Full text: Newspaper volume (1850)

der lucht dergleichen Andenken an diesen Schreckens 
tag aufbewahrt. An den Dächern und Fenstern^ wurde 
durch den starken Luftdruck ein ungeheurer.Schaden 
angerichtet; in einigen Straßen lag der Schutt ellen 
hoch. Wie groß der Verlust an Menschenleben sich 
beläuft, ist zur Zeit noch nicht genau ermittelt. Aus 
den Ruinen wurden einige 80 Leichname hervorgezogen, 
darunter 15 Eleven der Artillerieschule, die Wirkun 
gen der Explosion zeigten sich in allen Theilen der 
Stadt. Die Gebäude am Iungfernstieg, das Haus 
des Justizrath Becken, die Graupenmühle, das Haus 
des Kaufmanns Petersen und das Harmoniegebäude 
wurden stark mitgenommen und theilweise förmlich 
beschossen. An dem eisernen Balcon des Letzteren 
wurden die Pfeiler wie Pfeifenstiele zerbrochen und 
zertrümmert. In der Neuwerker Kirche sprang die 
eiserne Thür eines alten Familienbegräbnisses (das 
des weil. Amtmanns Fuchs) aus ihren Angeln und 
die Kronleuchter schwankten, wie zur Zeit des Lissa- 
boner Erdbebens. Die Schilbwacke an der äußer 
sten Barriere vor dein. holsteinischen Thore wurde 
durch den Luftdruck von ihrem Posten geschleudert 
und eine Granate platzte in ihrer Nähe. Eine Ka 
nonenkugel schlug in die Glockengießerei ein und die 
Verwundeten ans dem Schützenhofe wurden von ih 
ren Lagern ausgescheucht. Am Aergsten äußerte je 
dock die Explosion ihre Wirkungen in der Altstadt. 
Die ehemalige Papierfabrik, jetzt Hospital (augen 
blicklich geleert) wurde von einem Kugelhagel getrof 
fen und "die noch darin befindlichen Krankenwärter 
theilweise verwundet. Der Gasihof „Stadt Ham 
burg und Lübeck" hat besonders gelitten. Ein Hin 
tergebäude desselben gerieth in Brand, der glücklicher 
Weise schnell gelöscht wurde. Das . alte Rathhaus 
hat sehr gelitten und wenn wir nicht irre», hat die 
Hauptmauer nach dem Markt zu eine starke Erschüt 
terung erlitten. Die alten Stadtwohnungen im 
Stegen sehen ruinenartig aus und drohe» dem Ein 
sturz. Von den Einwohnern ist, soviel bekannt nur 
Einer getödtet, ein Postführcr, mehrere leicht ver 
wundet. Eine Bürgersfrau in der Altstadt wurde 
an ihrem Heerde stehend von einem Granatstück an 
der rechten Hand verwundet. Auch das Arsenal hat 
stark, doch nicht wesentlich gelitten. Die Kugeln 
drangen i» die Werkstätten und in die Bureaux der 
Beamten, von denen mehrere verletzt wurden. Unsere 
Bürgerschaft zeigte sich, wie immer, von der rühmlichsten 
>seite. Kaum war der erste Schreck überwunden, als Je 
der auf seinen Posten eilte und unverdrossen, mit männ 
licher Entschlossenheit seine Pflicht erfüllte. Nicht 
minder zeichnete sich das Militair aus. In fünf 
Minuten stand Alles in der besten Haltung unter 
Gewehr, nachdem der Gcneratmarsch geschlagen wor 
den. Der commandirenbe General Willisen zeigte 
sich des Vertrauens würdig, welches jeder Schleswig- 
Holsteiner in ihn setzt. Wir führen die Worte an 
die ein Correspondent der „N. fr. Pr." über ihn aus 
spricht: 
„Wer Gelegenheit hatte, den commandirendcn 
General Willisen während des Ereignisses zu sehen, 
spricht die tiefste Bewunderung über die Geistesge 
genwart und Sicherheit des alten Kriegers aus, zu 
mal in einem Augenblick, wo Niemand wissen konnte, 
wie groß die Gefahr werden könne, und in welchem 
Zusammenhang das Ereigniß mit feindlichen Absich 
ten siehe. Die .gemessensten Befehle wurden nach 
allen Seiten hin ertheilt und nach zwei Stunden 
war Alles wieder in so guter Ordnung, daß die 
Officiere schon um halb zwei Uhr an der Table 
d'Hote saßen." 
Noch am selbigen Tage erließ -er folgende Be 
kanntmachung : 
„Der commandireude General läßt die Einwoh 
nerschaft Rendsburg's benachrichtigen, daß die so 
eben erfolgte Explosion nur die-Folge einer Entzün 
dung der Pulvervorräthe des Laboratoriums gewe 
sen. — Die sämmtlichen Pulverthürme der Festung 
sind außer Gefahr und außer einigen etwa noch im 
Laboratorium liegenden Bomben sind weitere Erplo- 
fronen nicht mehr zu besorgen. Für den Kriegszweck 
ist der erwachsene Schaden ohne alle Bedeutung, 
nur wenige Menschenleben sind zu beklagen. 
Die Einwohner Rendsburgs werden aufgefordert, 
ihre Häuser wieder in Stand zu setzen und sich durch 
diesen Unfall die ruhige Zuversicht nickt rauben zu. 
lassen, mit der sie allen Ereignissen bisher entgegen 
gesehen haben 
Ich kann nicht unterlassen den Einwohnern Rends 
burg meinen Dank für die schnelle Hülfe auszuspre 
chen, welche selbige bet dieser Gelegenheit bewiesen 
haben. Rendsburg, den 7. August 1850. (gez.) 
v. Willisen." 
Am folgenden Tage wurden die Leichen der Ver 
unglückten, 'in einigen achtzig Särgen, feierlichst zur 
Elbe bestattet. Ehre ihrem Andenken! Der Feld 
er Propst Dolquards hielt eine ergreifende Grabrede.— 
Baumaterialien sind in hinlänglicher Quantität an 
geschafft und binnen Kurzem wird die Stadt im 
Wesentlichen wieder restaurirt sein. Muth und Zu 
versicht sind aufs Neue belebt und wenn unser Erb 
feind etwa glaubt, daß uns das erlittene Unglück 
aus der Fassung gebracht bat, so ist er, wie immer 
in einem dicken Irrthum befangen. Schleswig-Hol- 
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stein für immer, lieber todt als dänisch, ist die De 
vise jedes braven Rendsburgers!. 
Die Dänen haben heute (den 8. d.) unsere Vor 
posten angegriffen und es wird fortwährend ge 
kämpft. Verwundete und Gefangene werden stünd 
lich eingebracht. 
Folgende Bekanntmachung wurde am 8. d. 
M. vom dem Magistrat dahier erlassen: „Auf Ver 
langen der Schleswig-Holsteinischen Artillerie-Brigade, 
werben die hiesigen Einwohner aufgefordert und be 
fehligt, die in ihren Häusern und Hofräumen gefun 
denen oder sonst etwa aufgelesenen Kugeln, Granaten 
und sonstige Artilleriegegenslände innerhalb 24 Stun 
den auf dem hiesigen Arsenal unfehlbar abzuliefern. 
Rendsburg den 8. Aug. 1850. Der Magistrat." 
(Eingesandt.) 
Am letzten Dienstage, als den 6. August 1850, 
hätte der Eapitam Wenck, früher Kirchspielvogt, seine 
„goldene Hochzeit" feiern können; wegen der Kriegs 
unruhen hat aber diese seltene Feierlichkeit nur in 
Gegenwart einiger wenigen Personen, der ersten Fa 
milienglieder, begangen werden können. 
ZàttigeĶz - Anzeigen. 
-irrr-- 
Kirchliche Anzeige. 
Am Sonntage den ll. Aug. predigen in der Christ- und 
Garnisonskirche? 
Im VorinittagsgotteSdienste Herr Propst Callisen. 
Im Nachmittagsgottcsdienste Herr Pastor Balemann. 
Bekanntmachung. 
Von verschiedenen Seiten sind Aufforderungen an 
die Regierung gelangt, der patriotischen Bereitwillig 
keit, die Verpflichtungen der Staatskasse zu erleich 
tern, einen geregelten, dem Zwecke entsprechenden 
Weg zu zeigen. 
In dieser Veranlassung wird es zur öffentlichen 
Kunde gebracht, daß freiwillige Gaben durch Ver 
mittelung des schleswig-holsteinischen Vereins in Kiel 
in die Staatskasse fließen werden. Freiwillige Dar 
lehn werden dagegen unmittelbar von den Amtstuben 
und den städtisches» Hebungsbchörden, sowie von der 
Hauptkasse in Rendsburg für die Staatskasse ent 
gegengenommen, unter folgenden Bedingungen. 
1. 
Als freiwillige Darlehn werden Zeichnungen und 
Einzahlungen von 100 Mk. und darüber in runden 
Summen, welche in 100 Mk ausgehen, bei den Amt 
stuben, den städtischen Hebungsbehörden und der 
Hauptkasse in Rendsburg entgegengenommen. 
Die Einzahlung muß bis zum 1. Septbr. d. I. 
erfolgt sei». 
Für die geschehene Einzahlung werden Staats 
obligationen ausgestellt, welche die Zusicherung ent 
halten von 4 % jährlicher Zinsen, zahlbar zuerst in 
Octavis Triiim Regnn» 1851 nach Verhältniß der 
in der Obligation bezeichneten Zeit der. Einzahlung. 
Die Obligationen können nach dem. Wunsche des 
Darleihers auf Namen oder aus Inhaber ausgestellt 
werden. 
3 
Die Obligationen sind auf Seiten des Gläubi 
gers bis Octavis Trim»» Regain 1853 unaufkünd- 
bar; von diesem Zeitpuncte an unterliegen sie der 
halbjährigen Kündigung in der Weise, daß behufs 
der Auszahlung zum 12. Juli oder 12. Januar je 
den Jahrs die Kündigung Neujahr oder Johannis 
erfolgen muß. Von Seiten der Staatskasse sind die 
Obligationen allezeit kündbar, mit halbjähriger Frist 
von Neujahr oder von Johannis. 
4. 
Die Rückzahlung des Capitals erfolgt in densel 
ben Münzsorten, in welcher die Einzahlung geschehen 
ist. Andere Münzsorten, als Species, Casseuscheiue 
und Preußische Thaler werden nicht angenommen. 
Kiel, den 22. Jul, 1850. 
Schleswig-Holsteinisches Departement der Finanzen. 
Francke. 
W. Lest«. 
Indem vorstehende Bekanntmachung des Finanz- 
departements hiedurch zur öffentlichen Kunde gebracht 
wird, dient zugleich zur Nachricht für alle, welche 
sich Im der vorerwähnten freiwilligen Anleihe be 
theiligen wollen, daß der const. Stadtkassirer Gosch 
hieselbst zur Entgegennahme solcher Zahlungen beauf 
tragt worden ist. 
Rendsburg, den 5. August 1850. 
Bürgermeister und Rath. 
Bekanntmachung 
In Gemäßheit einer Verfügung des Gouverne- 
imnts der Stadt und Festung Rendsburg vom heu 
tigen Tage wird hiemittelst bekannt gemacht, daß 
der Zunftzwang für die Gläser vorläufig suspendirt 
ist, und daß somit auch frembcn Meistern und con- 
cessionirten Gläsern vom Lande bis weiter die Gla- 
ftrarbeit in hiesiger Stadt gestattet ist. 
Rendsburg, den 9. Aug. 1850. 
Der Magistrat. 
Es wird hiemittelst bekannt gemacht, daß die 
bei dem hiesigen Brandcorps angestellten Officiere 
und Mannschaften, so wie sämmtliche hiesige Ein 
wohner sich nach den Vorschriften des Reglements 
für das hiesige Branbcorps vom 3. April 1821 
genau zu richten und mithin bei vorkommenden 
Brandsällen die Befehle und Anweisungen des Brand 
majors und der sungirenden Officiere, bei Vermei 
dung der angeordneten Straft, unfehlbar zu befol 
gen haben. 
Rendsburg, den 9. August 1850. 
Der Magistrat. 
Der Magistrat hat, behufs der Ausmittelung der 
durch die Explosion auf dem Laboratorio am 7. d. 
Mts. entstandenen Beschädigungen an Gebäude der 
hiesigen Stadt, drei Taxationscommissionen unter 
dem Vorsitz der Rathsverwandten Beckmann, Bock 
und Kruse ernannt, welche im Lauft der nächsten 
Woche eine summarische Schätzung des erwachsenen 
Schadens vornehmen werden, welches hiemittelst mit 
der Aufforderung bekannt gemacht wird, die Wieder 
herstellung der stattgesundenen Beschädigungen mög 
lichst bald zu veranlaffen, und solche nicht nach der 
Vollziehung der Taxation zu verzögern. 
Rendsburg, den 9. August 1850. 
Der Magistrat. 
Bekanntmachung. 
In Folge ertheilter, höherer Autorisation wird 
hiemittelst zur allgemeinen Kunde gebracht, wie mit 
Rücksicht daraus, daß für eine hinreichend schnelle 
Ausbesserung der durch die Explosion des Laborato 
riums an den Häusern hiesiger Stadt entstandenen 
Schäden, die hieselbst vorhandenen Kräfte nicht aus 
reichen, das Polizciamt ermächtigt ist, Maurern und 
Glasern, sowohl des Inlandes als des Auslandes, 
die sich als süffisant und fähig legitimsten, die Er 
laubniß zu ertheilen, während der nächsten 8 Tage 
für eigne Rechnung und mit eignen Gesellen und 
Gehülfen, die Arbeiten, welche zur Ausbesserung der 
durch die Explosion verursachten Schäden erforderlich 
sind, zu übernehmen und auszuführen. 
Rendsburger Polizeiamt, den 9. August 1850. 
Krohn, const. 
Bekanntmachung 
Da der bisherige Einsammler des Armengelbes 
in der Altstadt. A. Ohl sen, zum 1. October d. I. 
auf sein Ansuchen von diesem Posten entlassen wird, 
so werden hiemittelst diejenigen, welche Neigung 
haben, diesen Posten zu übernehmen, hiemittelst auf 
gefordert, ihre dessälltgen Gesuche innerhalb vier 
Wochen an die hiesige Armen - Commission einzu 
reichen und dabei zugleich anzugeben, daß und auf 
welche Weift sie die zu bestellende Caution zu leisten 
im Stande sind. 
Rendsburg, in der Armen - Commission, den 
9. August l850. 
Ruch mann. C. F. Hempel. P. S. 
Kaufmann. Beckmann. Landt. 
Reiff. I. Chr. Zerssen. 
x^ŞchìlllngÄiammlnng sum 
— O 
Die Sammlung der 28sten und 29sten Woche 
vom 21. Juli bis 3. August brachte: 
a. aus der Altstadt von 98 Gebern 80 Mk. 9 ßl. 
î>. aus Neuwerk von 161 Gebern 103 „ 3 „ 
Summa 183 Mk. 12 ßl. 
Im Ganzen sind jetzt eingegangen ‘2762 Mk. — ßl. 
Rendsburg, den 9. Aug. 1850. 
C. H. Jess, Cassirer. 
Für Officiere 
sind Schärpen, Portepee'« und Degen, 
sowie 
schlesw.-holst. Ordensband für das eiserne Kreuz, 
ut billiqeii Preisen zu haben bei 
* Bernhard 8t Co . 
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