Jahrgang,
43».
er
Rendsburger
Mittwoch, den 11. September
^ Do>> diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Paffende Beitraac können entmeNee „wr c . 7 7 ~~
^. Wochenblatts rn Rendsburg," cntgcgcngenome» werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis WnstagS t 2 « äU ffi, Vm“ Ï
tß i,t Interessenten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn cd von der Dpcd on abac olt'wird ì?bl -L Là«b«
amtern machen, rst der Preis v.ertelzahrl.ch 1 Mark 4 hl. - Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals «beten ' '
1850.
Bezeichnung: „An die Expedition
«*,. o, erbeten. — Der Preis dieses Blattes
üur Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post-
Tagesgeschichte.
($> roßbritannile n.
Das „Morning-Chronicle" theilt den Wortlaut
der Palmerston'schen Depesche an Preußen, worin
dasselbe angegangen wird, die Einstellung der Feind
seligkeiten Seitens der Herzogthümer zu erzwingen,
mit. Sie lautet in Uebersetzung:
bllireig» ol'fiee, den 3!. July 1850.
Ich habe Sie anzuweisen, die ernste und drin
gende Aufmerksamkeit der preußischen Regierung auf
die Thatsache zu lenken, daß unmittelbar nach der
llnterzeichnung des Friedensvertrages, welcher zwi
schen Preußen und Dänemark und zwar nicht allein
für Preußen, sondern für den ganzen deutschen Bund
geschlossen worden, die Statthalterschaft, welche gegen
wärtig Holstein regiert, die holsteinische Armee zur
Invasion von Schleswig beordert und dadurch einen
Act feindseligen Angriffs begangen hat, welcher eine
Verletzung des Friedens war, für dessen Beobach
tung Seitens des ganzen deutschen Bundes Preußen
sich verbindlich gemacht hat.
Es würde unehrerbietig gegen die preußische Re-
gierung sein, vorauszusetzen, daß die von Preußen
für den deutschen Bund eingegangene Verpflichtung
eine leere Förmlichkeit gewesen sei, nicht bestimmt
ein praktisches Resultat zu haben, und daß daher
Holstein, welches ein Theil des deutschen Bundes ist
und als solches an die von Preußen eingegangene
Verpflichtung gebunden sein muß, dieser Verpflichtung
zum Trotz der Freiheit haben dürfte, Feindseligkeiten
zu beginnen, welche während des Waffenstillstandes
snspendirt waren.
Die schuldige 'Rücksicht auf die Treue und den
Glauben (the good faith) diplomatischer Verpflich
tungen erheischt es daher, zu fordern, daß die preu
ßische Regierung unverzüglich alle zu ihrer Verfügung
stehenden Mittel anwende, um die gegenwärtige 'Re
gierung von Holstein dahin zu bringen, die Ver
pflichtung zu respeetiren, welche Preußen für Hol
stein so gut wie für alle anderen Mitglieder des
deutschen Bundes übernommen hat. Die Regierung
Ihrer Majestät hofft aufrichtig und sehnlich, daß
Preußen so handele und die holsteinische Regierung
thatsächlich und ausdrücklich verhindern werde,-durch
Zuwiderhandeln gegen den Friedensschluß das Signal
und den Vorwand zur Erneuerung des Krieges zu
geben. Ich bin u. s. w. Gez. Palmerston.
(Die Antwort Preußens hieraus haben wir be
reits in der v. Nro. d. Bl. mitgetheilt.)
London, vom 3. September. Warum hat
Lord Palmerston Schleswig-Holstein verlassen? —
Die Antwort auf diese in der letzten Zeit mehr als
einmal aufgeworfene Frage wird zuerst wieder von
einer andern Frage bedingt, nämlich: warum hat
Lord Palmerston Preußen verlassen? Politische Ver
bindungen, Bündnisse und Sympathien dürfen nicht
von dem ethischen Standpunkte der Freundschaft zwi
schen Mensch und Mensch beurtheilt und damit zu
einer sentimalen Gcmüthssache gemacht werden, und
eben so wenig dürfen wir das' mittelalterliche Maß
der abgestorbenen Ritterehre daran legen, denn es
handelt sich in unsern Zeiten um ganz andere Dinge
als im Jahre 1300. Aber ein einfacher bürgerlicher
Maßstab liegt zur Hand, der des Geschäftes. Lord
Palmerston will keine europäischen Geschäfte mehr
mit Preußen machen, er will die Wechsel des Hauses
Friedrich Wilhelm des Vierten und Compagnie nicht
mehr discontiren, und somit resusirt er auch die von
der Statthalterschaft von Schleswig-Holstein auf das
Haus HohenzvUern gezogene Tratte. Sv lange er
glaubte, daß Preußen politische Thaten vollbringen
wurde, jo lange war er nicht blos dieser Macht
sondern auch der neugebackenen Pertinenz derselben'
Schleswig-Holstein, einigermaßen getreu. Allein
Preußens Politik führte zu Nichts Reellem; alle
seine Spekulationen waren zweideutig und vage;
seine gepriesene Union verschwand wie ein Hirnge
spinst; seine Stelle zrtm Hause Oesterreich ward täg
lich mehr compromittirt; und auf der großen Staa
tenbörse erschien es zuletzt nur noch wie ein Actien-
Speculant, der sich durch seine Sucht sich zu berei
chern vor allen andern bemerklich machte. Hätte
nun Lord Palmerston noch länger mit Preußen aus
gehalten, so hätte er auch für die Folgen stehen
müssen, nämlich Theilnahme an einem Kriege um
einen Gegenstand, für den sich John Bull nicht schla
gen will. So lange ein großes Deutschland in
Aussicht stand, sahen die Whigs mit einem gewissen
Wohlbehagen zu, weil sie an Diesem neuen Reiche
einen Bundesgenossen gefunden hätten, mit dem ver
eint England es mit Frankreich, oder mit Rußland
lg mit ganz Europa hätte L'fnehmen können. Allein
ei» etwas größeres PreuOM ist für England von
viel zu geringer Bedeutung, um deshalb das Schwert
aus der Scheide, die Banknoten aus der Brieftasche
zu ziehen. Darüber hatte John Bull aller Farben
sich auf das Entjchiedenste ausgesprochen. Das Mi
nisterium hat aber Herrn John Bull für ein ferne-
res Fortbestehen in der noch immer obwaltenden
Krisis so nöthig, daß es seine Gunst Preußen zu
Liebe nicht aufopfern will, und daher Preußen Preu-
sem läßt und Schleswig-Holstein ebenfalls mit über
Bord wirft. Nur schließe man hieraus nicht, daß
es England an Muth und Kraft zum Kriege fehle.
Keineswegs! Aber der Gegenstand muß danach sein.
Ware die Revolution von 1848 zur Thatsache ge
worden, hätte Preußen den Herzogthümern damals
ihre volle Unabhängigkeit verschafft, sich selbst zum
Meister von Deutschland gemacht, oder hätte Deutsch-
siwb Preußen, Oesterreich, Schleswig und Posen in
jich abjorbirt, das eine wie das andere wäre eine
^^ļşiltorijche Thatsache gewesen, die England
nicht blos anerkannt, sondern für deren Fortdauer
ff E" «v^hrsche.inlich das ganze Gewicht seiner Macht
ln die Äagschgale^gelegt haben würde.
, Aber für die Schwächen, die Miftren, die Jn-
tnguen und die politischen Wuchergeschäfte seiner Ver
bündeten jchlägt England sich nicht. Kurz, das Auf-
geben von Schleswig-Holstein, weit entfernt eine
Gunstbezeugung gegen Rußland zu sein, ist
nichts als eine einfache Erklärung Lord Palmerston's
an Preußen, daß er dem ihm gegebenen Credit nicht
hdfWnT* die Folgen schleswig-
holsteinischer Unjelbstständigkcit. (Fr. Pr.)
Nusrlmrd und Polen,
Petersburg, vom 31. Aug. Die „St. Pe
tersb. £>uj. publicirt folgendes, die Ordensverleihung
an den General v. Krogh begleitendes Rescript des
Kaisers von Rußland: „Indem Wir der musterhaften
Tapferkeit und ausgezeichneten Umsicht, die Sie am
24. und 25. Juli in der Schlacht bei Jdstedt be-
wiesen, wo die unter Ihrem Cominando stehenden
tapferen dänischen Truppen würdig die legitimen
Rechte ihres Monarchen, Unseres erhabenen Verbün
deten und Freundes, aufrecht erhalten haben, voll
kommene Gerechtigkeit widerfahren lassen und Ihnen
Unser besonderes Wohlwollen zu bezeigen wünschen,
ernennen Wir Sie Allergnädigst zum Ritter des St.
Annen-Ordens erster Classe, Wir übersenden Ihnen
die diamantenen Insignien dieses Ordens und ver-
bletben Ihnen mit Unserer kaiserl. Gnade wohlge-
wogen. Peterhof, den 7. August 1850. Nikolai."
Der „Elbers. Ztg." wird aus Berlin geschrieben:
Nach hier eingelaufenen zuverlässigen Nachrichten ist
ln diesem Augenblicke die ganze Westgrenze Rußlands
von der Ostsee bis zum Schwarzcn-Meer mit einem
lehr starten Militarr-Cordon bezogen. In Polen sind
verhältnißmäißig die meisten Truppen vereinigt Die
Gesamtzahl aller daselbst aufgestellten Truppen be-
2 sich vor 14 Tagen auf circa 78,000 Mann, wo-
von die Mehrzahl nach der österreichischen Grenze
zu steht. In England stehen 25,000 Man», IN
Lithauen als Reserve der polnischen und in Wolbv-
men stehenden Armee 60,000 Mann, wovon die Mebr-
nach Wolhynien stationirt ist; in Wolhynien
an der Grenze von Galizien, 40,000 Mann; in Po^
3s?onV* u d" Grenze von Ungarn,
00POO Mann. Rechnet man die 15,000 Mann
russische Truppen, welche die Fürstentümer besetzt
holten, hinzu, so betragt die Gesammtzahl der an
der Westgrenze und besonders an der Grenze von
Oesterreich aufgestellten Truppen 253,000 Man», alle
gediente Soldaten. Die in Folge dieser Truppen-
Aufstellung neu gebildeten Regimenter stehen im In
nern von Rußland. Sämmtliche im europäischen Rnß-
land jetzt aufgestellten Truppen sollen über 400,000 («)
Mann betragen.
Frankrei ch.
Aus Paris wird der Deutsch. Ztg. ein Brief
über die neuesten Streiche einer Person geschrieben
die fur Deutjchland leider Gottes eine historische ge-
worden ist Lola Montez ist diese Perjon. (Wie
sie sich 'N Pans eingerichtet, ist bekannt. Gleich
nach ihrer Ankunft miethete sie daselbst aus zwanzig
^ahre ein glanzendes Hotel in den elysäischen Fel
dern und umgab sich mit einem Luxus, der an Tau-
sind Eine Nacht erinnerte. Der Tapezierer, der
die fürstliche Lieferung übernahm, wußte nicht wie
er den Forderungen der Dame genügen sollte. Das
^ t osiom, ganz aus vergoldeter Bronze mit getrie-
vsu" Arbeit, kostete sechszehntausend Francs! Die
Futzdecke, ein Wunderwerk in genähten Spitzen von
Alencon, das die Kammerfrauen der Ex-Kaiserin und
später regierenden Herzogin von Parma, Marie Louiw
voriges Jahr in Paris verkauft hatten, war wegen
der feenhaften Stickerei und der doppelten Chiffre
der Erzherzogin und des Kaisers mit vierzehntausend
Frcs bezahlt worden. Seltsames Schicksal, das die
sem historijchen Gewirk zu Theil wurde! Es hatte
den ersten Schrei des kleinen Königs von Rom ge-
hort und mußte durch ^ die Hände der Kunsttrödler
Ş , -bett einer Person gerathen, die i» diesem
Augenblicke von der Polizei verfolgt wird! Aber
bleiben wir bei der Sache. Unsere Dame wohnte, kurz
gesagt, wie Niemand in Paris, vielleicht Herrn v
Rothschild ausgenommen. Vierhundertundachtzig
Tausend Frcs. in sechs Zimmern! Die Zahlung die-
ser ungeheuren Summe, auf die sie eine lächerlich
winzige Abschlagszahlung geleistet, sollte den 10ten
August erfolgen. Der Tag erscheint, mit ihm der
Tapezierer. Wie erstaunt aber der Mann, als er
das Hotel halb leer findet! Lola sucht ihren Gläubi
ger, der sich gewaltig ereifert, zu beruhigen; als
dieses ihr nicht gelingt, erbietet sich die weiland
Tänzerin, die sich auf frischer That ertappt sicht zu
sofortiger Zahlung emer namhaften Summe indem sie
einen kleinen Schlüssel von ihrem Halse nimmt. Der
Tapezierer wird sanfter; Milady geht in ein ansto
ßendes Zimmer wie um in ihren Schatz zu greifen,
ewige Minuten vergehen — und von einer Gräfin
ist keme Spur mehr! Der betrogene Gläubiger durch,
sucht das Hotel; umsonst. Sennora ist verschwnn-
den sammt ihrer Abschlagszahlung, die historische
Decke unterm Arm. Natürlich wird die Polizei von
diesem Vorfall sogleich in Kenntniß gesetzt; sie er
laßt einen Steckbrief. Aber die Gaunerin ist bereits
über die Gränze. Nachdem sie sich einige Stunden
bei einer früheren Schauspielerin verborgen gehalten,
ist Ile auf der Eisenbahn nach Brüssel entkommen.