gercorps einige Schüsse wechselten, ohne den gering
sten Verlust. ' Die Dänen haben ein großes und,
allem Anschein nach, permanentes Lager bei dem
Dorfe Ramstedt aufgeschlagen. Es sollen zwischen 4
und 5000 Mann da liegen. Trotz dieser Uebermacht
scheint es, als ob der dänische General, da er ein
eben so entschiedener Feind von kleineren Gefechten
ist, wie sein Gegner Willissen, nichts gegen die schles
wig-holsteinischen Truppen in Norder- und Süder-
stapel wagen wird. Es wäre wün,chenswerth, daß
er sich entschlösse, wieder eine Schlacht zu liefern, und
einen Versuch machte, sich des ganzen Schleswigs zu
bemächtigen. In dem letzteren Falle würde man ihm
nicht ausweichen. In der Gegend von Friedrichstadt
ist cs jedoch unmöglich, daß eine größere Schlacht
geliefert werden könnte, denn das ganze Land ist nur
an einzelnen Stellen zu passiren, und ein großer
Theil der Wiesen durch die Dämmung der Treene
unter Wasser gesetzt. Die Marsch zwischen Stolling-
hnsen und Ramstedt ist ein großer See, aus welchem
man die Dächer mehrerer Häuser hervorragen steht.
Die kleine Bewegung, die heute Morgen gegen den
Feind unternommen wurde, brachte die ganze Armee
in die freudigste Stimmung, und es ist ziemlich klar
geworden, daß das Wort „Vorwärts" nun ausge
sprochen werden muß. Zwischen der Avantgarde und
den dänischen Vorposten und Patrouillen sind kleine
Scharmützel ein tägliches Ereigniß; in den meisten
haben die Dänen den Kürzeren gezogen. Ein Unter-
officier vom l0. Bataillon welches in Sorgbrück liegt,
lieferte gestern einen Beweis von dem nrerkwürdigen
Glücke, welches häufig verwegenen Schritten beiwohnt.
Er batte nämlich gestern die Wache und ließ durch
die Vorposten-Kette einen jungen Menschen, der einen
regelrechten Paß vorzeigte, trotz der strengsten Ordre,
daß Niemand durchgelassen werden svll, ohne vorher
den wachthabenden Osficier davon in Kenntniß zu
setzen. Kaum ist der junge Kerl fort, so kommt em
Befehl, ihn zu arretiren und nach der Stadt zurück
zuschicken. Der Corporal wird von seinem Osficier
wegen seiner Nachlässigkeit sehr hart angelassen und
mit Strafe bedroht. Patrouillen werden unterdeß
ausgeschickt, um nachzuspüren, aber vergeblich. Der
Unterofficier, der mit der einen Patrouille gegangen
war, kehrt nicht mit ihr zurück, und ec werd als ge
fangen oder desertirt angesehen. Seine Cameraden
waren daher nicht wenig erstaunt, ihn heute Nach
mittag mit einem gefangenen Civillisten ankommen
zu sehen. Der Civillist war der Kerl, der sich mit
einem gestohlenen Paß durchgeschlichen hatte und vom
Unterosficier aus dem Dorfe Groß-Reide herausgeholt
wurde. Groß-Reide liegt mitten in den feindlichen
Posten. (B.-H.)
Krummenort, an der Sorge, vom 5. Sept.
Fn einem den „Hamb. Nachr." entlehnten Artikel, den
Sie in Nr. 447 Ihres Blattes mittheilen, heißt es:
die dänische Battetrie Baggesen sei bekanntlich (?)
vom 9. Bataillon genommen. Zur Steuer der Wahr
heit beehre ich Ihnen mitzutheilen, daß die 3 erober
ten Geschütze jener Batterie von der 3. Compagnie
des 10. Bataillons erobert wurden. (N. Fr. Pr.)
Kiel, den 3. Sept. Der deutsche Ausschuß des
schleswig-holsteinischen Vereins hieselbst veröffentlicht
das 8te Verzeichniß der bei demselben eingegangenen
Gaben und scbließt den Bericht mit folgenden Be
merkungen: Die bis jetzt uns zugegangenen Gelder,
zusammen im Betrage von ungefähr 576 0 00 »f
S-H Crt. oder 230,400 Thlr. pr. Crt., sind succes
sive an das Departement der Finanzen unter jedes
maliger Angabe von den Gebern theüweise hmzuge-
füqtcn Bestimmungen in Betreff der Verwendung
abgeliefert. Von den Lazarethbedürfnissen und an
deren für die Armee bestimmten Sachen, welche bis
zum 1. d. M. incl. in 61)0 Colli bei uns eingegan
gen, sind bis heute 453 Colli an die Comitü zur
Verwaltung freiwilliger Gaben in Rendsburg einge
sandt worden.
Aus der Propstei Münsterftorf. Pastor
Hansen in Brockdorf, der schon seit Jahren mit sei
ner Gemeinde in großer Uneinigkeit gelebt, hat in
diesen Tagen plötzlich leine Gemeinde verlassen, und
von Hamburg aus das Visitatorium der Propstei
Münsterdorf ersucht, cs möchte dafür sorgen, „daß
sein Amt bis zur Regulirung seiner amtlrchen Ver
hältnisse interimistisch verwaltet werde." In Folge
dessen ist jetzt Pastor Goctze aus Thumbye, der seme
Gemeinde wegen des Einzugs der Dänen hat ver
lassen müssen, zur Zeit als Prediger m Brockdorf
von der schleswig-holsteinischen Regierung constttmrt
^°î"'Sûderau ist am > - Sept. der Candidat Schröder
»iSüj um ®i.«uJ n»Wt.
Kiel. den 5. Sept. Der Schiffer Arp aus der
Probstei, welcher bestimmt war, eine Ladung Korn
am Schönberger Strande einzunehmen, um damit
nach Lübeck zu gehen,' wurde heute Morgen von dem
dänischen Kriegsschiffe zurückgewiesen; man nahm ihm
seine holsteinische Flagge weg und gab rhm zu er
kennen daß er ausgebracht werden wurde, wenn er
wiederkäme. — Die dänisch-wohlder Fffcherbà sind
sämmtlich von den Danen genommen und nach o,ciern-
^oiI' 1 îcustadi wird uns unterm 5. September
geschrieben: Heute, 2 1 /* Uhr Nachmittags, war ein
dänischer Parlamentär im Hafen. Dem Vernehmen
nach machte er die Mittheilung: daß holsteinische
Schiffe frei unter dänischer Flagge aus- und ein-
passiren könnten.
Mittheilungen aus Schleswig vom Ende des
vorigen Monats bringen die Nachricht, daß der dä
nische General de Me za dort das frühere Bach-
mann'sche Haus bezogen hat, er also vollkommen
wohl sich befindet, und daß die dort in dem Neben
gebäude eingerichtet gewesene Schlachterei seitdem auf
gehört habe.
In diesem Augenblicke pichen die Dänen auch den
Uebergang über die Schlei auf der Freiheit bei dem
adlichen St. Johannis-Kloster zu verschanzen. Be
kanntlich stand in uralter Zeit eine alte Burg auf
der Frontiere der Freiheit. Die größte Geselllchaft
und nicht eben die unwürdigste findet man, wenn
auch nicht grade freiwillig, jetzt in dem unglücklichen
Schleswig bei dem Gefängnißwärter auf dem dor
tigen Rathhause. Die Noth ist aber groß, daß für
diese nicht einmal immer Speisen herbeizuschaffen
sind! . .
— den 9. Sept. Vorigen Donnerstag haben
unsere 3 Kanonenböte bei Heiligenhafen mit däni
schen Schiffen circa 150 Schüsse gewechselt, bei wel
cher Gelegenheit auf dem von Lieutenant Beck be
fehligten Kanonenboote zwei Matrosen schwer ver
wundet wurden. (B.-H.)
Hadersleben, vom 31. Aug. „Dannev." er
zählt,' daß am vorgedachten Tage der dortige Com
mandant, Capitain Lohse, eine ansehnliche Menge
Hospitalgegenstände, 1000 Bettlaken, Hemden u. s.w.,
die noch von der Verpflegung der bei Friedericia Ver
wundeten her, in großen Kisten beim Bürgermeister
Kier, Rathmann Petersen, Apotheker A. Hansen und
im deutschen Bürgerverein standen, confiscirt habe.
Aus dem Schleswigschen. Der „Const. Z."
wird aus Hamburg unterm 6. von einem neuen Zuge
dänischer Barbarei im Osten Schleswigs erzählt:
Ein Bäcker aus Cosel bei Eckernsörde ging zu Ver
wandten und in die Kirche nach Louisenlund. Auf
dem Rückwege wird er von dänischen Posten angehalten;
der visitirende Officier findet im Gesangbuche, das
Jener unter dem Arme trägt, das Schleswig-Hol
steinlied eingeschrieben, begnügt sich aber, das Blatt
herauszureißen und den Mann seines Weges ziehen
zu lassen. Ein anderer Officier indeß hört von dem
Manne und dein Liede, ließ Ersteren zurückrufen und
hauet dergestalt auf ihn los, daß ihm seine Klinge
mehrmals zerspringt, ja damit noch nicht zufrieden,
befiehlt er, weil ihm selbst der Arm müde geworden,
einem Unterofficier, die Prügelei fortzusetzen. Der.
arme Schleswiger sinkt natürlich mit einem Blut
sturze zusammen.
Rendsburg v. 8. Sept.MLbutttt. So eben kommt
die Nachrückt von einem Şcien RecognoScirungs-
Gefechte in der Gegend von Breckendorf. Unserer
seits Major Aldoffer mit dem 2ten Bat., der 3psd.
und einer halben 6pfd. Batterie. Es scheint ohne
Bedeutung zu sein. — Diesen Morgen früh haben
die Dänen von Friedrichstadt aus eine Recogms-
cirung gegen Süderstapel vorgenommen; sie sind von
den Unserigen zurückgeworfen. Hauptmann Schneider
vom Isten Jäqercorps ist leicht verwundet worden.
(H. N.)
In dem Gefechte bei Süderstapel beträgt unser
Verlust 3 Todte und 16 Verwundete. Wir haben
7 Gefangene gemacht. Bei Breckendors betrug un
ser Verlust 1 Todten vom 1. Bataillon und einigen
Verwundeten. In unsere Cavallerie sind Granaten
eingeschlagen, haben jedoch nur ein Pferd getödtet.
ob der Kriegführende eine Prise unter Verletzung der
Neutralität gemacht habe.
Karl von Kaltenborn, Kriegsschiffe auf
neutralen» Gebiet.
Hamburg, 1850.
Der durch mehrere völkerrechtliche Schriften be
kannte Verfasser, Docent der Rechte in Halle, er
klärt, daß Lübeck in seinem Benehmen gegen das
schleswig-holsteinische Schiff von der Tann allerdings
die strengsten Grundsätze des Völkerrechts Richt ver
letzt. aber die Schleswig-Holsteiner so behandelt habe,
wie man füglich den behandeln mag, den man unter
dem Deckmantel des rechtlichen Verfahrens im tiefsten
Herzen haßt und bcm man wo möglich eben durch
die strenge Anwendung feine« Rechts den Todesstoß
zu geben nicht unterlassen kann. Der Verfasser fin
det die Forderung Schleswig-Holsteins auf Entschä
digung wegen des Verlustes des von der Tann un
begründet, erklärt aber die Theorie Lübecks in Be
treff der Entwaffnung der Schiffe, die das neutrale
Lübsche Gebiet betreten, für ganz maaßlos. Bei
allem Tadel des Verfassers gegen das egoistische Lübeck
und dessen Verrath an deutsche Sitte nimmt derselbe
doch an. daß von der Tann sich einer Verletzung der
Neutralität Lübecks habe zu Schulden kommen lassen
(S. 32, 33), wenn auch die Nehmung des dänischen
Skjold nicht auf neutralem Gebiete erfolgt sein sollte;
auch das Lauern auf Beute im neutralen Hasen sei
gegen die Grundsätze der Neutralität. Das Asylrecht
für Kriegsschiffe ist nach K. nur eine Gunst des Neu
tralen. keine Verpflichtung. Es scheinen^ aber die
sactischen Verhältnisse darüber, ob der Skjold aus
neutralem Gebiete genommen, ob von der Tann im
neutralen Hafen auf den dänischen Skjold gewartet
habe, nicht gehörig aufgeklärt. Kaltenborn spricht
dem neutralen Staate das Recht der Entscheidung zu,
V e V m I f ch t c s.
(Kinkel.) Der Nürnberger Correspondent giebt
folgende Darstellung über die Art und Weise, mit
welcher Kinkel in Spandau behandelt wird: „Ver
schiedene Zeitungen geben Berichte über die Huma
nität, mit der Kinkel in Spandau behandelt würde.
Diese Berichte sind unwahr. Es sagt dieß hier ein
sehr konservativ gesinnter Mann; er weiß auch wohl,
wie bedeutend dicke seine Behauptung ist, aber er
hat sie aus der sichersten Quelle. Kinkels Läge ist
buchstäblich folgende: Er ist in Spandau als Zucht
baussträfling; der Unterschied zwischen einem Festungs-
gefangenen und einem Zuchthaussträfling ist ein grau-
senhafter. Das Spandauer Zuchthaus ist für Ver
brecher schwerster Art bestimmt und nimmt den Ab- -
schäum der Hauptstadt auf. Für solche Bewohner
ist das Haus eingerichtet, bis zu den passenden
Bütteln. Kinkel muß 13 Stunden per Tag Wolle
spulen. Er kann nicht soviel Nahrung hinabbringen,
als zur Erhaltung seiner Gesundheit nöthig ist. Er
war krank und blieb ohne Arzt, ohne Pflege, ohne
Theilnahme. Er hat monatelang den Genuß der
freien Luft entbehren müssen. Er ist der - Willkür
eines Vorgesetzten preisgegeben, der „Frommer" im
höchsten Grade ist. Der 'Besuch seiner Frau ist ihm
verweigert, „weil sie seinem Seelenheil, seiner Be
kehrung hinderlich sei." Er ist in Jsolirhast gekom
men, eine langsame Hinrichtung, die ein lebendiger
Geist kaum aushalten kann. Das ist die wahre Lage
Kinkels. Diese Schilderung kann nur Lügen ge
straft werden durch ein'Ģegenerktàrung von Kinkel
selbst; man fordere sie'von. ihm; wenn er sie geben
kann, so wird er sie geben. L>o lange aber bleibt
das Gesagte ein schwarzer, böser Fleck aus dem
Staate der Intelligenz! Der König kann eine solche
Strafe nicht wollen, dazu denkt er zu edel, zu ritter
lich; das Ministerium wird sie nicht wollen, eine
solche Rache gegen den Gefangenen wäre zu kleinlich,
zu erbärmlich" für ein Ministerium, das berufen ist.
die Geschicke Deutschlands zu ordnen, für die Ehren
männer. die das Ministerium bilden. Die Nation
aber darf nicht länger muffig gegenüberstehen dem
gräßlichen Geschicke eines ihrer größten Dichter der
Gegenwart. Sie flehe aus allen Gauen des Vater
landes um Milde, um Menschlichkeit für den Gekau
penen. Ais Kinkels Leben zu Rastatt in Gefahr
war, da trat die ganze deutsche Presse für ihn auf;
jetzt ist sein Leben wieder in Gefahr, und auf viel
entsetzlichere Weise. So trete sie nun noch einmal
auf für ihn, laut und allgemein, daß es bis in den
Saal des Königs, in das Cabinet der Minister klinge.
Und nickt allein die Menschlichkeit, die Würde der
Intelligenz, die Heiligkeit der Poesie gebietet die an
dere Behandlung Kinkels. Auch die Würde des
Staates gebietet sie; diese Würde wird durch eme
solche Behandlung moralisch und politisch verletzt.
Der Feind dieser Staatswürde mag bestraft werden;
aber durch solche Strafe wird der Strafende selbst
zum Feind.
Die „W. Z." laßt sich berichten: Der dänische
General Julius de Meza ist der Sohn eines von
Portugal nach Dänemark eingewanderten Juden und
hat von der Pike aus einzig und allem durch Fähig
keiten sich bis zum General emporgeschwungen. Er
ist noch Jude und wird's bleiben.
Fürst Metternich ist von der Ortsgemeinde
Plaß in Böhmen zu ihrem Bürgermeister gewählt.
Erzherzog Johann hat seine Wahl zum Bürger
meister von Stainz in Stehermark angenommen und
ist von Gastein dahin gereist um seine Stelle anzu
treten.
Die preußische Bibel ge feilsch a st hat im Jahre
t849 13,107 Bibeln und 380 Neue Testamente. un
Ganzen seit ihrer Stiftung aber, aijo in 36 Jah
ren, 342,110 Bibeln und 04,764 Neue Testamente
vertheilt.
Die Deutschen in Konstantinopel haben drei
Listen für Schleswig-Holstein in Umlauf gesetzt. Die
eine derselben enthält heute 6000 Piaster gezeichnet.
In Buxtehude entstand am 2. September
-wischen den in Arbeit stehenden Gesellen und Dienst-
knechten eine Schlägerei, bet welcher ein Dicnstknecht
erstochen wurde. Die Stichwunde befindet sich aus
der linken Sette der Brust und ist anscheinend mit
einem Dolche beigebracht. Der Thäter ist bis jetzt
noch nicht ermittelt.
In Li mm er sollen, der „Hildesh. Ztg." zufolge,
von 200 Einwohnern 40 an der Cholera gestorben,
alle Knechte und Mägde aber, welche itch aus deu
Todtenhäusern in Pferde- und Kuhställe gepflüchtet
haben, verschont geblieben sein.
Auf dem Grabe Louis Phitipps tieft man
folgende Inschrift: „Dcposüa jaceut sub hoc tapide,