Krieges wöchentlich wenigstens 1 Silbergroschen bei
zutragen. Außerdem wird künftigen Montag die
Schützengilde ein großes Concert auf der Wilhelms-
Höhe veranstalten, dessen Gesammtbetrag für Schles
wig-Holstein bestimmt ist. —.In Köln — wo die
aus den Kammern bekannten Herren v. Ammon,
Bürgers, Claessen, Compes, Heuser unv Schmid als
Ausschuß an der Spitze des Vereins - stehen, hat
gestern eine zweite vorläufige Versammlung stattge
funden. Man ist in derselben übereingekommen,
durch den Ausschuß mit dem Comitü in Kiel (Adresse
Dr. Carl Lorentzen) sich sofort in Verbindung zu
setzen, auch Zeichnungen von eventuellen Beitragen
bereits entgegen nehmen zu lassen, öffentlich aber
erst hervorzutreten, wenn das zu erwartende Schei
tern der Hoffnungen auf friedliche Verständigung zur
gewissen Thatsache geworden und der neue Krieg
zum Ausbruche gekommen sein wird. Briefe und
Anfragen aus verschiedenen Städten der Rheinprovinz
lassen erwarten, daß sehr zahlreich in allen Gegenden
der Provinz Hülfsvereine werden gebildet, oder doch
mindestens ihre definitive Bildung hinreichend wird
vorbereitet werben, um ohne allen Zeitverlust auf
die erste Nachricht des Kriegsausbruches sofort wür
dig an den Tag treten zu können.
Carlsruhe, den 11. Juli. Wegen Schleswig-
Holstein herrscht hier ein gedrücktes Mitgefühl der
Theilnahme; man sieht es hier sehr ungern, daß die
deutschen Herzogthümer von Deutschland so ganz im
Stiche gelassen werden sollen. Von unseren früheren
Officieren, die in Folge der Aussprüche der Ehren
gerichte entlassen wurden, begeben sich einige zum
schlesw.-Holst. Heere.
Crefeld, den 14. Juli. Die Theilnahme an
dem harten Schicksale, mit welchem die Herzogthümer
Schleswig-Holstein bedroht sind, fängt auch hier an,
sich zu bethätigen. Von zwei verschiedenen Seiten
her wurde vorgestern in der hiesigen Zeitung zu
Geldbeiträgen aufgefordert, und das Verzeichniß der
bereits eingelaufenen Gaben zeigt einen günstigen
Erfolg. Möge die Sammlung fernerhin guten Fort-
gang haben und überall es sich bewahren, daß in
dem Volke dev opsermuthige Sinn für die höchsten
Interessen des Vaterlandes in demselben Maße auf
lebt, in welchem eine schwache und kurzsichtige Politik
sie nach innen und nach außen Preis giebt!
Coblenz, den 14. Juli. Auch hier haben
Sammlungen für Schleswig-Holstein begonnen. Der
als Reichs - Commissair in den Herzogthümern be
stätigt gewesene Abgeordnete Stedmann hat einen
betreffenden Aufruf in den hiesigen Blättern erlassen.
Hatte, den 13. Juli. Hier, wie am Rheine,
bilden sich Hülfsvereine für Schleswig-Holstein; die
Redaction des hiesigen „Courier" kann die erste An
kündigung, daß sie Beiträge annehmen werde, mit
der Nachricht begleiten, daß im Stillen schon 50 Thlr.
an sie eingezahlt seien.
.Oldenburg, den 13. Juli. In Betreff der
Ratification des' Friedens mit Dänemark ist von
hiesiger Regierung weder schon ein Entschluß gefaßt,
noch sind, wie wir zuverlässig erfahren, irgend welche
Schritte geschehen, die eine Vermuthung nach der
einen oder anderen Seite hin begründen lassen. Was
in öffentlichen Blättern hierüber, namentlich auch
über mit Hannover deshalb gepflogene Verhandlungen
mitgetheilt wird, können.wir als falsch berichtigen,
aber auch hinzufügen, daß die etwa beabsichtigte
Erhebung eines Prinzen unserer Fürstenfamilie auf
den dänischen Thron nicht im Mindesten dazu bei
tragen wird, um unsere Regierung bei der jetzt zu
fassenden Entschließung gegen die schleswig-holsteini
sche oder, was dasselbe ist/ gegen die deutsch-nationale
Sache zu stimmen. (W.-Z.)
Dem „Hamb. Corr." wird geschrieben:
Berlin, den 14. Juli. Es ist mehrfach in den
deutschen Zeitungen die Vermuthung ausgesprochen,
als ob neben den bekannten Verträgen mit Däne
mark vom 2, d. dem Friedensvertrage und dem Pro
tocol!, geheime Artikel existiren, welche die Herzog
thümer beeinträchtigen könnten. Es eristirt neben
jenen Verträgen nur Ein geheimer Artikel, welcher
künftige Verhandlungen über die Erbfolge der Her
zogthümer betrifft, und in Verbindung mit früheren
dänischen Zumukhungen geeignet ist, für die Erhal
tung der legitimen Erbfolge Sicherheiten zu geben.
Lübeck, den 8. Juli. Mit dem gestern von
St. Petersburg gekommenen Dampfschiff gehen uns
Nachrichten zu, welche Rußlands Neutralität in der
dänischen Angelegenheit sehr bezweifeln lassen. Es
ist darin von bevorstehender Truppen-Einschiffung
die Rebe, und der Berichterstatter will von höheren
Officieren gehört haben, der Kaiser werde dem Kö
nige von Dänemark ein Hülfscorps für den Fall
senden, daß fremde Truppen ihn hindern
wollten, seine „rebellischen Unterthanen" nöthigen-
falls durch Waffengewalt zu unterwerfen. (Rost. Z.)
Lübeck, den 15. Juli. Heute passirte hier der
bekannte Graf von Eulenburg auf der Durchreise
von Kopenhagen nach seiner Heimath.
Wien, den 14. Juli. (L. N. U.) Die Tages
neuigkeit bildet heute die im „Magyar Hirlap" ent
haltene, in ungarischer Sprache abgefaßte geharnischte
Erklärung Haynau's gegen das Ministerium. Die
selbe wird angeblich durch den in der „Reichs-Ztg."
enthaltenen an die Abberufung Haynau's geknüpften
Artikel hervorgerufen, ohne welchen der ehemalige
Gouverneur in Schweigen verharrt wäre. Haynau
rechtserOgt sich gegen die Anklage, seine Vollmachten
Überschrieen zu haben, worüber er jedoch nur dem
Monarchen selbst zur Rechenschaft verflichtet sei. Im
Sinn einer demokratischen Faction, gegen welche so
viele Anstrengungen gerichtet, und mit dem Opfer
von Tausenden erkauft worden wären, sei die ge
dachte Maßregel erfolgt und einer neuen Verwirrung
würde zugesteuert. Glücklicherweise für ihn habe sie
es nicht vermocht, ihm' selbst das Schicksal des Be-
lisar's zuzutheilen, um an der Hand eine Tochter
die Vorübergehenden um ein Almosen anzuflehen.
Wie man hört, soll auch über die bei der wie
ner Revolution Betheiligten, welche bis zu zehnjäh
rigen Gefängniß verurtheilt sind, die Amnestie aus
gesprochen werden. Andere, welche zu längerer Haft
verurtheilt sind, dürften ihre Freiheit wiederfinden
unter der Bedingung, daß sie Oesterreich verlassen
müssen.
Schleswig - Holstein.
Die „N. Fr. P." enthält am 17. d. M. folgen
den Artikel an ihrer Spitze:
Schleswig
ist wieder eingetreten in die Gemeinschaft der Bande,
welche es von Alters her an das Bruderland Hol
stein fesselte.
Die nachfolgende, von der Statthalterschaft er
lassene Proclamation ist das authentische Siegel für
die Wiederherstellung jener Einheit, welche nie, auch
factisch nicht, hätte ausgegeben werden sollen.
„Schleswig-Holsteiner! Durch die von der Krone
Preußen mit Dänemark am 2. d. M. abgeschlossenen
Verträge sind die Conventionen vom 10. Juli v. I.
mit den daraus hervorgegangenen Zuständen be
seitigt. ,
An alle Behörden und Beamte, geistlichen und
weltlichen Standes, so wie an sämmtliche Bewohner
des Herzogthums Schleswig, ergeht demnach hier
durch der Befehl, bis zum Frieden mit Dänemark
allein den Weisungen der Statthalterschaft nachzu
kommen und zu geleben.
Schleswiger! Ihr habt die schwere Prüfung,
die über Euch ergangen, wie tapfere und gewissen
hafte Männer bestanden! Das Bewußtsein unseres
guten Rechts gab Euch die Kraft, nicht zu unter
liegen. ^
Kiel, den 15. Juli 1850. ff -«
Die Statthalterschaft der HeqogthÜMr Schleswig-
Holstein. -.ŞM
Reventlou. Beseler.
Boysen. Francke. Krohn. Rehhoff.-- Fontenay.
Ratztlev."
Dies ist nicht mehr jene scheue, versteckte, zag
hafte/impotente, sogenannte friedliche Besitznahme,
welche im März dieses Jahres durch Rundschreiben
an die Beamten von Schleswig versucht ward, und
durch ihr Mißlingen so unheilvolle Folgen nach sich
zog. indem sie die Gemüther der Schleswiger mit
Unsicherheit, Zweifel und Mißtrauen erfüllte, llnd
in der That, was sollte man denken, wenn unsere
Regierung die factisch dem Regiment der Landesver
waltung anheimgegebenen Schleswiger zur Erfüllung
ihrer Befehle aufforderte, ohne irgendwelche reelle
Macht im Lande zu besitzen, um die Ungehorsamen
zu züchtigen und die Gehorsamen gegen die Rache
des fremden, aufgedrungenen Regiments zu schützen.
Jene halbe Maßregel war ein arger Mißgriff.
Jetzt ist es anders. Nicht eine bloße papierne
Proclamation ist es, welche Schleswig wieder in
Besitz nimmt. Für das Wort der Proclamation ha
ben die wackern Schleswiger nunmehr eine Garantie
erhalten, welche ihnen dafür bürgen muß, daß es
völliger Ernst ist. Was sie damals vergeblich ver
langten, als eine Bürgschaft des Schutzes, das haben
sie jetzt erhalten. -Sie haben in diesen Tagen unsere
tapfere Armee auf Schleswigs Boden begrüßt, eine
Armee, wie sie unser Land noch nicht gesehen hat,
gebildet aus den eigenen Söhnen des Landes, welche
für ihre Freiheit und für ihren Heerd fechten, und
geführt von Männern, die, wenn sie auch nicht aus
unseren engen Grenzen stammen, doch eben dadurch,
daß sie sich jetzt unserer Sache geweiht haben, zeigen,
daß sie Alles dafür einzusetzen entschlossen sind.
Man wird in Schleswig, die volle Last des Krieges
zu tragen haben; man wird in einem Theile wenig
stens die Feinde wahrscheinlich eher erblicken, als die
Freunde. Die Schleswiger werden aber unter allen
Umständen — davon sind wir überzeugt — jene
zähe Festigkeit und jene energische Ausdauer be
wahren, welche zum Siege führt.
Und somit schließen wir mit emem Glück auf!
für Schleswig und mit einem Glück auf! vor
Allem für unsere tapfere Armee.
Bericht des commandirenden Generals
an die Statthalterschaft.
„Seitdem ich den Oberbefehl der Armee über
nommen, war die Absicht, durch, die größere Selbst
ständigkeit nach Außen eine friedliche Ausgleichung
mit Dänemark zu erleichtern, auch bei Allent, was
mit der Armee geschah, so sehr der vorherrschende
Gedanke, daß mit jeder Woche eine immer stärkere
Beurlaubung eintrat. Sie wäre jofort bis auf ein
Maximum ausgedehnt worden, wenn es möglich
gewesen wäre, auch nur eine Art Sicherheit darüber
zu erlangen, daß man nicht jeden Augenblick Gefahr
liefe, von dem Gegner überfallen zu werden.
Als man endlich eine solche Zusicherung auch nur
aus den kurzen Zeitraum von 14 Tagen erhielt,
stand man nicht an, eine Beurlaubung bis auf 500
Köpfe das Bataillon eintreten zu lassen. Man wußte
wohl, welcher Gefahr man sich damit aussetzte, setzte
sich einer solchen aber gern aus, um zu zeigen,
wie ernstlich man es mit den Unterhandlungen meine,
welche man versucht hatte anzuknüpfen. Man suchte
dagegen die ganze Sicherheit in einer solchen Um
bildung der Organisation der Armee, welche es
möglich machte, in kurzer Zeit die ganze bewaffnete
Macht des Landes schlagfertig dem Feinde entgegen
zu führen. Diese Vorsicht ist nur zu sehr nöthig ge
wesen; denn kaum war in Folge jener regen Zu
sicherung eine Permittirung im Großen angeordnet,
als plötzlich die Friedensunterhandlungen mit Preu
ßen, welche sich bisher nur langsam hingeschleppt,
die bekannte schnelle und unerwartete Wendung zu
einem Abschluß nahmen, welcher in der kürzesten Zeit
dem Anfall der ganzen dänischen Macht aussetzte.
Aus politischen Rücksichten schob man selbst noch am
27. Juni, als die erste Nachricht gegeben wurde, daß
sich Preußen möglicher Weise in dem Fall finden
könne, binnen 14 Tagen seine Truppen aus Schles
wig zurückzuziehen, die Formation auf den Kriegs
fuß auf und ordnete sie erst dann, als am 2. Juli
plötzlich und unerwartet die Nachricht von dem wirk
lich abgeschlossenen Frieden einging.
Nur dadurch, daß Alles bis auf das geringste De
tail fertig ausgearbeitet dalag, war es möglich in
dem kurzen Zeitraum von 8 Tagen die Armee auf
den großen Kriegsfuß zu setzen. Unterstützt von der
großen Bereitwilligkeit des ganzen Landes ist dies
wirklich vollbracht worden, so daß die Armee am 12.,
als die Nachricht einging, daß die preußischen Trup
pen bis zum 17. Schleswig völlig geräumt haben
würden, bereit war, es dicht hinter ihnen her zu
besetzen. In dieser Absicht wurden nun die Maß
regeln für die nächsten Tage getroffen. Die Armee
concentrirte in den Tagen am 13. und 14. sich mit
einer Brigade bei Kiel, mit dem Gros bei Rends
burg. Zunächst schien es nöthig, die seit Jahr und
Tag entwaffneten und verlassenen Werke von Eckern
förde wieder zu besetzen. Zu dem Ende wurde der
ganze dazu nöthige Artilleriepark am 13. früh von
Rendsburg aus in Bewegung gesetzt. Zugleich
rückte die Avantgarde der Brigade von Kiel am 13.
bis Gettors vor. Bei völliger Windstille wäre es
den dänischen Schiffen, auch wenn sie gewollt hätten,
nicht möglich gewesen, in das Innere des Hafens zu
kommen, um sich etwa vor die bewaffneten Batterien
zu legen, und so ihre Armirung unmöglich zu
machen, die^nun unter diesen günstigen Umständen
binnen 24 Stunden völlig vollendet wurde. Es
ist durch diese Bewegung zu gleicher Zeit die im
innern Hafen liegende Fregatte Gefion vollstän
dig gesichelt.
Am 14. ist die Avantgarde bis auf den halben
Weg gegen Schleswig vorgeschoben, Eckernförde voll
ständig besetzt, bei Missunde eine Brücke geschlagen,
und Spitzen nach allen Richtungen, nach Schwansen
und Angeln vorgeschoben worden. Eckernförde wurde
am 14. Morgens 6 Uhr von den preußischen Trup
pen geräumt. Morgen, am 15., wirb die Armee
ihre Bewegung über Schleswig und Missunde hin
aus fortsetzen/und den starken Abschnitt von Jdstädt
und Wedelspang mit ihren Spitzen erreichen.
Ich werde nicht ermangeln, einer hohen Statt
halterschaft über das Weitere zu berichten. Ich kann
nicht genug den Geist rühmen, der alle beseelt. Je
der ist bereit, mit Anstrengung aller seiner Kräfte
der Sache des Landes zu dienen; die Armee ist stark,
wohl organisirt und voller Vertrauen. Man sieht
mit voller Zuversicht den Begebenheiten der nächsten
Tage entgegen. Der commandirende General.
Schleswig, den 14. Juli. Heute Morgen um
7 Uhr hat uns' das preuß. Füsilier - Bataillon ver
lassen; während vas bisher in Eckernsörde gestandene
Bataillon, mit Blumen geschmückt, hier wieder ein
zog. Morgen verlassen uns die übrigen Truppen.
Sie scheiden ungern, denn sie haben das Land und
die Leute lieb gewonnen; namentlich gilt es von
den Husaren aus Westphalen, die durch ihre nieder
deutsche Sprache und ihre Sitten unserm Volksleben
natürlich näher stehen als die Polen, aus denen theil-
weise das siebente Regiment besteht. Mehrere Osfi-
ciere haben Urlaub gesucht, um als Volontäre den
Feldzug mitzumachen; doch Habensich diesem Schwie
rigkeiten entgegengestellt. Der polizeiliche Cordon
vom Westen des Landes bis fest an die Ostsee hin
bezweckt eine Controle über den bisher ungehemmten
Verkehr, in welche sich die alte dänische Propagan-
disten-Waare auf alle Weise einschmuggelte. Mehr
als zwanzig Eingänge sind allein um unsere Stadt
besetzt. Wir können dies über die Controle mitthei
len/ weil die Sache selbst doch nicht lange bestehen
wird, und jeder sie auch weiß. Dem General v. Hahn
haben gestern Deputationen aus Angeln, Tondern und
den friesischen Districten ihren Dank dargebracht.
Von Schleswig stattete ihm denselben eine heute hier
gewählte Deputation ab. Hr. Dr. N. Hansen war
zum Wortführer erwählt. Er sprach wenige herzliche
Worte des Abschiedes und des Dankes. General
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