gend eine weitere Mitwirkung zusagen, nachdem der-
stlbe zur Bundestagssache gemacht, in der berliner
Note vom 25sten aber aufs Entschiedenste erklärt
worden ist, daß Preußen nimmermehr am restaurir-
ten Bundestage Theil nehmen werde.
(Const. Ztg.)
München, den 30. August. Von hier aus
find 17 Studenten abgereist, um in das für Schles
wig-Holstein auszurüstende Klaprothsche Freiwilligen-
bataillon einzutreten; unterwegs werden sich ihnen
noch .Erlanger und Würzburger Studenten 'an-
fchließcn.
Bremen, den 3. Seht. Das Committee für
Schleswig-Holstein veröffentlicht seine 11. Anzeige.
Die Beiträge belaufen sich jetzt auf 10,127 Thlr.
45 Gr. — Mit Freuden berichten wir, daß jetzt
wöchentliche Sammlungen, die sich über alle Be
zirke der Stabt erstrecken, begonnen haben.
(W. Z.)
©ctfM, Ende August. Ihr Blatt erwähnte
unlängst zweier curhessischer Osficiere, die in das
schleswig-holsteinische Heer eingetreten seien. Es sind
aber im Ganzen fünf unserer Officiere nach Schles
wig abgegangen, welche zum Theil scheu; den vor
jährigen Feldzug mitgemacht haben; zwei Brüder
von Bijchoffshausen, beide verheiratbet (der ältere
vermählt mit einer Gräfin v. Baudissin aus Schles
wig), ferner Jungk, Hartert und Robert. Auch zwei
unserer Aerzte sind nach Schleswig gegangen, um
ihre Dienste den kämpfenden Brüdern "in der Nord
mark zu widmen. Ohne Zweifel würden noch viele
unserer Officiere mit Freuden nach Schleswig ziehen,
wenn es sich blos um eine Beurlaubung handelte,
nicht um den definitiven Austritt aus curhessischen
Staatsdienst. ($>, ßj
— Die Discussion des Entschädigungsanspruchs
der Herzogthümer für die Truppenverpflegung auf
dem Casseler Landtag hat einen neuen Einwand her
vorgerufen, der bisher noch von keiner Regierung
benutzt war, der aber gewiß der schlagendste von allen
ist. Als nämlich die Mitglieder der Versammiuim
sämmtlich ihre Sympathieen aussprachen und zum
Theil sofortige Zahlung wünschten, erwiderte der
Landtagscommissär: er glaube versichern zu können
daß die Regierung die Verpflichtung zur Entrichtung
der Verpflegungsgcller als eine Schuld an die Statt
halterschaft der Herzogthümer anerkenne; doch genüge
zu deren Entrichtung der gute Wille nicht; man
mutze auch die Mittel dazu haben, und wenn gesagt
jei, daß die Schuld entrichtet werden müsse, auch
wenn der letzte Heller darauf ginge, so habe er da
rauf zu erwidern, daß der letzte Heller schon so zieni-
üch ausgegeben sein werde.
ŞGlesw eg - Hoļstek».
Aus deitt füowestl Schleswig, vom i.
September. Die Wirthschaft der Dänen wird von
Tag zu Tage immer empörender; so sind aus der
Stadt Husum allein in diesen Tagen die sämmtlichen
Frauen der geflüchteten Beamten über Flensburg
nach Kopenhagen deportirt, im Ganzen 61, schreibe
ein und sechszig Frauen und Kinder, namentlich "die
Amtmännin v. Kaup mit 3 Kindern, die Bürger
meisterin Thomsen, die Amtsverwalterin Setzer mit
7 Kindern, die Probstin Harries mit 8, die Rectorin
Schütt mit 5, Lehrer Ketelsen's Frau mit 3 u. s. w.
Dies Alles geschieht unter dem obwaltenden Regi
ment des Hrn. Davids! Ein Stein möchte sich über
diese Wirthschaft erbarmen, indeß haben die Fürsten
Deutschlands eben so wenig ein Lerz für das Her-
zogthnm Schleswig als die Dänen und so müssen
wir leiden und dulden! Die innere Erbitterung der
Bevölkerung steigt dabei mit jedem Tage und scheint
es fast, die Dänen haben selbst die Ueberzeugung,
als wäre der Bejitz Schleswigs nur von kurzer Dauer,
sonst würden sie doch einigermaßen das Gefühl des
Volkes schonen. Den Schmerz der weggeschleppten
Frauen und Kinder in ihrer gänzlichen Hülsslosigkeit
zu schildern, habe ich nicht nöthig, denn jedes füh
lende Herz wird sich in die Lage der hülflosen Un
glücklichen sitzen können, die von Haus und Hof qe-
riflen durch eine feindliche Bevölkerung über Land
und Meer geschleppt werden. Kaum wage ich zu
hoffen, daß der vornehme und geringe Kopenhagener
Pöbel gegen sie einigermaßen den Anstand beobachten
wird. — Die Requisitionen in der Landschaft Eider-
Itedt gehen ihren Gang; so sind neuerdings requirirt:
210 Ochsin (früher schon 340), 60,000 Pfd. Speck
102,000 Pfd. Langstroh, 320,000 Psv. Fntterstroh,
340,000 Pfd. Lagerstroh, 150 Faden Holz rc. Erb
sen, Reis, Branntwein u. s. w. Unmöglich kann die
Landschaft auf die Länge diesen Zustand aushalten,
zumal da die Ernte vor der Thür, die Witterung
ungünstig, arbeitende Hände fehlen und die Dänen
täglich 000 Wagen in Gebrauch haben sollen. Selbst
verständlich können die Dänen die requirirten Gegen
stände nicht selbst verbrauchen und verzehren, und
scheint es allerdings wahrscheinlich, daß sie damit
die russische Flotte verproviantiren; f 0 ,- o!t sg ber
Speck in Schleswig unter freiem Himmel aufgesta
pelt sein; dem Verderb ausgesetzt, wird er an russi
sche Schiffe geliefert und mag für die Russen gut
genug sein. — Als Curiosum muß ich noch' bemer
ken, daß die Dänen nicht allein auf Frauen und
Kinder, Speck und Fleisch Jagd machen, sondern so
gar^ die Pseifenköpfe, welche mit irgend einem be
denklichen Embleme versehen sind, in den Kauf
mannsläden verfolgen und sie zertrümmern; ein Ver-
gnugen, an dem Theil zu nehmen selbst die Herren
Oj stetere sich nicht scheuen.
-i-äe Jnjeln Pellworm und Nordstrand sind auch
von den Dänen besetzt.
Gvttorff, im August. An Pflege fehlt es
unsern braven kranken und verwundeten Soldaten
m keiner Beziehung. Eine wahre Schaar von Da
men kommen jeden Morgen ans das Schloß; viele
bleiben selbst des Nachts und wachen mit wirklich
aufopfernder Sorgfalt über sie. Nie habe ich das
Weib mehr bewunden, und achten gelernt, als hier
u> Schleswig. Solche Selbstverläugnnng ist er
staunlich. und man wird sie kaum irgendwo in un-
sern Tagen wiederfinden. Es genügt ihnen nickt,
des Morgens die Betten der Leidenden mit Blu
mensträußen zu schmücken, des Tages von Lager zu
Lager mit angenehmen Erfrischungen herumzuqe-
yen, die leichter Verwundeten mit erheiternder Lec
ture zu versorgen: - es giebt kein Geschäft, und
sei ^eS noch so ungewohnt und unangenehm, dem
ste sich nicht freiwillig und mit Freuden unterziehen.
Der oft scheußliche Geruch eiternder Wunden scheint
für sie nicht zu existiren; ununterbrochen sitzen sie
da, wehren die lästigen Fliegen ab, sind beim Ver
binden, Umkleiden, Bettmachen behülsiich, erhaben
über jene Prüderei, die man häufig bei so jun
gen Damen der hoben Stände zu finden gewohnt
ist. Wie gesagt, es giebt kein Geschäft, das sie nicht
freudig am Krankenbette ausüben, und nirgends wird
der geringste Unterschied zwischen Dänen und Deut
schen gemacht. — Andere Damen sitzen unten in dm
Leinenstuben und nähen Betttücher, Wäsche Ver
bandstücke. — In den letzten Tagen hat sich leider
die Zahl dieser barmherzigen Schwestern etwas ver
mindert. Vielen ist von dem brutalen Feinde der
Zugang anss Schloß verboten, vielleicht da man die
Dänen zu gleicher Zeit unserer Behandlung entzog,
denn nr Flensburg ist solche weibliche Pflege durch
aus nur bei Letzteren gestattet und darf dort keine
Dame an das Lager eines „Insurgenten" treten.
Andere sind nach Kopenhagen transportirt.
Ueberall bieten die Brutalitäten des Feindes einen
Ichneidenden Contrast gegen die Humanität der Schles-
wiger, und selten sind die Rohheiten in den Zeitun
gen übertrieben. .Von dem, was in der Stadt vor
geht, wissen wir nur vom Hörensagen, doch bieten
sich uns unter den Fenstern des Schlosses nicht sel
ten die empörendsten Scenen dar. So ist es nichts
Seltenes, wie die Dänen, mit ihren Wagen über
den Damm zu den Magazinen, die hier ansGottorff
sind, fahrend, sich das Vergnügen machen, jeden vor-
<§à-k>Hì*}w mH vor Peitsche ins Ģeşicht
zu schlagen, oder die requirirten Bauern mit der
Klinge von hinten zur Eile anzuspornen. Wahrhaft
verrucht war das Betragen dieser Kosaken kürzlich
bei einem Transport unserer Verwundeten; unter den
Augen der Officiere bürsten sie ungeahndet wehr
losen kranken Gefangenen höhnisch ins Gesicht spu
cken und dieselben mit einer Flnth niedriger Schimpfe
reien überschütten. Und sogar der große Benz, der
stets mit seinen humanen Principien gegen uns re-
nomirende Generalstabsarzt der Dänen, hatte die Frech
heit, unsern Fähnrich Wrage, der an ihm vorüber
geführt wird, um aus einen der Wagen geladen zu
werden, und nicht vor dieser hohen Persönlichkeit die
Mütze zieht, an die Ohren zu schlagen. Kann man
da noch irgend eine Rohheit - für unglaublich hal
ten?! — Die Kirchhofsschändung, Zerstörung der
Jnsurgentengräber ist nachgerade etwas Gewöhnliches
geworden; bejondcrs hat man seine Wuth an den
Denkmälern St. Paul's und Preuffers ausgelassen —
Viel Mitleid erregen die schaareuweise eingebrachten
Bauern von Kropp und andern benachbarten Dör
fern. Da soll bei einer Recognoscirnng so ein armer
Teufel auf den Feind geschosien haben, wofür sämmt
liche männliche Bewohner verhaftet und hier nach
Gottorff gebracht sind. Seit 8 Tagen sitzen sie in
den dumpfen Schloßkellern bei Wasser und Brot
und sollen so lange sitzen, bis sie den Thäter ange
ben. Ich sehe oft Einzelne biejer Unglücklichen (Greise
mit weißem Haar sind darunter) über den Schloß
hof führen, und mit Kolbenstoßen tractirt werden
wenn sie sich etwas zu lange nach Ansicht der Wache
bei der Verrichtung ihrer Bedürfnisse aufhalten.
Erdfahl, gleich Schatten der Unterwelt, sieht man
sie aus den Kellerlöchern nach einem frischen Luftzug
schnappen, — aber ihre Lippen sind dem verhaßten
Feinde gegenüber versiegelt. Schon d'wht man ihnen
mit Standgericht und Decimirung. Allein sie schwei
gen. Und über solche Männer glaubt der Däne
herrtzchen zu können?! Armes Dänemark!
(Fŗ Pr)
'Aus dem südwestlichen Schleswig,
den 3. Seht. Zur Charakteristik der Dänenwirth
Ichast in hiesiger Gegend noch Folgendes: Die Wa
genrequisitionen in der Landschaft Eiderstedt über,
steigen nachgerade das Mögliche; es sollen in einigen
Tagen die Dänen nicht weniger als looo in Ge
brauch haben. Aus Garding und Tönning haben
sie alles Bauholz weggeschleppt. Belm Wägen der
Ochsen weiiden sie eine ganz neue Methode an in
dem sie für jedes Stück 100 Pst. Knochengewicht
abrechnen. — In der Stadl Husum ist das Stand
recht pnblicirt für alle, die Waffen verbergen (selbst
die unbrauchbarsten Gewehre schleppen sie fort)' mit
dem Feinde verkehren, oder sich sonst auslasten. I!n-
ri Davids steht eine der Schraderfchen ähn
liche Bande, und überwacht jeden ehrlichen Men
schen, so daß kaum zwei Bürger mit einander öffent
lich zu sprechen sich getrauen. Täglich werden selbst
anerkannt ruhige Bürger verhaftet und fortgeführt,
und ans daß Niederträchtigste behandelt; einzeln wird
mir ein Strohlager ln ungesunden Löchern bewilligt.
Die Frauen und Kinder der flüchtigen Beamten
haben erst auf gemeinen Arbeitswagen weggeführt
werden sollen, doch ist es ihnen gestattet, sich beque
merer Wagen zu bedienen, welche von Bürgern zu
diesem Zweck angeboten. Man spricht sogar von Con
fiscationen und Verkauf der nachgelassenen Mobilien
und Effecten der geflüchteten Beamten. — Junge
Leute werden, wo man sie trifft, zum Militär gc-
chleppt, aus Husum sind schon drei Wagen mit die
sen fortgeführt. Allgemeine strenge Militärsessionen
stehen m Aussicht. — Hoffentlich wird der Schlach-
lengott unseren Zuständen bald Wandel schaffen, sonst
ist das Herzogthum gründlich ruinirt.
Das „K. C.-B." theilt noch Folgendes über ìie
Ausweisung des 56 Husumer Frauen, Mädchen und
Kinder durch Hrn. v. Ahlefeld-Laurvig mit. Am
vorigen Montage, den 26. August d. I. wurden 56
Oschs und fünfzig) Husumer Frauen, Mädchen und
Kinder aus Husum nach Kopenhagen geschleppt aus
Ordre des Hrn. v. Ahleseldt-Lanrvig, Höchircomman-
direnden. in Husum. Die alle Humanität verspottende
und, verhöhnende Ordre dieses Höchstcommandirenden
in Husum an eine der Damen lautet mit der ge
schehenen Insinuation wörtlich so: „Die Sehnsucht
der Frau und Kinder nach dem fernen Gatten und
Vater völlig einsehend, hoffe ich den Kummer erleich
tern zu können durch die Ordre: Die NN. mit Kin
dern und Schwester .... haben die Stadt morgen
früh um 6 Uhr zu verlassen. Die Garderobe der
Damen .... Kinder nebst .... Dienstmädchen
können mitgenommen werden. Drei Wagen werden
zur Disposition gestellt. Husum, den 25. August.
Ahleseld-Laurvig, Höchstcommandirender. Das Ori
ginal wurde mir zur Namensunterschrift vorgelegt
und wurde ich von dem Ueberbringer ersucht, diese
Copie davon zu nehmen. R. N." Eine ähnliche
Ordre ist allen zehn vertriebenen Hausfrauen zuge
stellt. Die Damen wurden über Flensburg anfeinem
kleinen Dampfschiffe nach Kopeilhagen gebracht, wo
man ihnen nicht mit Spott und Hobn begegnete
wo man auch ihre Ankunft nicht schleif erwartet zu
haben. Keine Behörde schien sich um die Exilirten zu
bekümmern, man ließ sie frei Herumgehens um die
Ştadt und deren Schenswürdiqkeite'n zu schauen
Am Freitage am 30. August d. I., faßten zwei der
Damen den Muth, sich mündlich an des Kriegsmi-
Nljters Excellenz zu wenden, der sie höchst freundlich
empfing. Nach Vorzeigung der Ordre des Herrn
v. Ahlefeld-Laurvig äußerte der Kriegsminister, dag
die Damen also wohl gewünscht hätten, weggeführt
zu werden, worauf sie erwiderten, daß dies keines
wegs der Fall sei, sonst würden sie nnt ihren Män
nern weggegangen sein, die Ordre würde also anders
zu deuten und zu verstehen sein. Der Kriegsminister
räumte dies ein, fand die Sache unbegreiflich, erbot
stch, dm Wünsche der Damen zu befriedigen und
fragte: ob sie noch einige Tage in Kopenhagen ver
weilen wollten, bis Nachricht eingezogen sein würde,
worauf sie dann wieder nach Husum würden gehen
können ober ob sie gleich nach Holstein wollten? Die
beiden abgesandten Damen zogen das Letztere vor,
und die andern theilten diesen Wunsch, woraus sie
am 31. August über Lübeck nach Holstein reisten
Der Wuiffch einer der Damen, zu ihren Angehörigen
nach Flensburg reisen zii dürfen, ward vom Kriegs
minister nicht bewilligt, einstweilen könne er nur die
Rei,e nach Haderslebcn gestatten u. s.w. So ginaen
denn alle zu Schiffe nach Lübeck.
Von der schleswrgfchen Westküste, vom
2. Sept. Dre nordsnestschen Inseln Pelworm und
Nordstrand sind in diesen Tagen von den Dänen
gleichfalls besetzt worden, nachdem diese vom Festland
aus gelandet waren. Unsere Kanonenböte haben diese
Landung nicht verhüten können, da sie genug zu
wachen haben bei Föhr und Amrum, welche noch
beide in deutschen Händen sind. Schade, daß der
Dampfer Kiel nicht in der Hewer war, der sonst die
Landung hätte unmöglich machen können. Die dä
nische Flagge weht auf Pelworm und auf Nordstrand,
auf Sylt und auf allen Küsten des nordsnestschen
Festlandes. _ Nur die bisher zum Königreich Däne
marks gehörigen Strecken sind in unsrer Gewalt, und
sind jetzt, wenigstens Amrum, deutscher gesinnt als
die andern friesischen Inseln. Der Birkvvgt Nielsen
aus seiner letzten Flucht kam nach Amrum in den
Abendstunden, erschrocken wie eine aufgejagte wilde
Gans, die ,o ruhig in ihrem Nest brütete, und meinte
dort Schutz zu finden, statt de,sen aber stürzten die
Seeleute zusammen, und schwuren ihm den Tod,
wenn er nicht sofort ihre Insel verließe, und so mußte
ihn bei Nacht und Nebel — es war um Mitternacht
— ein Zollkreuzer an Bord nehmen, mW sein Leben
retten. Sein Hauptrathgeber, ein vermögender Mann
ans Westerlandfohr, sitz, ungeschoren. — Der
preußiiche Consul Mommsen ist wieder'in Wick an-