Full text: Newspaper volume (1850)

Vertrauen aus Gott! — denn dieses Gefühl 
muß unsern Muth erst emporrichten, ehe er zu ächt 
christlichen Unternehmungen fähig wird! Vertrauen 
auf Gott — denn wir waren Zeugen, wie Menschen 
macht uns wenig half. Vertrauen auf Gott —denn 
er ist, nicht Sterbliche sind die Leiter des Schicksals. 
Ein Wink von ihm, und ein einziger Augenblick kann 
Alles wunderbar umgestalten; (und Net lung kommt, 
woher wir sie nicht erwarten; und Fülle und Ueber- 
fluß kehrt zurück, da wir in Elend zu versinken ver 
meinen). 
Vertrauen auf die Obrigkeit des Lau 
des. Das Vaterland fordert es. "Die'Regierung ist 
nur stark durch den Willen und die Liebe des Volkes. 
Entfernen wir daher a-^ unsern Gemüthern, was 
Mißtrauen erregen kann. Erinnern wir uns beständig 
daran, daß der Regierung noch mehr als dem ein 
zelnen Bürger daran gelegen ist, Wohlstand und 
Frieden und Sicherheit zu gewinnen. Tadeln wir 
nicht mit blinder Voreiligkeit ihre Maßregeln, da wir 
weder ihre Absichten, noch ihre Hülfsmittel genug 
kennen; bieten wir vielmehr unsern Arm, unser Ver 
mögen zu ihrer Hülse willig ckar, so wird sic im 
Stande sein, kräftig auszuführen, was sie weise be 
schlossen hat. Denn das vorlaute Tadeln der Obrig 
keit und ihrer Maaßregeln tödtet unsern eigenen Muth 
und lähmt die Stärke des Ganzen. Ein Kriegsheer 
ist ohne blinden Glauben und Gehorsam gegen die 
Anordnungen des Feldherrn schon geschlagen, ehe der 
Feind es sah. Wie mag auch der einzelne Krieger 
im Gewühl den Befehlshaber beurtheilen, der von 
der Höhe seiner Stellung herab hundert Dinge in 
der Verkettung der Umstände sieht, die Jenem ver 
borgen liegen. Fester Glaube, eiserne Treue der 
Soldaten sind die Flügel ihres Muthes, und solcher 
Muth siegte oft schon über die mächtigsten Heere und 
die klügsten Berechnungen eines erfahrenen Feindes. 
Aufmunterung verzagter Mitbürger zu 
vaterländischen Gesinnungen. Auch diese 
Pflicht fordert das leidende Vaterland dem Christen 
ab; denn wer den Muth derer untergräbt, die allein 
durch vereinte Kraft den Sieg erringen können, der 
stürzt das Vaterland in den Abgrund. 
Erhalte daher in den Herzen deiner Vaterlands- 
gcnosscn immerdar die Hoffnung rege. Unterdrücke 
alle nachtheiligen Gerüchte, die den Muth nieder 
schlagen; verbreite sie nicht selbst und vermehre die 
daraus entstehenden Nachtheile nicht durch deine un 
besonnene Nachsprechungen. Denn nicht die Gefahr, 
auch die entsetzlichste nicht, ist in der Nähe so furcht 
bar, als die Todesangst der Erwartung ist. Sei 
Mann in der Noth; verherrliche in den Verhältnissen, 
worin Du stehst, die Macht des Christenthums. 
Sinne vielmehr schon frühzeitig nach, durch welche 
Mittel, durch welche vortheilhaste Einrichtungen künf 
tigen Uebeln vorzubeugen wäre. Theile deine Wün 
sche und Vorschläge anderen Rechtschaffenen mit. 
Vereinige dich mit ihnen zu jeder gemeinnützigen 
Hülfs- und Rettungs-Anstalt, ober unterstütze sie so 
weit deine Kraft irgend reicht. Diejenige Noth ist 
halb besiegt, die wir kaltblütig voraussahen und zu 
deren Empfang wir uns rüsteten. Der ist der ächte 
Sohn, der Held des Vaterlandes, nicht der es wegen 
empfangener Wunden zu rächen weiß, sondern wel 
cher es gegen neue und größere Wunden bewahrt. 
Sei deinen Mitbürgern das erste Beispiel groß 
müthiger Aufopferung für die Rettung des Vater 
landes. Uebernimm daher willig, ohne Murren, 
ohne Seufzer die Lasten, welche dir auferlegt werden; 
trage sie freudig, so lange du Kräfte hast. Gesetz 
und Obrigkeit fordern einen Theil deines Vermögens 
zur Beschirmung des Ganzen. Opfere dein Theil und 
rette das klebrige. Und fordert dein Vaterland Alles 
— liefere es hin. Dein Bettelstab ist einen Zepter 
werth, deine ärmliche Hülle ist rühmlicher als manches 
Fürsten Purpurmantet. 
Der hat das Vaterland verrathen und entehrt, 
welcher bei dem Leiden desselben nur an sich und 
seinen Vortheil denkt. Nie bestraft sich der Eigennutz 
schneller, nie fürchterlicher, als in der allgemeinen 
Noth! - 
Ver m ischtes. 
Das Erscheinen der Jesuiten in Wien, deren 
zwei man in voller Ordenstracht und eleganter Equi 
page umhersahren sah, hat großes Mißbehagen unter 
der Bevölkerung erregt. 
Eine geniale Erfindung, durch Zugthiere 
die Dampfwagen der Eisenbahnen zu ersetzen, ist 
kürzlich in Italien gemacht worden und Versuche 
damit werden jetzt auf der South-Western-Eisenbahn 
gemacht. Die Zugthiere stehen in einer Art Wagen, 
vom Erfinder Jmpulsoria genannt, und bewegen den 
Boden, aus dem sie stehen, nach Art der Tretmühlen, 
nur daß t)ei vieler Maschine außer der sonst allein 
benutzten Körperschwere der Thiere auch noch ihre 
Zugkraft benutzt wird. Vielfache Versuche, welche 
schon in dieser Hinsicht gemacht wurden, stießen immer 
aus unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten, bis es 
jetzt dem Erfinder dieser Jmpulsoria, Elemente Masse- 
rano aus Pignerot in Piemont, gelungen ist, eine 
Konstruktion zu erdenken, die nach den bis jetzt ge 
sehenen Proben alle Erwartungen übertrifft. Diese 
neue Locomotive, welche täglich Probefahrten auf der 
South-Western-Eisenbahn macht, wird von nur 2 
Pferden bewegt, hat schon bei der Nine-Elms-Station 
einen Zug von 30 Waggons eine ziemlich stark geneigte 
Ebene hinangezogen und macht 3 bis 4'/2 deutsche 
Meile pr. Stunde. Bei einer größeren von 4 Pferden 
bewegten, glaubt man leicht bis auf 7 deutsche Mei 
len in der Stunde zu kommen. Die Maschine kann 
sofort angehalten werden, ohne gebremst zu werden, 
auch kann sie sich rück- und vorwärt bewegen, ohne 
daß die Zugthiere ihre Bewegung ändern. Da nun 
die Arbeit für die Pferde in dieser neuen Maschine 
durchaus nicht beschwerlich ist, so können sie leicht die 
gewöhnliche Zeit (8 Stunden pr. Tag) darin arbeiten. 
Während dieser Zeit läuft die Jmpulsoria à 7 Meilen 
pr. Stunde 56 Meilen, und ist die Ersparung also 
sehr bedeutend, da 4 Pferde n 2 s (20 Sgr.) pr. Tag 
nur 8 8 (2 Rthlr. 20 Sgr.) kosten, während die Dampf 
maschine einer Locomotive allein an Eoks k Rthlr. 
pr. Meile, also 57 Rthlr kosten würde. Solche Er 
sparung ist von der größten Wichtigkeit für die viel 
fachen Interessen, die sich an Eisenbahnen knüpfen. 
Nach den Ausstellungen des Dr. Lardner in seinem 
werthvollen Werk „Railway Economy" absorbiren die 
Kosten der bewegenden Kraft auf den Bahnen immer 
mehr als die Hälfte, oft % aller Ausgaben für den 
Betrieb. Aber einer der Hauptvortheile, den diese 
neue Maschine gewährt, wird der sein, daß man sehr 
billige Locomotive» für kleine Zweigbahnen hat, und 
also nach abgelegenen Orten Eisenbahnen gebaut wer 
den können, was früher wegen der zu große» Kost 
spieligkeit der bewegendenKraft nicht ausführbar war. 
Die „N. Zürich. Ztg." erzählt: Auf dem Gute 
des Herrn Altamtsschreibers Wyttenbach auf dem 
Breitenrain steht jetzt Weizen in der Blüthe, dessen 
ursprünglicher Saame (ein Paar Körner,) vor etwa 
7 Jahren in Kairo (Aegypten) bei einer Mumie ge 
sunde» wurde. Dieser Saame, vielleicht 2000 Jahre 
alt, hat sich nun fo außerordentlich vermehrt, daß ein 
einziges Korn mit 40 -Halmen trieb, die Mannshöhe 
haben, so dick wie ein grober Federkiel sind und 4 
bis 5 Zoll lange und baumensdicke Aehren von durch 
schnittlich l 00 Körnern tragen, und somit 4000fältige 
Frucht brachte. 
—•táîi — 
Kirchliche Anzeige. 
Am Toniitagc den 18. Aug. predige» in der Christ- und 
Garnisonskirche r 
Im Vorinittagsgottesdienste Herr Propst Callise». 
Im Nachmittagsgottesdienstc Herr Pastor Ruchmann. 
'Am 12. d. Mts. verstarb zu Hamburg unser lieber Bruder, 
Peter Carl Theodor Schumacher, 
tut 25steil Jahre seines Alters. Verwandten und Freunden 
verfehlen wir nicht diesen traurigen Todesfall hiedurch bekannt 
zu machen. 
Rendsburg, den 16. August 1850. 
Die Geschwister des Verstorbenen. 
BekumrLmachuug. 
Es wird hiedurch bekannt gemacht, daß die Jo- 
hannis-Quartalschatzung am Dienstage und Mittwoch 
den 2Osten und 2lstcn d. M. für die Altstadt, und 
am Donnerstage und Freitage den 22>ten und 23sten 
d. M. für Neuwert',,Vormittags 0 Uhr und Nach 
mittags 2 Uhr im Haufe des const. Stadtcaffirers 
Gosch am Markte gehoben wird. 
Rendsburg, den 13. August 1850. 
Der Magistrat. 
Bekartutiuachung 
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 
9. d. Mts. wird hiedurch zu Jedermanns Kunde ge 
bracht, daß die dort näher angegebene Freiheit für 
Maurer und Glaser annoch für die nächsten acht 
Tage ausgedehnt wird., 
Renbsburger Pvlizeiamt, den 16. August 1850. 
Krohn const. 
Sonnabend den >7- h. M., Nachmittags 4 Uhr, 
soll auf dem Stadtfelbe für Rechnung der Wittwe 
Kühl 
eine Parthei Gerste in Hokkeu, und 
eitle Parthei Hafer auf dem Stemmet, 
all Ort und Stelle, gegen contante Zahlung, in öf 
fentlicher Auction verkauft werden. 
Rendsburg, deu 13. August 1850. 
H. Haase, const. 
Anstellungs-Comtoir. 
Aus vielfach aus den Herzogthümern an mich er 
gangene Aufforderungen, jeüt bei bevorstehendem 
Wieberausbruche des Krieges, wo alle dienstfähigen 
jungen Leute zu den Waffen gerufen und dadurch 
Kaufleute, Apotheker, Handwerker, Ackerbürger rc. 
ihrer Gehülfen beraubt werden, einem dringenden 
Bedürfnisse abzuhelfen, habe ich mich, gestützt aus 
meine ausgebreitete Bekanntschaft entschosffn ein 
hier in Altona zu ctabliren, was namentlich den 
Zweck haben soll, dem augenblicklichen Mangel an 
tüchtigen jungen Leuten jeder Branche dadurch zu 
begegnen, daß ich dieselben durch forrwährende Aus- 
forderungen aus der Ferne nach hiesiger Gegend be 
rufen werde. 
; Ich ersuche daher alle obengenannten Ge 
schäftsleute, welche Gehülfen, Gesellen, Knechte oder 
sonstige Arbeiter suchen, sich gefälligst durch porto 
freie Briefe an mich zu wenden, und verspreche, 
die eingehenden Aufträge nach der Reihenfolge schleu 
nigst, prompt und reell auszuführen. 
Altona, im Juli 1850. 
I. Stammel 
Goldberger'sche 
Rheumatism uskctlen, 
vorräthig bei F. A. Oberreich's Wittwe. 
Nachdem ich seit längerer Zeit an schmerzlichen rheuma 
tischen Uebeln gelitten, kaufte ich mir eine Goldberger'sche 
Rheumatismus-Kette, durch deren Gebranch ich in kurzer Zeit 
von diesen oben benannten Uebeln befreit wurde, welches der 
Wahrheit gemäß hiermit bescheinige. 
Cappeln bei Schleswig, den 15. März 1849. 
Franz Siemsen. 
Anzeige. 
Grobe schottische Kaminkohlen, beste Qualität, 
Newcastler grobe Nußkohlen, sowie Newcastler 
Sch miede kohlen sind billig zu haben bei 
C. Hvaß, 
Schleußkuhle Nr. 26l. 
Rendsburg, den 9. August 1850. 
Der Herr F. Meyer aus Westphaleu, 
welcher vor einigen Tagen wegen eines 
Koffers bei uns war, und dessen Adresse 
wir nicht wissen, wird hiedureli crsucbf, 
gefälligst baldigst wieder bei \uns vorzu 
sprechen. 
Düte lisch & Co. 
Anzeige. 
Bel den Uuterzeichnelen sind Ma'Tzöllige Dach 
ziegel a 1000^ Stück^57 Mark am Bahnhöfe zu 
haben. I. H. Sievcrs, Schuhmachermeister. 
I. Herbst, Schuhmachermeister. 
Offener Dienst. 
Umstände halber kann ein Dienstmädchen mit guten Zeug- 
»lsscn sogleich einen Dienst erhalten bei 
I D. Gerbitz. 
Rendsburg, den 17. August 1850. 
Gin Kutscher. 
welcher unverheirathet und militairfrei ist. sicher mit 
4 Pferden fahren kann, sich für keine Arbeit scheuet 
und jvlide ist, kann unter BetbnNjMg der erforder 
lichen Zeugnisse auf einem Gute in Holstein einen 
guten Dienst bekommen. Wo, ist zu erfragen in der 
Exped. d. Bl. 
Dienst - Gesuch. 
Ein junges Mädchen, welches das Kochen erlernt unit 
bereits einige Jahre bei Herrschaften aus HausmaLemoiselle 
eonditionirt, wünscht eine ähnliche Stelle, und kann, wenn 
cS verlangt wird, sogleich eintreten. Wo? erfährt inan i» 
der Expedition dieses Blattes. 
Gutluufenes Pferd. 
Am 13- d. Mts. ist vom Exercierplatz eine kleine hell- 
tzffune Ltute mit weißem Stern abhanden gekommen, wahr 
scheinlich entlaufen. Wer liber dieses Pferd nähere Auskunft 
geben kann, wird ersucht, solches gefälligst im KriegSfnhr- 
bnrcan am Exercierplatze zu beschaffen. 
Vermißtes. 
Am 4. d. Bits. ist mir ein schwarz lederner Koffer ab 
handen gekommen, gemerkt „Lieutenant Jansen, Rendsburgs 
Der ehrliche Finder wird ersucht, denselben bei toerru Kai's- 
manll Feldmann im tzvtegen abzuliesern. 
Zu vermietlieu. 
Bei mir ist eine Stube sogleich in Miethe zu haben. 
I. H. Nissen, Rademach". 
Nedigirt, gedruckt und herausgegeben von F. M. Wendell.
	        
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