Man schätzt die von ihr entwandten Gegenstände
auf hundertfünfzigtausend Frcs. Auch die Fußdecke
Marie Louisens war unbezahlt. Einem Obsthändler
der Straße Montaigne,, sagt man, schulde sie noch
68 Francs für — Pflaumen.
D ß n ein ct r k
Kopetthagen vom 4. Seht. Etatsrath,Schra
der hat ein langes EnWMigungsschreiben erlassen,
die ganze Aufforderungen freiwilligen Gaben an
Schuhen und Strümpfen soll nur auf einem Miß-
verständniß beruhen. „Fädrelandet" findet aber die
Schradersche Erklärung etwas flau, und liefert eine
zwei Spalten lange, die Wahrheit derselben stark ver
dächtigende Kritik.
Die Direction des schleswigschen Vereins hat eine
lange Dankadresse an Tillisch erlassen, worin sie na-
mentlick darauf dringt, den Beamtenstand p reinigen
und treufeste, rechtschaffene, von Liebe zu König und
Vaterland beseelte Amtmänner an die Stelle der
alten zu setzen. „Fädrelandet" ist damit »och nicht
zufrieden, sondern verlangt auch eine neue Besetzung
der Stellen der Unterbeamten, Prediger und Schul
lehrer. Die „Berlingsche" ist höchst entrüstet darüber,
daß unter den Mitgliedern des Comites zur Annahme
freiwilliger Beiträge für die Insurgenten sich auch
der preußische Consul Hoge in Kiel befindet.
Sie hofft, daß die Regierung Klage erheben wird
über „dieses, milde gesagt, höchst unpassende Beneh
men des preußischen Consuls."
—, vom 7. Sept. Nach „Aalb. Av." sind die
gefangenen Osficiere, die fremden Staaten angehören,
I l an der Zahl, nach der Festung Kronborg gebracht,
weil sie das selbst gewünscht, da' sie, zum Unterschied
von den Jnsurgenten-Officieren, mit den Gemeinen
zusammengewesen. sAlso dochls Höhnisch fügt das
Blatt hinzu, daß sie sich unterwegs über die neue
schone Aussicht über den Sund. die ihnen zu Theil
werden werde, sehr gefreut hätten und nicht wenig
„schluköhrig" geworden wären, als sie anstatt dessen
in die nur sparsam erhellten Zellen auf den Schloß
hof gebracht worden, wo sie sich erst durch die breiten
Mauerfenster Bahn brechen müßten und nichts In
teressantes zu sehen hätten.
. Die ^erlingsche Ztg." sagt, es sei ihr bekannt,
daß ein Schiff unter der Aufruhrsflaaac von Kron
stadt abgewiesen ist.
ĢesêLfMmà
Aus Hamburg berichtet die „Deutsche Rest":
Das Haus L. Behrends und Söhne, bekannt wegen
seiner großartigen Defraudation, ist abermals in eine
Zollstrafe von 340,000 Mk. nebst Entziehung des
Tranfltörechts verurtheilt worden. Auch in Leipzig
auf welchem dies Haus eine Commandite hat, ist
ihm ebenfalls in Folge der hier begangenen Defrau
dation das Transitorecht entzogen worden. Im Gan
zen hat dieses Haus nahe an eine halbe Million
Mark an Strafgeldern bezahlen müssen.
Berlin, den 4. Sept. Die ueuliche Begeg
nung der Vorposten bei Kropp, an und für sich ohne
große Bedeutung, hatte, nachdem von werthgeschätzter
Hand mir eine merkwürdige alte Weissagung mitge
theilt worden, für mich eine gewisse Bedeutung. In
den Herzogthümer» wird das Gefühl immer allge
meiner, daß die Würfel nächstens fallen, und in
demselben Augenblick taucht jener Ortsname in dem
Tagebuche der schleswig - holsteinischen Armee auf,
klingt jener Laut an, womit die Sage die Erfüllung
der Geschicke Nvrdalbingiens in Verbindung setzt.
Es verlohnt sich wohl, denen, die sie kennen, die
uralte Prophezeiung ins Gedächtniß zu rufen, und
.die Andern, welche davon nicht vernommen, darauf
aufmerksam zu machen. Den Vätern und Vorfahren
der heutigen Streiter für die Landesrechte der Her-
zogthüuter und die für diese zum Pfand eingesetzte
Ehre Deutschlands ist verheißen: die Schleswig-Hol
steiner würden bei Jdstedt besiegt werden, darauf
aber am Kropperbusch einen entscheidenden Sieg er
kämpfen, von dem sich Jahre nie gekannten Glückes
für dle Herzogthüiner beschreiben sollen. Verschmähen
Sie es nicht, Ihren Lesern diese Mähr aufzutischen.
Ehrwürdig ist sie jedenfalls, und zugleich volksthüm-
lich, daß sie in einem Sprichwort fortlebt und mit
dem instinktiven Leben des Volksstamms verwachsen
erscheint. Was im übrigen Deutschland mit den
Wertem gesagt ist: „noch nicht über den Berg", reff.,
über alle Berge sei", das heißt in unverkennbarem
Zusammenhang mit obiger Vorhersage: „noch nicht
dem Kropperbusch vorher." — Die Schlacht bei Jd-
stedt hat das ^ Herzogthum Schleswig den Dänen
größtenteils überliefert und der unglückliche erste
Theil der alten Ahnung ist erfüllt. Der Kropper
busch aber liegt auf dem Wege zwischen Schleswig
und Rendsburg, vielleicht auf halbem Wege. Dort
steht der Feind
„und schon begegnen sich die Heere!"
Der Däne ist noch dem Kropperbusch nicht vorbei!
Das gute Schwert und todesmuthige Begeisterung
werden Schleswig-Holstein den anderen Theil der
Weissagung erfüllen helfen. Nicht auf halbem Wege
bleibt Schleswig-Holstein stehen! Vorwärts zur Schlacht-
am Kropperbusch! vorwärts zum Siege! (H. N.)
Nach dem Correspondenz-Bureau ist eine Erklä
rung Dänemarks über die Ratification des Friedens
hier eingetroffen. Die betreffende Note des dänischen
Cabinets drückt Bedauern aus, daß Deutschland keine
einheitliche Regierung habe, durch welche die Ratifi
cation hätte geschehen können. Dänemark wolle dem
nach in Anbetracht dieser Lage den Vorstellungen einer
vermittelnden Macht (England) nachgeben und eine
Ratification von den einzelnen deutschen Negierungen
annehmen.
—, den G. September. Vor drei Tagen ist Hr.
v. Etzel, Major im großen Generalstabe, von hier
mit einer politischen Mission nach Kopenhagen ab
gegangen. ^ Es hüllt sich in ein Gebeimniß, worauf
sich diese Sendung speciell bezieht, doch ist die Ver
muthung ziemlich allgemein, daß ihr die Frage wegen
der Verhältnisse der „Gesten" zu Grunde liege, und
zwar will man aus dem Umstande, daß Hr. v. Etzel
von der hiesigen Seehandlung Creditbriefe von be-
deutendem Betrage aus Kopenhagen mitgenommen
habe, die Schlußfolgerung ziehen, es handle sich da
bei zunächst um eine Beschaffung mannigfacher Be
dürfnisse für die Mannschaft des Schiffes. Uebrigens
waren unmittelbar vorher auch bereits dem preußi
schen Gesandten in Kopenhagen, Herrn v. Werthern,
durch die gleiche Vermittelung bedeutende Summen
Übermacht worden.
Die „Nationalzeitung" schreibt: Gewisse hierher
gelangte Andeutungen geben der Vermuthung Raum,
daß die beiden Noten Lord Palmerston's, durch welche
er an die preußische Regierung das Ansinnen eines
direkten Einschreitens, gegen die Herzogthümer Schles
wig-Holstein stellte, nur Vorläufer anderweitiger
Schritte, die man zu gegenwärtigen habe, seien,
oder, um es bestimmter auszudrücken, daß nunmehr,
nachdem von Preußen das englische Ansinnen ent
schieden zurückgewiesen worden ist. ein directes Ein
schreiten Englands und zwar, wie hinzugefügt wird,
vielleicht selbst in Verbindung mit Rußland und
Frankreich, um dem Kriegszustände ein Ende zu machen,
zu befürchten stehe. Wir wollen bis jetzt selbst noch
nicht an diese Nachricht glauben, dürfen uns des
halb aber doch nicht der Pflicht entziehen, sie als
eine vielfach umlaufende aufzuzeichnen."
— Die „Neue preuß. Ztg." berichtet in einer
Correfpondenz aus Frankfurt a. M. vom 4.Sept.
aus der schom früher erwähnten ersten Sitzung des
engeren Rathes Folgendes über die auf Schleswig-
Hotstein bezüglichen Verhandlungen:
Ein. zweiter Antrag ^nurde von dem k. dänischen
und herzoglich hôlfleiu-Ş^ourgtschcn Gesandten, Hrn.
v. Bülow. gestellt. Derselbe ging im Wesentlichen
dahin, der deutsche Bund möge, um dem Blutver
gießen in Schleswig-Holstein ein Ende zu machen,
seine vermittelnde Dazwischenkunft eintreten lassen.
Auch diesem Antrage wurde sofort durch Stimmen
einhelligkeit willfahrt und in Folge davon eine Com
mission ernannt, um über die Mittel und Wege, die
befragte Dazwischenkunft zu bewerkstelligen, zu Rathe
zu gehen und deshalb der Dringlichkeit der Sache
wegen in möglichster Kürze Vorschläge zu. machen.
Wien. Der hiesige, bekanntlich halbofficielle
Correspondent der „Augsb. Allg. Ztg." schreibt: Ich
glaube Ihnen melden su können, daß die Jschler
Conserenz und die damit zusammenhängenden Verab
redungen der Mächte vorläufig zu folgenden Resul
taten geführt haben: 1) Rußland wird dem ber
liner Cabinet seine entschiedene Mißbilligung der bis
her befolgten Politik erklären; 2) Herzog Peter von
Oldenburg wird zur Tronsolge in Dänemark berufen.
Holstein und Lauenburg bleiben, wie bisher, Staaten
des deutschen Bundes, Rußland verzichtet aus die ihm
zustehenden Erbfolgerechte auf einen Theil Holsteins,
namentlich auf Kiel, Rechte, die es im Fall der Be
rufung der Augustenburger zur Erbfolge hätte gel
tend machen und sich also in unmittelbaren Besitz des
wichtigen Hafens von Kiel hätte setzen können. Wie
es scheint, lag darin ein Hauptmotiv her Handlungs
weise des wiener Cabinets. Es fragt sich nun: wie
will man die Augustenburger befriedigen? (?)
' Schleswig-Holstein.
Schon sechs lange Wochen sind dahingegangen
seit den unglücklichen, wenn auch nicht unrühmlichen
Tagen von Solbroe, Jdstedt und Ober-Stolck. 6
lange Wochen tritt ein übermüthiger, von allen Rück
sichten auf Sitte und Geschichte losgesagter Feind
das treue unterdrückte Schleswig mit eisernem Fuß
und die nach sachkundigem Urtheil siegreiche schleswig-
holsteinische Armee harrt ungeduldig des Signals zur
Befreiung der Leidenden. Der Stand der heiligen
Sache der Herzogthümer ist geworden ein Stillstand;
das für deutsches Recht und deutsche Ehre kämpfende
Schleswig-Holstein hat wenig mehr noch, als in den
bestrittenen Bindezetchen, einen Zusammenhang, unter
sich, wie mit Deutschland; und während eine hinter
listige, nicht einmal bloß außerdeutsche Diplomatie
den letzten Knoten schürzt, ist die schleswig-holsteini
sche Frage wirklich zur Frage geworden. „Wir ath-
men endlich auf!" rief vor einigen Tagen die für die
gerechte Sache begeisterte „Köln. Ztg.", als die Statt
halterschaft das Aufgebot erließ. „Es ist nichts mehr
zu wünschen, als daß ein neuer Schwung in die hei
lige Sache kommt, und Alles deutet gottlob darauf
hin. Selbst General Willisen hat ja erklärt, des
Schanzens sei bald genug, und dann ginge es vor
wärts. Wir geben unser Urtheil dem besseren Er
messen an Ort und Stelle anheim; aber wir müssen
in redlicher Sorge für die Herzogthümer an das ita
lienische Sprüchwort erinnern: das lange Dinge zu
Schlangen werden." Und gestern die „W. Z.": „Es
weht wieder eine kriegerische Luft an der Eider, der
Kampfruf ertönt von Neuem, und ungeduldig harrt
das junge schleswig-holsteinische Heer des langersehn
ten „Vorwärts!" Wir freuen uns dessen. Die jetzt
seit sechs, Wochen dauernde Waffenruhe - hat etwas
Niederdrückendes und Entmuthigendes; bei allem Zu
trauen zu dem Festhalten der Statthalterschaft und
des Obergenerals an der Entscheidung durch das
Schwert nährt diese Ruhe, durch keinen Schwerter
klang, kaum durch ein aus Kampf deutendes Wort
unterbrochen, die Furcht, daß hinter ihr der Verrath
der Diplomatie laure, der zweimal die Sache der
Herzogthümer preisgegeben hat, daß doch den'Män
nern an der Spitze Schleswig-Holsteins der Muth
fehlen könne, eine Sache auszufechten, über welche
die Großmächte in London die Würfel geworfen ha
ben." Ja, auch wir athmen wieder auf! Die Lan
desversammlung tritt heute zusammen, sie wird das
Geschick Schleswig-Holsteins entscheiden. Militairische,
strategische Gründe mögen das bisherige Verhalten
gerechtfertigt haben; jetzt wird die Landesvertretung
das entscheidende Wort sprechen. Für sie sind andere
Rücksichten bestimmend, für sie wird normgebend sein:
anstatt ferner stillestehen und in Unthätigkeit auch
Das verlieren, was noch gewahrt ist, lieber Alles
aufgeben, um Alles wieder zu gewinnen oder minde
stens Alles verlieren, um — Alles zu retten: die
Ehre und die Zukunft. Alle Fractionen der Landes
vertretung werden, wie mit dem Volke, so mit der
Regierung darin einig sein: der Einsatz kann nun
mehr nimmer zu hoch sein; der Gewinn, auch der
kleinste, ist größer, als was täglich verloren geht.
Aber das Gegentheil? Ein rascher Tod ist besser,
als langsames, qualvolles Hinsiechen an unheilbarem
Schmerze. Und es bleibt — die Ehre und die Zu
kunft! (H. N.)
Bon der Avantgarde, den 4. Sept. Am
3. d. M. machte eine Abtheilung des 1. Bataillons
eine Patrouille nach Hummelfelo, um dort den dä
nische» Vorposten einen Gruß vom Avantgarden-
Commandeur zu bringen. Im Dorfe befanden sick-
ungefähr 30 dänische Infanteristen vom 1. Bataillon.
Wie gewöhnlich liebten die „Tappern" nicht die Nähe
unserer Leute, sondern zogen sich ohne ängstliche Wahl
des bequemsten Weges nach Norden. Drei Dragoner
verfolgten sie in größter Hast; die Dänen liefen vor
ihnen her, was sie konnten — und das will etwas
sagen — die Heinzelmännchen schwanden und husch
ten durch die Zäune. „Jetzt werden wir Feuer be
kommen", dachten die drei Reiter, als sie den Zarin
erreichten, hinter dem die Dänen ihren Blicken ent
schwunden waren — aber „kein Auge sah sie wieder."
Nur Mützen, Kochkessel, Säbel und derlei hinderliche
Gegenstände hatte „Hannemann" zum zarten Anden
ken zurückgelassen und unsere armen Jungen mußten
mit dieser kleinen Beute sich zufrieden geben. — Es
ist sonderbar, daß der Däne in der Schlacht selbst brav
ficht und bei kleinen Scharmützeln so emsig und rück
sichtslos, — d. h. ohne sich umzusehen — davon eilt.
Einen Beleg für den Eifer, den unsere Leute ent
wickeln, um einen Dänen habhaft zu werden, mögen
Sie in folgender Anecdote finden. Zwei Soldaten
des 1. Bataillons legten sich außerhalb unserer Vor
posten-Linie hinter einen Zaun, um den Feind zu
belauern. Achtundvierzig Stunden lagen sie dort,
ohne daß ein Wild ihnen in den Schuß gekommen
wäre; endlich am 1. d. M. kommt ein dänischer Dra
goner gemüthlich des Weges einher geritten. Die
unverdrossenen Schüßen halten es nicht der Mühe
werth, auf Einen Feind zu schießen und lassen den
Dragoner passiren. Da fallen aber in der Nähe
Schüsse und der Dragoner kehrt um. Jetzt ist es
Zeit, denken die Beiden, Ejner von ihnen giebt Feuer
und das Pferd stürzt todt zur Erde. Die in der
Nähe befindlichen Infanteristen nähern sich dem Platze,
wo geschossen ward, aber die beiden Burschen fanden
noch Zeit, die Bepackung des erlegten Pferdes mit
zunehmen und hatten das Vergnügen, ein noch war
mes Huhn zu erbeuten, welches der flüchtig gewor
dene Dragoner wahrscheinlich nach Soldaten-Manier
„sich hatte schenken lassen." _ (H. N.)
—, vom 5. Sept. Einzelne Truppenbewegungen,
welche gestern in der Armee stattfanden, erregten die
freudige Hoffnung, daß heute irgend etwas im Westen
vorgenommen werden könnte. So viel wie diesseits
möglich war, um dieser Hoffnung zu entsprechen, ge
schah denn auch, aber der Däne verhielt sich ruhig
in den Mauern von Friedrichstadt. Das 9. und 11.
Infanterie-Bataillon, das 1. und eine Abtheilung
des 4. Jägercorps nebst einer 3pfd. Batterie mar-
schirten m der unmittelbaren Nähe von Friedrichstadt
auf, und versuchten mittelst Streispatrouillen und
allerhand Neckereien, den Feind herauszulocken. Ein
zelne Jäger drangen sogar bis ungefähr achthundert
Schritt von dem Chausseehause vor, welches nur we- -
nige Schritte von dem Thore entfernt ist. In die
sem Chausseehause befand sich eine kleine Abtheilung
feindlicher Jäger, mit welchen diq beiden vom I.Jä-