Full text: Newspaper volume (1850)

Den „H. N." wird geschrieben : 
— Ueber die Absichten des Bundestages, be 
züglich Schleswig-Holsteins läßt sich jetzt noch Prä- 
ciserrs angeben. Die Herren wollen: 
1) Die Ratification des Friedens unter Vorbe 
halt der Rechte, welche der Bundesbeschluß von 1846 
gewahrt hat. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß 
diese Rechte deutlich und in Einzelnen erwähnt wer 
den dürften. 
2) DieJnhibirung des Kampfes, weil der Friede 
Holstein die"Fortführung des Krieges verbiete. Die 
ser falsche Grundsatz ist bis jetzt nur von Palmer 
ston vertreten worden. 
3) Die Herstellung eines sogenannten .Jnterimi- 
sticums nach Maßgabe des status quo ante, d. h. 
wohlverstanden, des Zustandes vor dem März 1848. 
Daraus folgte also zuerst, daß die Constitution (das 
Staats-Grundgesetz) aufgehoben werden soll. Dann, 
daß man in der Theorie die seit der Occupation 
Schleswigs factisch unterbrochene, administrative Ver 
einigung der Herzogthümer, wieder Herstellen will. 
Schon gestern wurde mir es leicht, die Nichtigkeit 
dieser letzteren, scheinbaren Concession darzuthun. 
Aber sie wird auch noch andererseits dadurch wieder 
aufgehoben, daß eingestandenermaßen Schleswig occu- 
pirt bleiben soll. Es muß die administrative Ge 
meinsamkeit der Herzogthüiner zerrissen bleiben, wenn 
>ncht etwa, was übrigens wahrscheinlich zu den Ab 
sichten gehören mag, "Holstein selbst gleich ausgelie 
fert werden soll. 
4) Eine demnächstige »nateriellc Lösung der Streit 
frage. 
Wie schon gestern hervorgehoben, wird es für 
dies Alles an verhüllender Form und an beschönigen 
den Phrasen nicht fehlen. Man weiß, daß gerade 
dazu jene Herren ein eminentes Talent besitzen. In 
der Sache aber, — dies kann nicht genug wiederholt 
werden, — soll Schleswig sofort ausgegeben, die 
Erbfolgefrage nach dänischem Wunsch, nach englisch 
russischem Befehl und nach Vorschrift des Londoner 
Protocolles geregelt, endlich durch alle diese Mittel 
Holstein nach Däneinark hingedrängt und Dcutsch- 
laird, besollders Norddeutjchla»rd entrissen werden. 
Das sind die Pläne und Absichten, deren sich die 
Herzogthüiner bei dem Buirdestage zu versehen haben. 
Mögen dieselben mit ihrem Ursprünge zu Schanden 
werden! Möge ein kriegerisches kalt accompli den 
Diplomaten entgegentreten und ihre Combinationen 
über den Hausen werfen. Die Herzogthüiner haben 
keinen anderen, wahren hülfreichen Freund, als ihre 
eigene Kraft und ihr fleißiges Schwert- 
Altona, den 11. Sept. Nach mündlichen Mit 
theilungen eines über Kopenhagen nach Schleswig 
zurückgekchten Arztes meldet der „Alt. Mere." über 
die in Gefangenschaft gerathenen nicht verwundeten 
schleswig-holsteinischen Ofsiciere Folgendes: Die Of- 
siciere sind am 2. September von Kopenhagen auf 
die Festung Kronborg gebracht worden wegen angeb 
lichen Versuchs, die gefangenen Mannschaften der 
schleswig-holsteinischen Armee von ihrem öfter vor 
gekommenen Uebertritt zu den Dänen für die Zu 
kunft abzubringen. Durch eine unvorsichtige Aeuße 
rung beim Landen sind Allen zu Anfang mehrfache 
Vergünstigungen und Freiheiten entzogen worden. 
Sie bewohnen 3 Zimmer und haben 2 schleswig- 
holsteinische Soldaten zu ihrer Bedienung und sol 
len nach den Anfragen der dänischen Ofsiciere, denen 
ihre Bewachung anvertraut ist, keinen Mangel an 
Geld leiden, um über alle gewöhnlichen Bedürfnisse 
verfügen zu können. Sie erhalten Wein, Cigarren, 
Karten, Bücher und dürfen täglich eine Stunde auf 
dem Schloßhofe spatziren gehen. Jedoch steht 10 
Schritte von den Fenstern ihrer Zimmer entfernt 
ein eisernes Gitter, welches sie an einem Blick in's 
Freie hindert und cs unmöglich macht. Einen von 
ihnen zu sehen. Uebrigens sind Alle wohl. 
—, den 7. Sept. Bei Neustadt haben die Dä 
nen vorgestern ein von England kommendes einem 
ncustädter Kaufmann gehöriges Schiff genommen. 
Insel Pelworm. Der „B. §." wird von 
Altona geschrieben: Die Insel Pelworm wurde vor 
14 Tagen mit circa 80 Dänen belegt. Nachdem 
solche dort bereits zwei Tage sich aufgehalten, er 
schien bei dein Landvogt Feldmann ein vom höchst- 
commandirenden Officier daselbst. Manne Lieuten. 
Hammer, abgesandter Soldat mit einem Befehl, 
nach welchem der Landvogt sich unverzüglich bei 
Ebcnqenanntein persönlich einstellen sollte, widrigen 
falls derselbe „als vogelfrei" erklärt werde» würde (?) 
Der Lieut. Hammer behauptete bei späterer Zusam 
menkunft Beider, zu solchem Verfahren beauftragt 
zu sein. Der Landvogt wurde nun ohne Weiteres 
nach Husum, dort zu dem Commandanten Ahleseldt- 
Laurvig und von diesem wieder nach Davids ge 
bracht. Dieser suchte den Landvogt in Versuchung 
zu führen und meinte, er könne nur Tillisch als 
Oberhaupt des Herzogtbums und nebenbei ihn als 
Oberbeamten anerkennen, so würde die Sache sich 
schon machen. Als aber jener hieraus nicht eingehen 
wollte, ist er nach Flensburg gebracht, dort in ein 
Gefängniß geführt, mußte dann per Schiff nach Ko 
penhagen gehen und ist nun hier angekommen. 
Glnckstadt, den 7.^Sept. Gestern wurden 
lvieder 5 Spione oder der Spionade verdächtige In 
dividuen eingebracht. Einer von ihnen ist ein blut 
junger Mensch, der wegen mancherlei kleiner Ver 
brechen schon früher bestraft ist. Die andern 4 wur 
den resp. in Kropp und Mielberg eingefangen. Durch 
die Ankunft dieser neuen Sendung ist die Zahl der 
hier inhaftirten Spione auf ii gestiegen. 
(Jtz. W.) 
Flensburg, den 29. August und 4. Septbr. 
Die „B.-H." bringt nach Privatbriefen einige Noti 
zen aus dem Schleswigschen, von denen wir folgende 
aufnehmen: Am alsener Sunde wird von den Dä 
nen geschanzt. Aus Friedrichstadt erfährt man, daß 
in dortiger Gegend der Vorpostendienst den Dänen 
noch immer viele Leute kostet, indem vom gegen 
überliegenden dithmarsischen Außendeiche aus die 
Dänen geschossen wird. In der Stadt selbst stehen 
ca. 1000 Mann. Ein dänischer Officier, der in der 
Nähe der Stadt auf ein Milchmädchen fahndete, 
ward von einer solchen Kugel aus blauem Himmel 
zu Tode getroffen. Auch wird dort geschanzt. Die 
Schleswig-Holsteiner haben in dortiger Gegend das 
Wasser ins Land gelassen und dadurch Freund und 
Feind in Friedrichstadt des Triukwassers beraubt, so 
daß man dieses aus Husum und anderen Orten her 
holen muß. Die Lazarethe in Flensburg füllen sich 
rasch wieder; es kommen täglich viele Fieber- und 
andere Kranke vom Süden, auch Typhus und Ruhr 
sollen sich eingestellt haben. Ueberháupt werden sehr 
viele Klagen über Lage und Zustände der dänischen 
Armee laut; das Bivouakiren soll die Mannschaft 
furchtbar mitnehmen und Aufsätzigkeit und Weige 
rung werden immer häufiger. Viele der eingetrete- 
nen Demittirten laufen schon wochenlang ohne Mon- 
tirung umher. An Allem, was aus Dänemark kom 
men soll ist großer Mangel. Wegen der eintreten 
den Zollerhöhung haben die flensburger Kaufleute, 
welche Creditauflage haben, den ganzen Bestand in 
den letzten Tagen des August bezahlen müssen. Den 
Dänen hat dies ungefähr 100,000 Mrk. in die 
Hände gebracht. In Stapelholm, Eiderstedt, Husum, 
Friedrichstadt und der angrenzenden Marsch stehen, 
nach den dort einlaufenden Berichten, ca. 8000 Mann 
Dänen, nördlich von da nur kleine Detaschements, 
in der ganzen bredstedter Marsch nur 40 Mann In 
fanterie. nemlich zu Bungsiel, dem ockholmer Hasen, 
welche diesen beobachten und daselbst mehreren Fahr 
zeugen die Segel genommen haben. Im Flecken 
Bredstedt stehen keine Dänen, auf Nordstrand 10 
Mann dänischer Jäger und zwischen dieser Insel und 
dem Husumer Hafen fahren zum Zwecke der Vigilanz 
drei zu Husum requirirte und nur mit Matrosen 
bemannte kleine Fahrzeuge hin und her. Aus Pell 
worm, den Halligen, Föhr und Amrum steht kein 
dänisches Militair. — Mit der Erndte soll es na 
mentlich in der Marsch höchst betrübend stehen. — 
Das dänische Hauptquartier ist nach dem Hose Falken 
berg, eine halbe Meile nördlich von der Stadt, an 
der nach Flensburg führenden Chaussee, verlegt. 
— Nach „S. Bl." ist der Advocat Dubell aus 
Schleswig zum Bürger- und Polizeimeister in Tön 
ning ernannt und dahin abgegangen. Das Privi 
legium des Buchdrucker Petersen ist confiscirt. 
(H. N.) 
Der „Geiser" hat im letzten Sturm an der West 
küste eine Bombenkanone verloren. 
Nach dem „Flensb. Corr." sind sehr bequem ein 
gerichtete, für den Krankentransport bestimmte Om 
nibusse zur Arinee abgegangen. Es sollen dieselben 
Wagen sein,- welche von den „Insurgenten" in den 
Verlchanzungen bei Fridericia zurückgelassen worden 
sind. Fr. Pr.) 
Rendsburg, den 13. Sept. Eine von gestern 
Nachmittags 3 bis Abends 7 Uhr andäuernde starke 
Kanonade, sowie das später in der Richtung von Wit- 
tcnsee nach Eckernförde zu geröthete Firmament, ließ 
aus ein daselbst stattgefundcnes, heftiges Gefecht und 
dabei in Brand gerathener Gebäude sicher schließen. 
Nach Aussage der Abends eingetroffenen Verwunde 
ten und anderen zuverläsflgeiiMittheilungen hat un 
sere Avantgardenbrigade die Stellung der Dänen bei 
Eckernfördc angegriffen und Letztere bis über die 
Schlei zurückgeworfen. Die dänischen Schiffe haben 
Eckernförde aus Rache in Brand geschossen, trotzdem 
die Unsrigen dasselbe nicht berührten, sondern blos 
einige Patrouillen in die Stadt sandten?) Eine nicht 
geringe Anzahl Gebäude soll niedergebrannt sein. Don 
unserer Seite wurde das, nach Aussage der Verwun 
deten, wahrhaft luxuriös eingerichtete "große Hütten 
lager der Dänen bei Kochendorf in Brand geschossen 
und ist völlig niedergebrannt. Noch spät in der Nacht 
hörte man Kanonenschüsse, welche wie man vernimmt, 
von den dänischen Schiffen sielen. Unser Hauptquar 
tier soll sich in Cosel befinden. Das Iste Linienba 
taillon und 2te Jägercorps waren stark im Feuer 
und sollen bedeutend' gelitten haben. Auch vom 3ten 
Jägercorps und 2ten Jnf.-Bataillon sind Verwundete 
eingebracht. Die anderen Bataillone, welche außer 
diesen noch im Feuer waren, können wir nicht mit 
Bestimmtheit angeben. Mehrere Wagen mit Gefan 
genen wurden eingebracht. — Nach Aussage von 
gutunterrichteten Personen soll unsrer Seits der be 
absichtigte Zweck vollkommen erreicht worden sein. 
*) Nach anderen Nachrichten haben die ilnsngen Eciernsorde 
mit 2 Bataill, besetzt. 
Rede des Grafen von N e v e n t l o ul, 
gehalten 
bei Eröffnung der außerordentlichen Schleswig- 
Holsteinischen Landesversammlung 
am 9, September 1850. 
Hochgeehrte Herren! 
In Gemäßheit des Wahlgesetzes vom 20sten 
October 1848 haben Sie durch das Vertrauen des 
Volkes die Besugniß und die Verpflichtung erhalten, 
das Recht und die Interessen der Herzogthüiner_ zu 
vertreten. Groß ist Ihre Aufgabe und grade jetzt 
bedeutungsvoller als je, da Schleswig-Holstein mehr 
als zuvor auf die- eigene Kraft und Ausdauer ange 
wiesen ist und die gegenwärtige Haltung des Vol 
kes und seiner Vertreter über die fernere Zukunst 
des Vaterlandes entscheiden wird. 
Von aufrichtiger Friedensliebe beseelt, hat die 
Statthalterschaft sich wiederholt bestrebt, den Frieden 
durch versöhnliche Schritte herbeizuführen, Dänemark 
hat alle Versöhnungsversuche entschieden zurückgewie 
sen und will das Recht mit dem Schwerdte des Er 
oberers brechen. Wir haben dem feindlichen Ein 
fall bewaffnete Gegenwehr entgegengesetzt und bei 
Jdstedt ward eine blutige Schlacht geschlagen. Die 
Schlacht ist verloren. Der Verlust vieler Braven 
wird tief beklagt und der größte Theil des Herzog 
thums Schleswig leidet jetzt unter dem Druck des 
übermüthigen Feindes, aber die Wehrkraft des Lan 
des ist nicht gebrochen. Unsere Armee, unterstützt 
durch die Hülfsleistung des deutschen Volkes, mehrt 
sich von Tage zu Tage und freudig schließt sich der 
Zuzug freiwilliger Mannschaft den Waffenbrüdern an. 
" Mit tiefer Trauer blicken wir auf die Zerrissen 
heit des deutschen Vaterlandes; wir unsererseits sind 
ober fest entschlossen, als treue Söhne Deutschlands 
auszuharren, und für die Ehre und das Recht der 
Herzogthümer zu kämpfen, bis es gewährt worden 
ist. Unsere brave Armee kennt ihre Pflicht und 
wird ihre Aufgabe erfüllen. 
Dem berliner Vertrage vom 2ten Juli d. I., 
der uns den Frieden nicht bringen sollte, und den 
Aussprüchen fremder Cabinette gegenüber hat die 
Statthalterschaft das Manifest vom 22sten Juli er 
laffen und hofft Ihrer Zustimmung versichert zu 
sein. An den zu Frankfurt wegen Neugestaltung 
des deutschen Vaterlandes eingeleiteten Verhandlun 
gen ist die Statthalterschaft nicht betheiligt; Deutsch 
land entbehrt noch einer höchsten leitenden Behörde. 
Mit fremden Regierungen steht das auswärtige De 
partement in keiner officiellen Verbindung; wir ent 
behren ihres Schutzes, sind aber in unsern Entschlie 
ßungen unbehindert, und vertrauen in dieser verein 
zelten Stellung auf die Gerechtigkeit unserer Sache 
und unser gutes Schwerdt. 
Die Geldmittel zur Fortführung des Krieges 
sind nicht erschöpft. Die Ungewißheit der Dauer 
des Krieges und die verfassungsmäßige Pflicht, das 
Kriegsbudget der Genehmigung der Volksvertretung 
zu übergeben, haben indeß die Vorlage finanzieller 
Anträge erforderlich gemacht. Die Statthalterschaft 
vertraut auch für die Zukunft auf die Vaterlands 
liebe und Hingebung der Herzogthümer und erkennt 
mit Dank die Unterstützung an, welche das deutsche 
Volk durch Sendungen von Geld und anderen Ge 
genständen gewährte und ferner gewähren wird. 
In dieser außerordentlichen Diät an dem ferne 
ren Ausbau des innern Landesorganismus zu arbei 
ten, erscheint der Regierung nicht gerathen, da zu 
nächst alle Kräfte darauf zu richten sind, die recht 
liche Existenz der Herzogthümer zu bewahren und zu 
befestigen. Nur eine auf den Geldverkehr und dessen 
Erleichterung hinzielende Veranstaltung, betreffend 
.das Ausprägen von Scheidemünze, und einige Mo- 
dificationen der Aushebungsgesetze, erschienen als 
dringendes Bedürfniß. 
Hochgeehrte Herren! Die Gegenwart ist ernst 
und verhängnißvoll; lassen Sie uns in diesem Be 
wußtsein fest zusammen stehen und im Vertrauen auf 
die höhere Waltung Gottes die Kraft uns erhalten, 
um unsere gute Sache zum guten Ende zu führen. 
Ich erkläre hiemit die außerordentliche schleSwig- 
holsteinische Landesversammlung für eröffnet. 
Städtische Angelegenheit. 
Von den Stadtverordneten ist folgende Eingabe 
bei der Statthalterschaft eingereicht: 
An die hohe Statthalterschaft Schleswig- 
Holsteins. 
Geschehen Rendsburg, 11. Sept. 1850. 
Das Collegium der Stadtverordneten in 
Rendsburg bittet um baldmögliche Aus 
zahlung des durch die Explosion voin 
7. v. M. den Gebäuden hiesigen Orts 
zugefügten, später zu 140,223 Court, 
veranschlagten Schadens. 
Unterm 22sten v. M. hat der hiesige Magistrat 
Einer hohen Statthalterschaft die Anzeige gemacht, 
daß die von ihm angeordnete Taxation der, durch
	        
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