Full text: Newspaper volume (1855)

Mittwoch, den 5, December 
Bon diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder directe abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Expedition 
iti Rendsbukgcr Wochenblattes" eingesandt werden. Anzeigen werden'bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Nhr erbeten. Der Preis dieses Blattes ist für Interessenten, denen 
et hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 61 /3 R.-M. und wenn eS von der Expedition abgeholt wird 61/3 R.-M. Für Auswärtige, welche Besteîlnnge» bei den Postämtern machen, 
ist der Preis vierteljährlich 61 ß R.-M. — Kündigungen werde» 11 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. 
Derselbe sollte nämlich ein Fuder Hafer für das 
vierte Dragoner-Regiment hier in Schleswig liefern. 
Zu diesem Ende hatte er eine bedeutende Summe 
Geldes in preuß. Thalern zum Umwechseln mitge 
nommen, die ihm von seinem Mörder entwendet wor 
den sind. Man soll seine Leiche, mit einer bedeu 
tende» Wunde im Nacken, unweit Norderstapel einige 
Stunden nach der verübten That gefunden haben. 
Der Wagen war gewälzt und man könnte anneh 
men, daß er beim Wälzen desselben ums Leben ge 
kommen wäre. wenn nicht das entwendete Geld für 
einen Raubmord spräche. (Auch hier in Rendsburg 
ist ein solches Gerücht seit einigen Tagen in Um 
lauf, ohne daß wir etwas Gewisses darüber in Er 
fahrung bringen konnten.) 
Tönning. 29. Nov. Mit dem unterm 27. ab 
gegangenen Dampfschiffe „Newcastle" sind nach Lon 
don expedirt: 60 Ochsen. 853 Tonnen Hafer, 140 
Tonnen Bohnen, 12 Tonnen Aepfel, 677 Drittel 
tonnen Butter,' Br. 10,000 Pfd. St. Crotx-Zucker, 
66.240 Pfd. ges. Fleisch, 31,320 Pfd. ges. Speck, 
267 Pfd. Butter, 1268 Pfd. Wachs. 224 Pfd. ger. 
und aes. Ochsenzungen, 90 Pfd. Dictualien, 1 Paar 
Eisenbahnwagenräder und Achsen 2000 Psd. — Mit 
dem heute nach Lowestoft abgegangenen Dampf 
schiffe „Eich of Norwich" şià ausgeführt : 217. St. 
Hornvieh, 149 Schafe, 38 Tonnen Weizen, 400 Ton 
nen Hafer, 136 Tonnen Bohnen, Br. 13,500 Pfd. 
ges. Speck »nd 4120 Pfd. ges. Fleisch. 
Vacanzen: Das Rectoràt an der Stadtschule zu 
Burg. Einnahme reichlich 480 Thlr. und freie Woh 
nung. ^ Da die Stelle Allerhöchst unmittelbar besetzt 
wird, so haben die Bewerber ihre Gesuche innerhalb 
4 Wochen (vom 20. Nov. an gerechnet) an das kgl. 
Ministerium für das Herzogth. Schleswig einzusenden. 
Die Stelle eines zweiten Lehrers an der Elemen 
tarschule in Husum. Gehalt 320 Thlr. u- 16 Thlr. 
Feuerungsgeld. Bewerber muffen sich innerhalb 3 
Wochen (vom 27. v.,M. an) bei dem dortigen Ma 
gistrate melden. 
Gckernförde, den 29. Novbr. Die hier wei 
lenden Mitglieder der großen Befestigungscommission 
(General v. Fibiger. Oberstlieutenant v. Caroc und 
Eapitain v. Petersen) machen täglich Ausflüge in die 
Umgegend, behufs Vermessung des Terrains ic., wer 
den jedoch nur noch bis übermorgen hier verweilen. 
Sie sind in den letzten Tagen mit dem Nivelliren 
des Schleigebiets und des Terrains zwischen Cap 
peln, Schleswig und Eckernförde beschäftigt gewesen. 
Jngenieurcapitain v. Schrödter, der das "zu vermes 
sende Terrain genau kennt, asststirte ihnen bei diesen 
Arbeiten. 
—' Man erzählt sich hier viel von kleinen verwe 
genen Diebstählen die häufig in der Umgegend aus 
geübt werben und größtentheils in der Entwendung 
von Lebensmitteln bestehen. (A. Z.) 
Aus Gckernförde schreibt man dem „I. W.", 
daß sich kürzlich auf dem Gute Rothenstein ein trau 
riger Fall ereignete. Ein Arbeiter, der beim Dreschen 
angestellt war und im Dunkeln noch aufs Fach hin 
aufstieg, stürzte von dort auf die Dreschtenne und 
war augenblicklich todt. 
Morderdithmarfchen Bon den 85 Schul 
lehrern in Norderdithmarschen haben nach freiem Ent 
schluß der betheiligten Communen im laufenden Jahre 
34 eine Theurungszulage erhalten. 
X Kiel, den 2. Dec. Am 30. v. M. kam der 
General Canrobert von seiner Mission von Stockholm 
und Kopenhagen hier durch. Bei seiner Ankunft am 
Morgen empfing ihn auf dem Dampfschiff ein hoher 
Königlicher Osficier. Eine Ehrenwache vor Brandt's 
Hotel bezeichnete das Absteige-Quartier des berühm 
ten Feldherrn. Derselbe stattete aus einem der im 
Hafen liegenden französischen und englischen Schiffe 
Besuch ab. die ihm zu Ehren salutirten. Nachmit 
tags fuhr der Marschaü, ein Mann mittlerer Größe, 
mil dem Eisenbahnzuge nach Hamburg. Ihn zu sehen, 
fanden sich viele der hiesigen Einwohner auf dem 
Bahnhöfe ein. . 
Der Hafenquai wird, Weiler gesunken war, höher 
gelegt, und ist zu gleicher Zeil die Drehscheibe an 
d'er Pserde-Bahn den Verhältnissen nach umgearbeitet. 
Man sieht, daß für Verbesserung und Erbaltung deS 
Hafens (welcher übrigens 25,000 $ Brückengeld ein 
bringen soll) durchweg viel gethan wird. 
Daß die Aufhebung der Patrimonial-Gerichtsbar- 
keit in näherer oder fernerer Zukunft in Holstein 
ebenso Statt finden wird, wie sie in Schleswig be 
reits eingetreten ist. davon hört man daS Eine oder 
Andere verlauten. Das im Widerspruch mit der all 
gemeinen Gerichtsverfaffung bestehende Institut wurde, 
ohne daß von Seiten der betbeiltgten adeligen 
Güter im Schleswigschen dagegen viel Einrede erho 
ben wurde, vielmehr fast im scheinbaren Einverständ- 
niß mit denselben aufgehoben und hätten die Güter 
die Aufhebung damals wohl noch lieber gesehen, wenn 
ihnen die gutsobrigkeitlichen Geschäfte, deren Wahr 
nehmung der Guts-Polizei verblieb, zu gleicher Zeit 
genommen worden wären. Das aber geschah nicht 
und frägt sich nun, inwieweit derselbe Fall in Hol- 
stein zur Durchführung kommen wird. 
— Pastor Wolf hat in Veranlassung des Prote 
stes der zwölf Bremerhavener offen erklärt, daß er 
jetzt noch unwandelbar dieselben Ansichten vertrete, 
welche er in der von den Protestirenden angeführten 
Osterpredigt ausgesprochen und werde er kein Jota 
davon zurücknehmen. Das geistliche Ministerium 
Bremens hat nur mit 5 Stimmen einen Protest ge 
gen die Zulassung des Pastors Wolf eingereicht, wo 
gegen die Minorität: Nagel, Panièl und Rothe, in 
einer an den Senat eingereichten Verwahrung, ent 
schieden den Protest gegen Pastor Wolf, im Interesse 
der Wahrnehmung der Glaubens- und Gewissens- 
freiheit, bekämpfen. 
— Das Herzogthum Holstein zählt nach den „Alt. 
Nachr." bei einer Bevölkerung von 523,528 Seelen 
123 Kirchen. Es kommen sonach auf 4256 Seelen 
eine Kirche. 
Glückstadt, den 2. Decbr. Gestern sind von 
hier mit dem Dampfschiffe „Courier" 419 erwachsene 
Mormonen mit 138 Kindern nach England expedirt. 
Dieselben kamen pr. Eisenbahn von Kiel mit einem 
Extrazuge, und man erwartet in einigen Wochen aus 
demselben Wege eine ähnliche Hahl aus Dänemark. 
(H. N.) 
Altona. Unser Gymnasium hat einen harten 
Verlust erlitten durch den kürzlich erfolgten Tod des 
4ien Lehrers an demselben, des Dr. Brandis, eines 
noch jungen Mannes. 
- Matzeburg Die Stelle eines Bahnhofsver- 
walters auf der Lübeck-Büchener Eisenbahn, und zwar 
in Mölln, wird plötzlich erledigt. Der Hauptmann 
Stawitzky, bisher erster Bahnhofsverwalter daselbst, 
bat sich bei der engl.-deutschen Legion, als alter Krie 
ger, annehmen lassen. Er wird Hauptmann in dem 
5. Infanterie-Bataillon. (E.-Z.) 
Dänemark und die Herzogtümer. 
Kopenhagen, den 29. Novbr. General Can- 
lodert ist diesen Mittag mit dem Postdampfschiffe 
„Slesvig" nach Kiel abgereist. Bei der Zollbude 
waren versammelt der General-Adjutant des Köni;s, 
der Militair-Commandant der hiesigen Garnison und 
der Hofmarscball, so wie das diplomatische Corps und 
eine große Anzahl Officiere aller Waffengattungen, 
um dem General Lebewohl zu sagen. Enthusiastischer 
Beifall und donnernder Hurrahruf des zahlreich ver 
sammelten Volks gaben dem General Canrobert ei 
nen deutlichen Beweis, wie er bei demselben populair 
geworden ist. (H. C.) 
— Unterm 28. Nov. hat Se. Maj. der König den 
kaiserl. stanz. DivisionsgeneralFrancois Tertain'Can 
robert zum Ritter des Elephantenordcns, so wie des 
sen Adjutanten, den k. stanz. Oberstlieutenant im 
Generalstabe, Fr. de Cornely-Prud'homme, zum Com 
mandeur des «Dannebrogordens und den k. stanz. 
Marinelieutcnant Baron Duperre zum Ritter vom 
Dannebrog ernannt. 
— Der General Canrobert besuchte bei seiner jüng 
sten Anwesenheit die Sehenswürdigkeiten, welche die 
Stadt aufzuweisen har. Unter anderm wohnte er auch 
den Uebungen des militair-gymnastischen Instituts bei, 
wo die Eleven und Lehrer, sowie viele Officiere ver 
sammelt waren. Das Bajonnetfechten, sowie Caval- 
leriehiebe und der Uebergang über Pallisaden mittelst 
Gewehrtreppen sollen ihm besonders gefallen haben. 
— Die aus ca. 2100 Nummern bestehende dritte 
Abtheilung der Kupferstich-Sammlung des verstorbe 
nen Capitains Schapers soll nächstens versteigert 
werden. Die k. Kupferstichsammlung hat gegen 400 
Nummern zur eignen Completirung angekauft. 
— Der zur "deutschen Gemeinde Petri Hieselbst 
gewählte Pastor, Dr. Schweizer, hat die Bestätigung 
der Regierung nicht erlangen können und wird daher 
eine neue Wahl stattfinden. Morgen predigt in der 
Petri-Gemeinde ein es»,!, theol. Schmalz aus 
Hamburg. 
— Das Gut.Annerup im nördlichen Jütland, 
welches vor 16 Jahren kür 14000 Rthlr." gekauft 
wurde, ist jetzt von der Admiralin Zahrtmann für 
86000 Rthlr. gekauft worden. Zum mitfolgenden 
Inventar gehören ca. 100 Kühe, 12 Pferde rc. Diese 
Dame besitzt mehrere Güter in Jütland. Sic ist 
bekanntlich eine Tochter des Herrn Conferenzratbs 
Donner in Altona. 
Flensburg, den 29. Nov. Von der schieswig- 
schen Ständeversammlung wurden zum Reichsrath ge 
wählt: Dr. jur. Müller von Schnaap in Kiel, Kam- 
merherr Amtmann von Warnstedt zu Steinhorst (frü 
her Amtmann des Amts Flensburg), Etatsrath Pro- 
fessor Flor. Kammerherr v. Rumohr auf Rundhof 
in Angeln und Kammerherr Amtmann Wolfhagen in 
Flensburg. (A. M.) 
— Unterm 27. v. M. ist der fungirende Zollin 
spector für das Herzogthum Schleswig, Zollinspector 
in Odense. Etatsrath I. I. G. Blom, R. v. D. u. 
Dbm. auf Ansuchen in Gnaden von der vorbenann 
ten Function vom 1. April 1856 angerechnet, ent 
lassen worden, und von derselben Zeit an der const. 
Zollinspector in, Odense. Cand. jur. C. H. G. Blom 
zum Oberzollinipector für das Herzogthum Schleswig 
ernannt worden. 
— In der „Fl. Ztg." liesst man: Nachrichten 
aus verschiedenen Gegenden über die Anmeldungen 
zur Ausübung des Wahlrechts bei den directen Wah 
len zum Reichsrath lassen vermuthen, daß theils 
Gleichgültigkeit, theils Furcht vor den Folgen der 
Offenbarung der DermögenSumstände, die Zahl der 
Wähler in manchen Districten sehr beschränken, wird. 
Schleswig, l. Dec. (Fl. Z.) Wie hier gesagt 
wird, soll vor einigen Tagen ein Raubmord began 
gen worden sein an einem Bauer von Norderstapel. 
Deutschland. / : . 
Hamburg, den l. Dec. Nachdem General Can- 
robert gestern Abend mit der kiel-altonaer Eisenbahn 
eingetroffen und im Bictoria-Hotel abgestiegen war, 
setzte derselbe heute Morgen seine Rückreise über Köln 
nach Paris fort. Bei seiner Ankunft am altonaer 
Bahnhöfe, woselbst eine milit. Ehrenwache aufgestellt 
war, wurde er vom Publikum mit einem Hurrah be- 
grüßt und von dem hiesigen sranz. Gesandten nach 
seinem Absteigquartier geleitet. Nach der „E.-Z." soll 
bei dcm Empfang in Altona Hr. Oberst!, v. Harbou, 
welcher bekanntlich mehrere Feldzüge in Algier mit 
gemacht, sich dem General als alten Waffengefährtcn 
vorgestellt haben und dadurch Anlaß zu einem zwi 
schen beiden Militairs sehr lebhaft geführten Gespräche 
geboten haben. 
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