Full text: Newspaper volume (1850)

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Mittwoch, dm 4. September 
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Bon diesem Blatte erscheint jeden Btittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Vezcichnuuar „An die Ervedition 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegcngenomcn werden. Intelligenz'Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes 
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^ 1 rt u t’ V c i eh. 
Paris, den 27. August. Der verständige und 
wohlmeinende Correspondent des „National" aus den 
Herzogthümern berichtet heute: Nach glaubwürdigen 
Quellen hat der französische Gesandte in Kopenhagen 
ein Promemoria über die Lösung der Frage der Her- 
zogthümer überreicht. Es stellt einerseits den Grund 
satz der vollständigen Trennung der Herzogthümer 
von Deutschland und andererseits eine breite Con 
cession an dieselben, namentlich ihre Union als maß 
gebend auf. Hingegen würden sie für immer unter 
einer Dynastie mit Dänemark verbunden werden, je 
doch mit eigener Verfassung, Verwaltung und Finanz 
leitung. Allein die Armee lind die auswärtige Re 
präsentation wären beiden Theilen des neuen Däne 
marks gemeinschaftlich. Wenn ich gut unterrichtet 
bin hat die Gesandtschaft diesen Vorschlag auch der 
Statthalterschaft überreicht und ist man übereinge 
kommen, vor Abgabe einer Antwort auf diese Depesche 
die Feindseligkeiten nicht wieder zu beginnen. Ruß 
land erwartet jetzt in glühe zwei Dinge: 1) daß der 
französische Vorschlag gegenüber den Schwierigkeiten, 
über welche das französische Cabinet es zu unterrichten 
nicht für gut befunden wurde, ohne Erfolg bleibt; 
2) daß im Fall der beinahe unausbleiblichen Nicht- 
annahme von Seite der Herzogthümer die französische 
Diplomatie bei Seite geschoben werde und diese aus 
Verdruß über den fehlgeschlagenen Vergleichsversuch 
die Vermittlerrolle aufgebe, um der rusiischen Politik 
beizutreten." — Der Correspondent schließt mit der 
Bemerkung: „Zum ersten Btale wird sich Frankreich 
in den nordischen Angelegenheiten unmittelbar aus 
sprechen. Die von ihm gewählte Position wird einen 
entscheidenden Einfluß nicht bloß aus unsere Zukunft, 
sondern auch auf die des ganzen nördlichen Europas 
ausüben. Daß ein französisches Memoire von dem 
oben angegebenen Inhalte in Kopenhagen und an 
die Statthalterschaft überreicht wurde, ist gewiß. Die 
dänische Regierung hat es mit Interesse und Zuvor 
kommenheit' aufgenommen, ohne sich jedoch bestimmt 
darüber zu äußern. Es scheint, daß man sich in 
Kopenhagen in großer Verlegenheit befindet und nicht 
mehr weiß, welchen einheimischen und fremden Rath- 
gebern man folgen und vertrauen darf. Man hat 
daselbst seit dem londoner Protocolle alle Selbststän 
digkeit verloren und sieht bereits hell, daß man aus 
einer russischen Bline wandelt. Sonderbar genug 
fand Herr Hübner hier gegen den Gedanken des Me 
moirs nichts einzuwenden. Jedoch meinte man im 
österreichischen Gesandtschaftshvtel, es sei eine über 
flüssige Schwierigkeit, das Austreten Holsteins aus 
dem deutschen Bunde durch ein ausdrückliches Ucber- 
einkommen auszusprechc», indem die Eigenschaft, deut 
sches Bundesglied zu sein, elastisch genug wäre, um 
sich mit jeder Verfassung und jedem Verhältnisse zu 
Dänemark zu vertragen. Hr. Hübner steht nicht an. 
den deutschen Bund als eine inhaltlose Form darzu 
stellen. deren sich Oesterreich bedienen mag, um aus 
Deutschland zu drücken und cs zu erdrücken. Dadurch 
kann man sich erklären, warum man hier das Stre 
ben der deutschen Nation nach Gestaltung eines Vater 
landes für Professoren-Aberwitz ausgiebt. Gestern 
erst schrieb das „Journal des Dübats": ein deut 
sches Vaterland ist ein Traum. 
würde, sobald man nur erst die Frage über die Erb 
folge in Ordnung gebracht, ist nicht der Prinz Peter, 
sondern der jetzige Großherzog von Oldenburg und 
falls dieser nicht annehmen sollte, sein Sohn, der 
Erbprinz von Oldenburg, zum Könige von Dänemark 
deutscher König sich populär machen will, wenn je 
ein deutscher Patriot den nationalen Enthusiasmus 
entflammen wird, so wird er auf Holstein zeigen und 
sagen: „Da ist ein deutsches Land, das man auf 
das Geheiß fremder Mächte von Deutschland gerissen 
und zum Herzoge von Schleswig und Holstein be- hat. Auf, und laßt uns das Unsrige wieder er 
G V V ß b t* i f u n n i e u. 
' Aus London, den 24. August. Die „Deutsche 
Volkshalle" enthält folgende auffallende Mittheilung: 
„Sobald der jetzige König von Dänemark die Krone 
stimmt. Dänischerleits ist »ran damit einverstanden, 
eben so von Seiten des Großherzogs und des Erb 
prinzen von Oldenburg. Der dänische Gesandte Hr. 
v. Bülow war unlängst in Oldenburg und hat die 
Einwilligung beider hohen Personen in bester Form 
erhalten. Es fehlt also nur noch! an der Einwilli 
gung von zwei Betheiligten. an der Einwilligung 
der Augustenburger und der Herzogthümer, und hier 
scheint mir allerdings einige Gefahr für das Recht 
vorhanden zu sein. In dem Protocolle steht freilich 
nichts davon, aber ich fürchte, daß man die Augusten 
burger, wenn sie nicht freiwillig nachgeben und mit 
gewissen Entschädigungen nicht zufrieden sind, zuletzt 
wenig fragen wird; ob man die Herzogthümer über 
haupt fragt und deren nicht vorhandene Stände, 
möchte noch zweifelhafter s.in.". Die ganze Mitthei 
lung wird freilich mehr als verdächtig durch die wei 
te. solgmde Erösfnaug. „Wv!. Ihre Landsleute aber 
noch weniger wissen werden, und was nach dem öf 
fentlichen Verhalten des preußischen Gesandten in 
London freilich fast unglaublich erscheinen würde, ist 
der Umstand, daß Niemand das Zustandekommen die 
ses Arrangements- lebhafter wünscht und in der Stille 
auch lebhafter betreibt, als Preußen. Der Grund 
davon liegt einfach in der Hoffnung, daß auf solche 
Weise Oldenburg vacant werden könnte, und daß 
Preußen alsdann Aussicht hätte, sich durch den Zu 
wachs dieses Großherzogthums zu arrondiren u. s. w." 
London, den 26. Aug. Das whiggistische Wo 
chenblatt „Examiner", welches Palmerston's Politik 
immer vertheidigt hat, ist einsichtig und aufrichtig 
genug dem Verfahren des edlen Viscount gegen die 
Herzothümer Schleswig - Holstein entschieden den 
Stab zu brechen. Es sagt in seiner gestrigen 
Nummer: 
„Das Protocol! der Londoner Conferenz ist ein 
Räthsel; Folgendes ist der Schlüssel dazu. Die 
Deutschen benutzten die Bewegung von 1848, um 
ihr Land zu einer Seemacht zu machen. Sie decre- 
tirten eine Flotte und sprachen Schleswig und Hol 
stein mit einigem Grund als Theil ihres Staaten 
bundes an. Das gab ihnen beide Ufer der Elbe und 
den Hasen Kiel. (Beides war nicht streitig!) Aber 
nun find die vier Seemächte Europa's, Frankreich, 
Rußland, England und Dänemark, zusammengetreten, 
um durch ihre Bevollmächtigten zu erklären: Deutsch 
land soll kerne Seemacht werden. Und damit Deutsch 
land nicht die Mittel erlange eine zu werben, wol 
len sie gemeinsam erwirken daß beide Herzogthümer 
künftig einen integrirenden Theil von Dänemark bil 
den jollcn. So würde ein Theil der Elbe anti-deutsch, 
während die Eider und jeder Hafen der wichtigen 
Halbinsel, welche die Ostsee vom Ocean scheidet, glei 
cher Weise für dänisch erklärt wird. Deutschland, 
den Einzelstaaten wie .dem Bunde, wird verboten sich 
darein zu mischen; die Deutschen sollen sich nicht 
anmaßen eine Seemacht zu werden. Allein die 
sicherste Art, alle Eifersucht und Energie eines gro 
ßen Landes in die Richtung auf ein Ziel zu lenken, 
ist leider, wenn inan dasselbe beleidigt und reizt durch 
die Erklärung daß ihm die Erreichung dieses Zieles 
nicht erlaubt werden soll. Das Verbot der Londo 
ner Conferenz wird nur die Folge haben daß es dem 
deutschen Volksherzen tiefer den Wunsch ein 
prägt den Laus und die Mündung der Elbe 
>o , wie den Theil der cimbrischen Halbinsel, der 
nach Abstammung und Sprache so wie durch die 
alte Satzung und Abmarkung Europa's deutsch ist 
obern!" In diesem Falle sind aber England, Frank 
reich und Rußland nun verbunden mit Deutschland 
Krieg anzufangen, um es zu verhindern. Aber jeder 
dieser Staaten würde sich in einen Krieg zu solchem 
Zwecke nur so weit einlaffen, als es jewei 
lig in seine eigene Rechnung paßte. Frankreich 
würde jederzeit bereit sein seine Protection Dä» 
nemarks für eine Stadt am Rheine zu verkau 
fen. Und England! welcher englische Mini 
ster dürfte wagen das englische Volk zum Kriege 
aufzufordern, um Holstein an Dänemark zu verge- 
ben ? Was kümmert sich das englische Volk darum 
daß Holstein danisirt werde? Deßhalb betrachten wir 
den vorige Woche in London abgeschlossenen Vertrag 
als eine baarc Null. Möglich daß er für den Au 
genblick den König von Dänemark in den vollen 
Besitz der Herzogthümer bringt, wiewohl auch dies 
uichr so klar ist. Aber ob er sie definitiv und blei 
bend für sich bewahren kann, das wird dabvu ab 
hangen wie er fle regiert und die Zuneiguuşihrer 
Bevölkerung gewinnt. Als Despot mit dem Schwerte 
regierend, und in seiner Politik von den Befehlen 
Rußlands geleitet, wäre die Herrschaft des Dänen- 
königs über die deutschen Herzogthümer ohne Dauer 
und ohne Werth. Aber obschon die Secinächte ein 
gemeinsames Interesse hatten die Deutschen vom Meere 
zu verdrängen, sie zu hindern daß sie auch nur einen 
Zinken von Neptun's Dreizack fassen, so hat auch 
jede derselben wieder ihre besonderen Zwecke. Ruß 
land will das dänische Reich in seiner Jntcgritätķ» 
nebst dem Wächteramte über den Sund für denHcr-Ş^ 
zog von Oldenburg, den Vetter des Kaisers, mit an 
deren Worten: für sich selbst, erhalten. England, 
dessen Interessen durch die Ausdehnung des allzu 
prohibitiven Zollvereins gehemmt und bedroht sind 
sah mit Mißvergnügen wie dieser Zollverein gegen 
Holstein, Hamburg und Mecklenburg vorwärts drang 
so sichert cs sich durch diesen Vertrag sich mindestens 
Holstein. Frankreich fürchtet nicht bloß die mari 
time Entwicklung Deutjchlands, sondern auch seine 
Territorial-Einheit, und wünscht Deutschland gelähmt 
durch Wiedereinsperrung in den engen und armseli 
gen seiner alten Bundestags-Verfassung, welchem 
französisch-russischen Wunsche leider der deutsche Par 
ti cularismus selbst am sördersamsten in die Hände 
arbeitet. Ob nun diese kleinlichen Gründe stark und 
plausibel genug sein werden um die Unzulänglichkeit 
des vorgeschobenen Haupt-Beweggrundes zu ergän 
zen, das möge Jeder für sich beurtheilen. Was wir 
bezeichnend hervorheben, das ist die Ungerechtigkeit 
des Vertrages. Er verstößt nicht bloß gegen das 
curopäijche Staatsrecht und die wohlverbrieften Rechte 
der Herzogthümer, sondern auch gegen die Wiener 
Verträge. Die Unterjochung der Herzogthümer mit 
dem Schwerte, ohne ein einziges redliches und auf 
richtiges Anerbieten zur Befriedigung ihrer gemäßig 
ten Ansprüche, muß die Folge haben Schleswig-Hol 
stein in einen Hecrd der Unzufriedenheit und der 
Rebellion zu verwandeln, welche nur durch die blei 
bende Anwesenheit eines großen Heeres darnieder 
gehalten werden könnte. Ein solches System würde 
Dänemark, für dessen „Integrität" man eintritt, 
gänzlich zu Grunde richten. Dies aber ist die un- 
vermeidliche Zukunft der seine Verbündeten cs jetzt 
entgegenführen." 
Ş ch w e d c it. 
Maimve. Nach Mittheilungen in dänischen 
Blättern, waren bis zum 24sten Mittags, hier an
	        
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