Full text: Newspaper volume (1850)

Jahrgang. 
43». 
er 
Rendsburaer 
M 5». 
Mittwoch, den 24. Juli 
1850. 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Er „edition 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgcgcngcnomcn werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes 
ist für Interessenten, denen cs hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es von der Erpcdition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post- 
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. ‘ * 
Tagesgeschichte. 
-——- 
Großbritannie n. 
London, vom 15. Juli. Die heutige Num- 
lner des „Globe" enthält einen Leitartikel über den 
preußisch-dänischen Frieden, der unsere Ansicht be 
stätigt, daß Lord Palmerston schwerlich eine russische 
Intervention gegen Schleswig-Holstein zugeben wird. 
In diesem Artikel wird zuerst ein Blick auf die un 
dankbare Stellung Preußens geworfen, welches bald 
gedrängt von den Forderungen seiner Bundesgenossen 
(Rußland u. s. w.), bald von der Erbitterung der 
öffentlichen Meinung Deutschlands, niemals mit Frei 
heit gehandelt habe, weder früher, als es sich der 
schleswig - holsteinischen Sache annahm, noch jetzt, 
als cs dieselbe verließ. Man kann die preußische 
Schwäche kaum schärfer schildern, als hier geschieht: 
Preußen so abhängig, daß es nie mit Freiheit zu 
handeln im Stande ist. Dann werden die dänischen 
Parteigänger getadelt, welche die errungenen Vor 
theile den Herzogthümcrn in unverschämtem Tone 
des Triumphs ankündigten und dadurch nur Erbitte 
rung und Widerstand hervorriefen, und das dänische 
Cabinet wird darin erinnert, daß die Artikel 2, 3 
und 4 des Friedensvertrags die Rechte des deutschen 
Bundes rücksichtlich der verfassungsmäßigen Organi 
sation Holsteins wahren. Fehle jetzt dem deutschen 
Bunde auch das Organ, so werde man doch eine 
Autorität finden, um die Ausführung des Friedens 
zu überwachen, wenn man eine Autorität finde, die 
den Frieden ratificire. Deshalb seien die Maaßre 
geln, vou denen man in Beziehung aus eine Cen 
tralisation der Vertretung und auf eine Vereinigung 
der Herzogthümer mit den übrigen Besitzungen der 
dänischen Krone höre, mit der Stellung durchaus 
unverträglich, die Holstein durch die Verträge von 
1815 habe; solche Maßregeln würde Dänemark nur 
mit offener Verletzung der histor. Basis ausführen 
können. Ferner wird die Behauptung, daß der Kö 
nig von Dänemark, wenn er selbst seine Besitzungen 
nicht wieder zu erobern vermöge, zu diesem Zweck 
fremde Hülfe anrufen könne, eine unüberlegte Prah 
lerei genannt. Jene Aeußerung könne nur jo ver 
standen werden, daß russische Truppen ebenso bereit 
willig in Holstein, als in Ungarn interveniren wür 
den. Doch diese Auffassung von dem, was der Czar 
bei dieser Gelegenheit beabsichtigte und wünsche, sei 
so verkehrt als möglich. Vom Ministerium sei es 
neulich im Oberhause ausgesprochen, daß Rußland 
und England in der dänischen Frage durchaus ein 
verstanden seien. Wie sehr nun auch immer Ruß 
land dahin streben möge, seinen Einfluß über den 
Sund auszudebnen, so erfordere doch die Gerechtig 
keit die Erklärung, daß Rußland, sei das nun aus 
Klugheit oder aus Billigkeit, bisher durchaus nicht 
die Neigung zu dem gefährlichen Schritt gezeigt 
habe, welchen die eifrigen Helfer des Königs von 
Dänemark empföhlen. Rußland wird dann von der 
Schuld freigesprochen, die extremen Forderungen Däne 
marks veranlaßt zu haben, Oesterreich und Baiern 
vielmehr hätten das dänische Cabinet dazu gedrängt, 
um Preußen in der öffentlichen Achtung herabzu 
setzen. — In der That,ein schönes Zeugniß über 
das schmähliche Wettrennen deutscher Regierungen 
um die Schmach Deutschlands. — Als der schwie 
rigste und gefährlichste Punkt einer russischen In 
tervention wird endlich die große Gefahr bezeichnet, 
womit sie ganz Europa bedrohen würde. Eine solche 
Intervention würde nämlich dem Recht des deutschen 
Bundes widersprechen, der den Eintritt fremder 
Truppen in das deutsche Gebiet Holsteins gestatten 
und verweigern könne, und das bloße Geflüster von 
der Absicht eines solchen Einschreitens würde, möge 
nun die Stellung Schleswigs sein welche sie immer 
wolle, den öffentlichen Geist in Deutschland zur Ra 
serei aufreizen. Die gekrönten Häupter aber wür 
den in solchem Fall, wie die Erfahrung in dein letz 
ten Jahre gelehrt habe, um sich zu retten, sehr eilig 
sein, die Leitung eines revolutionären Angriffs ist 
ihre Hand zu nehmen. Daraus aber könnte eine 
neue Ueberfluthung Deutschlands hervorgehen. 
(Ndd. fr. Pr.) 
Däne m (t t k. 
Aus Kopenhagen wird der-„Deuschen Ref." 
geschrieben: 
Auch erzählt man sich hier, daß die schwedisch- 
norwegischen Truppen fürs erste nicht nach der Hei- 
math, sondern von Schleswig nur nach Föhnen Hin 
überschiffen und da verbleiben werden. — In diesen 
Tagen wird auch eine schwedisch-norwegische Eskadre 
sich nach der Westküste von Holstein und Schleswig 
begeben, um die Entwickelung der Dinge mit 
zu beobachten und eventualiter mit einzuschreiten. 
(Welches die Stellung Englands in Beziehung 
der Jnterventionsfrage ist, darüber spricht sich der 
oben mitgetheilte Artikel deS Palmerston'schcn Organs 
„Globe" deutlich genug aus. 
Kopenhagen, den 18. Juli. Von der Armee 
sind neuere Nachrichten nicht eingetroffen; die „B. Z." 
nimmt indeß als ausgemacht an, daß das Heer von 
Jütland, Föhnen und Alsen in Schleswig eingerückt 
sei. Aus den düppeler Höhen soll das alsener Corps 
ein gewaltiges Hurrah ausgebracht haben, das — 
bis nach Sonderburg hinübcrschallte! Die Haltung 
der Herzogthümer übrigens scheint tiefen Eindruck 
in Kopenhagen zu machen. Früher bekanntlich war 
nach sämmtlichen dän. Blättern das schleswig-hol 
steinische Heer ein Haufen zusammengelaufenen Ge 
sindels in völlig aufgelöster Disciplin, das vor den 
iapperen Landsolbaten verschwinden würde wie Spreu 
vor dem Winde. Jetzt bringt „Faedrelandet" einen 
Leitartikel, wonach die „holsteinische Armee sehr wohl 
gerüstet ist, sehr tüchtige Officiere hat und jedenfalls 
im ersten Treffen gut kämpfen würde." Daher „sei 
alle Vorsicht nöthig, damit nicht der Feind beim 
ersten Rencontre wirkliche Vortheile über unsere 
Truppen gewinne!" Die Noth, wie man steht, lehrt 
beten, selbst in der gewaltigen Weltstadt am Sunde! 
DeuLşihlaņhş 
Die schleswig-holsteinischen Vereine mehren sich 
noch immer. In Bremen sind gleich am ersten Tage 
über 3000 Mk. zusammen gekommen. In Rotten 
burg im Bremischen, in Verden haben sich Vereine 
gebildet. In Leipzig ist der schleswig-holsteinische 
Verein als unerlaubt verboten. Man hört, daß in 
Bremen und Hamburg mehrere Beiträge in der 
Weise gezeichnet worden, daß Zahlung nur dann er 
folgt, wenn es wirklich losgeht, und nicht mehr un 
terhandelt wird. — Aus Heidelberg wird dem Frank 
furter Journal geschrieben: 
Seit einigen Tagen circulirt hier eine Subscrip 
tionsliste zur Unterstützung für Schleswig-Holstein. 
Ein bekannter hiesiger Professor und Publicist soll sich 
nicht nur an die Spitze derselben mit 1050 fl. ge 
stellt, sondern auch sogar vorhaben, nach England 
zu gehen und dem Cabinette von St. James Vor 
stellungen zu Gunsten der Anerkennung der Ansprüche 
der Herzogthümer Schleswig-Holstein zu machen. 
München, den 15. Juli. Wie in Augsburg 
so hat man auch hier begonnen, zu Geldunterstützun 
gen für Schleswig-Holstein aufzufordern, und nach 
dem ersten Anfang scheinen dieselben reichlicher flie 
ßen zu wollen, als man nach der seitherigen Apathie 
unserer Bevölkerung,zu erwarten berechtigt war. 
Berlin, den 17. Juli. Gestern ist aus Kiel 
ein Memorandum an die verschiedenen Regierungen 
abgegangen. Es wird hauptsächlich auf zwei Punkte 
ankommen, die Jnterventionsfrage in Bezug aus 
Schleswig und die Frage, ob Dänemark gegen ein 
deutsches Bundesland Gewalt anwenden darf. 
Das „Corresp. B." schreibt: „Dem Vernehmen 
nach wäre preußischer Seits an die verbündeten 
deutschen Staaten die Aufforderung ergangen, sich in 
Betreff der Ratification des Friedens mit Dänemark 
schleunigst zu erklären. Erfolgt soll die Ratification 
bereits sein von Sachsen, den beiden Hessen, den 
beiden Mecklenburg und Oldenburg." 
Berlin, den 17. Juli. Oesterreichs meister 
hafter, perfider, gegen die Union geführter Streich 
hat seinen Halt an den schleswig-holsteinischen An 
gelegenheiten. In diesem Punct ist eine Erwiderung 
erfolgt, wie Ihnen schon bekannt. Der Bundeskrieg 
mit Dänemark sei ungesetzlich gewesen. Ein Streit 
zwischen zwei Mitgliedern des Bundes, dem Könige 
von Preußen und dem Könige von Dänemark, hätte 
vor dem Bundestage zum Austrag kommen müssen. 
Jedenfalls sei der Frieden zu loben. Er werde 
ratisicirt werden — aber durch das Plenum. Es 
wird auch insinuirt, natürlich lobend insinuirt, daß 
Preußen mit dem Frieden implicite das Bundesrecht 
wieder anerkannt habe. Wie fein, wie beneidenswertst 
ausgedacht! So denkt man Preußen in eine schwere 
Verlegenheit zu drängen. Man rechnet, daß es die 
Ratification wünschen müsse, und doch müsse ihm die 
Ratification durch das Plenum verhaßt sein. 
Und was wird Preußen thun? Es wird als 
einfache Bundesregierung ratificiren. Aber noch hat 
es nicht ratisicirt. (H. N.) 
Die „Spenersche Zeitung" berichtet: Es verlau 
tet bereits das Gerücht von den dänischen Inseln 
selbst her, daß eine der eigentlich dänischen Inseln, 
nämlich Bornholm, der Preis sein solle, für dessen 
Abtretung, Verpfändung oder Verkauf an Rußland 
dieses Dänemark seine diplomatische Unterstützung 
gewährt haben will. Diese 1014 Quadratmeilen 
große Insel mit den Häfen Rönna, Swanika, Nexöe, 
Hasle, dem Leuchtthnrm bei Sandvich, den festen 
Kriegsvorrathshäusern und den 23,000 kräftigen, 
dänischen Einwohnern, liegt etwa 6 Meilen von 
Schweden, nicht allzuweit von Lübeck, den Belten, 
und wäre eine prachtvoll von Kronstadt her vorge 
schobene feste Station und Position, die auch der 
russischen Dampfschifffahrt große Dienste leisten und 
die langen Winter der Newa ein wenig vergüten 
könnte! 
München, den 15. Juli. Unter den Mit 
gliedern der Abgeordnetenkammer ist seit vorgestern 
eine Subscription für die Sache Schleswig-Holsteins, 
für die sich bei Hoch und Nieder fortwährend die 
lebendigste Theilnahme kundgiebt, eröffnet worden. 
Es sollen bereits namhafte Beitrage gezeichnet sein. 
Auch befinden sich in diesem Augenblicke Abgesandte 
aus Schleswig-Holstein hier, um bei dem Ministe 
rium Schritte in Anlaß des Friedensvertrags zu 
thun. Mit ihnen ist der Herzog Wilhelm von Hol- 
stein-Glücksburg (?) hier angekommen. In der Ab 
geordnetenkammer wird die Sache Schleswig-Hol 
steins vor Schluß der Session (20. Juli) jedenfalls 
noch zur Sprache gebracht werden. (H. N.) 
Muttchen, den 15. Juli. Vier hiesige Officiere, 
die Herren Aldosser, v. Boutteville, Besnard und 
Schulze habeil beim Kriegsministerium um die Er 
laubniß nachgesucht, nach Schleswig-Holstein abgehen 
zli dürfen. Es soll in dieser Angelegenheit bereits 
ein Adjutant an Se. Maj. den König nach Aachen 
abgegangen sein. Die beiden Erstgenannten waren 
bekanntlich bereits in den früheren Kämpfen in 
Schleswig-Holstein und Jütland.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.