Weder über die genaue Feststellung der Grenzlinie
zwischen Schleswig und Holstein, (darüber also, in
wiefern Rendsburg und Friedrichsort zu Schleswig
gehören oder nicht) noch über die fernere Regelung
der Erbfolge-Verhältnisse ist, wie uns heute bestätigt
wird, in dem Vertrage irgend etwas gesagt.
Die Friedensunterhandlungen, welche in den letzten
Tagen in rasche Reihenfolge auf einander folgten
und meistens mehrere Stunden dauerten haben
in diesen Sitzungen noch heftige Kämpfe gekostet.
Der Minister v. Schleinitz und Graf Westmoreland
wohnten denselben fortwährend bei. Die preußischer
Seits dem dänischen Ultimatum entgegengestellten
.Forderungen, bildeten die Grundlage der'Unterhanb-
lungen. Ueber diese Gegenforderungen werden in
der Nat.-Ztg. einige genauere preuß. Mittheilungen
gemacht. Preußen verlangte nämlich vor Allem,
daß dieser mit Vorbehalt der beiderseitigen Rechte
zu schließende Frieden kein Separatfrieden sei, son
dern von Preußen Namens des deutschen Bundes
geschlossen werde. Der dänischen Forderung, daß
Preußen zur Auflösung der schleswig-holsteinischen
Armee mitwirken solle, hat man sich insoweit nach
zugeben bereit erklärt, als diese Armee auf die ma-
trtkularmäßige Stärke des für das Herzogthum Hol
stein feststehenden Bundescontingents vermindert
wird, welches dann aber immer als abgesonderter
Truppentheil fortbestehen soll, und als Preußen zu
diesem Behufe eine Aufforderung an die Statthal-
terlchaft erläßt. In irgend ein Anerkenntniß, daß
Rendsburg und Friedrichsort zu Schleswig gehöre,
ist nicht gewilligt worden. Auch nicht eine aus
schließliche Ueberlassung der Regelung der innern
Verhältnisse des Herzogthums Schleswig an Däne
mark, vielmehr ist in diesem Punkte an dem bereits
früher gemachten und auch dänischer Seits acceptir-
ten Vorschlage festgehalten worden, daß das Weitere
hierüber einer Berathung von Vertrauensmännern
überlassen werde, die in gleicher Anzahl aus Holstein,
Schleswig und dem übrigen Dänemark gewählt
werben sollen. Ueber die fernere Regelung der Erb-
folgeverhältnisse soll kein Wort gesagt sein, wiewohl
Dänemark ursprünglich darauf drang, daß ihm allein
diese überlassen bleibe. Für diesen Punkt dürften
daher vielleicht einst noch die Bestimmungen der Au-
strägalinstanz, maßgebend werden. Die vorstehend
angedeuteten Aufstellungen sollen nach den hier in
diplomatischen Kreisen verbreiteten Nachrichten der
wesentliche Inhalt des pr. Gegenultimatums sein,
das denn bei dem nunmehr erfolgten Abschluß, wie
gesagt, fast durchweg durchgedrungen ist.
Die meisten Schwierigkeiten bei den Verhand
lungen der letzten Tage verursachten (nach der Const.
Ztg.) einige Worte, durch welche erklärt werden
sollte, daß die etwaige Fortsetzung des Widerstandes
durch die Herzogthümer als Aufruhr zu behandeln
sei und daß die Herzogthümer die Verpflichtung
hätten, sich dem Frieden zu fügen. Preußischer Seits
verweigerte man das Zugestänbniß dieses Punktes,
während es dänischer Seits anfangs zur conditio
sine qua non gemacht, endlich jedoch gelassen
wurde.
— Auch die „B. N." bringen jetzt die Mitthei
lung: „Man hat Holstein alle Rechte auf Schleswig
reservist; man hat nicht anerkannt, daß Holstein im
Zustande der Empörung sei (wie doch die Dänen
wollten) und man will Dänemark nöthigen, dem
Bunde Anzeige von den Mitteln zu machen, durch
welche es den Rechtszustand in Holstein Herstellen
wolle. Möglicherweise, ja wahrscheinlich, werden sich
die Dänen hieran nicht kehren, sondern nach einer
verheißungsvollen Proclamation und Drohung auch
Holstein angreifen, das sich indeß wehren wird."
Das wird es allerdings, oder werden vielmehr die
Herzogthümer, wie die allernächste Zeit bereits dies
deutlich zeigen wird, und zwar vertraut Schleswig-
Holstein dabei allein seiner eigenen Kraft, und ist es
keineswegs die Aufgabe der Herren, die im Aufträge
der Statthalterschaft nach Hannover. Oldenburg u. s. w.
abgegangen sind, für die wieder aufzunehmenden
Feindseligkeiten gegen die Dänen active Hülfe zu er
bitten. Man will in den Herzogthümern ein Ende
haben in der Sache, und das erreicht man nur,
wenn man von jeder unmittelbaren Betheiligung
Deutschlands absieht, wenn, was ganz besonders zu
hoffen und zu wünschen ist, die deutschen Einzel-
staaten, in deren Kammern man bereits wieder über
den Frieden interpellirt, dem Vertrage einstweilen
bettreten!
Die „Weserzeitung" enthält folgende Correspondenz
aus unserm Nordalbingien vom 5. Juli. Ich
schreibe Ihnen am Vorabende des Jahrestags der
Schlacht bei Friedericia. Wie uns vor einem
Jähre die noch immer ihrem Zusammenhange nach
nicht klar enthüllte Katastrophe jener unseligen Nacht
nicht beugte, so hat auch der jetzt zwischen Däne
mark und Preußen abgeschlossene Friede, in welchem,
gleichviel ob unter strengeren oder Milderen Formen,
ob mit klaren oder mit doppelsinnigen Worten, unser
Todesurtheil ausgesprochen werden sollte, nicht im
Mindesten unsere Hoffnung, bag es noch in unserer
Macht liegt, den uns zugedachten Untergang abzu
wenden, zu erschüttern vermocht. Wir sind froh, daß
wir endlich so weit gekommen, unsere Freunde und
unsere Feinde genau von einander unterscheiden zu
können (und wir werden bald Gelegenheit haben.
diese Erfahrung in noch größerem Umfange zu machen,
wenn die deutschen Mächte zur Ratification des dän.-
preuß. Friedens werden aufgefordert werden). Unsere
Jugend glüht vor Verlangen, die bei Friedericia im Dun
kel derNachtu.unterdem Schutze, den der Ausfall einer
dreifachen Uebermacht aus den Werken der jütischen
Festung gewährte, gefallenen Opfer zu rächen. Statt
9000 Mann stark wie damals, hofft sie jetzt bald in
einer Stärke von 30 — 40,000 Mann, unter etnem
unserm Lande allein angehörigen Oberfeldherrn, von
trefflichen Osficieren aus allen Gauen Deutschlands,
die uns ihre freiwillig angebotenen Dienste widmen,
angeführt, und so Gott will, auf offenem Felde, wo
nur der ehrliche Kampf gilt, sich mit dem Feinde
zu messen. Den Ausgang dieses Kampfes bestimmen
zu wollen, wäre vermessen; aber das darf versichert
werden: die Kriegführung wird diesmal unseren Geg
nern ernster erscheinen, das Entrinnen ihnen schwerer
gemacht werden, jede Niederlage und selbst der etwaige
Sieg ungleich größere Opfer kosten als in den Jahren
1848 und 1849. So ist die Stimmung, die sich in
diesen Tagen in Holstein und im Süden der schlesw.
Demarkationslinie einmüthig und laut kundgicbt;
hier macht sich die Freude über den bevorstehenden
isolirten Kampf, dort die Sehnsucht nach baldiger
Erlösung laut und unzweideutig Luft, während die
stoischen Charaktere der deutschgesinnten Bevölkerung
Schleswigs in der nahenden Entscheidung, wenn auch
schweigend, so doch nicht minder froh bewegt, den
Anfang des Endes ihrer Leiben erblicken. — Nur
über Eines habe ich klagen hören, daß Preußen im
Interesse seiner eigenen Ehre nicht noch wenigstens
einige Wochen den Abschluß des Friedens, der den
1jährigen Waffenstillstand und ömonatliche Unter
handlungen zu beendigen bestimmt, hinausgeschoben
hat; denn wenn je, so wäre bei dieser Gelegenheit
der altrömische Spruch passend anzuwenden gewesen:
Cunctaiido nobis restituit rein. Der Bogen in
Dänemark aufs Straffste gespannt und die offenkun
digste Finanznoth, so wie der täglich wachsende Ein
fluß der Friedenspartei, der leicht einen Minister-
wechsel hätte in seinem Gefolge haben können,
würden gewiß binnen einem Monat sich sehr fühlbar
gemacht haben.
Sind schon die oben treu geschilderte Stimmung
und der Umstand, daß die Führer unseres Heeres
vom Oberbefehlshaber bis zum jüngsten Seconde-
lieutenant in den glücklichen Ausgangs unserer Sache
ungefchwächtes Vertrauen setzen — von diesem zeu
gen auch hie noch immer stattfindenden Meldungen
von Osficieren aus andern deutschen Staaten —
von günstiger Vorbedeutung für uns, so gereicht der
unbeugsame Muth der'Schleswigs, den sie insbe
sondere bei den Wahlen zur ersten ordentlichen Lan-
desveriammlung trotz aller Vexationen der dreieinigen
Landesverwaltung beweisen und die nüchterne, klare
und besonnene Anschauung, die man im ganzen Lande
über die jetzige Krisis hat, zu besonderer Freude
Auch das ist ein Beweis der politischen Reife unsere
Bevölkerung, daß man zwar wünscht und hofft, bi
Statthalterschaft werde nicht unterlassen, die deutschet
Mächte, die jetzt den dän.-preuß. Frieden gutheißet
sollen., an ihre Ehre zu erinnern, daß man sich abe:
keinerlei Illusionen über die bei ihnen im Falle bei
Verweigerung ihrer Unterschrift herrschenden Motiv,
und keine Hoffnung auf etwaigen thatkräftigen Bei
stand Seitens derselben macht.
Schleswig-Holstein muff sich auf sich selbst uni
uur auf sich verlassen. Hoffentlich wird das morger
vollständig versammelte und in den nächsten Tagen
wohl an der Eider concentrirte Heer mit seiner eige
nen Kraft die verpfändete Ehre der gesammten deut
schen Nation aufrecht zu erhalten wissen.
Kiel, den 3. Juli. Gestern war eine Versamm
lung der Prälaten und Gutsbesitzer, um über die
Aufbringung der neuen Zwangs-Anleihe und Kriegs-
steuer zu beschließen, nachdem nämlich die beabsichte
Anleihe von 600,000 Thlr. vorm. Courant sich als
unausführbar gezeigt hatte. Da eine andere Aus
hülfe nicht zu treffen war, wurde beschlossen, daß
jedes einzelne adelige Gut und Kloster seinen Bei
trag mit 1 -/z pCt. des Steuer-werthes selbst zu zahlen
habe. Bei dieser Gelegenheit kam ein schon früher
angeregter Plan, eine Zettelbank für die adeligen
Güter zu errichten, wieder zur Sprache, und ward
ein aus den Gutsbesitzern Böhme zu Depenau, Graf
v. Baudissin-Borstel und Trümmer zu Projensdorf
bestehendes Comite niedergesetzt, um nähere Anträge
deshalb vorzubereiten. — Aus dem nördlichen Schles
wig sind wieder mehrere Flüchtlinge hier angekommen,
namentlich aus Apenrade, wo man für die Theil-
nehmer an der Abgeorbnetenwahl in Tondern sehr
unangenehme Fol zeit besorgte.
Kiel, den 6. Juli. In der schleswig-holstcin.
Armee, berichtet uns ein Schreiben von vorstehendem
Datum, haben dieser Tage wiederum zahlreiche Be
förderungen stattgefunden. So sind u. A. 12 Pre
mierlieutenants zu Hauptleuten ernannt, darunter
der Lieut. eand. j ar . Barens aus Flensburg und
der Lieut. Schneider vom 1. Jägercorps. Der Lieut.
Hans Raumer von Dinkelsoühl ist ins General-
Commando gekommen. Der General-Stabschef soll
fortan Rang eines Obersten und Gehalt eines Bri
gade-Chefs haben. Man' spricht davon, daß vielleicht
v. d. Tann, mit dem Unterhandlungen gepflogen
werben, als Generalstabschef eintreten wird, Major
Wyneken würde dann den Posten eines Sous-Chefs
bekleiden. — Die Departements des Innern und der
Finanzen haben am 27. v. M. eine Bekanntmachung
erlassen, betreffend die Ausweisung von Torf an die
Insten und Tagelöhner auf den herrschaftlichen Mooren.
Die Statthalterschaft hat ein Erinnerungszeichen an
die Feldzüge gegen-Dänemark in den Jahren 1818
und 1819 gestiftet. Dasselbe besteht in einem Kre'tze,
gefertigt aus Eisen von Kanonen des Linienschiffes
„Christian Viii." Das Kreuz wird an einem roth
weiß-blauen Bande getragen. Zum Besitz und Tra
gen dieses „Erinnerungskreuzes" sollen alle berechtigt
angesehen werden: 1) diejenigen noch in Dienst
stehenden Combattanten und Nichtcombattanten der
schlesw.-holst. Armee, welche einen der beiden Feld
züge von 1848 und 1849 mitgemacht haben und
dabei in den Bereich des Feuers der Dänen gekom
men sind; 2) diejenigen der vorstehenden Categoric,
welche auf nicht unehrenvolle Weise aus der Armee
wieder ausgeschieden sind; 3) diejenigen nicht schles
wig-holsteinischen Ofsiciere, welche während ihrer
Dienstleistung in der schlesivig-holsteinischen Armee
- an einem der beiden genannten Feldzüge Theil ge-
nommen haben; 4) diejenigen Ofsiciere, Unteroffi-
ciere rc., weiche bei einem nicht-schleswig-holsteinischen
Truppentheile einem Gefechte in diesen Feldzügen
beigewohnt haben und später definitiv in die scbles-
wig-holsteinische Armee eingetreten sind. (H. N.)
Flensburg, den 3. Juli. Ein hiesiges Schiff
hat in diesen Tagen unweit Bornholm die russische
Flotte passirt, welche gerade in vollem Manöoriren
war. Landtruppen sind am Bord dieser nicht zu er
blicken gewesen. — Für Flensburg beabsichtigt man,
den mit den hiesigen Verhältnissen bekannten, wäh
rend seines Hierseins als politischer Polizeimeister in
Achtung und Liebe der intelligenteren Stadtbewohner
gestandenen und daher hier noch in bestem Andenken
stehenden, jetzigen Polizeimeister Krohn in Kiel zum
Abgeordneten der ersten schlesw.-holstein. ordentlichen
Landesversammlung zu wählen.
Hadersleben, den 2. Juli. Reisende, die
von Jütland kommen, erzählen, daß die dänische Ar
mee weiter nach Süden gerückt ist und daß von
Horsens bis dicht vor Colding jedes Dorf sehr stark
belegt ist. Eine Abtheilung Cavallerie soll nach
Südwesten gegangen sein.
Rendsburg In der am verflossenen Montag
stattgehabten Wahl eines Stadtraths errang der
Herr Consul Kruse die Majorität.
Der Friedrrch-Wilhelm's-Friede.
Der Friede ist zwischen dem Berliner und Kopen-
hagener Cabinet geschlossen. Dies Ereigniß ist füc
dte Herzogthümer ein zu wichtiges, als daß ihm
nicht einige leitende Gedanken zu widmen wären.
Sie drängen sich allerdings im reichlichen Maaße
jedem Schleswig-Holsteiner auf. Berga igenheit, Ge
genwart und Zukunft, jedes dieser Zeiten erhält
durch den abgeschlossenen Frieden erst oie eigentliche
Bedeutung; der Friede tfî eine nachträglich gegebene
authentische Interpretation, wie gewisse Dinge auf
zufassen sind. Wir wollen es Niemanden verargen,
wenn ihm bei der ersten Nachricht von dem Frieden
Bitterkeit das Gemüth erfüllt hat. Es ist uns zu
wunderlich mitgespielt worden; wer es nicht mit er
lebt hat, wird es kaum glauben. Wir aber, die wir
es erlebt haben, wir müssen daran glauben. Wir
haben die positive Gewißheit, daß 1843 ganz Deutsch
land uns Helsen wollte; daß 1850, Gott besser's,
Deutschland noch immer mit sich selber genug zu
schaffen hat; daß 1848 preußische Bataillone' am
Dannewerk für uns kämpften, und daß sie 1850 in
ihre Cantonnements nach Preußen zurückkehren. Doch
hierüber kein Wort mehr.
Der Friede ist zwischen Dänemark und Preußen
geschlossen, und wenn wir die Sache genau ansehen,
so dürfte sich ergeben, nicht baß es damit auch schon
für uns gut stände, wohl aber, daß das größere von
zwei Uebeln beseitigt ist. Der Friede gehört näm
lich nur seiner formellen Seite nach der Gegenwart
an; er ward am 2. Juli geboren; die Voraussetzun
gen dieser Geburt datiren sich viel weiter zurück; sie
liegen in der preußischen, in der deutschen Geschichte
seit 1848, und da diese Geschichte Preußens wie
Deutschlands so eng mit der Persönlichkeit des jetzigen
preußischen Regenten zusammenhängt, so haben wir
uns für befugt gehalten, gedachtem Frieden den Na
men eines Friedrich-Wilhelm's-Frieden beizulegen.
Einige weitere Worte zur Rechtfertigung dieser Be
nennung mögen uns gestattet sein.
Es mag im Allgemeinen der Nachwelt überlassen
bleiben zu untersuchen, wie es kam, baß in den
Jahren 1848 — 1850 die schönsten Hoffnungen auch
nicht das geringste Resultat, das von einiger Erheb
lichkeit wäre, haben entstehen sehen. Einen kritischen
Blick erlaubt sich indeß die Gegenwart, und da
glauben wir, ein gut Theil Schuld, daß Deutschland
nicht ein einiges, sondern ein mehr denn zuvor zer
rissenes geworden, trägt Preußen; nicht das preuß.
Volk, nicht das gegenwärtige Cabinet, nein, die
Schuld trägt diejenige Persönlichkeit, die Preußen
äußerlich repräsentiren soll, d. h. König Friedrich
Wilhelm IV. Es kann Niemanden verargt werden,
daß er keinen großen Geist erhalten hat, denn die