Jahrgang.
M tz-A.
Sonnabend, den 10. August
si-c-n, «satte ersckeint tebeit MitUvoch und Sonnabend eine Nummer. Paffende Bciträac können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Expedition
. „ ÄSm ' werden. Intelligenz-Anreigen werden bis DtenstagS und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. - Der 4)retS dieses Blattes
tksriàtt ff üen demn es hL amOxte" ugàchtw.xd viexwljähxlich M ßl-, und wenn es von der Expedition abge^oit wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post,
ämtern machen, ist 'der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. - Kündigungen werden.14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten.
Tagesgeschichte.
• iSS i*
Jy r stuftet df.
Die meisten pariser Blätter sind sehr froh über
den ersten Sieg der Däne tu Gleich nach dem
ersten Eintreffen der Nachricht frohlockte Las „Jour,
d. Debats", daß nun alle Widerstandskraft der Her-
zoqthümer gebrochen fei, und der „Constitutionell
rieth den letzteren, sie sollten sich jetzt nur ohne Wei
teres dem Londoner Protocolle unterwerfen. Die
späteren Nachrichten haben unsere Dänenfreuude in
deß belehrt, daß cs noch nicht Zelt ist Victoria zu
rufen. Die „Debüts" suchen wenigstens den Kampf-
preis den Dänen zu retten. Beide Heere seien gleich
gewesen; eine numerische Uebcrzahl der Dänen könne
man nicht zugeben. Beide Theile hätten jeder etwa
4000 Mann verloren; indeß müsse man einräumen,
daß die schleswig-holsteinische Armee sich ln recht
guter Ordung zurückgezogen hatte, «re habe die
Stadt Schleswig sehr spät geräumt; die Dänen hat
ten sie nicht verfolgt, „wahrscheinlich um die Stadt
nicht den Gräueln eines Straßenkampfes auszusetzen.
In der Auffindung solcher edler Motive sind die
Debüts" überhaupt äußerst sinnreich. General Krogh,
sagen sie. Habe eine ckwöcheniliche Waffenruhe,ange
boten; ein solcher Vorschlag nach dem Siege je: ein
ehrenvoller Leweis der dänischen Mäßigung! Das
„Zourn. d. Debüts" muß zum Schluß bekennen, daß
man den baldigen Schluß dieses blutigen Kampfes
noch nickt absehen könne, „dessen wahrer Character
der eines von Fremden und ehrgeizigen Nachbarn
im Schooße der dänischen Monarchie entzündeten
timt. «ŞsP°àļ dn .Tim--' m
der Meinung, daß General Willisen von dem Fana
tismus der deutschen Partei angetrieben werden
könne eine neue Schlacht zu wagen, indeß ein An
griff sei außer aller Frage und selbst bei der Dc-
M'sive würden ihm große Schwiengteiten im Wege
stehen. An Zahl, an Cavallerie und Artillerie na
mentlich aber an Ossieieren sei der Feind ihm über
legen ('") und obwohl dre nationale Tapferkeit der
Deutschen sich darin nicht verleugne, daß die Nieder
lage ihren Eifer mehr erhöht als geschwächt habe,
so sei doch ein großer Zufluß deutscher Ofsiciere
nicht zu erwarten. Denn diese müßten, da die M-
gierunqen den Urlaub verweigerten, ihre ganze Stel
lung preisgeben, und zu solchen Opfern seien immer
nur Einzelne bereit. Auch seien die neuen Ossiclere
den Truppen fremd; cs fehle das unerläßliche Ver
trauen Die einberufenen Reserven bestanden mel-
stentheils ans jungen Rekruten, denen freilich nur
Erfahrung fehle, um gute Soldaten abzugeben, die
aber am wenigsten gure Ofsiciere entbehren könnten,
obwohl daher die Deutschen noch immer auf Erfolg
hofften so müsse doch jeder Unbefangene einsehen,
daß General Willisen mit den größten Nachtheilen
zu kämpfen habe.
D st n e m st r k.
Koperthastert, den l. August. Zur Ausnahme
der hierher gebrachten Kriegsgefangenen werden zwc,
Linienschiffe „Waldemar" und .,Danmark, emgench-
tet' bis jetzt befinden diese sich in Casernen, wejche
aber zu Lazarethen eingerichtet werden sollen. Die
hiesige Bürgerwehr hat seit vorgestern die W '
wache bezogen, und ist daher anzunehmen, daß das
hier stehende Militair im Felde verwendet werden
soll. Aus den in Kopenhagen bis jetzt veröffentlich
ten Verlustlisten, aus dem vorläufigen offcmtichen
Rapport über die Schlacht bei Jdstedt, aus den an
derweitigen Berichten der dänischen Blätter über dre.
selbe, sowie aus einigen früheren Artikeln der „Berl.
Ztg." haben wir über Stärke, Zusammensetzung und
Eintheilung der dänischen Armee einige Notizen zu
sammengestellt. die, in allem Wesentlichen zuverlässig,
folgendes Resultat ergaben. Die gesummte dänische
Armee besteht aus 34 Bataillons Infanterie und der
"Leibgarde zu Fuß, 4 (oder 5) Dragoner-Regimenter'.
1 Regiment Husaren und Leibgarde zu Pferde. 12 (?)
Batterien Artillerie. Die Infanterie zählt zunächst
13 Bataillons wovon das i., 2., 12. und 13. als
leichte, die übrigen als Linien-Bataillons bezeichnet
werden, und 5 Jägercorps. Dazu kommen 6 Re
serve-Bataillons und 3Rcserve-J5gercorps, und außer
dem 6 Verstärkungs-Bataillons und 2 Berstärkungs-
Jägercorps. Die Bataillons scheinen etwa 800 Mann
stark zu sein und die Stärke der ganzen Armee scheint
sich auf 42—44,000 Mann zu belaufen. Außer dem
7. Liu.-Bat., dein 2. Reserve-Jägercorps und dem
2. Dragoner-Regiment haben sämmtliche Truppen-
theile bei Jdstedt Verlust gehabt, also jedenfalls an
der Schlacht Theil genommen, 17 Bataillons haben
tobte, 28 Bataillons verwundete Ofsiciere. 43 Ofsi-
ciere werden bereits officirll alch gefallen aufgeführt,
84 bis jetzt erst als verwundet, auch von der Ca
vallerie, der Artillerie und dem Generalstab. Die
Zahl der verwundeten Ofsiciere wird ohne Zweifel
noch bedeutend anwachsen. Die Armee unter dem
Obergeneral von Krogh ist in zwei Divisioneu ein
getheilt, die erste unter Generalmajor Moltke, die
zweite unter Generalmajor Schleppegrell, jetzt de Meza.
Die (>.) Division Moltke scheint zu bestehen aus den
Brigaden Schrpelern (3te), Thestrup (4te) und Jr-
minger (6te); die (li.) Division de Meza aus den
Brigaden Raeder (5k), Baggesen (2k) und Krabbe
(Iste.) Die Brigade Schepelern sollte den linken,
die Brigade Krabbe den rechten Flügel der Schles
wig-Holsteiner^ jene über Sollbroe, Schubye auf
Schleswig, diese über Wedelspang auf Missunde um
gehen. Beide Brigaden mußten zurückweichen wäh
rend des siegreichen Vordringens der Schleswig-Hol
steiner, auch gegen das starke Centrum der Dänen,
die vier übrigen Brigaden. Das glänzende Gefecht
der Schleswig-Holsteiner bei und in Ober-Stolk, wo
General Schleppegrell, Obrist Läfföe. Obrist Trepka rc.
fielen, schien hie Schlacht bereits zu Gunsten der
deutschen Waffen entschieden zu haben. General de
Meza brachte dort wieder Ordnung in die wildver-
wirrten dänischen Reihen; immer frische Truppen bis
zur letzten Reserve, der Leibgarde, rückten gegen das
schleswig-holsteinische Centrum, und die durch zwei
tägigen Kampf ermatteten Schleswig-Holsteiner muß
ten ihre Stellung räumen, um im geordneten Rück-
zug, dem namentlich die dänische Brigade Schepelern
abzuschneiden gedroht hatte, hinter Schleswig zurück
zugehen. (D. R.)
Kopenhagen, den 5. August. Die „Berl.
Tid." vom 2icn cnthälr eine Mittheilung aus dem
Kriegsministerium, daß 4 Geschütze von schwerem
Kaliber, die bei Eckernförde vergraben gewesen, er
beutet worden seien, so wie die Nachricht über das
Zusammentreffen beiderseitiger Patrouillen, bei dem
wie wir berichteten, Lieut. Einais erschossen ist. Nach
dem „Dansk. Slesv."' erzählt sie. daß 3 große zum
Inventarium „Christian des Achten" gehörige Anker,
deren eines in der Kirche zu Eckernförde eingemau
ert gesunden sei. sowie eine Menge Waffen und
Montirungsstücke eingebracht seien. Die „Ry. P.-Eft."
vom 3ten bemerken: „Gewisse Umstände die nicht
veröffentlicht werden können, deuten darauf hin, daß
> das holsteinische Gebiet von dänischer Seite nicht werde
' überschritten werden. Unterm 4. berichten dieselben
die Ankunft von 11 civil- uud^7 militärischen Ge
fangenen mit dem Dampfschifk „Waldemar" und
fügen dann hinzu: „Einige gefangene Damen die
auch mitgewesen, sollen dem Vernehmen nach mit
„Obotrit" nach Deutschland gesandt werden. Nach
„Flyveposten" sind sie abgegangen. Die Zahl der
nach Flensburg eingebrachten Spione war am 30sten
v. M. schon auf 49 Personen gestiegen. Vom Kriegs
schauplatz sonst nichts Mies. Infolding ging das
Gerücht, daß Friedrichsort ohne Schwertschlag von
den Dänen besetzt sei. In „Flyveposten" erzählt eine
Correspvndenz aus Hoher von einem Conflict zwi
schen den dort liegenden dänischen Jägern und einer
Anzahl Bürger, auf die jene, angeblich weil sie von
ihnen verhöbnt worden, geschossen und dabei den
Kaufmann N. Jacobsen aus Tondern tödtlich ver
wundet hätten. Die dänischen Bl. enthalten wieder
Listen Verwundeter.
Kopenhstgsu. vom 5. August. Der Oberst
Tscherning hat ein schon früher gemachtes Anerbieten,
sich zu jedwedem Posten gebrauchen zu lassen, jetzt
wiederholt. Indessen ist auf dieses uneigennützige
Anerbieten bisher keine Antwort erfolgt, da der Kriegs
minister sich zur Zeit in Schleswig befindet.
Mit dem Dampfschiffe Waldemar kamen hier
gestern 12 Damen, worunter eine Gräfin v. Ahle-
ffldt, von Schleswig hier cm. Auch der Bau-In
spector Meyer kam mit demselben Schiffe hier an.
Die Damen gehen mit dem Obotrit nach Wismar.
Kopelthstgert, vom 6. August. In der letzten
Nacht sind ungefähr 600 Kriegsgefangene an Bord
eines Kriegsschiffs gebracht, welches zum Gefangenen
schiff eingerichtet ist. „Die übrigen", sagt die „Berl.
Ztg.". „werden gleichfalls aus ein Linienschiff gebracht
werden."
Zum Chef für die Gefangenenschiffe ist, nach
„Faedrelandet", wie im Jahre 1848, der Oberst Lön-
borg ernannt und drei alte Kriegsschiffe sollen zur
Ausnahme der Gefanaenen eingerichtet sein, woraus
das Blatt auf die große Anzahl.derselben schließt.
Gras Moltke - Nütschau hat dem Centralcomite
(zur Unterstützung der Hinterlassenen von im Kriege
Gefallenen) eine goldene, mit Diamanten besetzte
Dose, von einem Werthe von 4000 Rthlr., die er
einst vom Kaiser von Rußland geschenkt erhalten
hatte, zugesandt und sagt in dem Begleitungsschrei-
bcn: „Ich bin überzeugt, daß des Kaisers Geschenk
auf keine dem erhabenen Geber würdigere Weise
angewandt werden kann!"
Auf dem Flensburger Kirchhofe sollen nach „Berl.T."
begraben sein 33 gefallene dänische Ofsiciere und 456
Unterofsiciere und Gemeine; Schleswig-Holsteiner
148, worunter 10 — 12 Ofsiciere.
Die veröffentlichten Namens-Listen der allein in
hiesigen Hospitälern liegenden, in der Schlacht bei
Jdstedt verwundeten Dänen ergeben bis jetzt die Zahl
von 1347 (763 im Garnisons-Hospital, 234 im Chri-
stianshavner Lazareth, 228 im Lazareth der Fuß
garde. 122 im See-Hospital) Mann; dazu gerechnet
die 400 in Flensburg liegenden, 137 nach Friede-
ricia gebrachten und die 11 im Heisingörer Kranken
hause Aufgeführten, so erhält man bis jetzt, so weit
die Listen reichen,, die von 1931 verwundeten Dänen
nach dänischen Ouellen, ungerechnet die in Schleswig
und andern Orten liegenden Verwundeten.
Der König hat das Urtheil des schleswigschen
Obercriminalgerichtes über den bekannten Baron v.
Eggers außer Kraft gefetzt.
Schweden und Norwegen.
Stockholm, vom 31. Juli. „Aftonbladet"
spricht sich IN sehr entschiedener Sprache gegen die
Maßregel des dänischen Obergenerals, in Schleswig
das Standrecht zu proclamiren aus. Es sei ja
nicht zu läugnen, daß in gewissem Sinne der Satz
richtig sei: Oker ama silent leges; aber es dürfe
noch die Gränze des Nothwendigen nicht überschritten
werden, wie hier offenbar geschehen sei. Diese neue
dänische Verordnung sei nicht nur den' drakonischen