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endsburger
Jahrgang
GV.
Mittwoch, den 21. August
im®.
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch nnd Sonnabend eme Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Ervedition
des Wochenblatts i» Rendsburg," entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes
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äintern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten.
e Bestellungen bei den Post-
Tagesgefchèchte.
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Zk u ß l a n d.
Von der polnischen Grenze wird der
„Brest, Ztg." geschrieben: Trotz der Truppenanhäu
fungen in den westlichen Gouvernements von Nuß-
land. haben nach Privatnachrichtcn dennoch auch in
diesem Jahre in den Gegenden auf dem rechten Ufer
des oberen Riemen wieder Bauernaufstände stattge
funden, die jedoch wegen der Nähe der Truppen
diesmal schneller als sonst gedämpft worden sind.
Diese Aufstände der Bauern, oder vielmehr der Leib
eigenen gegen diese „Herren", d. h. die großen Grund
besitzer, welche sich trotz der furchtbaren Strafen,
welche die aufständischen Orte immer treffen, je län
ger je öfter wiederholen und stets wie ein Damoklcs-
Schwert über den Häuptern der Gutsbesitzer ^schwe
ben, sind nicht nur eine furchtbare Geißel'Rußlands,
sondern sie verkünden auch für dasselbe eine der furcht
barsten Katastrophen. Jetzt allerdings nur noch local
und deshalb durch das Militär leicht unterdrückt,
greift unter den Leibeigenen der Geist der Unzufrie
denheit und des Hasses gegen ihre Unterdrücker, den
bevorrechteten Adel, der sie erzeugt, immer mehr um
sich; sie erstrecken sich aus den westlichen Provinzen,
wo sie begonnen haben, immer mehr in das Innere
Rußlands und es läßt sich mit Gewißheit voraus
sehen, daß, wenn auch vielleicht erst nach manchem
Jahre, sicher der Tag eines allgemeinen Aufstandes
der Leibeigenen anbrechen werde, Bon Seiten des
Adels wird der Regierung Schuld gegeben, diese
Aufstände durch die Aufhebung der Leibeigenschaft
aus den Krongütcrn zuerst geweckt zu haben, und
auffallend ist es allerdings, daß unter den Leibeige
nen allgemein der Glaube verbreitet ist, der Kaiser
wolle, daß jeder Russe frei sein solle, aber der Adel
lasse sie nicht frei und widersetze sich dem Kaiser;
selbst die militärischen Exemtionen können sie von
diesem Wahne nicht heilen, sie glauben vielmehr, der
Kaiser wipe nicht darum. So kommt es, daß der
gemeine Russe seinen Kaiser anbetet und den Adel
als seinen bittersten Feind haßt, den er vertilgen
müsse.
Däne m »t V Ï.
Kopenhagen Die schleswig - holsteinischen
Kriegsgefangenen befinden sich jetzt Alle, mit Aus
nahme der Verwundeten, aus den Gefangenenschiffen.
Auf den Linienschiffen „Waldemar" und „Danmark"
sind die Unterofficiere und Gemeinen, und auf der
Fregatte „Fylla", nicht „Nymphen", sind die Ofsicicre;
auf derselben Fregatte hat auch der Commandant
der Gefangenenschiffe, Oberst Lönberg, sein Quar-
tier. — Es soll für eine gute und gesunde Nahrung
der Gefangenen, für die erforderliche Reinlichkeit
(namentlich durch Auslegung eines Badeflosses), so
wie für so viel Bequemlichkeit, als es die Umstände
erlauben, gesorgt sein, (A. M.)
Kopenhagen, vom 15. Aug. Die „Bert. Z,"
bringt eine Berichtigung ihrer früheren Mittheilun
gen über die Schlacht bei Jdstedt vom Brigadechef
Baggesen, aus der namentlich hervorgeht, daß die
Erzählung, der General Schleppegrell, die Obersten
Lässö und Trepka seien von Bauern erschossen, völlig
aus der Lust gegriffen ist. (Nd. Fr. Pr.)
—, Die dänischen Blätter gehen bis zum vor
stehenden Datum und bringen nichts Neues, Un
term 31sten v. M, sind 33 Cadetten zu Sec-Lieute-
nants ernannt.
— Die letzte Volkszählung im Februar ergab
für Kopenhagen 129.695 (also 2908 mehr als im
Jahr 1845), für Dänemark (außer den nördlichen
Nebenländern, den Colonien und den 3 Herzogthü-
mern) 1,407,747 (Zunahme in den letzten 5 Jahren
57,424). ^
— Die „B. N. schreiben: Man erfährt aus Ko
penhagen, daß der Rücktritt des Grafen Moltke von
dem auswärtigen Departement keineswegs wegen
der politischen Ansichten desselben erfolgt sei, sondern
wegen seiner Abneigung, der Gräfin Lanner dieje
nigen Vorzüge und Berechtigungen bei Hofe
zuzugestehen, welche ihr jetzt zu Theil geworden sind.
Auch wird dies dadurch bestätigt, daß Hr. v. Rcedtz
sein Nachfolger geworden, der bei allen Unterhand
lungen, zu denen er gebraucht worden, sich sehr
enge an die Moltkeschen Informationen gehalten hat,
und dafür sehr thätig gewesen ist. Der Graf Moltke
ist ein Demokrat ans zweiter Hand, indem er der
Casino-Parthei durchaus entgegenstand, und erst nach
ihrem Siege sich für einen „Bekehrten" erklärte.
Man besorgt daher von ihm auch keine Opposition
welche ihn nur noch mehr comproinittiren würde.
DeMtschZaRv.
München, den 14. August. Die in ganz Mün
chen verbreitet gewesene und auch in meinem letzten
Berichte an Sie erwähnte Nachricht von einer groß
artigen Gabe König Ludwigs kür Schleswig-Holstein
erweist sich nun lediglich, als eine großartige Zei-
tungs-Ente, die ursprünglich wohl nicht ohne mali-
ciöse Absicht in Umlauf gesetzt wurde. Von Vielen
wurde diese Nachricht scho»^ anfänglich bezweifelt,
weil man weiß, welche Rücksichten König Ludwig zu
beobachten genöthigt ist, um die Aengstlichkeit seines
Sohnes des regierenden Königs Max zu schonen.
Allein was man wünscht, glaubt man eben gern und
so wurde am Ende die Nachricht allgemein als ge
wiß angenommen.
Ein ofsicieUer Artikel .in den „Neuesten Nach
richten" spricht in geheimnißvoller und zugleich hoff
nungsreicher Weise von „Propositionen einer groß-
deutschen Macht an die Schleswig-Holsteiner und
Dänemark", welche „eine höchst mögliche Befriedi
gung der beiden kämpfenden Theile zur Folge haben
dürften." (Nun, nachdem so viel edles Blut bereits
vergossen ist!) Gleichzeitig erhält sich das Gerücht von
der Aufstellung eines österreichisch-bayerisch - hanno
verschen Armeccorps zum Schutze Holsteins; man
will cine'Conferenz des Kriegsministers von Lüder
mit dem österreichischen Gesandten Grafen Estcrhazi
und die in den nächsten Tagen erwartete Rückkehr
des Feldmarschall Prinzen Karl von Bayern von
seinem Schlosse Tegernsee auf diesen Plan beziehen,
den auch manche in letzter Zeit getroffene militärische
Dispositionen nicbt unwahrscheinlich erscheinen lassen.
Vielleicht fühlt man die Nothwendigkeit, daß Etwas
wenigstens geschehen muß, wäre es auch nur um
den sckwcrverhaltenen Uninuth und das tief verletzte
Ehrgefühl unseres Militärs zu beschwichtigen. Ob
den Schleswigern damit gedient stich wird, Vas frei
lich ist eine andere Frage. Ihnen wird Wohl eher
nicht geholfen, als bis der Nationalwille auf die
Einzel-Regierungen so viel zwingende Kraft äußert,
daß sie sich genöthigt sehen, diese Angeleaenheit we
der vom kleindeutschen noch vom grogdeutschen, son
dern vom deutschen Standpunkt aus zu behandeln.
Jene Frivolität, mit welcher diese große National-
Angelegenheit seit Drittehalb Jahren von den deut
schen Regierungen als Mittel zu absolutistischen und
particularistischen Zwecken mit Aufopferung des edel
sten Blutes ausgebeutet wurde, — sie ist nicht ver
gessen, sie hat sich tief ins Herz des Volkes einge
graben und der Tag dürfte, wenn das Spiel so
fortdauert, nicht ferne sein, an welchem die Nation
ein ernstes Veto sprechen wird.
(H. N.)
Frankfurt, den 14. August. Auf die Circu-
lar-Depesche,^ welche die interimistische Bundes-Cen-
tral-Commisnon an die Seemächte erlassen hatte, um
die Anerkennung der deutschen Kriegsflagge zu er
wirken, ist jetzt eine Erwiederung von Seiten Groß-
britaniens eingegangen. Das Cabinet v. St,-James
eröffnet der interimistischen Bundes- Central-Com
mission, daß cs sick seine Erklärung, in Betreff der
Anerkennung jener Flagge, bis zur Bildunnz einer de-
tiven, der deutschen rerpräsentirenden Behörde vor
behalte.
Hamburg. Ueber Fräulein Rasmussen, die
jetzige Gattin Sr. dänischen Majest. wird der „Const.
Z." von hier Folgendes geschrieben: „Dieselbe war
früher Putzmacherin und dem kopenhagener Ofsicier-
corps wohl bekannt, wurde dann Freundin des Kö
nigs nnd ist jetzt zur Baronesse Danner erhoben.
Sie übt tyeilis direct einen großen Einfluß aus dem
König von Dänemark, theils durch ihren früheren
Geliebten, einen Buchdrucker-Gehülfen Namens Bend-
ling, der noch bis zum Etatsrath gestiegen ist und
die Stellung eines Privatsecretairs des Königs ein
nimmt. Wohlunterrichtete behaupten, das die re.
Rasmussen ihren Einfluß in dem revolutionär däni
schen Sinne ausübt, wie sie es gewesen sein soll,
die den König in der kopenhagener Revolution von
1848 zur überraschend schnellen Nachgiebigkeit gegen
den Casstnoclnb bewog. Bon politischer Bedeutung
ist diese Vermählung in so fern, als dadurch das
Erlöschen des dänischen Könighauses zur Gewißheit
gemacht ist. Daher widersetzte sich das Ministerium
dieser Vermählung, bis das" londoner Protocol! un
terzeichnet war. Nachdem dies geschehen, konnte die
Vermählung auch nur im Jntetresse Rußlands liegen.
In Lübeck ist durch eine von Frauen und
Jungfrauen veranstaltete Lotterie sür die schleswig
holsteinischen Verwundeten eine Summe von 2l 13
Mark Cour, eingegangen. Der dortige „politische
Verein" sucht eine wöchentliche SchiUingssammlung
für Schleswig-Holstein in möglichst großer Ausdeh
nung in Ausführung zu bringen.
Aus Lübeck 8. August wird der „Augsb. All.
Ztg." geschrieben: Wie gräulich die Cholera hier ge
haust hat mögen Sie ans folgenden Angaben ent
nehmen, sür deren 'Richtigkeit ich einstehe. Man
nimmt an daß in gesunden Tagen wöchentlich nur
1.2 bis 14 Todesfälle hier vorkommen, was aus den
Tag durchschnittlich deren zwei beträgt. Nun stet-
gelte sich aber die Sterblichkeit in Folge der Cho
lera, als sie am hefîigsten auftrat, so außerordentlich
daß in einer Woche 260 Verstorbene angemeldet wor
den! Für eine V.lkszahl von 26,000 Seelen ist
eine solche Sterblichkeit außerordentlich, llebrigens
hat die Krankheit auch in diesem Jahr wieder streng
den Gang eingehalten den sie bei ihren früheren Be
suchen zu nehmen pflegte. Lübeck liegt bekanntlich
aus einem oblongen Hügelrücken, der sich gegen Ost,
Süd und Nord abdacht, und auf diesen drei Seiten
von den vereinigten Gewässern der Trave und Wa-
chcnitz bespült wird. Hier nun nistet sich die Cbo-
lera ein rund um den Hügel nnd ersteigt ihn etwa
zur Hälfte auf allen Seiten, die höher gelegenen,
mithin von der Lust stets bestrichenen Quartiere völ
lig frei lassend. Man hat jedoch auch diesmal die
Erfahrung gemacht daß eine geordnete Lebensweise
den Ichanerlichen Gast lange entfernt hält, überhaupt
Diät unter allen Umständen, das sicherste Mittel ge-
gen die räthsclhafte Krankheit ist. Ein eigenthüm-