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Gestern Abend lief bas große dänische Kriegsdamps-
schiff Holger Danske in ben obern Theil des Hafens
ein. Sofort um 11 Uhr begab sich das Dampfschiff
Bonin mit nur einem Kanonenboot hinaus, ohne
erst den Abgang der übrigen Schiffe abzuwarten.
Außerhalb der Festung Friedrichsort treffen bte Schiffe
aufeinander und es entspann sich ein Kampf von
länger als einer Stunde. Der Holger Danske gab
fast nur glatte Lagen, von denen aber keine Kugel
- traf. während die einzelnen wohlgeziehlten Schüsse
des Bonin und des Kanonenboots wiederholt in die
Seiten des Schiffs einschlugen. Als sich dann auch
das Dampfschiff Löwe und einige Kanonenböte an
fingen an dem Gefecht zu betheiligen, ergriff^ dev-
Holger Danske die Flucht, und suchte ia
Sec den Schutz des Linienschiffs Skjold, derj-wie- es
schien, sich unter Segel begab. Der Holger Hanske
wurde diesseits in die See verfolgt und wurden mit
ihm noch in See einige Schüsse gewechselt, l'Da
diesen kleinen Dampfschiffen nicht einfallen konnte,
ein Linienschiff anzugreifen, standen sie nach 1 Uhr
von der Verfolgung ab. Obwohl einzelne dänische
Bomben gerade über dem Deck des Bonin platzten,
ist diesseits Niemand verwundet. Die Mannschaft
war zum ersten Male im wirklichen Feuer und hat
nach Aussage des Commandeurs eine große Hingen
bung, Kaltblütigkeit und Tapferkeit bewiesen.
(N. s. Pr.),
Kiel, den 21. Juli. Die von den dänischen
Kriegsschiffen am 16. d. aufgebrachten zwei Holstein.
Schiffe sind nach Sonderburg geführt, daselbst aber
Wieder freigegeben worden, weil an jenem Tage die>
nach der Ratification des Friedens verabredete eilsà
tägige Frist noch nicht abgelaufen war. — In dikH
ser Nacht hörte man von der russischen Flotte eine
starke Kanonade. — Es ließ sich gestern vor unserem
Hafen eine schwedische Dampffregatte sehen. (H. C.)
(Unter diesen beiden freigegebenen Schiffen befindet
sich auch das Schiff des Cpt. Brühn in Rendsburg.)
Ans dem Morden Schleswig-Holsteins,
den 19. Juli. In östlicher oder südlicher Richtung
haben fick Dänen in dem Kirchdorfe Husbye gezeigt.
Um die Mitternachtsstunde erschienen dort in der
letzten Nacht — zwischen Donnerstag und Freitag —
dänische Dragoner, wenigstens 40 — 50 an der
Zahl.
Haderslcben, den 17. Juli. Dänische Blät
ter schreiben von vorstehendem Datum: „Gestern
hatte Hadersleben die Freude, dänische Truppen in
größerer Anzahl wiederzusehen. Der Empfang war
still und ohne viele äußere Demonstrationen, allein
wir sind überzeugt, daß unsere braven Krieger bei
der Mehrzahl der Bürger eine herzliche Aufnahme
und gute Verpflegung gefunden haben. In den
Mienen der Deutschgesiunten las man Bitterkeit oder
angenommene Großartigkeit, in denen der Dänisch
gesinnten aufrichtige Freude und Stolz. Die Jäger
waren die ersten Truppen, die einrückten. Ungeachtet
dieselben 4—6 Meilen in einer ungemein starken
Sonnenhitze marschirt hatten, war ihre Haltung vor
trefflich. Gegen 8 Uhr Abends traf der Obergeneral
Krogh mit seinem Stabe ein. in seinem Gesolge das
Ordonnanz-Corps, das durch seine hübsche Uniform
allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Um 10 Uhr war
Zapfenstreich, der viele Leute aus den Straßen ver
sammelte. Heute Morgen zogen mit Musik und Ge
sang neue Truppen ein. Alle rühmen sehr ben Em
pfang bei den nordschlcswigschen Landbewohnern.
Mehre öffentliche Gebäude hier in der Stadt, wie
die Frauenkirche, das Rathhaus und die Bürgerschule
sind mit der Danedrogssahne geschmückt. Die bren
nende Hitze bewirkt übrigens, daß die Märsche lang
samer und beschwerlicher werden." „Colding Avis"
berichtet: „Hardesvogt Thomsen ist in Hadersleben
arretirt worden, weil er auf geschehene Aufforderung
sich geweigert hat, den Eid der Treue gegen den
König von Dänemark abzulegen. Er ist den 18.,
Abends 8 Uhr, in Colding eingebracht und sofort
Nach Friedericia transportirt." Nach „Fyens Avis"
ist Hardesvogt Thomsen den 18. als Arrestant durch
Odensee gekommen. Wie die S. Bl. berichten, ist,
auch der Postmeister Jürgens in Hadersleben abge
setzt und an dessen Stelle wieder der Postmeister
Nissen getreten.
Flensburg, den 17. Juli. Die kopenbagener
„Nyeste Post-Eftèrretninger" bringen von vorstehendem
Datum folgende Privatmittheilung: Heute Mittag
rückte die dänische Avantgarde unter General Schleppe
grell in unsere Stadt ein, begleitet von den Bewe
gungen der Kanonenböte im Meerbusen bis zum Ha
sen selbst. Sie wurde von den Einwohnern der
Stadt auf das Wärmste empfangen, Danebrogs
wehten, die Häuser waren mit Blumen festlich ge
schmückt. Gestern Abend waren eine halbe Com
pagnie vom 3. Reserve-Jägercorps und einige Dra
goner bei Crusau, wo sie die Barrikaden der Hol
steiner vom vorigen Jahre verbrannten, worauf sie
wieder zu ihrem Corps zurückzogen. Pastor Lorenzen
von Adetby und Gutsbesitzer Lorenzen (von Wassers-
leben) sind arretirt. Polizeimeister Nieman ist gestern
seines Amtes entsetzt; seine früheren Diener trugen
heute dänische Cocarden. Es ist das Centrum der
Armee, das hier eingerückt ist, wohingegen eine Ab
theilung bei Holnis gelandet, eine andere nach Westen
abgegangen ist. Unsere Polizei zeigt ausgezeichnete
Thätigkeit, konnte aber doch nicht verhindern, daß
die Fenster vieler Deutschen gestern Abend auf den
Laus gingen. Heute Abend werden die schwedischen
Truppen von unsern eignen Soldaten abgelöst. Zu
morgen erwarten wir den Rest unsers Heeres hier
durch.. Das russische Dampfschiff schiffte heute Mor
gen eine große Anzahl der neutralen Truppen ein.
Es ist hier an den Straßenecken ein vermuthlich in
Kopenhagen gedrucktes Placat angeschlagen, worin
die Forderung gestellt wird : „Keine Amnestie gegen
die Landesverrather."
Flensburg, den 17. Juli. Die dänische „Da-
nevirke" schreibt'von vorstehendem Datum: „Heute
haben die dänischen Truppen Flensburg besetzt. Schon
gestern Nachmittag ging ein Theil der Armee über
den Alssund, und da man heute Abend hörte, daß
eine Anzahl Jäger außen vor der Stadt gesehen
worben sei, gingen viele Leute hinaus, um der von
ihnen vorgenommenen Zerstörung der Pallisaden bei
der Kupfermühle zuzuschauen. Die Gewißheit der
Nähe dänischer Truppen verbreitete in der Stadt
große Freude. Dieselbe wurde indeß heute Morgen
durch einen panischen Schrecken gestört, und zwar in
Folge der plötzlich eintreffenden Nachricht, daß 10,000
Mann Holsteiner bei Bilschau lägen. Von welcher
Seite dieses Gerücht kam, weiß rch nicht; allein
einigen Anschein von Wahrheit muß es doch gehabt
haben, da Etatsrath Schrader mit seinem Polizei
personal sich an Bord des Aegir begab, wie denn
auch das Regicrungspersonal in aller Eile seine Pa
piere in Sicherheit brachte. Man erfuhr indeß später,
daß der über die Stadt verbreitete Schrecken ganz
ohne Grund gewesen, und die geflüchteten Personen
und Papiere kehrten zurück. Heute Vormittag vom
Frühsten Morgen an hat die Einschiffung der schwe
dischen Truppen stattgefunden;- allein erst nachdem
ein Bataillon unserer lieben Dänen unter Oberlieut.
v. Trepka in die Stadt eingerückt war, hat der
letzte Theil der schwed.-norwegtschen Truppen Flens
burg verlassen."
—, den 18. Juli. Von vorstehendem Datum
berichtet eine Privatcorrespondenz der Kopenhagener
„N. P.-E.": „Die Truppen fahren fort mit kurzen
Unterbrechungen einzumarschiren; morgen werden die
Truppen aus Jütland erwartet. Sie sind alle von
brennender Kampflust beseelt, und werden hier außer
ordentlich gut verpflegt. Auch die Deutschen müssen
dazu beitragen; der Prinz von Noer wird's ihnen
schon wieder erstatten. Ein allgemein geachteter Däne,
Garlieb, ist als Polizeimeister eingesetzt; Kaufmann
Asmus ist arretirt. Diese Nacht haben unsere Vor
posten aus die Gensd'armen geschossen. Husum (??)
ist von den Unsern besetzt. 'Justizrath Bagger ist
zum Departementschef ernannt; ebenso die Bureau
chefs Kranold und Boolsen." „Kolding Avis" be
richtet: „In Flensburg soll ein Jnsurgentenosficier
von den Schweden gefangen genommen sein." In
Folge des gestrigen Schrecks war auch der „Flensb.
Cor'resp." nicht erschienen.
Rendsburg. An die Armee ist folgende An
sprache erlassen: '
S v i b a f e u!
Der Tag der Entscheidung ist da! Unsere Regierung
hatnichts unversucht gelassen,stattder blutigen Lösungdes
Streits eine friedliche herbeizuführen. Ihr wißt es
alle, daß unsre Vertrauensmänner, nachdem man sie
alle hingehalten, zuletzt zurückgewiesen worden sind.
Jetzt wird von uns verlangt, daß wir feige unsre
Waffen von uns werfen, dann soll uns Gnade wer
den. Und wer verspricht diese Gnade? Eine Parthei
in Dänemark, dieselbe, welche schon einmal mit Dro
hungen vor dem Königsschloß unsers Herzogs ver
langte, daß unser gutes Recht gebrochen werden
solle. Die Gnade dieser Parthei heißt: Unterwerfung
ohne irgend eine andere Sicherheit, als Worte von
zweifelhaftem Sinn. Wir wollen unser Recht, wie
es Männern ziemt; dafür haben wir zum Schwert
gegriffen und dafür werden wir es führen der Par
thei gegenüber, welche auch Dänemark tyrannisirt.
Sie allein ist cs, welche Dänemark hindert, neben
uns in Frieden zu leben und mit uns stark zu sein.
Wir nehmen jetzt den Kampf allein auf. Zwei
Jahre der besten L-chule haben uns die Uebung, die
Kenntniß und vor Allem den Geist der Ordnung
und des strengen Gehorsams gegeben, welche immer
den Erfolg verbürgt. Wir können jetzt Alles leisten
und wir wollen es. Ein Gedanke, ein Wille beseele
uns. Ehrlos sei der, welcher durch Mangel an Ge
horsam oder Entschlossenheit dem Vaterlande Gefahr
bringt!
Soldaten! Eure Ofsiciere werden Euch überall
mit dem glänzendsten Beispiele vorangehen, bte streng
sten im Gehorsam, die Tapfersten im Kampfe sein.
Ihr aber werdet Euch rücksichtlos auf den Feind stür
zen, wenn es vorwärts heißt und nicht weichen
wo Ihr halten sollt. Das erwarte ich von Euch, das
erwartet das Vaterland, das fordert eure Ehre. Ihr
werdet eurer Vorältern würdig sein.
Wir wollen fest zusammen halten, in guten und
in schlimmen Tagen, wenn sie kommen sollten. Ich
wiederhole Euch, daß ich mit dem Letzten ausharren
werde. So denke jeder und das Vaterland bleibt
frei! So denn mit Gott! für deutsche Ehre und
Schleswig-Holsteins altes gutes Recht!
Hauptquartier Falkenberg, den 21. Juli 1850.
Euer commandirender General:
von Willtfen.
Amtliches.
Von mehreren Seitens sind,.dem Finanz-Departe-
nrent Geldsendungen für die Staatskasse zugegangen,
theils als freiwillige Gabe, theils als freiwilliges
unverzinsliches Darlehn. Bei Einsendung einer
Summe von 6000 Mk. ist hinzugefügt: das feste
Auftreten der Statthalterschaft und Regierung habe
das Vertrauen gehoben, mache es aber auch allen
Patrioten zur Pflicht, zusammen zu halten und nach
Kräften das Ihrige zur Unterstützung der Regierung
zu leisten.
Das Finanzdepartement hat den patriotischen Ein
sendern hiedurch öffentlich danken wollen.
Kiel, ben 17. Juli 1850.
Unterm heutigen Tage (den 20. d.) ist vom De
partement der Finanzen folgende Verfügung erlassen:
„Die Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig-
Holstein hat allen Ofsicieren, Unterofsicieren, Solda
ten, Militärbeamten und Matrosen der schleswig-hol
steinischen Armee und Kriegsmarine für die Dauer
des Feldzuges Portosreiheit aus den Landesposten
für alle Briefe von denselben und an dieselben, welche
weniger als 1 Loth wiegen, bewilligt. Die Ver
fügung No. 109 vom 3. October 1849, die Porto-
Ermäßigung für die Soldaten rc. betreffend, bleibt,
insoweit sie nicht durch vorstehende Verfügung abge
ändert worden ist, in Kraft."
Schreckliche Pvophezeihuttgen eines hnn-
dertjäbrigen Matrosen in Kopenhagen
(A. d. Rcf.)
Großes Aufsehen haben seit einiger Zeit die wun
derbaren Prophezeihungen eines steinalten Matrosen
in Kopenhagen erregt, dessen Alter man über hun
dert Jahre schätzt. Der Veteran nennt sich Niels
Turleson, vom Volke schlichtweg Niels Spaamand
(Niels der Prophet) genannt, weil er schon seit Jah
ren die Kunst der Weissagung beim Volke bewährte
und wirklich manches wichtige Ereigniß, als z. B.
den Tod der lctzverstorbenen beiden Könige und den
Krieg mit den Schleswig-Holsteinern richtig voraus
gesagt haben soll. Er hat länger als 60 Jahre auf
der dänischen Flotte ats Matrose gedient, hat in der
Seeschlacht bei Kopenhagen mit den Engländern drei
Wunden davongetragen, ist erst seit 17 Jahren aus
dem Dienste getreten und genießt eine reichliche Pen
sion, welche alle seine Lebensbedürfnisse sichert. Er
wohnt in Nenbuden ganz allein in einem kleinen
Häuschen, war nie verheirathet, hat auch sonst keine
Anverwandte, oder, wie Andere wissen wollen, so
hohe Blutsverwandte, daß er sie nicht nennen darf
oder mag. Deshalb lebt cr auch ganz zurückgezogen
und, obgleich er freundlich und gefällig ist gegen
seine Nachbarn, größtentheils Seeleute wie er, so
sucht er doch ihren Umgang nicht, sondern verschließt
sich oft tagelang in sein Häuschen, ohne ein Lebens
zeichen von sich zu geben, so daß man schon oft ge
glaubt hat, er sei hinter der verschlossenen Thür ge
storben. Doch trat er oft plötzlich, gewöhnlich in den
Abendstunden, unter seine alten Kameraden; auf sei
nen Mienen lagert dann ein hoher Ernst, seine Au
gen leuchten von einem ungewöhnlichen Feuer und
von seinen Lippen fließen dann prophetische Worte,
denen das Volk mit Ehrfurcht lauscht, denn auch den
Rohesten wandelt ein Gefühl heiliger Scheu an,
wenn er den hundertjährigen Greis hochansgerichtet
wie den kräftigsten Mann am Ufer der Ostsee stehen
sieht, die Blicke flammend von einem unheimlichen
Feuer fest und unbeweglich auf die Nebelwolken ge
richtet, die in der Abenddämmerung den grünen
Meereswogen entstiegen, als ob er diese Nebel "durch
bohren wollte, die ihm als Spiegel der Zukunft zu
dienen schienen. Denn er liest aus" ihnen nicht allein
die Schicksale einzelner Menschen, sondern auch gan
zer Länder. — Wenn man ihn dann stehen sieht,
die nackten Füße wie eingewurzelt im feuchten Mee
ressande, das lange schneeweiße Haupthaar, den bis
auf die Brust herabfallenden Bart, .wie Silber flim
mernd im.magischen Lichte des Mondes, wenn man
sieht, wie er die Arme hinausstreckt, als ob er die
wunderlichen Bilder mit Händen greifen wollte, die
er in den Nebeln schaur, wenn die prophetischen Worte
donnernd von seinen Lippen rollen, da erfaßt Man
chen ein Grausen, und mancher Ungläubige wird in
einen Gläubigen verwandelt. Seit einiger Zeit er
blickt er lauter unheilvolle Bilder, und ich will es
versuchen, ob ich Ihnen eine seiner letzten Prophe
zeiungen, die er an demselben Abende, als die Schloß
garden abmarschirt waren, vor einer zahlreichen Volks
menge so wortgetreu als möglich wiederzugeben im
Stande bin. r
„Hört, hört, was die Stimme des Herrn zu mir
spricht aus dem Brausen der Meereswogen! Ich will
meine Hand gegen dich ausstrecken, unseliges Dänen
land, baß ich dich verderbe! So spricht der Herr.
Denn des Erbarmens bi>^ ich müde und will mein
Schwert ziehen aus der Scheide und lvill cs legen
in die Hand deiner Feinde. Warum hast du von
dir gestoßen in Stolz und Hoffart die Hand, die dir
geboten wurde zum Frieden? Du wolltest Krieg und
wirst den Krieg haben zu deinem Verderben. Die
Männer deines Volks werden erschlagen werden von
einein Ende tws Landes zum andern, ivenn der Feind
die blutige Schlacht gewonnen bei Flensburg im
Horslethal, wo die siegreichen Streiter werden waten