestage, dem
Haupttage, wohl aus Furcht, die besuchenden Frem
den möchten die -geheiligte Person unseres octroyirten
Davids stehlen, zog eine ganze Compagnie auf Wache
und fast in jedem Rockviertel standen Pikets. Am
letzten Markttage wird von den Budeninhabern Stätte
geld an den Bürgermeister bezahlt; Hr. D. läßt auch
dieses einfordern, die Hnsumer aber erklären, sie
fühlten sich nicht verpflichtet zu zahlen und die Frem
den kauften sich mit einer geringen Quote los Im
fiebrigen lief alles ruhig ab und auch Hr. D wurde
nicht atientatert. Sie sehen, unsere Zustände sind
eigenthümlich; zum Beleg noch ein Gesckichtchen.
Die Vermietherin eines Hauses klagt beim Hrn D
gegen einen Miethsmann, der sich auszuziehen wei
gert, ausnahmsweise läßt sich letzterer auf die Klage
ein, und nachdem die Vermietherin einen Eid ge
leistet, ,oll der Beklagte die Wohnung räumen; der
Beklagte kümmert sich nun nicht einen Pfifferling
um ftD's. Befehle und als er exmittirt werden soll,
genügt seine und einiger Nachbarn Drohungen, D's.
Polizeimannschaft zu vertreiben, und auf ferneres
Andringen der Klägerin, erklärt Hr. D.. seine Weis-
heit und Gewalt sei zu Ende. So stehts hier mit
der Gerechtigkeit. (Fr. Pr.)
Aus dem Norden Schleswig-Holsteins,
ven 27. jjunt. Wie bedeutsam die bevorstehenden
Wahlen zur Landesversammlung, welche im Norden
der Demarcationslinie zu vollziehen sind, und wie
gefährlich die Dänen die Ausführung dieser
Wahlen für ihre tückifchcn Pläne halten springt
recht in die Augen, wenn man sieht, mit welcher
Wuth nniere Quälgeister, die mit der Ausführung
Beauftragten verfolgen. So haben denn auch die
noch nicht eingekerkerte» Mitglieder des Apenrader
Wohlcollegiums ihrer Sicherheit wegen - Apenrade
verlassen müssen. Doch am Wahltage werden die
Manner auf ihrem Platz sein. (Fr. Pr.)
Apenrade, den '28. Juni. Gestern Abend
hat sich der in Grafenstein verhaftete Lieutenant Jor
dan befreit. Nachdem er sich genügende Kenntniß
von den Papieren verschafft hatte, die in den Hän
den des octroyirten Gerichtshalters sich befinden führte
er in Gegenwart dieses s. g. Gerichtshalters, des
Gefangenwarters und zwei Helfershelfer seine Flucht
aus-, die ihm bei guter Ortskenntniß und trotz zahl-
reicher Nachstellung auch gelungen ist. Er befindet
sich m vollständiger Sicherheit. (H N)
. Flensburg, den 29. Juni. Einer unserer Ge
fangenen, Hilmers von Ruhetbal, ist einstweilen gegen
Caution freigelassen; die vier klebrigen werden trotz
der angebotenen Caution, im Gefängniß gehalten.
Sie sind nunmehr jämmtlich im Verhör gewesen,
ohne daii über besten Verlauf irgend etwas verlautet.
Die „N Fr. Pr." enthält folgende WahlbeAchte:
- uf?? ïa ' den 29. Juni. Ich kann Ihnen
letzt das Ne,mtat der gestrigen hiesigen Wahl (35ster
allgemeiner Wahldstlnct) mittheilen. Ģestimmt ha-
im Ganzen 675 und bekam davon der Hosbe-
fitzer Alsen auf Hanredder bei Barmstedt 525, der
Tlschler Holst Hierselbst 143, der Advocat Dahms
hiersclbst 5, der Advocat Schenck Hierselbst i, und
der Kaufmann Mahncke Hierselbst 1, mitbin ist der
erstere zum Abgeordneten gewählt. 9 1
Itzehoe, den 28. Juni. Zum Abgeordneten ist
hier fv eben Theodor Ohlshausen mit 610 St
von 899 erwählt. Pastor Versmann erhielt 117'
General Willssen 125. Olshausm würde wahrschein
lich auch in der Ccnjuswahl des hiesigen Landdistricts
die meisten Stimmen erhalten haben. Aber die
Dtzehoer wollten ihn vor Allen als den Mann ihres
Vertrauens bezeichnen.
Kiel, den 29 Juni. Henic Nachmittag 2 Uhr
war der heiße Wahlkampf zu Ende. Gesammtzahl