Full text: Newspaper volume (1850)

Schleswig-Holstein. 
Kiel Vom Departement des Krieges ist fol 
gender Erlaß bekannt gegeben: 
Da der detaillirte Bericht über die Schlacht am 
25. d. vom commandirenden General noch nicht Hai 
eingejandt werden können, so bringt das unterzeich 
nete Departement hiemit zur öffentlichen Kunde.! Un 
sere ganze Armee steht m concentrirter Stellung. 
Alle Gerüchte von abgeschnittenen Corps sind unwahr. 
Der Verlust an Mannschaften wird durch das Ein- 
rangiren der seit einigen Wochen errichteten Ersatz- 
Bataillone in dem Maaße ersetzt, daß in einigen 
Tagen die Armee stärker sein wird, als sie vor der 
Schlacht bei Jdstedt war. — Der Muth der Armee 
ist ungebrochen. — Die Tage der Entscheidung stehen 
noch bevor! — und wir sehen ihnen gefaßt entgegen. 
Kiel, den 27. Juli 1850. Departement des Krieges. 
Krohn." 
Mitbürger! 
Das Glück der Schlachten ist wechselnd; es hat 
diesmal unserer in früheren Kämpfen bewährten Ar 
mee nicht zur Seite gestanden. Aber durch einen 
Verlust wird ein Volk nicht gebeugt, das den ent 
scheidenden Kamps für die Existenz des Vaterlandes 
begonnen hat, das Heer ist zurückgedrängt, aber nicht 
besiegt worden; die Verluste sind erheblich, aber sie 
werden . ersetzt; eine Position ist verloren, aber sie 
kann wieder genommen werden; unsere Brüder in 
Schleswig seufzen unter dem Joche des Feindes, 
aber zum zweiten Male wird mit Gottes Hülfe für 
sie die Stunde der Erlösung schlagen. Unser Heer 
steht ungeschwächten Muthes und kampfbereit in fester 
Stellung. 
Mitbürger! Es ist nichts verloren, wenn wir fest 
zusammenstehen, unerschüttert im Entschlüsse, Alles zu 
wagen für Recht, unsere Ehre, unsere Freiheit. Nicht 
die Zahl allein entscheidet im Kampfe, sondern viel 
mehr der Muth und die Führung. Unsere Väter 
haben sich in widrigen Geschicken am größten be 
währt; wir vertrauen, daß die Söhne nicht kleiner 
sein werden. Das Vaterland erwartet, daß seder 
seine Pflicht thue. 1 
Kiel, den 29. Juli 1850. 
Die Statthalterschaft der Herzogthümer 
Schleswig-Holstein. 
Reventlou. Beseler. 
Boysen. Francke. Krohn. Rehhof. 
Fontenay 
An die Armee! 
Wir haben die Schlacht verloren; aber wir sind 
nur geschlagen, wenn wir uns selbst dafür ansehen 
und den Muth verlieren. Das wollen und werden 
wir nicht. — Wir haben kein Material verloren und 
finden in Rendsburg Alles, was wir brauchen, um 
Vertrauen'! 'Thut Ihr' alle EureOpflichl."Z'eifl Ihr 
standhaft und gehorsam, so ist noch nichts verloren 
Hauptquartier Rendsburg, d. 28. Jnli 1850. 
Euer commandirender General 
_ (gez) v. Willisen. 
Der commandirende General v. Willisen hat fob 
gende Bekanntmachung erlassen: 
„Bei dem verhältnißmäßig großen Verluste an 
Sfslcieren, den die schleswig-holsteinische Armee bei 
Jdsiedt gehabt, ist ein Ersatz an diesem wichtigen 
Bestandtheüe der militairischen Kräfte das arößte Be- 
dürfniß der Armee. — Es ergeht daher an Officiere 
aller deutschen Truppen, welche jung und kräftig sind 
und ein Herz fur die Sache haben, die hier verfoch- 
ten wird, dre Aufforderung, so schnell als möalich 
nach Rendsburg zu kommen, wo sie sicher sein dür 
fen, erne ihren Fähigkeiten und Dienstalter anqemes- 
sene Stellung zu sinden, sei es als Volontair, sei es 
bestnitiv. 
Sämmtliche deutsche Blätter werden ersucht, diese 
Bekanntmachung in ihre Spalten aufzunehmen. 
^„Ģuvensieck, den 27. Juli 1850. Der comman 
drrende General: v. Willisen. 
, Ueber die am 24. und 25. Julr geschlagene Schlacht 
^ Bdste" enthalten die Hamburger Blätter zahl 
reiche Berichte, von denen wir aus der B-L" m>- 
genden mittheilen: " ' 
ŞŞesrrà den 26. Juli. Gestern Morgen 
gegen Z Uhr hat die erwartete Schlacht mit einem 
Angriffe von dänischer Seite auf den beiden Flügeln 
der schleswig-holsteinischen Armee angefangen. Es 
gelang den Dänen anfänglich nicht weit vorzukom 
men; nach einiger Zeit aber gewannen sie mehr Bo 
den, aus dem linken Flügel, wo sie sich festzusetzen 
versuchten; sie wurden aber sehr bald durch einen 
Pu higen Angriff der dort ausgestellten Jäger und 
BNlamerie gänzlich zurückgedrängt und weil zurück 
getrieben, ,o baß sie sich auf diesem Punkte nickt 
wieder sammelten. Am rechten Flügel aber wurden 
empfangen, und es wurde ihnen unmög 
lich nur einen Fuß festen Platz zu gewinnen. Nach- 
à nun das Gefecht zwischen den beiden Flügeln 
zwfl oder drei Stunden gedauert hatte, griffen die 
Lianen das Zentrum längs der Chaussee nach Flens- 
bUr p-£ n ' (^41!”- 6 /} 5 ' Kavallerie und Artillerie 
zugleich: die leichte schleswig-holsteinische Infanterie 
zog sich hinter dre Hauptposition bei Jdstedt Krug 
zuruck und dre anruckenden Dänen wurden von den 
Schanzen aus mit einem Hagel von Kanonenkugeln 
empfangen, welcher sie ziemlich bald zwang, ìsich zu 
rückzuziehen; die Holsteiner rückten im Centrum wie 
der vor, und zwar so lebhaft, daß die Dänen bald 
ganz nach Poppholz zurückweichen mußten. Zweimal 
geschah das nämliche Manoeuvre, zweimal griffen 
die Dänen die Hauptposition am rechten Flügel und 
im Centrum von Neuern an. Am linken Flügel 
dauerte nur noch das Tiralleur-Feuer fort. -Schon 
hatte dieser Kamps gegen 8 Stunden gedauert und 
zwischen 10 und 11 Uhr schien es sicher, daß er nur 
einen glücklichen Ausgang werde haben können. Ge 
rade in diesem Augenblick wurde man gewahr, daß 
der Däne alle seine Kräfte sammelte, um einen Haupt 
angriff gegen das Centrum und den reckten Flügel 
zu versuchen. Von der Anhöhe, wo ich stand, konnte 
man deutlich die ganze dänische Linie aus dem Popp 
holz heraus debouchiren und sich in voller Linie den 
Schleswig-Holsteinern gegenüber aufstellen sehen. 
Mehrere neue Batterien wurden von der dänischen 
Seite aufgefahren und man konnte deutlich sehen, 
daß die Truppen, die schon im Gefechte gewesen 
waren, durch frische abgelöst wurden. Der comman 
dirende General Willisen ließ seine Reserve-Batterien 
auch auffahren, die Kavallerie, die zum Theil noch 
gar nicht gebraucht war, wurde auch herbei gezogen, 
um dem Feind zu begegnen, und gegen 11 Uhr be 
gann ein furchtbarer Kanonendonner von beiden Sei 
ten, welcher von den Schleswig-Holsteinern, obgleich 
die Geschütze ihrer Feinde größer und viel zahlreicher 
waren, mit vieler Ausdauer drittehalb Stunden lang 
ausgehalten wurde. Einzelne Beweise von Muth 
wurden gezeigt, die wirklich unerhört waren. Eine 
kleine Feldbatterie von 12-Pfündern fuhr mitten 
durch das feindliche Feuer, stellte sich in halber Di 
stance auf und begrüßte die Dänen auf eine höckst 
unangenehme Weise, mußte sich aber nach kurzer Zeit 
sehr schnell aus dem Staube machen, um einer Ca- 
vallerie-Attacke zu entgehen. Der große Muth der 
ganzen Armee half aber nichts gegen eine solche Ue- 
bermacht, wie die Dänen jetzt ins Feld brachten, es 
fehlte auch theilweise an Munition. Gegen zwei 
Uhr rückten die Dänen weiter vor und da ich mich 
etwas zurückziehen mußte, konnte ich nicht mehr sehen 
was geschah. Kurz darauf sah man einzelne Solda 
ten die Chaussee nach Schleswig entlang laufend und 
der Ausgang der dänischen Attacke wurde klar. Den 
einzelnen Soldaten folgten bald größere Massen und 
man hörte jetzt die traurige Nachricht, daß die Dä 
nen das Centrum durchbrochen hätten. Unter solchen 
Umständen war wohl nichts Anderes möglich als 
ein Rückzug, der auch erfolgte. General Willisen gab 
die nöthigen Befehle und die kleine brave Armee sah 
sich genöthigt das Schlachtfeld zu verlassen. General 
Willisen war unter den Letzten, die dasselbe verlie 
ßen. Der Rückzug gMah. mit Ordnung und Ruhe, 
die Danen aber'Muren zu müde^oder" zu'trääe' 
ihren Vorrherl zu vergrößern, denn sie verfolgten 
nichr. General Willisen ritt vom Schloß Gottorf 
gegen 5 Uhr weg; mit Bestimmtheit aber kann ich 
nicht sagen, wohin das Hauptquartier verlegt wurde 
denn einzelne Bataillone erhielten Befehl, auf den 
Feldern längs der Chaussee nach Eckernförde bei Fahr 
dorf zu blvouakiren, andere aber wurden nach Rends 
burg beordert. Die Schlacht bei Jdstedt wird ge 
wiß emen blutigen Rang in der Geschickte behaupten- 
von beiden Seiten waren die Verluste ungeheuer 
3 Ä- bt Af? anen Werden aber mehr gelitten haben 
als die Schleswig-Holsteiner, sonst würden sie mit 
ihrer großen Uebermaäfl nicht auf dem Schlachtfelde 
^en geblieben sein. Sre müssen nicht weniger als 
45—50,000 Mann gehabt haben, der Aussage der 
Gefangenen nach, die ohngefähr 400 an der Zahl 
zuerst nach Schleswig und dann nach Rendsburg ge. 
bracht wurden. Unter ihnen sollen auch Schweden 
und Norweger sein in dänische Uniformen gekleidet. 
Mehrere Os,mere sind auch dabei. Von dem General- 
stabe der schleswig-holsteinischen Armee ist dem Ver 
nehmen nach kein Einziger verwundet. General 
Baudlssin ist an der rechten Schulter verwundet 
Von den anderen Officieren sollen sehr viele gefallen 
sein. Ein Bataillon Sckützen hat nur zwei Officiere 
am Leben und ohngefähr 400 Mann (?). Andere 
Bataillone haben auch sehr gelitten. Von der Ar- 
tlllene ist nur eine (?) Kanone verloren gegangen 
Der Rückzug geschah theilweise über Schleswig 
linv theilweise über Mffsunde. Die Dänen rückten 
gegen neun oder zehn Uhr in Schleswig ein. Eckern- 
sorde ;oll oder ist schon aufgegeben, denn schon am 
Abend wurden die Kanonen abgefahren und die 
Schanzen abgetragen. 
Krel, den 27. Juli. Nachrichten, welche uns 
auf außerordentlichem Wege zugegangen, zufolge, 
hat die dänische Armee so viele Verwundete, daß selbst 
die Kirchen in Flensburg zu Lazarethen haben ein 
gerichtet werden müssen, und dennoch ein Theil der 
Verwundeten nach Föhnen transportirt wäre. 
. In der Stadt Schleswig sollen die Dänen gegen 
die Jüngern Leute Zwang angewandt haben, um sie 
in die dänische Armee einzureihen, Bürger der Stadt 
aber zum Schanzen genöthigt haben. 
. Der Flecken Cappeln leidet sehr stark unter der 
grunmigen Wuth der Dänen. . 
Im östlichen Angeln ist der wackere, zur Landes 
versammlung gewählte, Hofbesitzer Kirchner in Hers 
berg geraubt; ein Maler, welcher lange bei demsel 
ben gearbeitet, hat den Raub ausgeführt, oder aus 
führen helfen. (Fr. P.j 
— Die „N. Fr. Pr." schreibt: Wie groß der 
Verlust und die Erschöpfung der dänischen Armee ge 
wesen sein mag. erhellt unter Anderem daraus, daß 
der dänische Obergeneral unserem Commandirenden 
erne 4 tägige Waffenruhe hat antragen lassen, ein 
Antrag, der indeß von Willisen zurückgewiesin. 
Die anfangs für eine englische angesehene Escadre 
hat sich jetzt bestimmt als eine zweite russische Flöt- 
tenabtheilung herausgestellt; dieselbe führte indeß eine 
andere Flagge, als die zuerst angelangte Abtheilung. 
— Die Leser dieses Blattes werden sich noch er 
innern, daß vor einiger Zeit aus Berliner Blättern 
ein Schreiben des Polizeipräsidenten Hinkeldei an den 
General v. Willi,en mitgetheilt wurde, in welchem 
Letzterer aufgefordert wird, nach Preußen zurückzu 
kehren. Damals widersprachen die berliner ministe 
riellen Blätter dieser Nachricht. Jetzt veröffentlicht 
die „N. Br. Z," folgende Documente: 
1) Ew. Excellenz sind ohne Genehmigung der 
diesseitigen Behörden als Oberbefehlshaber der schles.- 
holst. Truppen in die Dienste der Statthalterschaft 
zu Kiel getreten, und haben dadurch die Absicht, aus 
dem preußischen Unterthanenverbande zu scheiben, zu 
erkennen gegeben. Ew. Excellenz werden nunmehr 
aufgefordert, innerhalb 6 Wochen von heute an in 
die königl. Staaten zurückzukehren, widrigenfalls sie 
auf Grund des § 22 des Gesetzes vom 31. Decbr 
1842 der Eigenschaft als Preuße werden verlustig 
erklärt werden. Berlin, den 1. Juni 1850. Königl. 
Polizeiprä,idium. (gez.) v. Hinkeldey. 
2) Ein hochlöbl. Polizeipräsidium scheint bei der 
an mich gerichteten Aufforderung vom I.Juni d. I. 
von der Voraussetzung ausgegangen zu sein, deshalb 
dazu berechtigt zu sein, weil Berlin mein Domicil 
in Preußen sei. Dem ist' aber nicht so. wie die 
Acten des Gouvernements wohl nachweisen würden, 
». 3- an 9 «f h-r- d-ß ich 9„Ä aff «S 
si!! n "PH Schlesien verlegen würde, was 
denn auch wirklich geschehen ist. Wenn ich aber an 
nehmen darf daß die sonst sehr auffällige Aufforde 
rung an mich nicht ohne höhere Betheiligung ergan- 
wünscht, Nachweisen zu können, 
daß ich nichr mehr preußischer Untertban sei, so zeige 
ich ergebenst an daß ich bei der zuständigen Behörde 
meine Auswanderung beantragen werde. Sollte dies 
aber eme öffentliche Erklärung dennoch nicht verhin- 
' eben so wenig, wie mein freiwilliges 
Verzichtleisten auf die Pension die Anzeige verhin 
dern konnte, daß man mich von der Pensionsliste qe- 
strichen ,o wurde ich bas zwar lebhaft bedauern 
mich aber dennoch nicht dazu bewogen finden können 
der Aufforderung Folge zu leisten. Kiel, den 29' 
Jum 1850. (gez.) v. Willisen. 
Husum, den 25. Juli. Gestern kamen hier 
eme ziemliche Anzahl Flüchtlinge (auch die dortstatio- 
nirten Gensd armen) aus der Stadt und dem Amte 
Tondern, den Marschen und Bredstedt an. Die Dä 
nen waren m Tondern eingerückt, zeigten sich an den 
Marschen bis nach Bredstedt hinunter. Gegen Abend 
kehrten viele indeß zurück, da die Passage bis Ton 
dern wieder frei war, und die Dänen sich ostwärts 
gezogen hatten. 1 
Nach Nachrichten aus Gckernförde ist eine 
dam,che Truppe dort am 27. d. Abends angelanat 
indeß in der Nähe der Stadt, auf dem Mühlenberae 
geblieben. Aus der Sradt hat sie Lebensmittel re- 
quirirt. Eine Deputation aus der Stadt, bestehend 
aus dem Bürgermeister, dem Stadtsecretair und ei- 
Ņ Senator, soll von dem Commandirenden dem 
Obnstlieutenant v. Knobbe, die Zusage erhalten ha- 
tlïÄÌ weggeschleppt werden solle. Diese 
ckcachrichten sind durch einen am Sonntage den 28 
d. Früh voir Eckernförde abgegangenen Wochenwagen 
nach Kiel gelangt und erwartete man den Emma 
llck ^her aber hat man nachträg 
lich die Geschütze in Sicherheit gebracht. ö 
dreuftadt. vom 25. Juli, geht uns fol 
gende Berichtigung zu: Wenn von Lübeck aus be 
hauptet wird, daß bei dem Sonntag Nachts in die 
Luft geflogenen Schraubendampfer Nr. 1, welches 
au, Befehl des braven Lieutenants Lange angezündet 
war damit es den Dänen nicht wehrlos in die 
Hände fallen möchte, „eine Menge Landleute von 
nah und fern sich eingefunden, um einen förmlichen 
Raub auszuüben, so muß zur Steuer der Wahrheit 
hier gesagt werden, daß dies die größte Unwahrheit 
ist, indem gewiß Niemand auf 6 Fuß Wasser hin 
waten möchte, um Beraubungen vorzunehmen und 
von Seiten des Landvolks auch nicht einmal Miene 
dazu gemacht worben, so wie auch keine Böte vor- 
handen waren als die, die hierzu bestellt waren zur 
Ausiicht und Bergung welches unter Leitung der 
hierzu Beauftragten geschah. ^ Pr.) 
Aus Flensburg wird unterm 25. d. qeschrie- 
gestern kam hier eine Bekanntmachung'heraus, 
nach welcher der Komg unterm 18ten d. den Höchsts
	        
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