Befreiungen werden hinsichtlich Aller, die im Jahr
1826 oder später geboren sind, aufgehoben. Bonder
Erfüllung der Wehrpflicht sind nur die ordinirten
Geistlichen und die fest angestellten Schullehrer frei.
Mit der Confirmation sollen die Wehrpflichtigen in
die Lageregister eingetragen werde». Die gegenwär
tig noch nicht eingetragenen bis zum Alter von 25
Jahren sollen innerhalb 14 Tagen sich anmelden.
Die bisher Militairfreien aus den Altersklassen 1826,
27 und 28 stehen zur Ausschreibung. Mit dem22sten
Lebensjahre beginnt die Verpflichtung zum Landmi-
litairdienste. — „Bert. Tid." theilt mit, daß unterm
25sten „ein sehr wichtiges Gesetz" über die Aufhebung
der Zollunterschiede zwischen Dänemark und Schles-
wig den 1. Septeulber in Kraft treten soll. — Das
selbe Blatt bemerkt bei Anführung des Streites in
schleswigschen Blättern über das angeordnete Schiffs-
markzeichen („Dansk Eiendom"), daß, wie sie früher
vorgebracht habe, als die Ständeversammlung diesen
Gegenstand discutirt, die schleswigschen Schiffsrheder
auf jenes „Ehrenzeichen", unter dem die Schifffahrt
geblüht und ihren Ruhm erworben, halten sollten,
und meint daher, daß das Zeichen unverändert ein
gebrannt werden müsse. — Mit Bezug auf die Mit-
theilung aus „Cold. Av." von den dort angekomme
nen Ueberläusern warnt das gedachte Blatt, densel
ben zu großes Zutrauen zu schenken. - Nach „Cold.
Av." i)i am 26sten in Colding einer der freigegebenen
Aerzte, dem Vernehmen nach Beecken, unter Escorte
angekommen und am folgenden Tage weitergeführt
Hoyer, den 23. August. Nach „Dannev." hat
der dänische Seelieutenant Hammer mit allen seinen
Matrosen am 21. d. den Flecken verlassen, und zwar
zu Lande nach Husum. Man erzählte dort, daß die
Anzahl der schleswig-holsteinischen Kanonenböte auf
5 gestiegen sei, die noch unverändert ihre frühere
Stellung einnähmen. Als aufgebraucht werden zwei
Schiffe von Hoyer und Rosenkranz genannt.
Bon Wittensee, den 1. Sept. Die südliche
Gegend, welche wir nach der Jdstedter Schlacht noch
sin Schleswig behauptet haben, ist jetzt so befestigt
daß sie mit wenigen Truppen gehalten werden sann!
Der eigentliche Zweck der Befestigung ist wohl der,
Rendsburg eine um so größere Haltbarkeit zu geben.
Dieses ist dadurch nach Norden zu auf anderthalb
Meilen Weite durch einen dreifachen Gürtel von
Schanzen umgeben. Mit welcher Geschwindigkeit diese
ausgeführt sind, kann man daraus schließen, daß die
Arbeiten erst nach den Saateneinfuhren begangen. —
Der Geist und Muth der Soldaten wird neu belebt
durch den Eintritt der Freiwilligen. Man hat sich
Heer jedoch von der Aufforderung unseres General-
commando's mehr versprochen. Gediente Soldaten
könne» wir besonders noch gebrauchen. Offnere,
obgleich sie im Verhältniß in größerer Anzahl gekom
men sind, finden auch noch eine ihrer alten Stellung
angemessene Charge. — Eine Schlacht, die uns we
nigstens wieder in den Besitz unserer alten Positionen
setzen muß, wird auf alle Fälle in nicht ferner Zeit
geliefert werden. Der Angriff wird diesmal von
unserer Seite aus gehen, die Leute erwarten ihn mit
größter Ungeduld, um ihre Eltern und Verwandten
von der dänischen Knechtschaft zu befreien. — Kleine
Vorpostengesechte fallen täglich vor. Unsere Patrouillen
gehen bis Damendorf, Kropp und Brekendors, wo sie
häufig mit dänischen zusammen treffen. (W. Z.)
Aus dem nördlichen Holstern. den "31.
August. Der Aufruf der Statthalterschaft an alle
waffenfähige Mannschaft des Landes in die Armee
einzutreten, wird seine Wirkung nicht verfehlen.
Gegen 20 junge Männer aus denffRegierungsbnreaux
haben sich bereits zum Eintritt gemeldet. Aus allen
Classen der Gesellschaft werden neue kräftige Kämp
fer zu den Waffen greifen, um dem Vaterlande die
Freiheit zu erringen. „Für Schleswig!" heiße fortan
das Losungswort; für Schleswig noch unverloren,
erhebt sich aufs Neue Holsteins thatenmüthige Ju
gend, umgürten sich Holsteins Männer mit dem gu
ten Schwelt, im Bunde mit den freiwilligen Kämp
fern, welche uns das große Vaterland zusendet. Und
mit Gott wird's gelingen; es wird gehen, es muß
gehen, ob auch alle Mächte sich gegen uns verschwo
ren hätten. Eine Macht, die aller Feinde Gewalt,
Trug und Arglist zu Schanden machen kann, ist,
wir vertrauen deß, mit uns im Bunde, und so
hoffen wir getrosten Muthes! der Sieg wird uns
verbleiben. Dies Vertrauen, der Glaube an die Hol-
stentreue und Deutschlands Theilnahme ist es, was
unsere Brüder in dem niedergetretenen, schwergeprüf
ten Schleswig noch aufrecht hält. Wohl tönen viele
Schmerzenslaute von dort herüber; aber jeder Brief,
der nach Holstein gelangt, jeder Flüchtling oder Ver
wiesene, der hier ankommt, legt ein redendes Zeug
niß ab von dem unerschütterlichen Vertrauen, mit
dem die treuen Bewohner des deutschen Bruderlan-
des der endlichen Erlösung entgegen sehen. Und
vielleicht ist die Stunde der Freiheit näher, als man
sie zu hoffen wagt. — Gestern wurden in Kiel drei
dänische Spione eingebracht (dem Vernehmen nach
darunter ein Gerichtsbote des Amtes Hütten und
ein Grünhändler aus Schleswig).
Die „Nord. Fr. Pr." enthält folgende Entgeg
nung ^
Die „Berlingsche Zeitung" enthält in der Nr. 198
vom 25. August c. einen Artikel, welcher das angeb
liche Gerücht mittheilt, als hätte ich den dänischen
Oberstlieutenant v. Bülow, nachdem er in der Schlacht
von Jdstedt verwundet in Gefangenschaft gerathen,
gröblich insultirt.
Mich selbst gegen eine Beschuldigung so nichts
würdiger Art zu vertheidigen, halte ich tief unter
meiner Würde; aber ich erwarte es von der Ehren
haftigkeit aller der Braven, welche das Schicksal an
jenem Tage in meine Hände führte, daß sie öffentlich
Zeugnlß ablegen werden von der Behandlung, welche
sie persönlich von nur erfahren haben.
. Eine weitere Entgegnung verschmähe ich im Ge
fühl der Verachtung gegen den nichtswürdigen Ver-
eumder. Me „Berlingsche Zeitung", welche den
fraglichen Artikel gebracht, wolle gefälligst äuch diese
Entgegnung aufnehmen.
Rendsburg, den 31. August 1850.
Freiherr v. d. H o r st,
General-Major in der schleswig-holsteinischen Armee.
Von See Avantgarde, den 30sten August.
Unsere Avantgarde macht den Dänen schlaflose Nächte,
und der Commandeur derselben, der Oberst v Ger
hardt, scheint ein inniges Vergnügen am Hetzen und
Jagen der dänischen Vorposten zu haben. Die Sol
daten der Avantgarde unterstützen ihren tapfern
Führer durch unverdrossene Nacht-Märsche in seinem
Vorhaben und es ist em wahrer Wettkampf unter
den einzelnen Abtheilungen, welche von ihnen dem
ohlen Obersten" den ersten Dänen überbringen werde.
Der Oberst versteht aber auch die Herzen seiner Sol
daten zu gewinnen, denil cr ist nicht nur der Erste
auf dem Platze, wo es gilt, sondern er weiß auch
oas Vertrauen und das Ehrgefühl der Leute rege
zu machen Zum Belege übersende ich Ihnen nach
stehende „Ansprache an die Soldaten meiner Avant
garde":
Rendsburg, den 30sten Aug. Die „H. N." '
lassen -ich von hier aus folgendes berichten: Bei
Beerdigung des dänischen Lieutenants Ouist kam
folgender interessanter Zwischenfall vor. den die Zei
tungen bislang nicht gemeldet haben. Es wurden
nämlich durch die betreffende Behörde den dä
nischen Ofsicieren ihre Degen angeboten, falls sie
ihren Cameraden die letzte Ehre erzeigen wollten
Sw lehnten es sämmtlich ab, der Capitän Baggesen
mit der Aeußerung: er sei froh, bei dem Jdstedter
Gefecht und der Rendsburger Explosion mit dem Le
ben davon gekommen zu sein, er habe Frau und
Kind, und wolle sich nicht noch nachträglich die Cbo-
lera holen.
Bei dieser Gelegenheit erwähne ich auch das Be
nehmen des Capt. Baggesen in der Jdstedter Schlacht
Die Batterie Baggesen wurde bekanntlich vom 9ten
Bataillon genommen, und Baggesen zum General
v. d. Horst geführt. Er bot diesem sehr devot
die Hand und ,a-gte äußerst höflich: „Es ist eine
große Ehre für mich, von einem so tapferen Feinde
gefangen genommen zu werden. Bei dem Gränaner
Holze angekommen, ließ er den General ersuchen,
nicht auf die dort aufgestellten Dänen zu schießen,
ste würden sich ohne Weiteres ergeben (was auch zu
erst mit 30, später mit 50 Mann geschah).
„Es ist mir der ausgezeichnet ehrenvolle Auftrag
geworden eure von Natur und noch mehr durch Eure
Muhe und Kraft ehr starke Position nicht allein sehr
hartnäckig zu vertheidigen, sondern auch bis aus das
Aeyßerste zu halten. Die Zahl unserer Streitkräfte
belauf, sich fetz, aus mehr den ..... Mann; damit
können, wollen und müssen wir die ganze dänische
Armee nicht allem aufhalten, sondern selbige so schlagen,
daß sie das Wiederkommen vergißt. Um jedoch die-
ien glanzenden Auftrag auszuführen, bedarf ich
vorzugsweise Eurer angespanntesten Kraft und Eures
ausdauerndsten Muthes; beides werdet Ihr ruhm
voll bewayren und so dem Vaterlaude und dem com-
mandlrenden General zeigen, daß wir werth sind,
auf diesem Posten zu stehen.
Es lebe Schleswig-Holstein!
Euer Euch treu ergebener Kriegskamerad und
Brigade-Commandeur.
(gez.) v. Gerhardt.
Die Avantgarde hat sich mit Eifer bemüht, den
Erwartungen ihres Obersten zu entsprechen, und wenn
sie auch bisher noch nicht das Glück gehabt, in ihrer
jetzigen Stellung den rühmlichsten Theil ihrer Auf
gabe erfüllen zu können, so hat sie es doch nicht
daran fehlen lassen, die dänischen Vorposten jenseits
unserer Stellung wiederholt zu belästigen und munter
auf den Beinen zu erhalten. Das Dorf Brecken-
dort spielt bei diesen Rencontres eine bedeutende
oìOUe und die dortigen Bewohner tonnten von der
Behendigkeit der Dänen im Geschwindemarsch etwas
erzählen. — Vor 8 Tagen jagte u. A. eine Abthei-
ung des 2ten Bataillons des Morgens früh eine
40 Mann starte dänische Infanterie-Patrouille, nach
dem sie den Danen 3 Mann getödtet und 1 ver-
Ņ^et hatte, im Trabe zum Dorfe hinaus. — Am
28sien Morgens war unter Major Aldosser eine Ab-
therlung des 2ten Äatalüvns und des 3ten ^äuer-
corps nebst einer Escadron des 2ten Regimentes "auf
zwei verschiedenen Wegen nach Breckendorf gegangen,
um „Hannemann" (wie unsere Leute die Dänen nen-
—, den 31 sten August. Die Dänen halten ihren
Fanatismus auch in den kleinsten Förmlichkeiten auf
recht. Zur Schließung der Briefe, welche die Ge
fangenen absenden, ist ein Siege! gestochen, welches
die Inschrift führt: „Depot for Jnsurgent-Fanqer"
(Depot für die Jnsurgenten-Gefangenen); es komme»
dergleichen jetzt fast täglich an. — Was würden die
Dänen sagen, siegelten wir die Briefe unserer Gefan
genen mit „Depot für die gefangenen dänischen Re
bellen" — und warum wenden" wir diese unschul
dige Repressalie nicht an? '
— Sämmtliche dänische Blätter erklären die in
inländischen und Hamburger Blättern enthaltene Nach
richt von dem Tode des fanzösischen Obersten du Pin
und des Generals de Maza für unwahr.
Amtliches.
Patent,
betreffend die Einberufung der schleswig-holsteinischen
Landesversammlung.
Nachdem die Wahlen zur schleswig-holsteinischen
Landesversammlung, soweit sie nicht durch die im
Herzogthum Schleswig obwaltenden Verhältnisse ver
hindert worden, vollzogen sind, verfügt die Statt
halterschaft in Kraft des Artikels 85 des Staats
grundgesetzes vom 15. September 1848, wie folgt
Die schleswig-holsteinische Landesversammlung
wird auf den 9ten September d. I. nach der
Stadt Kiel berufen.
Die Mitglieder der Versammlung haben an
dem gedachten Tage, Vormittags 12 Uhr, ihre
Ankunft im Departement des Innern anzuzeigen.
Kiel, den 3 t. August 185p.
Die Statthalterschaft der Herzogtümer Schleswig-
Holstein.
R e v e n t l o u. B e s e l e r.
Boy sen. S. A. Jacobsen.
ņ"') gutm Morgen zu sagen. Wir trafen im Dorfe j
40 dänische Infanteristen und 1 Zug Dragoner. Bei '
DP.n PYitPU ìì IļlYôşn Pu i ff av» SJa ... 2
Kugeln kniffen die Dänen aus mit einer
Geschwindigkeit, wie Falstaff sie kaum entwickelt
haben durste, als die entsetzlichen Kerle in Steiflei-
î!!LT,» U £ eïfteIen - Die Jäger und Infanteristen
liefen den Danen nach, was sie laufen konnten; aber
war chr Streben, Hannemann war — zu
mußten uns begnügen, ihnen mit Trom-
S $ a U- W ş°ļgen, und ein lautes Gelächter erscholl,
als die Danen mit Sturmes-Eile hinter dem Hori-
zonte verschwanden. Wir folgten ihnen bis zum
IÎ2i Uäe, M°i Wo uns wir deutlich unser armes
Schleswig erblickten. Der Dom schien uns zuzuru-
fen. Deutschen, befreit mich vom Dänenjoch!"
Wir werden ihn befreien! - Am Tage nach die
ser Affaire, deren Resultat darin vestand, daß
wir einen verwundeten Dänen mitbrachten, der
uns wunderbare Dinge erzählte, machte eine Abthei-
àg des 2ten Jagercorps eine Patrouille, um eine
dänische Eavallene-Feldwache zu besuchen. Die Ja
ge^ trafen die Feldwache, die sie im Rücken umqan-
geu hatten, zu Pferde sitzend — also sie wagen nicht
abzusteigen! und gaben auf 8 Schritte Feuer. Die
Danen jagten plain chasse davon über eine Barri-
kude chlnweg und ließen einen Verwundeten, ein tod-
tes Pferd, 2 Helme, l Carabiner und 2 Pistolen im
Stlch. ■ (H. R.)
Aufruf
an alle waffenfähige Mannschaft des
Äandes.
Das Vaterland bedarf zu seiner Vertheidigung
aller ihm zu Gebote stehenden Kräfte. Es ergeht
demnach hiermit, im Aufträge der Statthalterschaft,
die Aufforderung au alle waffenfähige Männer und
Jünglinge des Landes, die bisher nicht der Armee
angehören, sich ungesäumt in Rendsburg in dem zu
ihrer Annahme errichteten „Enrollirungsbureau für
freiwillige Landessöhne" zu melden. Es wird bei
deren Annahme nicht auf das Alter Rücksicht genom
men werden, sondern wird nur ihr Gesundheitszu
stand und ihre körperliche Tüchtigkeit allein über die
selbe entscheiden.
Rendsburg, den 25. August 1850.
Das Departement des Krieges.
K r o h n.
, Jensen.
Beta n n t m a ch u n g.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß ge
bracht, daß die schleswig-holsteinische Artillerie in
ihren Etats an Ofsicieren, Unterofficieren und Sol
daten vollständig ergänzt ist. eines Zuwachses au
Freiwilligen aus andern deutschen Staaten nicht be
darf, und daher Anmeldungen zum Eintritt in die
Artillerie keine Berücksichtigung mehr finden können.
Rendsburg, den 30. August 1850.
Das Departement des Krieges.
K r o h n.
Jensen.