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er
Mendsbmger
Jahrgang.
M 58.
diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer.
Sonnabend, den 20. Juli
1*50.
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Tagesgeschichte.
F V st u f V e i ch.
Paris, den 12. Jnli. Die „Assemble Natio
nale" läßt sich heute von ihrem gewohnten Correspon
denten aus London schreiben: „Die europäischen
Angelegenheiten nehmen einen ganz sriedsertigen Gang
an und die Entwaffnungen beginnen sogar schon.
Die Cabinette hatten sich die Kräfte der revolutio
nären Parthei im Centrum und im Süden übertrie
ben vorgestellt. In Deutschland, der Schweiz, Italien
und logar in Frankreich hatten sie den Widerstand
nach dem des heldenmüthigen Ungarns, eines reli
giösen Urvolkes, beurtheilt. Sie hatten nicht qe-
lehen, baß die Philosophie und der Materialismus
die alte liberale Partei entnervt hatte und daß die Auf
lösung der Sitten die Aufopferung, die den wahren Pa
triotismus constituirt, nicht einflößen konnte. Nur ein
fester Glaube bringt Märtyrer hervor. Die Armeen
hatten also nur eine beobachtende Rolle zu spielen
und dies erklärt manche der Geheinmisse der diplo-
matffchen Zusammenkunft von Warschau. Der Kaiser
Nicolaus war mit dem Plane eines ernsthaften Feld
zuges gegen die Revolution dorthin gekommen. Nie
mals war eine schönere und stärkere Armee voll Ver
langen, gegen den Occident zu marschiren, versam
melt. Allein zu Warschau wurde dem Kaiser gesagt:
„Gegen wen willEw. Maj. marschiren? Sie glauben
Löwen, wie in Ungarn, zu finden? Es sind Hasen,
die mit allen Beinen davonlaufen." Dies erklärt
die Kürze des Aufenthalts des Kaisers in Warschau.
Er sah, daß es sich nur um diplomatische Angelegen
heiten handle und überließ dieselben seinen Ministern.
Man wird sich in diesem Jahre auf die Ordnung
zweier Angelegenheiten, derer Deutschlands und Däne
marks, beschränken, und zwar dergestalt, daß „man
sich in zwanzig Jahren nicht wieder darum zu küm
mern braucht." Man wird zu den Verträgen von
1815 zurückkehren, und sogar durch ein Zusatz-Pro-
tocoll die etwas zu liberalen Ideen, die der Universi
tätsgeist von 1815 dort hineingebracht hatte, modi-
siciren. Da die Erfahrung gezeigt hat, daß die re-
volutionaire Wühlerei sich der Versammlungen be
mächtigt, so können die Souveraine denselben Arten
von Ständen substituiren, die, alle fünf Jahre zu
sammenberufen, die Ausgabe prüfen und das Budget
feststellen. Die beiden Hauptgesahren Deutschlands,
die Preffe und die Universitäten, werden unter die
Bundes-Angelegenheiten gestellt, d. h. factisch durch
Preußen und Oesterreich geregelt werden." Der
Correspondent der „Assemble'e Nationale" (der die
Ereignisse sehr oft richtig vorausgesagt und sich über
diplomatische Vorgänge meistens gut unterrichtet er
wiesen hat) behauptet sodann, daß der Zwiespalt
zwischen Preußen und Oesterreich nur eine lange
Komödie, um Zeit zu gewinnen, gewesen sei, und
daß die Conferenz von Warschau hauptsächlich die
Ordnung der schleswigschen Angelegenheit nach dem
Sinne Rußlands und ganz zu Gunsten Dänemarks
bezweckt habe.
Friedenswerke vor Allem am Herzen lieat mw
lşşen es tn dem innigste Wunsche zusammen, ? sl fi
lüd^t bloß ein äußerer Friede gestiftet sein möae-
denn sonst würde für dessen Früchte bis weiter kenn
Gewahr vorliege,,. Hiezu bedarf es noch eines An
deren, eWàdarf Vertrauens an der Stelle des Miß
trauens, Mlches zu Unserem tiefsten Leidwesen nur
zu lange in den vordem so erfreulich begründeten
S,k»S'î'."k""'Ģ" «d Dàne-
Leider ist dies Mißtrauen Uns nirgend feind-
jeliger entgegengetreten, als in dem einen der zwei
Deutschen Lander, wofür Wir dem Bunde als Mit-
Ä“; Şd m einem Theile von Schles-
wlg. Möcht« desten bedauerliche Eingebungen bald
ihre veàblîche Wirksamkeit verlieren, um Unsere
Hoffnuiişiu Şwirklichen, mit einer gerechten und
milden RegicrmàlLìeà Glück und Zufriedenheit in
Unseren HerzoM^nM verbreiten
D ä « c m rt t k.
Die lang versprochene Proclamation des Königs
von Dänemark an seine lieben und getreuen Schles
wig-Holsteiner ist erschienen und lautet folgender
maßen:
Manifest.
Der am 2. Juli zu Berlin zwischen Dänemark
und dem Deutschen Bunde abgeschlossene Friede ist
freilich von letzterem noch nicht ratisicirt. Allein in
der Erwartung, baß die deutsche Ratification dcm-
fflben nicht entstehen werde, glauben Wir schon jetzt
öffentlich aussprechen zu sollen, was Uns bei dem
'»Ķ Deutschen Bunde, nach
desten BàchM vollzogen, kann für kein Bundesland
euu BemWtMHg Hur Fortsetzung des Krieges am
wenigsten gegen den eigenen Landesherrn, offen hal-
à'r, D"sslde fordert Unterwerfung, welche auch die
Rechtsansprüche seien, die die,es Land zu haben ver
meint. Dafür entscheidet das Bundesrecht. Füat
sich Holstern seiner unzweideutigen Vorschrift so
wollen Wir Vergeben und Vergessen vorwalten lassen.
Eure allgemeine Amnestie und eine Bestätigung der
letzlgen Beamten für die von denselben bekleideten
Aemter in Holstein und Lauenburg, wie in Schles
wig (tn Nordschleswig sind bekanntlich alle den
Landesrechten treugebliebenen Beamten durch die
„Landes-Verwaltung" bereits abgesetzt), nur mit
lolchen Ausnahmen, welche der Wiedereintritt der
rechtmäßigen Landesherrschast Mit Nothwendigkeit er
fordert, sollen diese Unsere landesväterliche Gesinnung
^Ņkunden Im Herzogthum Schleswig wird die
D u sche Nationalität, gleich der Dänischen, die ge
wünschten Burg,chasten empfangen, und die etwaige
Sorge, daß cine Incorporation dieses Herzoqthums
m Dänemark beabsichtigt sein könne, findet jedenfalls
ÄÜ mi erneuerten Zusage, daß eure solche
nicht stattfinden soll, ihre definitive Beseitigung.
(TOirSï verkünden Unsere weitere Landesherrliche
Wàsmeinung dahin: Wenn keine von hem Her-
zogthum Holstein aus unternominene Feindseligkeiten
Uns daran hindern, so wollen Wir unverweilt acht-
bare, Manntt aus dem Herzogthurn Schleswig, dem
Königreich Dänemark und dem Herzogthum Holstein
^ŗufm, um ihre Meinung über die Ordnung der
Ņ"hàsse des Herzogthums Schleswig zum König-
reich Dänemark einer- und zum Herzogthum Holstein
ä! er ^ zu hören. Die Männer des Herzogthums
3^2 2" a» Zahl einerseits die für Däne-
S v f andererseits die für Holstein berufenen
treffen, alleiii die Männer des Königsreichs und
berufen werdem°ģ^ķs Werben in gleicher Anzahl
s, v ^ w"den die Ergebnisse der Erwägungen die-
TS Banner mit Vertrauen prüfen, und
hren Unsichten und den Wünschen der Herzogthümer
m Betreff der Verhältnisse derselben zum Königreiche,
wie unter einander, so weit diese Ansichten und
Wunsche irgend mit dem Wohle der Monarchie zu
vereinigen sind, bereitwillig Rechnung tragen
.... Fà die Feststellung der Verhältnisse des Herzog-
hums Lauenburg wollen Wir das Gutachten gleich-
vernehmen "Ş'arer Männer dieses Herzogthums
Schloß Frederiksborg, den 14. Juli 1850.
Frederik 11.
l Kopenhagen, den 15. Juli. Die beutiae
Nummer der „Flyvepost" meldet daß die Dampf
schiffe Waldemar, Sleswig, Skirner und Nordstier-
nen von der Regierung in Gebrauch genommen sind
Durch die von der Statthalterschaft^ in Schleswig
verfugte Absperrung ist der directe Verkehr aufae-
tzà"' und sind in Folge dessen keine Blätter ans
ì Ş^ffmern in Kopenhagen eingetroffen. Eine
flensb. Pnvatcorrespondenz der „R.P. E." berichtet-
Dte „Landesverwaltung" habe ihre Wirksamkeit jetzt
vollendet; nachdem Oberst Hodges (der bekanntlich
bàs in Hamburg eingetroffen ist) am 12. abge
reist sei, hatten Tillisch und Eulenburg am 13. nach
Kopenhagen abgehen wollen. Eulenburg ist unter-
Tillisch mu m f übecf '"'getroffen (siehe Lübeck), und
Tillisch soll nach einer andern Mittheilung der N
^vm Könige zum Administrator über das
Herzogthum Schleswig werden. Zum 17. wurde
ş .^nsiche Armee in Flensburg erwartet, und sollen
daselbst großartige Vorbereitungen zum festlichen Emv-
psang getroffen werden. In Kopenhagen haben die
verschiedenen Burgercorps zur Uebernahme des Wacht-
ri? erbot ™' àit die ganze Garnison nö-
thigenfalls gegen den Feind rücken könne. So we-
nigstens schreiben die „N. P. E.", während früher
bekanntlich wiederholt berichtet wurde, die gesammten
Mannschaften seien bereits aus der Hauptstadt abge
zogen Die dänische Heeresmacht scheint indeß jetzt
wo es Ernst Werden will, doch dem Kopenhaqener
zur „Unterwerfung der Insurgenten" nicht zu genü
gen Früher forderten sie, wie man wZß, nur so
viel daß dem König von Dänemark freigegeben
werde, mit eigner Hand Ruhe und Ordnung in den
Provinzen wieder herzustellen; jetzt ist jedes dritte
Wort der dänischen Blätter die — russische Flotte
und in ihren neuesten Nummern haben sie auch be-
reits zu ihrer Unterstützung eine englische Flotte.
j~ e r L . ffssv „dem König von Dänemark gegen die
holsteinischen Aufruhrer zur Disposition gestellt! Au-
Ş" vie,en Mittheilungen enthalten die Zeitungen
G?akMàwerthes; nur Kjöbenhpst. berichtet,
iJ Ì I oBe 'v'eder als dänischer Gesund-
Deutschlaá
Elberfeld, den 13. Juli. Vielfach ist heute
und gestern und vorgestern hier gefragt worden:
„Werden die Solinger, die ihnen zugedachte Ehre
dem wackern General Willisen einen Ehrendeqen oder
Säbel zu verehren, auch annehmen?" und eben so
oft hieß es: „Ja, sie werden's, denn es sind halt
die Sohne der Alten, d. h. die Leute von deutschem
Schrot und Korn!" Nach einem uns ff eb? zu
Gesicht gekommenen Briese ist der Ehrensäbel (in
türkischer Facon) schon vorgestern in Arbeit genommen
worden; die geschicktesten Hände haben sich ihm ae-
wldmct, und wird derselbe in jeder Beziehung ein
Meisterstück sein. Die Kosten werden fast nur von
Arbeitern, also recht eigentlich vom Volke getragn
Deutschland, freue dich solcher Söhne! ö
Köln, den 13. Juli. In Elberfeld hat die
SammAng von Beitragen für Schleswig-Holstein
bereits begonnen ; wir finden heute in der „Elber-
sslder Zeîtung die ersten Veröffentlichungen derselben.
0s erscheinen sowohl emmalige Summen gezeichnet^
—- einige nut dem Zusatze: „Wenn die wackeren
r.eute noch mehr haben wollen, ff mögen sie es nur
sagen, dann greifen wir noch einmal in die Tasche;"
— wie auch bleibende Stadtviertelvereine gegründet
in welchen jedes Mitglied sich verpflichtet, gleich von
der Bildung des Vereins an für die Dauer des