Jahrgang.
43ft!
Rendsburger
Wàll -
M 5«
Sonnabend, den 13. Juli
18LV
Tagesgeschichte.
D ä n e m â V k.
Kopenhagen, den 9. Juli. Gestern Morgen
11 Uhr traf mit dem Obotrit Kammerjunker Sick.
Attach« bei der dänischen Gesandtschaft in Berlin,
hier ein. Derselbe überbrachte die preußische Rati
fication des bekannten' auch von Dänemark bereits
ratificirten und nach Berlin zurückgesendeten „Proto
kolls." Der Termin für die Ratification des „Frie-
denstractats" erstreckt sich, wie man weiß, bis zum
23. d. M. Den Inhalt des Tractats fahren natür
licher Weise die Blätter fort in ihrem Sinne aus
zubeuten. Nach „Fyen's Avis" wird die dänische
Armee nach 11 Tagen sofort bis an die Eider Schles
wig besetzen; dann wird der Bund vom Könige auf
gefordert'werden, die „von Preußen zugesagte völlige
Unterwerfung Holsteins" zu bewirken, und wenn dies
nicht fruchtet, wird die Armee sofort auch in Hol
stein einrücken, um den Aufruhr vollständig zu dämpfen.
Vorher indeß — wird jetzt auch der „N. Pr. Ztg."
aus Kopenhagen geschrieben — und zwar binnen
8 Tagen, wird eine Proclamation an das Volk der
Herzogthümer erlassen werden, worin dasselbe zum
Frieden und znr Niederlegung der Waffen aufgefor
dert wird. Bolle Amnestie wird Allen gewährt, und
nur 20 Personen haben die Herzogthümer zu ver
lassen. Den günstigen Erfolg bezweifelt man nach
jenem Schreiben doch selbst in Kopenhagen allgemein.
Aus den Herzogthümern erhält „Flyveposten" von
ihrem Flensburger Correspondenten die Nachricht,
alle Permittirte und die ganze Armee sei einberufen.
Man scheint indeß dieser Mittheilung in Kopenhagen
nicht recht Glauben schenken zu wollen. — Die
„Osts. Z." berichtet aus St. Petersburg vom 5ten:
„Heute kehrte die unter dem Befehl des Prinzen von
Oldenburg stehende Flottille, nachdem sie ihr Uebungs-
manoeuvre in der Ostsee beendet, in den cronstädter
Kriegshafen zurück."
Deutschland.
Dresden, den 8. Juli. Die zu lebensläng
lichem Tode im Zuchthause begnadigten Maiverbrecher
Heubner und Röcke! theilen nicht das Loos, das noch
vor Kurzem Kinkel in Naugardt zu Theil ward!
Man soll den beiden Gefangenen die Schmach der
Einkleidung erspart, ihnen ferner auch nachgelassen
haben, sich literarisch zu beschäftigen.
Hannover, den 8. Juli. Die amtlichen Nach
richten melden, daß dem Oberstlieutenant v. Wissel
von der Artillerie-Brigade die nachgesuchte Dienst
entlassung bewilligt worden ist. Oberstlieutenant v.
Wissel, einer der ausgezeichnetsten Ofsiciere dieses
Corps und als militairischer Schriftsteller Vortheilhaft
bekannt, ist, wie man vernimmt, von der schleswig
holsteinischen Statthalterschaft zu einer hohen Stel
lung in dem dortigen Heere berufen, in welchen: be
kanntlich eine große Anzahl hannoversche Osficiere
Dienste genommen haben. . (W. Z.)
München, den 5. Juli. Gestern war zufolge
der von der bayerischen Gesandtschaft zu Berlin hier
her gemachten Meldung von dem Abschlüsse eines
Separat-Friedens zwischen Preußen und Dänemark
Nne Berathung unter den Ministern. Es scheint,
diese Nachricht kam ziemlich unvermuthet, und man
will wissen, daß unsere Regierung sich entschieden für
vre Unabhängigkeit der Herzogthümer aussprechen
werde, Welchen Eindruck Bayerns Stimme machen
und welchen Erfolg sie haben wird, kann nur die
Zukunft zeigen.
^ şş-rlsruhe, den 5 Juli. In der benachbarten
Stadt Baden ist em moderner Diogenes aufgetreten
Der dortige Kunsthändler Buffa, der sich lange in
Untersuchungshaft m den Caseinatten in Rastatt be-
fà. und ech kürzlich freigegeben, aber unter poli
zeiliche Aufsicht gestellt wurde, ging am Dankseste
wegen des Einrückens der Preußen in der Stabt
Baden mit einer brennenden Laterne in den Straßen
umher, um wie er sagte, die schwarz-roth-goldene
Fahne zu suchen. Er konnte indeß nicht in sein Faß
zurucklehren, sondern wurde gleich am 30 v M
arrctirt und am 2. d. M. von Husaren nach Rastatt
in die Casematten geführt. Sein Vermögen ist ganz
zerrüttet, wahrscheinlich auch seine Fassungskraft, wes
halb er vielleicht eher nach .der Irren-Anstalt Klenau,
als nach dem Zuchthause in Bruchsal kommt.
Frankfurt, den 7. Juli. Der Friedensschluß
« nimmt auch hier die Aufmerksamkeit
aller Vaterlandssreunde in Anspruch. Man enthält
sich in Erwartung der weitern Folgen des Urtheils
über die Modalitäten dieses wichtigen Ereignisses,
glaubt aber dem Frieden nur die Bedeutung eines
Ueberganges beilegen zu dürfen. Die lebhaftesten
Sympathieen wenden sich den braven nordalbingischen
Brüdern zu, und man zweifelt nicht, daß alle deutsche
Regierungen bestrebt sein werden, ihnen im Falle
eintretender Gefahr die Hülfe zu leisten, welche Recht
ssņd Ehre Deutschlands Fürsten und Völkern zur
Pflicht machen. Für Preußens Verfahren sucht man
hier eine Rechtfertigung darin, daß das berliner Ca
binet von allen deutschen und außerdeutschen Mächten
verlassen und angeseindet dastand. Die Anklage
richtet sich namentlich gegen die unionsfeindlichen Re
gierungen. Der Friedenstractat ist, wie wir hören,
der Bundes-Commisston zur Ratification übergeben
worden, ohne daß mail schon weiß, wie die Erklärung
dieser Behörde ausfallen wird. Inzwischen soll Hr.
v. Harbon die Höfe von Darmstadt, Carlsruhe,
Stuttgart und München bereisen, um daselbst Modi
sicatwnen des Vertrages anzuempfehlen. (H. N.)
den 5. Juli. Die beiden reorga-
msirten badischen Bataillone sollen denn doch in
/^àrlande verbleiben. So melden neuere
Rachrichten. _ Sie werden in badische Garnisonen
® a l UÏ Classen zwei preußische Bataillone
Baden und kommen nach Frankfurt, um die seither
hier gelegenen Bataillone abzulösen. Letztere haben
bereits für den 10. d. M. Marschordre erhalten. Man
soll überhaupt von dem Gedanken, die reorganisirten
M °« iU fl«»j
Wien, den 9. Juli. F.-Z.-M Havnau ill
^Ş Nichtbefolgung kaiserl. Befehle 'seines Com
inandos enthoben worden
l-.iâc/ņrt, den 6. Juli. Der Vorstand der deutsch-
ka holischen Gemeinde hat die indische um die Mit-
venutzung der Synagoge angegangen, was diese auch
Pro! l/och dem Magistrat zur etwanigen wei
tern Wahrnehmung Anzeige davon mit dem Be
merken machte daß sie dem Geiste der mosaischen
N^gemaß dem Gesuch nicht hätte entgegen
den 7. Juli. Der Frieden mit Däne-
^k 'it zwar von Preußen im Namen Deutschlands
KJ S d".ihm dazu von der Central-Bundes-
fen Ä U I em i r 3eit Eckten Vollmacht geschlos-
e KK\ slb S r 4. bem K bie Ģatlslcation Seitens der
nur hl lochen Regierungen vorbehalten, da ja
me Stipulationen von Preußen als dem von
Aland bevollmächtigten Unterhändler ver-
bintÄ Worden sind der einzelne Vollmachtgeber nun
bil mil m er das Recht seiner Zustimmung
hat. Mit Bezug hierauf wurden denn die Friedens
documente in officieller Form durch das hiesige aus
wärtige Ministerium sofort am 3 ten den einzelnen
deutschen- Regierungen mitgetheilt mit der Aufforde
rung', die fur den Tractat innerhalb drei Wochen vor-
behaltene Ratlstcation vollziehen zu wollen. Die preu-
ßlsche Ratis,cation wurde sofort ertheilt, sowohl für
das Protocol! wie für den Tractat selbst, und gleich-
salls bereits ^ am 3. direct nach Kopenhagen gesendet.
(Das ratistcirte Protocol! ist, wie schon in der letzten
Nummer d. Bl. gemeldet wurde, bereits aus Kopen
hagen wieder eingetroffen.) Ebenso aber ist man be
reits hier darauf gefaßt, daß die Ratification des
Tractats wahrscheinlich bei einzelnen deutschen Regie
rungen auf Schwierigkeiten stoßen werde/und man
glaubt namentlich, daß Hannover, welches seinen
Wunsch in Norddeutschland eine imponirende ©tel«
lung einzunehmen, neuerdings so deutlich bekundet
hat, diese jetzt so günstig gebotene Gelegenheit nicht
werde ungenutzt vorübergehen lassen, zumal ein dis-
sentlrcndes Auftreten diesmal von der öffentlichen
Meinung mehr als ze getragen werden würde. Die
Rundreise die Graf Adalbert von Baudissin so eben
an den Hosen von Hannover, Oldenburg, Braun-
flyweig macht, wird mit derartigen Intentionen in
^erbindung gekrackt. Auch würden in der That die
Regierungen vornehmlich dieser norddeutschen Staa-
îlKf/ ģŞûber, aus welchem Wahl-
gesetz immer dieselben auch hervorgegangen sein mö»
gen, be, einer einfachen Ratification des setzt geschlos
senen Friedens einen sehr schweren Stand haben. -
Deicht möglich daher, daß der von Preußen nun voll
brachte Schritt einen neuen Zankapfel auch unter den
deutschen Regierungen selbst abgibt.
Es mögen sich hieran noch ein Paar vereinzelte
Notizen in Bezug auf die Verhältnisse knüpfen. Ue
ber das seiner Zeit genommene dänische Schiff „Gefion"
,oll in dem mit Preußen vereinbarten Protocolle ein
besonderer geheimer Artikel aufgenommen sein, wel-
cher besagt, daß in Betreff dieses Schiffes die Ver-
Haltnisse des bisher bestandenen Waffenstillstandes zu
nächst noch fortdauern sollen; es solle dasselbe vor-
'“f>9 -» ,»°nr Eck-,»,--,-..,' W» li.zm iU
aber von preußischen ober doch deutschen Bundes
ruppen besetzt werden. - Eine ande?e uns u ^
henbe Notiz besagt, daß von Seiten der schleswig.
holsteinischen Statthalterschaft bei den der hiesigen
Seehandlung gehörigen Dampf-Mühlen in Potsdam
sehr bedeutende Mehlbestcllungen eingegangen sind
mit der ausdrücklichen Bedingung, dieselben in der
möglichst kürzesten Zeit vermittelst der Hamburger
Eisenbahn auszuführen. Man bringt natürlich auch
diese Bestellungen mit den neuen Kriegsaussichten in
Verbindung — Ebenso wird erzählt, daß General
v. Willisen so eben seine ganzen Privatverhältniffe
der Art aercaelt und nam?ntllck c-i„ * ....
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der Art geregelt und namentlich sein Vermögen hier
bei einem Banquier so deponirt habe, daß bei dem
Eintreten jedweder Eventualität seine Erben Alles
geordnet finden. Der General scheint sich somit auf
den schlimmsten Fall vorzubereiten. (W-Z)
Berlin, den 8. Juli, Abends. Ich $' rjeb
Ihnen bereits am 6. Abends, daß das Protocoll
zwischen Preußen und Dänemark wegen Abzugs der
Truppen von beiden Staaten ratificirt worden sei
Die Ratificationen sind an demselben Tage ausge-'
wechselt. Die rückziehenden preußischen Truppen wer
den zu einem Observations-Corps an den Grenzen
dsr Herzogthümer (und zwar „aus mecklemburgischem
Gebiet nach der „N. Pr. Ztg.") vereinigt, um die
dänischen Schritte nicht aus den Augen zu verlieren.
Bunsen ist officiell zur Theilnahme an der lon
doner Conferenz in der dänischen Sache aufge
fordert worden und hat seiner Instruction gemäß
şich geweigert. Oesterreichs Geschäftsträger nahm
Theil, zeichnete nicht aus Mangel an Instruction.
Diese durste nach einer Aeußerung von Prokesch je«