Vertrauen aus Gott! — denn dieses Gefühl
muß unsern Muth erst emporrichten, ehe er zu ächt
christlichen Unternehmungen fähig wird! Vertrauen
auf Gott — denn wir waren Zeugen, wie Menschen
macht uns wenig half. Vertrauen auf Gott —denn
er ist, nicht Sterbliche sind die Leiter des Schicksals.
Ein Wink von ihm, und ein einziger Augenblick kann
Alles wunderbar umgestalten; (und Net lung kommt,
woher wir sie nicht erwarten; und Fülle und Ueber-
fluß kehrt zurück, da wir in Elend zu versinken ver
meinen).
Vertrauen auf die Obrigkeit des Lau
des. Das Vaterland fordert es. "Die'Regierung ist
nur stark durch den Willen und die Liebe des Volkes.
Entfernen wir daher a-^ unsern Gemüthern, was
Mißtrauen erregen kann. Erinnern wir uns beständig
daran, daß der Regierung noch mehr als dem ein
zelnen Bürger daran gelegen ist, Wohlstand und
Frieden und Sicherheit zu gewinnen. Tadeln wir
nicht mit blinder Voreiligkeit ihre Maßregeln, da wir
weder ihre Absichten, noch ihre Hülfsmittel genug
kennen; bieten wir vielmehr unsern Arm, unser Ver
mögen zu ihrer Hülse willig ckar, so wird sic im
Stande sein, kräftig auszuführen, was sie weise be
schlossen hat. Denn das vorlaute Tadeln der Obrig
keit und ihrer Maaßregeln tödtet unsern eigenen Muth
und lähmt die Stärke des Ganzen. Ein Kriegsheer
ist ohne blinden Glauben und Gehorsam gegen die
Anordnungen des Feldherrn schon geschlagen, ehe der
Feind es sah. Wie mag auch der einzelne Krieger
im Gewühl den Befehlshaber beurtheilen, der von
der Höhe seiner Stellung herab hundert Dinge in
der Verkettung der Umstände sieht, die Jenem ver
borgen liegen. Fester Glaube, eiserne Treue der
Soldaten sind die Flügel ihres Muthes, und solcher
Muth siegte oft schon über die mächtigsten Heere und
die klügsten Berechnungen eines erfahrenen Feindes.
Aufmunterung verzagter Mitbürger zu
vaterländischen Gesinnungen. Auch diese
Pflicht fordert das leidende Vaterland dem Christen
ab; denn wer den Muth derer untergräbt, die allein
durch vereinte Kraft den Sieg erringen können, der
stürzt das Vaterland in den Abgrund.
Erhalte daher in den Herzen deiner Vaterlands-
gcnosscn immerdar die Hoffnung rege. Unterdrücke
alle nachtheiligen Gerüchte, die den Muth nieder
schlagen; verbreite sie nicht selbst und vermehre die
daraus entstehenden Nachtheile nicht durch deine un
besonnene Nachsprechungen. Denn nicht die Gefahr,
auch die entsetzlichste nicht, ist in der Nähe so furcht
bar, als die Todesangst der Erwartung ist. Sei
Mann in der Noth; verherrliche in den Verhältnissen,
worin Du stehst, die Macht des Christenthums.
Sinne vielmehr schon frühzeitig nach, durch welche
Mittel, durch welche vortheilhaste Einrichtungen künf
tigen Uebeln vorzubeugen wäre. Theile deine Wün
sche und Vorschläge anderen Rechtschaffenen mit.
Vereinige dich mit ihnen zu jeder gemeinnützigen
Hülfs- und Rettungs-Anstalt, ober unterstütze sie so
weit deine Kraft irgend reicht. Diejenige Noth ist
halb besiegt, die wir kaltblütig voraussahen und zu
deren Empfang wir uns rüsteten. Der ist der ächte
Sohn, der Held des Vaterlandes, nicht der es wegen
empfangener Wunden zu rächen weiß, sondern wel
cher es gegen neue und größere Wunden bewahrt.
Sei deinen Mitbürgern das erste Beispiel groß
müthiger Aufopferung für die Rettung des Vater
landes. Uebernimm daher willig, ohne Murren,
ohne Seufzer die Lasten, welche dir auferlegt werden;
trage sie freudig, so lange du Kräfte hast. Gesetz
und Obrigkeit fordern einen Theil deines Vermögens
zur Beschirmung des Ganzen. Opfere dein Theil und
rette das klebrige. Und fordert dein Vaterland Alles
— liefere es hin. Dein Bettelstab ist einen Zepter
werth, deine ärmliche Hülle ist rühmlicher als manches
Fürsten Purpurmantet.
Der hat das Vaterland verrathen und entehrt,
welcher bei dem Leiden desselben nur an sich und
seinen Vortheil denkt. Nie bestraft sich der Eigennutz
schneller, nie fürchterlicher, als in der allgemeinen
Noth! -
Ver m ischtes.
Das Erscheinen der Jesuiten in Wien, deren
zwei man in voller Ordenstracht und eleganter Equi
page umhersahren sah, hat großes Mißbehagen unter
der Bevölkerung erregt.
Eine geniale Erfindung, durch Zugthiere
die Dampfwagen der Eisenbahnen zu ersetzen, ist
kürzlich in Italien gemacht worden und Versuche
damit werden jetzt auf der South-Western-Eisenbahn
gemacht. Die Zugthiere stehen in einer Art Wagen,
vom Erfinder Jmpulsoria genannt, und bewegen den
Boden, aus dem sie stehen, nach Art der Tretmühlen,
nur daß t)ei vieler Maschine außer der sonst allein
benutzten Körperschwere der Thiere auch noch ihre
Zugkraft benutzt wird. Vielfache Versuche, welche
schon in dieser Hinsicht gemacht wurden, stießen immer
aus unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten, bis es
jetzt dem Erfinder dieser Jmpulsoria, Elemente Masse-
rano aus Pignerot in Piemont, gelungen ist, eine
Konstruktion zu erdenken, die nach den bis jetzt ge
sehenen Proben alle Erwartungen übertrifft. Diese
neue Locomotive, welche täglich Probefahrten auf der
South-Western-Eisenbahn macht, wird von nur 2
Pferden bewegt, hat schon bei der Nine-Elms-Station
einen Zug von 30 Waggons eine ziemlich stark geneigte
Ebene hinangezogen und macht 3 bis 4'/2 deutsche
Meile pr. Stunde. Bei einer größeren von 4 Pferden
bewegten, glaubt man leicht bis auf 7 deutsche Mei
len in der Stunde zu kommen. Die Maschine kann
sofort angehalten werden, ohne gebremst zu werden,
auch kann sie sich rück- und vorwärt bewegen, ohne
daß die Zugthiere ihre Bewegung ändern. Da nun
die Arbeit für die Pferde in dieser neuen Maschine
durchaus nicht beschwerlich ist, so können sie leicht die
gewöhnliche Zeit (8 Stunden pr. Tag) darin arbeiten.
Während dieser Zeit läuft die Jmpulsoria à 7 Meilen
pr. Stunde 56 Meilen, und ist die Ersparung also
sehr bedeutend, da 4 Pferde n 2 s (20 Sgr.) pr. Tag
nur 8 8 (2 Rthlr. 20 Sgr.) kosten, während die Dampf
maschine einer Locomotive allein an Eoks k Rthlr.
pr. Meile, also 57 Rthlr kosten würde. Solche Er
sparung ist von der größten Wichtigkeit für die viel
fachen Interessen, die sich an Eisenbahnen knüpfen.
Nach den Ausstellungen des Dr. Lardner in seinem
werthvollen Werk „Railway Economy" absorbiren die
Kosten der bewegenden Kraft auf den Bahnen immer
mehr als die Hälfte, oft % aller Ausgaben für den
Betrieb. Aber einer der Hauptvortheile, den diese
neue Maschine gewährt, wird der sein, daß man sehr
billige Locomotive» für kleine Zweigbahnen hat, und
also nach abgelegenen Orten Eisenbahnen gebaut wer
den können, was früher wegen der zu große» Kost
spieligkeit der bewegendenKraft nicht ausführbar war.
Die „N. Zürich. Ztg." erzählt: Auf dem Gute
des Herrn Altamtsschreibers Wyttenbach auf dem
Breitenrain steht jetzt Weizen in der Blüthe, dessen
ursprünglicher Saame (ein Paar Körner,) vor etwa
7 Jahren in Kairo (Aegypten) bei einer Mumie ge
sunde» wurde. Dieser Saame, vielleicht 2000 Jahre
alt, hat sich nun fo außerordentlich vermehrt, daß ein
einziges Korn mit 40 -Halmen trieb, die Mannshöhe
haben, so dick wie ein grober Federkiel sind und 4
bis 5 Zoll lange und baumensdicke Aehren von durch
schnittlich l 00 Körnern tragen, und somit 4000fältige
Frucht brachte.
—•táîi —
Kirchliche Anzeige.
Am Toniitagc den 18. Aug. predige» in der Christ- und
Garnisonskirche r
Im Vorinittagsgottesdienste Herr Propst Callise».
Im Nachmittagsgottesdienstc Herr Pastor Ruchmann.
'Am 12. d. Mts. verstarb zu Hamburg unser lieber Bruder,
Peter Carl Theodor Schumacher,
tut 25steil Jahre seines Alters. Verwandten und Freunden
verfehlen wir nicht diesen traurigen Todesfall hiedurch bekannt
zu machen.
Rendsburg, den 16. August 1850.
Die Geschwister des Verstorbenen.
BekumrLmachuug.
Es wird hiedurch bekannt gemacht, daß die Jo-
hannis-Quartalschatzung am Dienstage und Mittwoch
den 2Osten und 2lstcn d. M. für die Altstadt, und
am Donnerstage und Freitage den 22>ten und 23sten
d. M. für Neuwert',,Vormittags 0 Uhr und Nach
mittags 2 Uhr im Haufe des const. Stadtcaffirers
Gosch am Markte gehoben wird.
Rendsburg, den 13. August 1850.
Der Magistrat.
Bekartutiuachung
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom
9. d. Mts. wird hiedurch zu Jedermanns Kunde ge
bracht, daß die dort näher angegebene Freiheit für
Maurer und Glaser annoch für die nächsten acht
Tage ausgedehnt wird.,
Renbsburger Pvlizeiamt, den 16. August 1850.
Krohn const.
Sonnabend den >7- h. M., Nachmittags 4 Uhr,
soll auf dem Stadtfelbe für Rechnung der Wittwe
Kühl
eine Parthei Gerste in Hokkeu, und
eitle Parthei Hafer auf dem Stemmet,
all Ort und Stelle, gegen contante Zahlung, in öf
fentlicher Auction verkauft werden.
Rendsburg, deu 13. August 1850.
H. Haase, const.
Anstellungs-Comtoir.
Aus vielfach aus den Herzogthümern an mich er
gangene Aufforderungen, jeüt bei bevorstehendem
Wieberausbruche des Krieges, wo alle dienstfähigen
jungen Leute zu den Waffen gerufen und dadurch
Kaufleute, Apotheker, Handwerker, Ackerbürger rc.
ihrer Gehülfen beraubt werden, einem dringenden
Bedürfnisse abzuhelfen, habe ich mich, gestützt aus
meine ausgebreitete Bekanntschaft entschosffn ein
hier in Altona zu ctabliren, was namentlich den
Zweck haben soll, dem augenblicklichen Mangel an
tüchtigen jungen Leuten jeder Branche dadurch zu
begegnen, daß ich dieselben durch forrwährende Aus-
forderungen aus der Ferne nach hiesiger Gegend be
rufen werde.
; Ich ersuche daher alle obengenannten Ge
schäftsleute, welche Gehülfen, Gesellen, Knechte oder
sonstige Arbeiter suchen, sich gefälligst durch porto
freie Briefe an mich zu wenden, und verspreche,
die eingehenden Aufträge nach der Reihenfolge schleu
nigst, prompt und reell auszuführen.
Altona, im Juli 1850.
I. Stammel
Goldberger'sche
Rheumatism uskctlen,
vorräthig bei F. A. Oberreich's Wittwe.
Nachdem ich seit längerer Zeit an schmerzlichen rheuma
tischen Uebeln gelitten, kaufte ich mir eine Goldberger'sche
Rheumatismus-Kette, durch deren Gebranch ich in kurzer Zeit
von diesen oben benannten Uebeln befreit wurde, welches der
Wahrheit gemäß hiermit bescheinige.
Cappeln bei Schleswig, den 15. März 1849.
Franz Siemsen.
Anzeige.
Grobe schottische Kaminkohlen, beste Qualität,
Newcastler grobe Nußkohlen, sowie Newcastler
Sch miede kohlen sind billig zu haben bei
C. Hvaß,
Schleußkuhle Nr. 26l.
Rendsburg, den 9. August 1850.
Der Herr F. Meyer aus Westphaleu,
welcher vor einigen Tagen wegen eines
Koffers bei uns war, und dessen Adresse
wir nicht wissen, wird hiedureli crsucbf,
gefälligst baldigst wieder bei \uns vorzu
sprechen.
Düte lisch & Co.
Anzeige.
Bel den Uuterzeichnelen sind Ma'Tzöllige Dach
ziegel a 1000^ Stück^57 Mark am Bahnhöfe zu
haben. I. H. Sievcrs, Schuhmachermeister.
I. Herbst, Schuhmachermeister.
Offener Dienst.
Umstände halber kann ein Dienstmädchen mit guten Zeug-
»lsscn sogleich einen Dienst erhalten bei
I D. Gerbitz.
Rendsburg, den 17. August 1850.
Gin Kutscher.
welcher unverheirathet und militairfrei ist. sicher mit
4 Pferden fahren kann, sich für keine Arbeit scheuet
und jvlide ist, kann unter BetbnNjMg der erforder
lichen Zeugnisse auf einem Gute in Holstein einen
guten Dienst bekommen. Wo, ist zu erfragen in der
Exped. d. Bl.
Dienst - Gesuch.
Ein junges Mädchen, welches das Kochen erlernt unit
bereits einige Jahre bei Herrschaften aus HausmaLemoiselle
eonditionirt, wünscht eine ähnliche Stelle, und kann, wenn
cS verlangt wird, sogleich eintreten. Wo? erfährt inan i»
der Expedition dieses Blattes.
Gutluufenes Pferd.
Am 13- d. Mts. ist vom Exercierplatz eine kleine hell-
tzffune Ltute mit weißem Stern abhanden gekommen, wahr
scheinlich entlaufen. Wer liber dieses Pferd nähere Auskunft
geben kann, wird ersucht, solches gefälligst im KriegSfnhr-
bnrcan am Exercierplatze zu beschaffen.
Vermißtes.
Am 4. d. Bits. ist mir ein schwarz lederner Koffer ab
handen gekommen, gemerkt „Lieutenant Jansen, Rendsburgs
Der ehrliche Finder wird ersucht, denselben bei toerru Kai's-
manll Feldmann im tzvtegen abzuliesern.
Zu vermietlieu.
Bei mir ist eine Stube sogleich in Miethe zu haben.
I. H. Nissen, Rademach".
Nedigirt, gedruckt und herausgegeben von F. M. Wendell.