Jahrgang.
43».
er
Rendsburaer
M 5».
Mittwoch, den 24. Juli
1850.
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Tagesgeschichte.
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Großbritannie n.
London, vom 15. Juli. Die heutige Num-
lner des „Globe" enthält einen Leitartikel über den
preußisch-dänischen Frieden, der unsere Ansicht be
stätigt, daß Lord Palmerston schwerlich eine russische
Intervention gegen Schleswig-Holstein zugeben wird.
In diesem Artikel wird zuerst ein Blick auf die un
dankbare Stellung Preußens geworfen, welches bald
gedrängt von den Forderungen seiner Bundesgenossen
(Rußland u. s. w.), bald von der Erbitterung der
öffentlichen Meinung Deutschlands, niemals mit Frei
heit gehandelt habe, weder früher, als es sich der
schleswig - holsteinischen Sache annahm, noch jetzt,
als cs dieselbe verließ. Man kann die preußische
Schwäche kaum schärfer schildern, als hier geschieht:
Preußen so abhängig, daß es nie mit Freiheit zu
handeln im Stande ist. Dann werden die dänischen
Parteigänger getadelt, welche die errungenen Vor
theile den Herzogthümcrn in unverschämtem Tone
des Triumphs ankündigten und dadurch nur Erbitte
rung und Widerstand hervorriefen, und das dänische
Cabinet wird darin erinnert, daß die Artikel 2, 3
und 4 des Friedensvertrags die Rechte des deutschen
Bundes rücksichtlich der verfassungsmäßigen Organi
sation Holsteins wahren. Fehle jetzt dem deutschen
Bunde auch das Organ, so werde man doch eine
Autorität finden, um die Ausführung des Friedens
zu überwachen, wenn man eine Autorität finde, die
den Frieden ratificire. Deshalb seien die Maaßre
geln, vou denen man in Beziehung aus eine Cen
tralisation der Vertretung und auf eine Vereinigung
der Herzogthümer mit den übrigen Besitzungen der
dänischen Krone höre, mit der Stellung durchaus
unverträglich, die Holstein durch die Verträge von
1815 habe; solche Maßregeln würde Dänemark nur
mit offener Verletzung der histor. Basis ausführen
können. Ferner wird die Behauptung, daß der Kö
nig von Dänemark, wenn er selbst seine Besitzungen
nicht wieder zu erobern vermöge, zu diesem Zweck
fremde Hülfe anrufen könne, eine unüberlegte Prah
lerei genannt. Jene Aeußerung könne nur jo ver
standen werden, daß russische Truppen ebenso bereit
willig in Holstein, als in Ungarn interveniren wür
den. Doch diese Auffassung von dem, was der Czar
bei dieser Gelegenheit beabsichtigte und wünsche, sei
so verkehrt als möglich. Vom Ministerium sei es
neulich im Oberhause ausgesprochen, daß Rußland
und England in der dänischen Frage durchaus ein
verstanden seien. Wie sehr nun auch immer Ruß
land dahin streben möge, seinen Einfluß über den
Sund auszudebnen, so erfordere doch die Gerechtig
keit die Erklärung, daß Rußland, sei das nun aus
Klugheit oder aus Billigkeit, bisher durchaus nicht
die Neigung zu dem gefährlichen Schritt gezeigt
habe, welchen die eifrigen Helfer des Königs von
Dänemark empföhlen. Rußland wird dann von der
Schuld freigesprochen, die extremen Forderungen Däne
marks veranlaßt zu haben, Oesterreich und Baiern
vielmehr hätten das dänische Cabinet dazu gedrängt,
um Preußen in der öffentlichen Achtung herabzu
setzen. — In der That,ein schönes Zeugniß über
das schmähliche Wettrennen deutscher Regierungen
um die Schmach Deutschlands. — Als der schwie
rigste und gefährlichste Punkt einer russischen In
tervention wird endlich die große Gefahr bezeichnet,
womit sie ganz Europa bedrohen würde. Eine solche
Intervention würde nämlich dem Recht des deutschen
Bundes widersprechen, der den Eintritt fremder
Truppen in das deutsche Gebiet Holsteins gestatten
und verweigern könne, und das bloße Geflüster von
der Absicht eines solchen Einschreitens würde, möge
nun die Stellung Schleswigs sein welche sie immer
wolle, den öffentlichen Geist in Deutschland zur Ra
serei aufreizen. Die gekrönten Häupter aber wür
den in solchem Fall, wie die Erfahrung in dein letz
ten Jahre gelehrt habe, um sich zu retten, sehr eilig
sein, die Leitung eines revolutionären Angriffs ist
ihre Hand zu nehmen. Daraus aber könnte eine
neue Ueberfluthung Deutschlands hervorgehen.
(Ndd. fr. Pr.)
Däne m (t t k.
Aus Kopenhagen wird der-„Deuschen Ref."
geschrieben:
Auch erzählt man sich hier, daß die schwedisch-
norwegischen Truppen fürs erste nicht nach der Hei-
math, sondern von Schleswig nur nach Föhnen Hin
überschiffen und da verbleiben werden. — In diesen
Tagen wird auch eine schwedisch-norwegische Eskadre
sich nach der Westküste von Holstein und Schleswig
begeben, um die Entwickelung der Dinge mit
zu beobachten und eventualiter mit einzuschreiten.
(Welches die Stellung Englands in Beziehung
der Jnterventionsfrage ist, darüber spricht sich der
oben mitgetheilte Artikel deS Palmerston'schcn Organs
„Globe" deutlich genug aus.
Kopenhagen, den 18. Juli. Von der Armee
sind neuere Nachrichten nicht eingetroffen; die „B. Z."
nimmt indeß als ausgemacht an, daß das Heer von
Jütland, Föhnen und Alsen in Schleswig eingerückt
sei. Aus den düppeler Höhen soll das alsener Corps
ein gewaltiges Hurrah ausgebracht haben, das —
bis nach Sonderburg hinübcrschallte! Die Haltung
der Herzogthümer übrigens scheint tiefen Eindruck
in Kopenhagen zu machen. Früher bekanntlich war
nach sämmtlichen dän. Blättern das schleswig-hol
steinische Heer ein Haufen zusammengelaufenen Ge
sindels in völlig aufgelöster Disciplin, das vor den
iapperen Landsolbaten verschwinden würde wie Spreu
vor dem Winde. Jetzt bringt „Faedrelandet" einen
Leitartikel, wonach die „holsteinische Armee sehr wohl
gerüstet ist, sehr tüchtige Officiere hat und jedenfalls
im ersten Treffen gut kämpfen würde." Daher „sei
alle Vorsicht nöthig, damit nicht der Feind beim
ersten Rencontre wirkliche Vortheile über unsere
Truppen gewinne!" Die Noth, wie man steht, lehrt
beten, selbst in der gewaltigen Weltstadt am Sunde!
DeuLşihlaņhş
Die schleswig-holsteinischen Vereine mehren sich
noch immer. In Bremen sind gleich am ersten Tage
über 3000 Mk. zusammen gekommen. In Rotten
burg im Bremischen, in Verden haben sich Vereine
gebildet. In Leipzig ist der schleswig-holsteinische
Verein als unerlaubt verboten. Man hört, daß in
Bremen und Hamburg mehrere Beiträge in der
Weise gezeichnet worden, daß Zahlung nur dann er
folgt, wenn es wirklich losgeht, und nicht mehr un
terhandelt wird. — Aus Heidelberg wird dem Frank
furter Journal geschrieben:
Seit einigen Tagen circulirt hier eine Subscrip
tionsliste zur Unterstützung für Schleswig-Holstein.
Ein bekannter hiesiger Professor und Publicist soll sich
nicht nur an die Spitze derselben mit 1050 fl. ge
stellt, sondern auch sogar vorhaben, nach England
zu gehen und dem Cabinette von St. James Vor
stellungen zu Gunsten der Anerkennung der Ansprüche
der Herzogthümer Schleswig-Holstein zu machen.
München, den 15. Juli. Wie in Augsburg
so hat man auch hier begonnen, zu Geldunterstützun
gen für Schleswig-Holstein aufzufordern, und nach
dem ersten Anfang scheinen dieselben reichlicher flie
ßen zu wollen, als man nach der seitherigen Apathie
unserer Bevölkerung,zu erwarten berechtigt war.
Berlin, den 17. Juli. Gestern ist aus Kiel
ein Memorandum an die verschiedenen Regierungen
abgegangen. Es wird hauptsächlich auf zwei Punkte
ankommen, die Jnterventionsfrage in Bezug aus
Schleswig und die Frage, ob Dänemark gegen ein
deutsches Bundesland Gewalt anwenden darf.
Das „Corresp. B." schreibt: „Dem Vernehmen
nach wäre preußischer Seits an die verbündeten
deutschen Staaten die Aufforderung ergangen, sich in
Betreff der Ratification des Friedens mit Dänemark
schleunigst zu erklären. Erfolgt soll die Ratification
bereits sein von Sachsen, den beiden Hessen, den
beiden Mecklenburg und Oldenburg."
Berlin, den 17. Juli. Oesterreichs meister
hafter, perfider, gegen die Union geführter Streich
hat seinen Halt an den schleswig-holsteinischen An
gelegenheiten. In diesem Punct ist eine Erwiderung
erfolgt, wie Ihnen schon bekannt. Der Bundeskrieg
mit Dänemark sei ungesetzlich gewesen. Ein Streit
zwischen zwei Mitgliedern des Bundes, dem Könige
von Preußen und dem Könige von Dänemark, hätte
vor dem Bundestage zum Austrag kommen müssen.
Jedenfalls sei der Frieden zu loben. Er werde
ratisicirt werden — aber durch das Plenum. Es
wird auch insinuirt, natürlich lobend insinuirt, daß
Preußen mit dem Frieden implicite das Bundesrecht
wieder anerkannt habe. Wie fein, wie beneidenswertst
ausgedacht! So denkt man Preußen in eine schwere
Verlegenheit zu drängen. Man rechnet, daß es die
Ratification wünschen müsse, und doch müsse ihm die
Ratification durch das Plenum verhaßt sein.
Und was wird Preußen thun? Es wird als
einfache Bundesregierung ratificiren. Aber noch hat
es nicht ratisicirt. (H. N.)
Die „Spenersche Zeitung" berichtet: Es verlau
tet bereits das Gerücht von den dänischen Inseln
selbst her, daß eine der eigentlich dänischen Inseln,
nämlich Bornholm, der Preis sein solle, für dessen
Abtretung, Verpfändung oder Verkauf an Rußland
dieses Dänemark seine diplomatische Unterstützung
gewährt haben will. Diese 1014 Quadratmeilen
große Insel mit den Häfen Rönna, Swanika, Nexöe,
Hasle, dem Leuchtthnrm bei Sandvich, den festen
Kriegsvorrathshäusern und den 23,000 kräftigen,
dänischen Einwohnern, liegt etwa 6 Meilen von
Schweden, nicht allzuweit von Lübeck, den Belten,
und wäre eine prachtvoll von Kronstadt her vorge
schobene feste Station und Position, die auch der
russischen Dampfschifffahrt große Dienste leisten und
die langen Winter der Newa ein wenig vergüten
könnte!
München, den 15. Juli. Unter den Mit
gliedern der Abgeordnetenkammer ist seit vorgestern
eine Subscription für die Sache Schleswig-Holsteins,
für die sich bei Hoch und Nieder fortwährend die
lebendigste Theilnahme kundgiebt, eröffnet worden.
Es sollen bereits namhafte Beitrage gezeichnet sein.
Auch befinden sich in diesem Augenblicke Abgesandte
aus Schleswig-Holstein hier, um bei dem Ministe
rium Schritte in Anlaß des Friedensvertrags zu
thun. Mit ihnen ist der Herzog Wilhelm von Hol-
stein-Glücksburg (?) hier angekommen. In der Ab
geordnetenkammer wird die Sache Schleswig-Hol
steins vor Schluß der Session (20. Juli) jedenfalls
noch zur Sprache gebracht werden. (H. N.)
Muttchen, den 15. Juli. Vier hiesige Officiere,
die Herren Aldosser, v. Boutteville, Besnard und
Schulze habeil beim Kriegsministerium um die Er
laubniß nachgesucht, nach Schleswig-Holstein abgehen
zli dürfen. Es soll in dieser Angelegenheit bereits
ein Adjutant an Se. Maj. den König nach Aachen
abgegangen sein. Die beiden Erstgenannten waren
bekanntlich bereits in den früheren Kämpfen in
Schleswig-Holstein und Jütland.