cellenz mit der Bitte zu belästigen, dahin streben zu
sollen, daß die neunzehnjährige Mannschaft recht
bald zum Militärdienst ausgehoben werden möge,
bslmit auch wir an dem vielleicht bevorstehendesi
Kampfe unsers theuren Vaterlandes für „Recht und
Freiheit" Theil nehmen können, und mit unsern
Brüdern in dem gerechten Kampfe zu siegen oder
rühmlich auf dem Schlachtfelbe zu fallen.
Ew. Excellenz, es ist schmerzlich zu sehen , wie
»ufere Brüder und Cameraden mit für uns in den
Kampf ziehen, da wir fühlen, daß auch wir jo viel
Muth, Kraft und Ausdauer haben wie die, und auch
zwischen deren und unserm Alter wenig Zeit
liegt.
In freudiger Erwartung eines günstigen Erfolges
unserer vorstehend dringend ausgesprochenen Bitte,
verharren wir
(Folgen die Unterschriften.)
Auf vorstehendes Schreiben an das General-
coinmando wird den betheiligten Ausstellern in Er
mangelung einer bestimmten Adresse folgende Ant
wort hiermit öffentlich ertheilt.
Wenn das Vaterland ferne jüngeren Mannjchatten
bedarf so wird es sie mit vollem Vertrauen aufru
fen; es wird auch bei ihnen die Gesinnung von
Liebe und Hingebung finden, welche die älteren be
seelt - Ihr Schreiben ist mir ein schönes Zeichen da
für. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.
Uebrigens ist das Commando der Ersatzbrigade
zu Rendsburg schon jetzt bereit, Freiwillige anzuneh
men, und dürften Sie Sich als solche an genanntem
Orte beim Herrn Obersten v. Garrelts zu melden
haben.
Hauptquartier Kiel, den 9ten Juli 1850.
Der commandirende General
(gez.) von Willisen.
Das „Corrcspondenz-Blatt" bringt ein Schreiben
an den commandirenden General, worin die acht
zehnjährigen Mannschaften die dringende Bitte
aussprechen, bei der Aushebung den 19jährigen nicht
nachgesetzt zu werden.
Die „R. Pr. Z." schreibt Folgendes:
Wenn die gesammte Presse als den von Rußland
begünstigten Anwärter zur dänischen Krone den Prin
zen Peter v. Oldenburg nennt, so ist das ein Irr
thum; wird die Erbfolge in Dänemark auf das
Haus Oldenburg übertragen, so geschieht dies zu
nächst auf die Person des Großherzogs von Ol
denburg. „ ... . ..
Das Correspondenz-Bureau schreibt aus Berun
Folgendes: Man soll hier davon unterrichtet sein,
daß England, in einer Depesche an seinen Gesandten
in Kopenhagen, diesen beauftragt habe, dem däni
schen Cabinet zu notisiciren, daß England gegen jede
militärische Intervention Rußlands zu Gunsten Däne
marks sich erklären müsse. Eine gleiche Mittheilung
soll nach Petersburg gegangen sein. .
Kiel, den 13. Juli. Unterm gestrigen Tage
ist hier folgende Bekanntmachung erlassen: Um allen
fernern Anfragen zu begegnen, wird hiermit bekannt
gemacht, daß keine Art von bewaffneten Zuzügen,
woher und unter welchem Namen es auch sei, hier
angenommen wird, deren Zurückweijuiig vielmehr an
der Grenze zu gewärtigen ist. Nur gediente Unter-
officiere und Soldaten aus deutschen Armeen bis
zum Lebensalter von höchstens 35 Jähren werden
hier zugelassen und auch nur dann, wenn der sich
Meldende: 1) Ein Entlassungsdocument, so wie ein
Attest der heimathlichen Behörde, daß er seiner Mi-
litairpflicht genügt habe, oder als von derselben ent
bunden zu betrachten, sei, und 2) unverdächtige ge
nügende Zeugnisse über sein bisheriges Wohlverhalten
beibringt? 3) voni Militairarzte «W dm'sttucht.g be
funden wird; 4) sich durch Handschlag an Cldesstatt
verpflichten will, treu und redlich bis zum Ende des
Krieges zu dienen und alsdann seiner Entlassung
ohne Weiteres Folge zu leisten. Die Eingestellten
beziehen dasselbe Gehalt wie das hiesige MMtair,
und Diejenigen, welche im Dienste invalide werden,
haben Anspruch auf die landesgesetzliche Pension. Da
gegen stehen sie in jeder Beziehung m den Pflichten
und unter den Verordnungen der schleswig-holjteini-
schcn Armee. Cavalleristen können nicht placirt wer
den Die Betreffenden haben sich an die Comman-
dantur in Altona zu wenden, die hinsichtlich der
Annahme oder Abweisung instrmrt und autonsirt ist.
Kiel, den 12. Juli 1850. Das Departement des
Krieges. Krohn. Seweloh.
Die verehrlichen auswärtigen Redactionen werden
ersucht, diese Bekanntmachung in ihre Blatter aufzu
nehmen.^ ^ ^fj. In den nächsten Tagen geht
wahrscheinlich die schleswig-holsteinische Regierung
von hier fort, um ihren Sitz wieder auf schloß
Gottorf in Schleswig zu nehmen. Die Statthalter
schaft wird dahingegen vorläufig noch hier bwiven.
Seit einigen Tagen weilt der treffliche Gervmus
in unseren Mauern, um seine Kräfte der Sache m
Herzoqthümer zu weihen. Er hofft mit vielen an
deren Patrioten von der hier eingetretenen Wendung
der Ereignisse Großes für Deutschland. Dre schles
wig-holsteinische Sache ist augenblicklich der einzige
Punct, der inmitten all des deutschen Jammers noch
Hoffnungen Raum läßt.
Schleswig, den 14. Juli. Nachdem gestern
hrxftss die stramm (die schon durch Altona gekom
men sind) vorausgeschickt waren, haben uns heute
die ersten unserer preußischen Gäste verlassen, ihren
Rückmarsch durch den westlichen Theil Schleswig-
Holsteins antretend. Viele derselben, vielleicht die
meisten scheiden mit Schmerz von den nordischen
Herzogthümern, die sie recht eigentlich „auf die Höhe
des Jahrhunderts" begleitet haben. Hoffentlich ver
lassen sie uns mündig. — Die „Gefion" ist gestern
von einem preußischen Commando von 100 Mann
unter 1 Hauptmann und 1 Lieutenant besetzt worden,
die sich, wenn sie angegriffen würden, zwar selbstver
ständlich ihrer Haut wehren sollen, im klebrigen aver
den neutralen Boden ihrer Wasserwohnung nicht ver
lassen dürfen. .
Von Flensburg hatte man. gestern die sichere
Nachricht, daß dort dänische Quartiermacher gewesen,
die zu Montag Quartier bestellt haben (10,000 M.?).
Täglich kommen Flüchtlinge vom Norden hier durch.
Nachdem die Passage nach denr Norden von hier
aus gesperrt ist, soll eine gleiche Maßregel von dä
nischer Seite her getroffen sein. Uebrigens sind
gestern noch Reisende von Flensburg angelangt.
Der General Hahn erhält vor seinein Scheiden
von allen Seiten die sichtbarsten Beweise der Aner
kennung und Hochachtung. Gestern warteten ihm
Deputationen der Friesen (von Tondern) und der
Angeler auf. Heute werden die hiesigen städtischen
Collegien und der Bürgerverein Abschieds-Deputa
tionen zu ihm schicken.
General Hahn hat gestern nachstehendes Schreiben
an den Magistrat der Stadt Schleswig erlassen:
Da bereits morgen 1 Bataillon von hier abmarschirt
und ich übermorgen mit den übrigen Truppen die
Stadt Schleswig verlasse, so nehme ich heute schon
Veranlassung, Einem hochlöblichen Magistrat für
dessen freundliches Entgegenkommen und gütige Un
terstützung während meines hiesigen Commando's
meinen verbindlichsten Dank und zugleich dre ganz
ergebenste Bitte auszusprechen, den hiesigen Einwoh
nern bekannt zu machen, daß wir mit dein innigsten
Danke und der größten Hochachtung scheiden, daß
ihr Benehmen und Verhalten gegen uns uns die
Heimath hier nicht vermissen ließ, daß wir stets den
innigsten Antheil an dem Wohle der Herzogthümer
Schleswig-Holstein und besonders der Stadt Schles- ,
wig nehmen werden imö ihnen zum Abschiedsgruße
unsern herzlichen Wunsch zurufen: daß diesem herr
lichen Laude und seinen von uns geliebten Bewoh
nern recht bald ein segensreicher, dauernder Friede
zu Theil werden möchte. Schleswig, den 13. Juli
1850. v. Hahn, General-Major, Inspecteur der
2. Artillerie-Inspection. An den hochloblichen Ma
gistrat der Stadt Schleswig. f ,, 0 ,
§6Ien*frtv<t den 11. Juli. Dre letzten Preu
ßen der Postbegleitung fuhren hierher mit lautem
Gesang „Schleswig-Holstein, meerumschlungen" über
den Südermarkt zum Thore hinaus, hielten ;edoch
vor Blaunfeldts Hause still und ließen Schleswig-
Holstein dreimal hoch leben. Wir hätten Herrn B.
Gesicht bei dieser offenbaren Verhöhnung sehen
tUOClCtl.
Flensburg, den 14. Juli. Schleppegrell, der
dänische General, ist gestern hier gewesen um mit
dem Commandanten von Flensburg, v. Essen, wich
tige Rücksprache zu nehmen.
Eulenburg ist seit gestern aus der Landesverwal
tung getreten und wird, wie es heißt, über Lübeck
nach Stettin gehen.
Auf Alsen wird stark gerüstet. Enterhaken, um
die Gefion zu erobern, werden m Masse in Sonder
burg gemacht (?). Kleine tiefgehende Schiffe mit
Sand beladen und mit Landungsbrücken versehen,
liegen in Sonderburg bereit, wahrscheinlich um ir
gendwo zu landen. Der Muth der dänischen Sol
daten ist nicht sonderlich, indeß werden sie von den
neugebackenen Officieren auf jede Weise zur unver
söhnlichen Rache angespornt. Besonders werden sie
angestachelt, die schleswigschen Bürger, wenn sie dort
hin kommen sollten, nicht zu schone». Es wird ihnen
offen und mit ergrimmter Wuth gesagt.
In Flensburg werden sich die dänischgestnnten
Bürger bewaffnen, es ist ihnen dies von Tillisch ge
rathen. Die Wuth steigt hier mit jeder Stunde.
(Fr. Pr.)
Aus dem Norde» Schleswig-Holsteins,
vom 11. Juli. Wir haben in einem früheren Schrei
ben daraus aufmerksam gemacht, wie schon gewisse
Symptome zu erkennen gäben, daß die Landesplage
ihrer Auflösung entgegengehe. Diese Auflösung
scheint einen erwünschten Fortgang zu haben. Zwar
tritt denn dafür der Kammerherr Tillisch als däni
scher Machthaber aus, und hat allerdings auch semen
Functionären und Söldlingen offene EmpsehlungS-
briefe für die Lerproviannrung russischer Kriegs
schiffe abgelockt oder abgenöthigt; allem diese Be
kanntmachungen üben nicht den Einfluß, welchen der
dänische Commissär davon erwartet haben mag; man
belächelt sie. Man traut der russichen Regierung
zu viel Klugheit und zu wenig Selbstverleugnung
zu, als daß sie ihren Kriegsschiffen eine ungehörige
und unzulässige, und für das russische Interesse wohl
mehr als bedenkliche Einmischung erlauben oder an
befehlen sollte, lediglich um emem dänischen Schatten
regiment Bedeutung und einen handgreiflichen In
halt zu geben. — Inzwischen mögen die Danen m
I Flensburg durch eine solche Manifestation wegen ihrer
persönlichen Sicherheit beunruhigt worden sein; sie
werden darin eine Andeutung gefunden haben, daß
ein Zustand eintreten dürfte, wo keine neutralen
Bajonette mehr dem Büttelsregiment zu Dienst stehen
würden. In Folge dessen hat sich — so wird be
stimmt erzählt — eine dänische Deputation unter
der Anführung eines Menschen, welcher sich früher
rühmte, nicht allein zu stehen, später aber wohl öfter
allein gegangen ist, zu dem Dänen Tillisch begeben,
ihm vorgestellt, wie sie, die Dänen, nach Abzug der
Schweden und Norweger gefährdet wären und sich
den Schub russischer Schiffe und der Besatzung der
selben erbeten. Da soll nun Tillisch ihnen offen er
klärt haben, daß er damit nicht dienen könnte, indeß
ihnen zugleich den Trost zugesagt haben, daß, sowie
die letzten schwedischen und norwegischen Truppen
Flensburg verließen, die erstell Dänen in Flensburg
einziehen würden. Jedenfalls soll kein längerer
Zwischenraum als von zwei Stunden in Aussicht
gestellt sein.
Rendsburg, den 16. Juli. Vergangenen
Sonntag wurde vom hiesigen Polizeiamte nachstehende
Bekanntmachung erlassen:
Durch Verfügung der Statthalterschaft vom 10.
d. M., contrasigilirt vom Gesammt-Ministerio, sind
die Artikel 16, 18, 19 und 22, sowie der Artikel 13
des Staatsgrundgesetzes, letzterer, sofern er sich auf
das jedem Schleswig-Holsteiner eingeräumte Waffen
recht bezieht, für das Herzogthum Schleswig, so
wie für die Festungen Rendsburg und Frre-
drichsort aus die Zeit von drei Monaten, falls
nickt schon früher ein Friedensschluß mit Dänemark
erfolgen sollte, außer Kraft gesetzt.
Im Anschluß hieran wird, mit Genehmigung des
Gouvernements, ferner verfügt: n s „
1) Alle nicht militairischen Aufzüge sind unstatthaft.
2) Das Affigiren von Placaten an den Straßen,
öffentlichen Plätzen und Wegen, steht allein den
Behörden zu; den Privaten nur. wenn sie An
noncen von Lustbarkeiten unky bergt, enthalten,
und nach vorgängiger Erlaubniß des Polizeiamts.
3) Nach dem Zapfenstreich ist alles laute Singen
und Lärmen aus den Straßen, sowie das die
nächtliche Ruhe störende Singen m den öffent
lichen Localen, strenge verboten.
Polizeiamt zu Rendsburg, den 13. ^uli 1850.
Krohn, const.
— Vom Festungs-Gouvernement dahier ist fol
gende Bekanntmachung durch Affichen öffentlich be
kannt gemacht. „Die Stadt und Festung nebst Rayon
ist von dem commandirenden General der schleswig-
holsteinischen Truppen kraft erhaltener Vollmachten
in Belagerungszustaild erklärt, und sind in Holge
dessen alle Civilbehörden dem Gouvernement unter
geordnet. Dasselbe verfüg: über alle aus militairi-
schcn Rücksichten gebotenen Einschränkungen der bür
gerlichen Freiheit und wird die Gelebung der ge
troffenen Verfügungen mit Strenge überwachen-
Es wird von sämmtlichen Einwohnern der Stadt
und Festung Rendsburg nebst Rayon erwartet, daß
sie zur Verhütung der Anwendung von Zwangs-
maßreaeln den ergehenden Anordnungen zum Besten
des Vaterlandes bereitwillig Folge leisten und die
Behörden nach Kräften unterstützen werden. Rendsburg,
den I5ten Juli 1850. Das Gouvernement der
Stadt und Festung Rendsburg, v. Fabnems. Oberst..
Amtliches
Bekanntmachung,
betreffend die Errichtung einer Armen-Derpflegungs-
und Kriegssuhr-Commission.
Nachdem von der Statthalterschaft beschlossen
worden, daß die Naturalverpflegung der Armee, so
wie bas Kriegssuhlwesen von einer dazu angeordne
ten Verpflegungscommission geleitet werden solle, sind
mittelst Commission vom 8. d. M. zu Mitgliedern
dieser Commission ernannt worden, der vormalige
Regierungsrath Thielsen als DirigeM. sowie die
Herren Henningsen auf Schönhagen, Steindorff aus
Grumbye, Landrath von Ahlefeldt auf Oehe, panisch
auf Schönböcken, Edwards zu Tremsbuttel, Gras
Baudissin auf Sophienhos, Daniel, eit auf Augusten-
hof, Martens auf Kühren, LuthenS aus Bundhorst
und Landmesser Ingwer,en aus Hattstedt. Die Com
mission hat vom 10. d. M. an die Versorgung der
Armee mit Lebensmitteln, Fourage re. übernommen
und vorläufig ihren Sitz in Neumünster aufgeschla
gen. Dieselbe hat sich in ihren Geschäften nach eurer
ihr von dem Departements des Innern und des
Kriegs unter heutigem Dato ertheilten Instruction
(Amtsbl., 47. Stück) zu rlchren. Vorstehendes wird
hiedurch zur öffentlichen Kunde gebracht.
Kiel, den 12. Juli 1850
Boysen. Krohn.
H. A. Springer.
E n t l a s s u >i g.
Die Statthalterschaft hat den Bürgermeister und
Auctionsverwalter Berger in Rendsburg ans sein An
suchen von den bisher von ihm bekleideten Aemtern
entlassen. . .....^
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