Full text: Newspaper volume (1850)

Jahrgang, 
43fe 
Rendsburg« 
M 54. 
Sonnabend, den 6. Juli 
185V. 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer, 
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Tagesgeschichte. 
Däne m a V k. 
Kopenhagen, den 1. Juli. Die „N. P. E." 
berichten, daß der „Obotrit" Morgens 8 Uhr von 
Wismar eingetroffen sei, ohne den zurückkommenden 
Kammerjunker v. Qnaade mitzubringen. Nach dem. 
selben Bl. sind die Minister Sonnabend Abend, nach 
dem der Reichstag geschlossen worden, noch zu einer 
Staatsratssitzung versaminelt gewesen. Am gestrigen 
Tage ist aus Frederiksborg wieder Sitzung gewesen, 
an der der König Theil genommen, und zu der Prinz 
Ferdinand in großer Eile herbeigeholt worden. Als 
Gegenstand der Verhandlung wird der Friede mit 
Preußen angegeben. 
Dem „Nord. Corr." wird aus Kopenhagen ge 
schrieben: „Unter Möen liegt ein russisches Geschwa 
der von 11 Schiffen, zu denen noch 4 oder 5 kom 
men werden. Es ist hier das Gerücht verbreitet, 
der Czar habe unserm Könige dasselbe in einem eigen 
händigen Schreiben zur Disposition gestellt." Der 
,,Niederstichst Zeitung" schreibt man aus Kopenhagen, 
die russische Regierung habe einer Abtheilung ihres 
Ostseegeschwaders die Ordre zufertigen lassen, längs 
der Ostküste Schleswigs, auch eventuell vor dem Kie 
ler Hasen, Station zu nehmen. 
Kopenhagen, den 2. Juli. Da der bereits 
vor einigen Tagen aus Kopenhagen zurückerwartete 
Kammerjunker v. Ouaade immer noch nicht einge 
troffen ist, ergehen sich die Blätter, die von dem 
unterdeß in Berlin am 2. erfolgten Abschluß des 
Friedens noch nicht unterrichtet sein konnten, in Ver 
muthungen über die verzögerte Rückkehr des dänischen 
Abgesandten, „Fädrel." hält es, übereinstimmend mit 
„Flyveposten," für höchst unwahrscheinlich, daß, wie 
es auch der Fall ist, die Verhandlungen zu einem 
Resultat geführt hätten, und daß Kammerjunker 
Qnaade ehestens mit dem unterzeichneten Tractat 
eintreffen werde. „Flyveposten" meint, und zwar 
sehr mit Recht, durch den berliner Abschluß sei der 
Fride mit den Herzogthümern noch keines 
wegs hergestellt, und um diesen zu Stande zu brin 
gen, bringt das geehrte Blatt natürlich den Ein 
marsch der dänischen Truppen in Schles 
wig in Vorschlag. Die Dänen werden denn auch 
in der That im Herzogthmn Schleswig nunmehr 
nicht lange auf sich warten lassen. Die russische 
Flotte, von der man sich eine Unterstützung der 
dän. Operationen verspricht, soll nach „Fädrelandet" 
8 Linienschiffe, 1 Fregatte und 1 Dampsschiff stark, 
in der Kjöger Bucht und unter Moen vor Anker 
gegangen sein. Ob auch eine englische Es cadre 
in der Ostsee sich cinfinden werde, meint „Fädrel.," sei 
noch ungewiß, aber doch nicht unglaublich. Vor 
gestern ist eine russische Fregatte auf der Rhede vor 
Anker gegangen, wie die „B. Z." schreibt'!- Dasselbe 
berichtet der kopenhagrner 11 Correspondent der ,,D.' 
R.," der in einem Schreiben vom 1. folgendermaßen 
sich vernehmen läßt: „Die Ankunft der russischen 
Flotte in den dänischen Gewässern kann ich Ihnen 
heute als eine Thatsache melden. Gestern Nachmit- 
mg hat eine russische Fregatte hier auf der äußeren 
Rhede Anker geworfen und mehrere höhere russische 
Flottenossiciere sind ans Land gekommen; von diesen 
haben mehrere hier Quartier genommen, um für's 
Erste hier zu bleiben, unter denselben befindet sich 
auch ein Adjutant des Kaisers von Rußland, Hr. v. 
Glasenapp. Nach der Aussage dieses Officiers ist 
we russische Flotte, bestehend aus 8 Nangschiffcn, 
Mehreren Fregatten und Dampfschiffen, direct nach 
Risen gesegelt, wohin ihnen die hier liegende Fregatte 
nachfolgen wird." 
Kopenhagen, den 2g. Juni. Der Besitz 
Ocsterkeilstrup an der Gudenuie (bei Randers) mit 
dazu gehörender Dampfbrennerei, Ziegelei und Torf- 
möören, sammt neu ausgeführten Parcelistenwohnun- 
gcn ist neuerdings in öffentlicher Versteigerung an 
den Pfandgläubiger, das Haus C. H. Donner in 
Altona (welches Priorität sich 30,000 Rbth. hatte) 
— für 23000 Rbth. verkauft worden, eine Summe, 
welchejchon die Torfmööre sollen verzinsen können! 
Der Grund, daß eigentlich Reflectirende sich von 
Eigenthuinsankauf in Jütland zurückziehen, während 
die Eigenthumspreije auf den Inseln sich aus ziem 
lich hohem Standpunkt erhalten, erklärt sich durch 
den gegenwärtigen Krieg drohenden Zustand der 
Dinge, obwohl ein eintretender Friedenszustand 
zweifelsohne auch das Uebertriebcne in der Besorg- 
niß und das Unzeitige der Realisation unter peinli- 
chen Verhältnissen darthun wird. Leider hat in ge 
dachtem Falle ein höchst achtbarer und fleißiger Be 
sitzer die Frucht jahrelangen und anhaltenden Fleißes 
und Bestrebens einbüßen müssen. 
Deutschland. 
Stettin, den 1. Juli. Heute Nachmittag gin 
gen die sämmtlichen Kanonen-Schaluppen von hier 
über Swinemünde nach Putbus ab, um dort unter 
Befehl des Commodore Schröder dreimonatliche 
Uebungen anzustellen. Die Schaluppen wurden von 
den drei Dampfbooten Greif, Jack und Uecker bug- 
sirt. Ane Bord der Uecker, welche für Marmezwecke 
gemiethet ist, befand sich der Commodore Schröder. 
Posen, den 30. Juni. Gestern Abend ist der 
wegen seiner Schrift über das preuß. Militarrwesen 
hier in Untersuchung und Haft befindlich gewesene 
Ingenieur-Lieutenant v. Rüstow aus seinem Arrest 
locale auf der Hauptwache am Markt entflohen. Seine 
Flucht hat er durch das aus der Seitenfronte nach 
dem freien Markt führende Fenster unter den Augen 
der Wache im Schlafrock und Pantoffeln bewirkt. 
Bis jetzt ist keine Spur von ihm ermittelt. 
Berlin. Man erinnert sich wohl noch eines 
Vorfalles, der kurz nach dem Sefelogeschen Mord 
versuch viel zu reden und zu kombiniren gab. Ein 
Militärarzt, hieß es damals, sei wegen Theilnahme 
an einem Complott verhaftet worden. Diese viel 
fach entstellte Angelegenheit ist jetzt aufgehellt und 
bereus durch das zuständige Gericht entschieden. Ein 
Student der Medicin, Namens Heßling/ hatte im 
trunkenen Zustande auf der Straße gerufen: „Es 
lebe Sefeloge!" In Folge dessen wurde er verhaftet 
und vor ein Kriegsgericht gestellt, da er als Mcdici- 
ner seiner Militärpflicht in der Eigenschaft eines 
Compagnie-Chirurgus genügt. In diesen Tagen 
soll das Urtel ergangen und Heßling zu einjähriger 
pjestungsstrafe und zum Verlust der Nationalkokarde 
verurtheilt worden sein. 
Frankfurt, den 29. Juni. Heute Vormittag 
entdeckte unsere Polizei in dem bekannten demokrati- 
'chen Gasthofe „zum Donnersbcrg" eine Falschmünzer- 
gelellschaft, dre ihr Wesen in ziemlich ausgedehntem 
Vtaße getrieben haben soll, wie man aus den, wie 
man hört, im Keller dieses Gasthauses gefundenen 
.'Naschinerien u. s. w. schließen darf. Die Eigenthü- 
merin des genannten Hauses ist bereits in Hast, da 
gegen soll ein der Mitschuld dringend verdächtiges 
Ķoiduum sich derselben durch die Flucht entzogen 
Schleswig-Holstein. 
Die „Hamb. Nachr." vom3ten, bringen über den 
Rvlchluß des Friedens zwischen Preußen und Däne 
mark folgende Berichte: Die Berliner Fricdensver- 
handlungen haben endlich zu einem Resultat geführt. 
Nachdem in den letzten Tagen die Bethciliqten sich 
bedeutend genähert hatten, ist vorgestern der Friede 
zwischen Preußen und Dänemark abgeschlossen, und 
sollte derselbe gestern unterzeichnet werden. Es ist 
der sogenannte einfache Friede auf Grundlage des 
modificirten sogenannten dänischen Ultimatums (siehe 
rx Ņm Sonnabend, wie die „Neue Pr. 
Ztg. schreibt, beneth das Staatsministerium in einer 
sunjstündigen Sitzung die Angelegenheit. Am Sonn 
tag kamen Hr. v. Ujedvm und die dänischen Bevoll 
mächtigten bei dem Minister Frhrn. v. Schleinitz zu 
erst am Vormittage in einer ostündigen Conferenz 
und am Abend noch einmal zusammen, und führten 
dabei nach dem genannten Bl. die Unterhandlungen 
„erfreulicher Weise" ein endliches Resultat herbei 
das dem am I sten in Sanssouci beim Könige abqe-' 
Haltenen Ministerrath zur Verhandlung vorgelegen 
haben wird. ö ö 
Berlin, den Ulen Juli, Abends 10 Uhr. Um 
neun Abends nach Erkundigungen ausgegangen er- 
fahre ich nochmals und von bestunterrichteter Seite 
der einfache Friede sei unterzeichnet. Er wahre die 
Rechte, welche Deutjchland vor 1818 gehabt (das 
wäre also der Bundesbeschluß.') Die ursprünglichen 
Propojitionen (welche nicht präsicirt wurden) hätten 
mehrere Modificationen erlitten. Die wichtigste Mo 
dification sei, baß der König von Dänemark sich den 
Recurs auf fremde Hülfe versagt, wenn keine deutsche 
Macht intervenire und wenn keine Freischaaren ein 
rücken. Man sprach heute Nachmittags von der Ba 
sis des Ujedomschen Ultimatums. Aber welche Ent 
wickelung hat die Angelegenheit genommen? Das ist 
in den Einzelnheiten noch nicht bekannt; doch scheinen 
die Rechte von 1848 gewahrt zu sein. Es soll mich 
nicht wundern, wenn die erste Alternative des von 
der „Nationalzeitunq" entwickelten Ultimatums (das 
ja auch die preußischen Vorschläge zur Basis hat) 
angenommen wäre, wohlverstanden mit Modificatio 
nen, von denen ich Ihnen die wichtigsten melden 
konnte. 
In einer andern Corresponz der „H. N." heißt 
es m der Nachschrift: Der Friede mit Dänemark 
soll unterzeichnet sein. Gestern war eine mehrstün 
dige Conferenz im Ministerium des Auswärtigen Heute 
fuhr Usedom nach Potsdam und traf gegen Abend 
wieder ein. Beim Grafen Brandenburg ist großes 
Diner. Der Friede soll aus Basis des Usedomschen 
Ultimatums erfolgt sein und die Successionsfrage 
in dem Vertrage nur in so fern einen Platz gefun 
den haben, als sich Preußen reservirt, bei ihrer Re 
gierung mitzuwirken. Ich verbürge nichts, aber die 
Nachricht, daß der Friede unterzeichnet sein soll, kommt 
aus unterrichteten Kreisen. 
. Berti», den 1. Juli. Die in der unmittelbar 
vorstehenden Mittheilung unseres geehrten Hrn.Corresp 
erwähnte erste Alternative des s. g. dänischen Mi-' 
matums knüpft nach der „Rat. Ztg." an den wieder- 
holcntlich von preußischer Seite gemachten Vorschlag 
eines elvsachen Friedensschlusses mit Vorbehalt der 
beiderseitigen Rechte an, und zeigt sich demselben nun 
gegenwärtig insofern geneigt, als hierunter eben nur 
ein Separatfrieden mit Preußen verstanden werde, 
und preußischer Seits folgende Bedingungen erfüllt,' 
event, garantirt werden: Preußen wirkt vor Allem 
zur Auflösung der schleswig-holsteinischen Armee mit. 
Schleswig, und zwar mit Einschluß von Rendsburg 
und Friedrichsort, wird ausschließlich von dänischen 
Truppen besitzt, wie auch die inneren Angelegenheiten 
von Schleswig allein durch Dänemark geregelt wer 
den während die Regelung der Verhältnisse von Hol 
stein der (künftigen) deutschen Centralgewalt vorbe 
halten bleibt." In der zweiten Alternative des Ulti 
matums bezieht sich nach dem gen. Bl. das dänische 
Gouvernement auf den (früher von uns mitgetheil 
ten) ersten geheimen Artikel zu der Waffenstillstands-
	        
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