setzt, cms Grund der Präliminarien geschehen, und es
wird dadurch England wieder freie Hand gegeben,
das Protoeoll umzustoßen. Dich dänische Frage kommt
in ähnliche Verwickelungen, wie die eben erledigte
griechische Angelegenheit."
Die „Deutsche Reform" enthält folgende augen
scheinlich halbofsicielle Mittheilung:
Berlin, den ll. Juli. Die von der A. Allg.
Ztg." mit der Veröffentlichung des Londoner Proto
koll-Entwurfs vom 2. Juni 1850 in Verbindung
gebrachte Behauptung, daß der k. p. Gesandte Ritter
Bunsen an jenem Protocolle Theil genommen habe,
ist eine Unwahrheit. Eben so unwahr ist es, daß
von keinem der Vertreter der beiden deutschen Groß
mächte eine Remonstration angezeigt sei, und daß
keiner von ihnen eine Einwendung gegen jenes Pro
tokoll zu machen gehabt hätte. Von Seiten des
Ritters Bunsen ist nämlich gleich auf die erste Nach
richt von' der Intention der Großmächte eine Die»
monstration erfolgt. Derselbe hat überdies, als ihm
die Aufforderung zuging, sich an den beiden Conse-
renzen zu betheiligen, namentlich der Conferenz bei
zuwohnen, in welcher die officielle Mittheilung des
ohne Deutschland entstandenen Protokoll-Entwurfs
stattfinden sollte, diese Betheiligung entschieden ab
gelehnt, weil er es mit der Würde des Repräsentanten
einer deutschen Macht nicht vereinbar hielt, in for
meller Weise Kenntniß von einem Actenstück zu neh
men, welches von der Absicht zeugte, willkührlich über
unzweifelhafte deutsche Rechte zu entscheiden. Der
selbe hat zugleich in zwei Noten an Lord Palmer
ston vom 4. und 5. Juli, die von ausführlichen
Denkschriften begleitet waren, auseinandergesetzt, daß
der Protokollentwurf ungerecht und illegal sei, weil
er eine diplomatische Idee sanktionire, welche sich auf
keinen europäischen Tractat und keinen legalen Act
stutze, die Idee nämlich von einer Integrität der
dänischen Monarchie mit Inbegriff von Holstein und
Lauenburg, die eine selbstständige staatsrechtliche Stel
lung haben.
Was den österreichischen Geschäftsträger in Lon
don anbetrifft, so war derselbe zwar in der bespro
chenen Conferenz gegenwärtig, hat sich jedoch an der
Paraphirung des Protokolls nicht betheiiigt und sei
nen Namen in der Aufführung des Protokollentwurss
gestrichen.
Braunschweig, den 8. Juli. Der bevorste
hende (Eintritt des preußisch-dänischen Friedens und
das dadurch herbeigeführte Preisgeben der Herzog-
thümer hat in den Gemüthern hier einen wahren
Sturm erregt. Die Wirkung erstreckt sich sogar in
solche Kreise, in welche andere Ansichten als die Or
donnanzen der Obern schwer Eingang zu finden pfle
gen. Hr. v. Stutterheim, einer der allertüchtigsten
Officiere unserer Artillerie, ein tapferer, bewährter
Soldat, der in Spanien und gegen die Dänen seine
Bravour bewies, hat seinen Abschied genommen, und
scheidet hier aus den angenehmsten Verhältnissen, um
seine Kenntnisse und seinen Arm den verlassenen Her-
zogthümern zu weihen. Dasselbe beabsichtigen Haupt
mann Ludovici und Lieutenant Hohli, die schon frü
her ihren Abschied nahmen, und noch eine Dieihe
gerade der allertüchtigsten und beliebtesten Officiere
wird genannt, die das Nämliche im Plane haben.
(Magd. Ztg.)
Schleswig-Holstein.
Die „H. N." vom 12. Juli schreiben Folgendes:
Es scheint sich im großen gemeinsamen Vaterlande
aller Orten eine lebhafte Agitation vorzubereiten zur
privaten Unterstützung der ohne Hülfe der deutschen
Regierungen Dänemark gegenüber auf sich selber
allein gestellten Schleswig-Holsteiner. Wir haben
gestern der Sache schon erwähnt; wir können heute
hinzufügen, daß sich bereits mehrfach, wie z. B. in
Cöln, Hülfsvereine gebildet haben, daß die „Z. f. N."
einen desfallsigen „Aufruf an das hannoversche Volk"
erlassen hat, daß dasselbe Blatt namentlich auf die
Zahlung der von den Herzogthümern dcm Dieich vor-
geschosfenenen Kriegskosten dringt. — Das C. B.
schreibt aus Berlin vom 10.: „Es wird versichert,
daß Hannover die Ratification des Friedens mit
Dänemark gleichfalls genehmigen werde. Bestätigt
sich diese, glaubhafter Seite entlehnte Versicherung
so ist anzunehmen, baß auch Seitens anderer deut
schen Staaten, die sich zur Zeit in einem gereizten
Verhältniß zu Preußen befinden, die Ratification er
folgen wird. Wie wir hören, hätten in dieser An
gelegenheit vorläufige vertrauliche Mittheilungen und
Berathungen, namentlich zwischen den Höfen von
Hannover und München stattgefunden. Seitens Han
nover sollen auch Verhandlungen mit Oldenburg über
diesen Punkt stattgehabt haben. Bei den Vorschlä
gen in Betreff der hannov. Principats an der Elbe
und der, bieserhalb an Oldenburg ergangenen Auf
forderung, ist hier der Fall eines Anschlusses Olden
burg's an Hannover vertraulich bemerkt worden, wie
in einem solchen Falle Hannover in den schleswig-
schen Angelegenheiten mehr hervortreten und die An
sprüche des Prinzen Friedrich Peter von Oldenburg
seiner Zeit unterstützen würde. Herr Stüve persön
lich soll gegen den Frieden mit Dänemark sein. Ver
sichert wird, daß unter allen Umständen eine Anzahl
hannoverscher Officiere, mit Genehmigung ihrer Re
gierung. jn Schleswig Dienste nehmen werden.
Altona, den 712." Juli. Die Mittheilungen
über den) bevorstehenden Eintritt des Oberstlieut. v.
d. Tann in die schleswig-holsteinische Armee bestätigen
sich. Heute Nachmittag traf derselbe, direct von
Aachen kommend, auf dem Bahnhof hieselbst ein,
5 Minuten nach Abgang des nach Kiel und Rends-
burg fahrenden Personenzuges. Der Hr. Eisenbahn-
Director, Director Dietz, expedirte v. d. Tann sofort
mit einem Extrazuge, der, wie wir hören, in Nen-
münster den Personenzug einholte. So viel wir er
fahren, ist v. d. Tann auf eine Einladung der Statt
halterschaft hierher gekommen. Eine bestimmte Stel
lung in der Armee scheint für ihn noch nicht ermit-
telt zu sein. Jedenfalls möchte er indeß beim Ge
neralstabe verwendet werden. Jn Aachen, wo er als
Flügeladjutant des Königs mit diesem sich aufhielt,
hat er sofort seinen definitiven Abschied aus der
bayerischen Armee genommen. „Nun, da es zur
Entscheidung kommt," war seine Meinung, „kann ich
doch hier bei Euch nicht fehlen."
Altona, den 14. Juli. Vom Norden ist auf
der Heimreise nach Hamburg heute der Oberst Hod
ges, einst schiedsrichterliches Mitglied der „Landes-
verwaltuna für Schleswig," hier durchpassirt.
(H. R.)
Am 12. d. früh, zwischen 8 und 9 Uhr, erfolgte,
wie es heißt, durch Unvorsichtigkeit, in der in der
Norderstraße zu Altona telegenen Caserne eine Pul
ver-Explosion, die in dem Gebäude selbst einige Zer
störungen anrichtete und durch welche einige Personen,
die in dem Hause anwesend waren, Verletzungen da
vontrugen.
Nachstehender Aufruf wurde in Altona unter das
nach Schleswig marschirende schleswig-holsteinische
Militair vertheilt:
Schleswig-Holsteiner! Endlich ist der ernste und
heilige Augenblick da, wo Ihr mit dem Schwerte
unser Recht und unsere Freiheit erkämpfen sollt.
Nicht war es möglich, mit unsern Unterdrückern und
Peinigern einen ehrenvollen Frieden zu erzielen, denn
Dänemark will die Herzogthümer nicht gleichberechtigt
neben sich dulden, sondern verlangt unbedingte Unter
werfung, und da das mannbare Volk der Herzog
thümer solche Anmaßung mit gerechtem Stolze von
sich weist, da deutsches Blut sich nun einmal nicht
danisiren läßt, will es mit Gewalt der Waffen er
zwingen, was List und Perfidie nicht vermochten.
Schleswig-Holsteiner! In wenigen Tagen steht
Ihr dem alten Erbfeinde gegenüber, und sollt die
Schlacht gegen ihn schlagen in Schleswigs Gefilden,
auf dem Erbe Eurer Väter, aus Eurem eignen hei
mathlichen ^Boden. Ihr sollt Eure hart geprüften
Brüder in Schleswig befreien von dem unerträglichen
Joche, das sie mit Resignation und Glaubenszuver
sicht an eine bessere Zukunft schon so lange getragen
haben, ohne murren zu und zu wanken; befreien von
den Zuständen, unter welchen eine usurpirte Regie
rung jeglickes Gesetz und Recht mit Füßen trat und
das Land der Demoralisation entgegensührte. Ganz
Europa blickt theilnehnrend aus Euch und wünscht
Euren Waffen den gerechten Sieg!
Schleswig-Holsteiner! Ihr habt eine beneidens-
werthe, eine rühm- und ehrenvolle Aufgabe zu er
füllen, — einen hohen, hehren Zweck! Ihr kämpft
für Eure Freiheit, für Euer altes ehrwürdiges ver
brieftes Diecht, das Ihr kübn jedem Zweifler als Pa
nier entgegenstreckt. Der Däne aber kämpft für
Eure Unterdrückung und will Euch und die Eurigen
in das alte verhaßte Joch zurückführen. Wo da das
größte Selbstvertrauen und der größte Muth sein
muß und ist, liegt klar vor Augen. Es bedarf da
her auch gewiß und zuverlässig nicht des Wunsches,
Euch dieser Aufgabe würdig zu beweisen, denn wo
ein so edler Zweck vorleuchtet, können die Mittel
nur gut sein. — Zeigt Euch als tapfere Holstensöhne;
als die würdigen Söhne der alten freien Friesen,
Ditmarsen und Angelsachsen und bewährt wiederholt
den Heldenmuth, den Eure Väter bei Bornhöved
und Hemmingstedt siegend mit ihrem Blute besiegel
ten. Sie starben für die Freiheit — und wahrlich,
es ist ein schöner Tod, der Tod für's Vaterland; es
ist ein schönes Loos, für die Freiheit unserer Brüder,
für Weib und Kind den Lorbeer und die unverwelk-
liche Palme zu erringen! Im heißen Gebete für
Euch knieen Alle. die sittige Jungfrau und Schwester
wie die alten Eltern im Silberschmuck der Locken,
und rufen die Segnungen des Höchsten auf Euch
herab. — Und so ziehet denn für unsere gerechte
Sache in den heiligen Kamps, um Deuftchlands
schönste Perle, um das unzertrennliche Schleswig-
Holstein. und laßt Euch den treuen Muth nicht rau
ben, der hoch und begeistert für das Vaterland und
seine Ehre in Eurer Brust lebt. — Du aber. All
gütiger schaue herab von Deinem Hunmelsdome, und
sei gnädig unserm Lande in seiner riesen Bedrängniß!
Sei Du, Jehovah, Du starker Hort, unser Fels und
unsere feste Burg und führe in der Donnerwolke
segnend und schützend unsere Brüder zum Kampf
und Siege. H. Jebse«.
Die „Constit. Ztg." schreibt Folgendes:^ Altona,
vom 11. Juli. Bekanntlich sind die deutschen Bun
desstaaten größtentheils noch mit den Geldern rück
ständig, welche die Bewohner der Herzogthümer für
die Verpflegung der Bundestruppen zu fordern haben.
Auf die nunmehr dringendere Mahnung der Statt
halterschaft in Krel ist von einigen Staaten die
Zusage baldiger Zahlung erfolgt: namentlich von
Hannover: das zwischen 100,000 und 200,000 Thlr.
schuldet. — Eine Nachricht, der wir Glauben ver
sagen zu können wünschen, meldet, daß in Bezug
auf Preußens Rückstände die Statthalterschaft von
dessen Finanzministerium an die deutsche Bundesge
walt gewiesen worden sei. Das hieße nicht all den
Ueberall und Nirgends, sondern an den Nirgends
lind Nirgends. Im alten Diom antwortete, wer an
eine Verpflichtung sich ungerne mahnen ließ: „Zu
den griechischen Kalendern"; in Griechenland: „Wirf's
zu den Dicite»": Wir glauben aber nicht, daß eine
so ernste Sache in Berlin jemals anders als mit
Ernst behandelt werden wird, wie ungelegen und an
spruchsvoll auch der Posten Schleswig-Holstein dem
preußischen Finanzminister erscheine, oder wie nach
sichtig er auch die Stellung zu Dänemark auffasse.
Von Wandsbeck wurde eine von 85 Personen
genannten Orts unterzeichnete Petition an die Statt
halterschaft gesandt, in weicher an dieselbe das An
suchen gestellt wird, den zu einem Jahr Zuchthaus
verurtheilten Diechtscandidaten Springborn seine
Strafe zu erlassen.
Kiel, den 12. Juli. Am heutigen Tage ist hie-
selbst die nachstehende Ansprache veröffentlicht: Die
preußischen Truppen, welche bisher im südlichen Theile
des Herzogtsum Schleswig standen, werden in den
nächsten Tagen die Herzogthümer verlassen. Die
Statthalterschaft hegt das feste Vertrauen zu dem
ehrenhaften Sinn der Schleswig-Holsteiner, daß die
zurückkehrenden Truppen aus ihrem Marsche so wer-
den aufgenommen werden, wie es die Pflicht der
Gastfreundschaft gegen unsere bisherigen Waffenbrü
der verlangt. Wenn es ihnen nicht vergönnt ist,
ferner an unserer Seite zu stehen, so beklagen sie
selbst am meisten diese Wendung der Ereignisse.
Wir aber werden es in dankbarer Erinnerung be
wahren, daß die preußischen Truppen im Herzog-
thum Schleswig in den schwierigsten Verhältnissen
durch nrusterhafte Mannszucht den Ruhm der preußi
schen Armee erhöht, daß sie durch humane Erfüllung
der peinlichsten Aufgaben die Leiden unseres Landes,
so weit es ihnen gestattet war, gemildert haben.
Die Statthalterschaft erwartet, daß alle Behörden
und Private durch zuvorkommende und freundliche
Aufnahme und Verpflegung das schmerzliche Gefühl,
mit welchem die preußischen Truppen in diesem Au
genblick uns verlassen, ehren und achten werden.
Kiel, den 12. Juli 1850. Die Statthalterschaft der
Herzogthümer Schleswig-Holstein. Reventlou. Beseler.
Boysen. Francke. Krohn. Fontenay. Rehhoff.
Kiel, den 12. Juli. Ungeachtet durch wieder
holte Bekanntmachungen des Kriegsdepartements und
des General-Commando's nur deutschen Ofsi-
cieren, insofern dieselben günstige Zeugnisse beibringen
können, Aussicht auf Eintritt in die hiesige Armee
eröffnet ist, haben sich namentlich m letzter Zeit wie
derholt Officiere aus nichtdeutschen Armeen gemeldet.
Da diese Herren keine Aussicht haben, daß ihnen der
Eintritt in die schleswig-holsteinische Armee gestattet
werde, wäre es in ihrem eigenen Interesse zu wün
schen, daß sie sich die Mühe und Kosten'einer Dieise
hierher ersparten. (H. N.)
Kiel, den 12. Juli. Von heute an ist der Ver
kehr über den schlesw.-holst. Canal nur bei Rendsburg
und Levensau und auch da nur unter genügender Le
gitimation gestattet. Der regelmäßige Verkehr nach
dem Norden über Diendsburg ist sistirt, so wie über
haupt der Eintritt in die Festung fortan erheblichen
Schwierigkeiten unterliegt. Sie sehen, daß man nicht
gewilligt ist, die militairischen Vorkehrungen und
Operationen dem Feinde verrathen zu lassen.
Jn diesen Tagen ist der preußische Oberstlieut.
a. D. v. Gerhard, ein alter würdiger Kämpe aus
den Freiheitskriegen, als Oberst und Commandeur
der Avantgarde in diesseitige Dienste getreten. Er
ist Einer von Vielen, denen die preisgegebene Ehre
der preußischen Waffen nahe an's Herz geht und der
es deshalb vorgezogen hat, an seinem Theile für die
Wahrung derselben in unseren Reihen einzustehen.
(H. N.)
Kiel, den 13. Juli. Die Einstellungen zur
Armee dauern noch immer in der erfreulichsten Weise
fort; auch aus Wonsild, einem Dorfe hart an der
jütschen Grenze, unweit Kolding, haben sich einige
junge Leute zum Militärdienst gestellt. — Aus Deutsch
land treffen hier fortwährend Officiere in großer
Anzahl ein. Der Oberst v. Gerhard wird, wie man
hört, die Avantgarde führen. — Wir haben hier
jetzt die russische Flotte vor Augen; sie lag gestern
vor dem Kieler Hafen, circa eine halbe Meile von
Bülck, und soll nach Schiffernachricht aus 18 fast
nur großen Kriegsfahrzeugen bestehen; zugleich mit
ihr sieht man von dänischen Schiffen „Skiolb,"
„Freia" und ein Dampfschiff; der Donner der Sa
lutschüsse war hier gestern deutlich zu hören.
Bon Seiten des Gcneralcommandos ist uns Fol
gendes zur Veröffentlichung mitgetheilt worden:
An Seine Exellenz dem General-Lieutenant und
commandirenden General der schleswig-holsteini
schen Armee, Herrn von Willi sen.
Durchdrungen von dem innigsten Wunsche, recht
bald dem geliebten Vaterlande nützlich zu werden,
und im Vollgefühl der jugendlichen Kräfte, erlauben
auch wir uns im Namen der hier in Kiel anwesen
den neunzehnjährigell Schleswig-Holsteiner, Ew. Ex-