Fronte dem Stadtcommandanten, daß er dies nicht
sofort den Leuten begreiflich gemacht, und so arran-
girte sich die Masse dahin, daß unsre nordschleswig-
schen Landsleute in's Centrum der dänischen Armee
dirigirt wurden, wo man sie also einstweilen jeden
falls sicher hat. — Die Stadt Flensburg ist so voll
von Verwundeten, daß 24 Lazarethe daselbst herge
richtet sind. Man versichert von dort wiederholt und
von zuverlässiger Seite, daß der Verlust der Dänen
(den sie selber aus 4000 Mann angeben) aus nahe
an 7000 Man sich belaufe. Die vortreffliche Pflege,
die den Verwundeten, Deutschen und Dänen, in
Flensburg zu Theil wird, haben sie der unermüd
lichen Sorgfalt der deutschen Frauen Flensburgs zu
verdanken. Aus Erkenntlichkeit dafür läßt das da-
Nische Regiment jedes Bett der verwundeten Schles-
lvig-Holsteiner zweimal mit der Inschrift „Insurgent
R. N." bezeichnen, und ist es insonderheit der be
kannte Flensburger Arzt, Dr. Levestaun, der als
Mitglied der Lazareth-Commission aus das Strengste
darüber wacht, daß unsere armen Verwundeten so
bezeichnet werden. Ob aus medicinischen Rücksichten,
um etwa die Cur seiner in Feindes Hand gera
thenen schwer verwundeten Landsleute dadurch zu
fördern? — (H. N.)
Rendsburg, vom 16. August. Von Tönning
haben die Dänen fortgeschleppt den Pastor Schu
macher, den Schwager des Psenningmeisters Hönck,
den Gastwirth Claus Boyens, den Buchhalter Brühn
und einen deutschen Kontrolleur. Zwei dänischge
sinnte Zollbeamte haben die Dänen um Schutz ge
beten und sind, als dieser ihnen nicht unbedingt zu
gesagt werden konnte, mit den Dänen davongegan
gen, die gestern Tönning, wie es scheint, definitiv
geräumt haben. Von Garding haben sie fortgeführt
den Bürgermeister Hinrichsen welcher jedoch nach
zwei Tagen wieder nach Garding zurückgekehrt ist,
den Postmeister und einen Controlleur. Die Be
schaffung der von Eiderstedt ausgeschriebenen Lie
ferung ist legitimer Seits. inhibirt und die Lieferung
Uach Dithmarschen geschafft worden.
Für die Abhaltung der angeordneten Landmili
tärsessionen im Herzogthum Schleswig hat der Re-
gierungscominissär Tillisch den Kammerherrn Graf
Äoltke zum Generalkriegscommissär ernannt. Durch
eine andere Bekanntmachung verbietet Hr. Tillisch
die „Nordd. Fr. Presse", dre „Reform", „welche in
Altona herauskommt" und das „Jtzehoer Wochenbl."
im Herzogthum Schleswig zu halten und zu ver
breiten.
Der Flensb. Corr." meldet daß Advocat Blaun
feld zum Hardesvogt der Hohn- und Hüttener Har
den ernannt sei. Für die Redaction des Blattes
wird „ein anderer tüchtiger Mann" ausersehen werden.
Der aus Altona verwiesene Controlleur Fries ist zum
Zollverwalter in Friedrichstadt und Davids zum Amt-
Mann im Amte Husum constituirt. (H. C.)
Rendsburg, den' 16. August. Eine Abthei
lung unserer Truppen hat Tönning wieder besetzt,
das die Dänen wieder haben räumen müssen. Die
dänischerseits in der Landschaft Eiderstedt erpreßten
Requisitionen, die bereits auf dem Wege nach Fried-
Nchstadt u. s. w. waren, sind diesseits der Eider vor
dem Feinde in Sicherheit gebracht. (H. N.)
Rendsburg, den 20. Aug. Gestern Nachmit
tags starb dahier', allgemein betrauert, der sehr ge
schätzte und geachtete Oberstlieut. der Artillerie, L e, se r,
eines plötzlichen Todes. Derselbe wurde heute Mor
gens 6 Uhr mit großem militairischen Pomp zur
Erde bestattet. Die Artillerie u. Infanterie gab die
üblichen Ehrensalven.
Bericht eines Augenzeuge«,
Über die- Affaire bei Stent'ner-Mühle und Neu-Du-
venstedt am 8. August.
Als am 8. August, Morgens 71 Uhr, die erste
Meldung über die Annäherung einer feindlichen Co-
lonne gegen Sorgbrück eintraf, stand das 2te Jäger-
corps. welchem die Deckung der Uebergänge von Alt-
Duvenstedt bis zum Bisten-See oblag, folgender-
Maaßen' Die zweite Abtheilung (Hauptmann v ■ Soden)
stand mit der dritten Compagnie auf Stent'nerMühle,
Und hatte die Höhen dicht vor der Mühle, auf denen
zweckentsprechende Verschnnzungen' angebracht waren,
besetzt, während die vierte Compagnie (ich rechts hier
anschloß und sich weiter östlich bis zum Bisten-See
ausdehnte. Die erste Abtheilung (Hauptmann Gantzer)
deckte mit der ersten Compagnie den Ucbergang nach
Dwschlaq. während die zweite Compagnie östlich vom
Dorfe so aufgestellt war, daß sie überall lchnell als
Reserve auftreten konnte. Der Major v. Bassewitz
hatte einen passenden Hügel östlich von Duvenstedt
zu seinem'Aufenthalt gewählt, weil er von hieraus
die weitläufige Stellung übersehen und schnell die
Uöthigen Befehle überall hin ertheilen konnte
Gegen 8 Uhr griff der Feind fast gleichzeitig die
Position von der Strent'ner Mühle bis zum Bisten-
See an. Er entwickelte in dieser Front zwei Ba
taillone, während er zwei andere in weiterer Ent
fernung folgen ließ. Auf's Kräftigste von den wohl
postirlen Jägern emupfangen, führte er speciell gegen
Stent'ner-Mühle bei Steinsiken im Laufe des Kam
pfes vier Geschütze auf, welche die Position bort
ziemlich erfolglos beschlossen, und auch einige Gra
naten warfen. Zugleich gelang es einer Abtheilung
feindlicher Tirailleurs, vermöge eines vom Comman
deur der dritteü Compagnie nicht genug beobachteten
Knicks, die hinter Erdaufwürfen stehenden Jäger so
in Flanke und selbst im Rücken zu beschießen, baß
der Hauptmann Fuchs sich veranlaßt sah. diese Posi
tion zu verlassen. Er zog sich fechtend aus der Mühle
und selbst aus dem weiter südlich gelegenen Gehölz
zurück. Der Major v. Bassewitz hatte sogleich das
Zurückweichen der Compagnie benierkt, und mit rich
tigem Blick das Bedenkliche dieser rückgängigen Be
wegung würdigend (denn die weiter östlich siegreich
im Gefecht begriffene vierte Compagnie unter Prem.-
Lieut. v. Gelpke, bei der sich der Abtheilungs-Com-
mandeur Hauptmann v. Soden selbst aufhielt, kam
hierdurch in die mißlichste Lage) ertheilte er der zwei
ten Compagnie den Befehl, augenblicklich vorzugehen,
indem er den Abtheilungscommandeur, Hauptmann
Gantzer beauftragte, à tout pri x das Gehölz und
die Mühle wieder zu nehmen. Der Hauptmann
Gantzer, kaum am Saume des Gehölzes angekommen,
ließ die dritte Compagnie sammeln, und befahl ihr,
als Soutiens zu folgen, während er sich genöthigt
sah, fast die ganze zweite Compagnie, wegen der
Ausdehnung des Gehölzes, zerstreut aufzulösen. Nur
drei Sectionen behielt er für alle Eventualitäten als
Soutiens geschlossen. So drang er entschieden vor,
indem er von allen Hornisten wiederholt „schnell
avanciren" blasen ließ, theils um dies wirklich zu
effectuiren, theils auch um den Feind über seine ge
ringe Stärke, durch lebhaftes Blasen im Gehölz, 'zu
täuschen. Es gelang ihm in kurzer Zeit sich in den
Besitz des Gehölzes diesseits der Mühle zu setzen,
wobei ihn sowohl das entschiedene, brave Vorgehen
der Leute, als auch das anerkennungswerthe Beispiel
des Hauptmanns v. Reßtorf und sämmtlicher Offi-
ciere glücklich unterstützten. Am Ausgange des Ge
hölzes angekommen, befahl der Hauptmann Gantzer
den, als Soutiens geschlossen gebliebenen drei Sec
tionen das Bajonett auszusetzen und mit Hurrah die
Mühle zu nehmen. So war nun ohne Aufenthalt
die Mühle uird die jenseitigen Hügel genommen, und
der von allen Seiten im Trabe fliehende Feind bis
hinter Steinsiken verfolgt. Hier bekam der Haupt
mann Gantzer Befehl, Halt zu machen. Er befahl
dem Hauptmann v. Reßtorf, die Compagnie zu sam
meln, und ließ nur durch kleine Patrouillen den Feind
weiter verfolgen. Die vierte Compagnie hatte unter
dessen weiter'östlich ebenfalls siegreich gekämpft, und
nicht nur unter schwierigen Umständen ihre Stellung
behauptet, sondern sich auch in den Besitz des Fried-
richshöfer - Gehölzes gesetzt, als der Befehl zum
Halt kam.
Erst als das Gefecht sich so entschieden hatte,
erschien das 3te Jäger-Corps, nahm hinter den
Soutins der zweiten und vierte» Compagnie Schützen
die Front, ohne am eigentlichen Gefecht selbstredend
Theil nehmen zu können Wenn das 3te Jägercorps
dennoch einen Todten gehabt hat, so liegt dies in
den Verhältnissen, indem die von dem Feinde sehr
hoch geschossenen Kugeln meist hinter den Soutiens
einschlugen.
Das 2te Jägercorps hatte circa 30 Tobte, Ver
wundete und Vermißte. Der Feind hat nach Aus
sage sämmtlicher Landleute zwischen 80 bis 90 Tobte
und Verwundete; 11 Todte, 2 Verwundete und einige
Gefangene blieben in unseren Händen.
Der Oberst v. Gerhard ließ am solgenden Tage
die brave zweite Compagnie, deren entschlosse
nes Vordringen das Gesecht für uns entschied,
antreten, sprach seine Anerkennung im Allgemeinen
aus und ließ den, einstimmig als den Tapfersten be
zeichneten Jäger Ricks vor die Front treten, Ueß
die Compagnie das Gewehr vor ihm präsentiren,
brachte ihm ein dreimaliges Hoch und überreichte ihm
eine von einem Officier aus Cassel „für den Brav
sten" gesandte Uhr. (Kiel. Cor.)
Von dem Comitü zur Verwaltung der freiwil
ligen Gaben, sind.der Redaction einige Briefe von
verschiedenen Gebern zur Veröffentllchung gütigst
mitgetheilt worden, und unterläßt die Redaction dem
nach nicht, ihren Lesern einige Stellen aus denselben
mitzutheilen, welche von der großen Theilnahme, die
sich allerorts in Deutschland für unsere Sache aus
spricht, ein günstiges Zeugniß ablegt.
In einem derartigen Briefe aus Rinteln in der
Grafschaft. Schaumburg, sind, nachdem im Eingänge
des Briefes die gesandten Gaben verzeichnet' sind,
folgende Schlußworte beigefügt:
, „Wenn wir nicht umhin können der großartigen
Haltung und Standhaftigkeit der Schleswig-Holstei
ner, die allen andern deutschen Stämmen als Mu
ster voranstehen, und dem Helvenmuthe ihrer wackern
Krieger unsere Bewunderung zu zollen, so erfüllt es
uns anderntheils mit tiefstem Schmerze, daß die ver>
hängnißvolle Zerrissenheit unseres großen Vaterlan
des uns nicht gestattet, auf eine würdigere Weise als
durch solche arme Gabe unsere Theilnahme zu eucm
neu zu geben und unsere Pflicht zu erfüllen.
Mit "dem innigen Wunsche, daß Gott die gerechte
Sache Schleswig-Holsteins und Deutschlands schützen
möge, verharren wir rc."
Ein 'Brief vom früheren vaterländischen Verein
in Karlsruhe beginnt folgendermaaßen:
„Wie fast überall im großen deutschen Lande sehen
auch hier die Freunde des Vaterlandes mit Hoffnung
auf den Kampf, welcher für deutsche Ehre an der
Nord- und Ostsee gefochten wird, möge er ein sieg
reicher sein. Hieran Theil zu nehmen ist uns nicht
vergönnt, möchte ein Scherflein zur Unterstützung des
selben gleichwohl wohlwollend aufgenommen werden,
welches die Bewohner Karlsruhes'als erstes Zeichen
der Sympathie für ihre kämpfenden Brüder auf dem
Altar des Vaterlandes niederlegen; es ist dies ein
Beitrag, welcher im Betrage von 2354 fl. 10 chr.,
schon im Jahre 1848 für die deutsche Flotte gesam
melt wurde, und wohl nicht besser als zur Unter
stützung der deutschen Sache im Küstenlande verwen
det wirb, — und jetzt gesammelte 812 fl. 56 kr., zu
sammen 3167 fl. 6 kr., nebst einem Fäßchen Lein-
wand, Charpie u. s. w."
Ein Schreiben aus Offenbach bei Frankfurt be
gleitet das Verzeichniß der gesandten Gelder und La-
zarethgegenstände mit folgenden herzlichen Worten:
„Wir benutzen diese Gelegenheit, um.Jhnen aus-
zusprechen, daß auch an den Ufern des Mains Jeder
mann die ernste Ueberzeugung hegt, daß die helden-
müthigen Schleswig-Holsteiner eben so sehr für Deutsch
lands Ehre sind Leben kämpfen, als für ihre eigenen
Rechte. — Dieses Gefühl hat hier alle Parteien' ver
einigt. — Wöge Gott Ihre und unsere gerechte Sache
tu seinen starken Schutz nehmen!"
..Ineiner Zuschrift d'cs Turnerverems von G o sla r
heißt es: „In Folge der allgemeinen herzlichen Theil
nahme für unsere 'hart bedrängten deutschest Brüder,
glaubt auch der hiesige Männer-Turnvereist andern'
Eorporationen nicht zurück stehen zu dürfen, weshalb
wir denn alle unser Scherflein zusammen legten
welche Sie in beifolgender Summe von Pr-Cr. Tytr.
t6 hiermit anzunehmen gebeten werden.
Indem ich Sie noch versichere, daß in Deutsch
land alle Partheien ein ungetheiltes an Ihrer ge
rechten Sache nehmen, schließe ich mit der Bitte zu
Gott! baß er der gerechten Sache seinen Arm leihe
und Ihre wackere Nation zum Siege führe, so würbe
auch zugleich die Schmach der deutschen Regierungen
weiche mit ihrem Volke nicht zu simpatistren ver
stehen, bedeckt werden.
Wohl einsehend, daß Ihnen mit 20,000 Mann
Truppen mehr gedient sein könne, als kleine Beiträge,
so ist es doch besser zu sagen, hier ist das Wenige,
es kommt vom Herzen. Mit den besten Wünschest
für Sie habe ich die Ehre rc."
Ein anderes Schreiben aus Celle lautet:
„Wenn gleich in hiesiger Stadt bereits zwei Co
mites für Schleswig-Hotsteins Sache sich der besten
Resultate erfreuen, indem wohl Niemand sich aus
schließt, einem so biedern, herrlichen deutschen Bru
derstamme tu seinen bedrängten Augenblicken that
kräftig beizustehen; so hat doch auch bas Corps der
hiesigen städtischen Bürgerwehr als solches nicht
zurückbleiben wollen, aus seiner Mitte sich für die
Brüder an den nordischen Marken unsers gemeinsa
men deutschen Vaterlandes kameradschaftlich zu be
theiligen.
Den Betrag der binnen wenigen Tagen nach
gefaßtem Beschlusse' zusammengekommenen Gelder
habe ich die Ehre im Aufträge meiner Cameraden
einem hochlöblichen Somite gehorsamst zu übersenden,
und den Wunsch beizufügen, daß Sie Alle voll Zu
versicht ausharren mögen, denn Millionen wahrhaft
deutscher Herzen schlagen, Gott sei Dank; für Ihre
große und gerechte Sache! Gott segne Ihre Waffen!"
B e V in t f d) t c
Die Holzkanonen, die Bem in Siebenbürgen
verwendete wenn das Kanonengut nicht ausreichte,
zeichneten sich, wie wir im „Spiegel" lesen, durch
die Zweckmäßigkeit des Rohres und des Gestelles
gleich vortheilhast aus. Ersteres war nicht aus
einem Stück gemacht, gebohrte Holzstämme hätten
der Ausdehnung durch Pulver schlechter widerstanden,
darum ließ er sie aus mehreren Stücken verfertigen,
welche durch eiserne Reife nach- Art gewöhnlicher
Kusen zusammengehalten wurden. Innen steckt eine
einfache Blechfütterung, die ohne viel Mühe und
Kosten durch eine neue ersetzt werden konnte. War
Mantel und Futter nicht mehr brauchbar, dann wer
den beide weggeworfen. Die Laffettc war ehest' so
einfach als wohlfeil. Bier' Holzblöcke, zu zweien in
ein schiefes bewegliches Kreuz verbunden, bildeten
das Gestell, ähnlich demjenigen, auf welchem mw
gewöhnlich Brennholz entzwei sägt. Durch die Be-'
weglichkeit der beiden Holzkreuze war es möglich,
dem Rohre jede beliebige Richtung zu geben, sttid
kam cs durch den Rückstoß des Schusses aus der