Full text: Newspaper volume (1850)

Mittwoch den 18. September 
T«i,;esgefchichte. 
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W t vpbrit a n n i e n. 
London, 9. Sept. Die Schnelligkeit mit wel 
cher General Hayn au England verlassen hat, ist 
nicht sehr zu verwundern; die Mißhandlungen denen 
er sich ,n Bankside ausgesetzt sah, scheinen wirklich 
der allerernsthaftesten Art gewesen zu sein. Der 
Ö „Observer", ein Sountagsblatt, giebt folgende 
lung des Vorfalls. 
Haynau hatte schon fast die ganze Brauerei be 
sichtigt und war eben im Begriffe die Ställe in 
Augenschein zu nehmen, als der Angriff begann. 
Bereits einige Zeit vorher waren einige der in der 
Brauerei Angestellten auf die Straße geeilt und an 
den Thoren des Gebäudes hatte sich * ein aus der 
Nachbarschaft zusammengelaufener, mit Peitsche» und 
Besen bewaffneter Arbeiterhaufe versammelt. Durch 
ein schweres, von einem Speicher herabgeworfenes 
Strohbündel auf de» Kopf getroffen, gerade als er 
in einen der Ställe treten wollte, stürzte Haynau 
heftig zu Boden., Kaum. stand .wieder <v«f ff«« 
Füßen. als ihm ein Regen von Wurfgeschossen der 
ekelhaftesten Art ins Gesicht flog. Da dies nur der 
Anfang eines furchtbaren Ungewittcrs zu sein schien, 
so hielt der Marschall nebst seinen beiden Begleitern 
einen schleunigen Rückzug für rathsam und entwich 
auf die Straße, wo er von dem fürchterlichsten Ge 
heul und den gräßlichsten Verwünschungen des vor 
dem Thore ausgepflanzten Hausens empfangen ward. 
Es soll in der That, wie Augenzeugen versichern, fast 
unmöglich sein sich einen Begriff von dem Wuthge- 
schrci zu machen, welches der Schwarm erhob, als 
er des erschrockenen Generals ansichtig wurde. Dieser 
hatte etwa die Mitte der Straße erreicht, als einige 
Kärrner, welche dort mit ihren schweren Peitschen 
warteten, ausriefen: „Das ist also der Kerl, welcher 
die Weiber gepeitscht hat!" und sogleich aus Leibes 
kräften auf ihn loshieben. Der Marschall beschleu 
nigte seine Flucht, allein der durch eine Anzahl von 
Köhlenträgern bedeutend angeschwollene Haufe um- 
zingelte ihn und Alle, welche in seine Nähe kominen 
konnten, traten ihn und stießen ihn hin und her un 
ter dem Ruse: „Er ist ein Mörder! Drauf los! 
Nieder mit dem österreichischen Schlächter! Werft den 
Kerl in den Fluß!" Mit einiger Mühe gelang es 
ihm die Ecke Don Bankside zu erreichen. Dort an 
gelangt, ward er zu Boden geschlagen und einige der 
Aufgeregteren aus dem Pöbelhaufcn versuchten. ihn 
fortzuschleppen, vielleicht um ihn in die Themse zu 
werfen. Sein Neffe jedoch und der Dollmetscher faß 
ten ihn und richteten ihn wieder auf, und er »rächte 
einen neuen Fluchtversuch. Allein der Haufe folgte 
ihm, hieb und warf auf ihn los und stieß die furcht 
barste» Verwünschungen gegen ihn aus. Die Peit 
schen und Besen fielen auf seinen Rücken nieder, die 
Kohlenträger bedienten sich ihrer schweren Hüte als 
Waffe, unablässiger Kothregen strömte auf ihn herab. 
Verschiedene Anwesende machten einen Versuch, den 
Marschall zu beschützen, welcher der Erschöpfung und 
deuMißhandlungen zu erliegen schien, während sein DoU- 
metscher den Pöbelhaufen anflehte ihn nicht zu tödten. 
Zwei jungen Männern, welche sich bestrebten, der 
Verfolgung Einhalt zu thun, ward mit dem Rufe: 
„Er ist ein Mörder! Was hat der österreichische 
Schlächtcr hier zu thun ? Wir wollen ihn lehren Weiber 
peitschen!" geantwortet. Ein neuer Angriff erfolgte; 
der Hut des Generals ward unter lautem Spottge- 
jubel hoch in die Luft geworfen, die Kleider wurden 
ihm vom Leibe gerissen, er ward aufs heftigste am 
Schnurrbart gezerrt, und Einer aus dem Hausen gab 
sich große Mühe, ihm denselben mit einem großen 
Messer abzuschneiden. Endlich fand der Marschall 
in dem George-Public-houst al ,f einige Augenblicke 
eine Zuflucht. Seme vor dem Hause versammelten 
Verfolger wurden immer wüthender und brüllten- 
„Heraus mit dem Schlächter! Schleppt den Mörder 
heraus! Nieder mit dem Elenden!" Sie durchstöber 
ten das Haus; allein das Opfer war nicht zu finden 
Nach einigen Augenblicken jedoch erscholl vom hin 
teren Theile des Gebäudes her ein lautes Geheul 
Einige Kohlenträger hatten den in einem Staubbe- 
hältcr neben dem Hause zusammengekauerten Mar 
schall entdeckt und schleppten ihn beim Haare heraus 
indem sie schrien: „Wir haben ihn! Wir haben den 
österreichischen Weiberpeitscher!" Diese Ankündigung 
ward von einem rasenden Jubel des Pöbels begrüßt 
und der Marschall sollte eben in die Straße gezerrt 
werden, als sein Geschrei das Mitleid einiger Frem- 
den erregte, welche rhu mit Hülfe des Neffen und 
des Dollmetschers dem wüthenden Schwarme ent- 
rissen und ihn wieder ins Haus brachten, wo sie ihn ° 
in ein Schlafzimmer einschlössen und vor demselben, 
Wache standen. Der Eigenthümer des Hauses that 
alles Mögliche, um die Wuth des Haufens zu be 
sänftigen: doch umsonst. Man schrie ihm entgegen: 
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Haus niederreißen. Auf VeraulaHii'.g des Wirthes 
ward endlich Polizei geholt und trat rettend ein 
Der Polizei-Jnspector fand den General auf seinem 
Bette sitzend in einem kläglichen Zustande. Er war 
in hohem Grade erschöpft und beklagte sich über 
Schmerzen, welche er in Folge der erlittenen Miß 
handlungen empfand. Nachdem Haynau einige leichte 
Erfrischungen eingenommen halte, ertheilte ihm der 
Inspector die Versicherung, er könne sich unter seinem 
Schutze als sicher betrachte», da sich unten eine An 
zahl Pvlizeimannschaft zu seiner Vertheidigung be 
finde. ES dauerte jedoch einige Zeit, bis der General 
diesen Versicherungeli Glauben schenkte und sich auf 
die Straße hinaus wagte. Ehe er seinen Zufluchts 
ort verließ, brachte ihm der Dollmetscher, so gut es 
die Verhältnisse erlaubte», seine Kleidung in Ord 
nung, und der Wirth lieh ihm einen Hut. Der Ge 
neral ward auch sicher in ein Themser-Bovt und von 
da nach seinem Gasthofc gebracht. Seine Abfahrt 
von Bankside ward durch das Heulen des Haufens 
begrüßt und sein Hut ward ihm in den Fluß uach- 
geworfen. 
unter Major v. Voigts Commando einen heftigen 
Kampf gegen den bedeutend überlegenen Feind be- 
stanoen Soldaten, Ihr, die Ihr wieder bei diescr 
Gelegenhert durch Tapferkeit und Aufopferung die 
Ehre unserer Waffen vermehrt, empfangt Eures Ge 
neral's auerkeuueuden Dank." 
„Flyveposten" ist höchst erfreut darüber, daß der 
Großfürst Constantin bei seiner Anwesenheit in der 
Haupt,tadt bei mehreren Gelegenheiten sich geäußert 
habe, daß sein Besuch nicht lediglich eine Convenienz- 
visrte sei, sondern mit bevorstehenden Begebenheiten 
in Verbindung stehe. Unter solchen Umständen müsse 
man diesen Aeußerungen, so wie deut Toast, welchen 
er an der König!. Tafel auf die Gesundheit des Kö 
nigs und der dänischen Armee, „die so tapfer für die 
gute Sache, für den König und das Land gefochten 
habe", eine tiefere Bedeutung beilegen. Das zusam- 
mengcnommeu mit den Ordensverleihungen beweise, 
daß der Kaiser der „guten Sache" seinen Beistand 
leihen werde, im Falle dieser nöthig werden sollte. 
_ Dasselbe Blatt meldet, daß mit dem Dampfschiffe 
„Sleswig" am 19. d. vier Kanonen angekommen sind, 
welche beim Danncwerk vergraben, und zwei andere, 
welche auf Fehmarn gefunden worden sind. 
Suutvitou«, vom d. Sept. Die Corvette» 
„Lagerhjelke »üb „Jarramas" haben Befehl, sich mit 
Proviant auf 4 Woche» für eine neue Expedition zu 
D à tt c m a t t 
Kopenhagen, vom 12. Sept. Die „Bert. Z." 
billigt clue kurze Mittheilung aus dem Kriegsmini- 
sternim über die Gefechte vom 8. d. M. bei der 
Stentener Mühle, bei Börmerkoog und Süderstapel, 
Anr letzter» Orte, dcnr einzigen, wo die Schleswig- 
Holsteiner eine größere Stärke zeigten und sich ein 
bedeutenderes Engagement entwickelte, betrug der 
Verlust der Dänen, nach der Angabe des Berichts, 
2 todte und 2 verwundete Officiere und ungefähr 
40 verwundete Gemeine. — Dasselbe Blatt bringt 
f- 1 ,} 1 .b, zeichlliß neuer Ordensverleihungen an mehre 
dänische Officiere von Seite» des' Königs von 
Schweden. ö 
— Der militärische Eorrespoudent der „Neuesten 
Posknachnchten" meldet vom 10. Septbr., daß die 
Däne» ihre Stellung wieder concentrirt haben, so 
daß dieselbe von Natur und Kunst stark sei; da die 
Holsteiner sich verstärkt hätten und ans Rendsburg 
ausgelücri seien, sei Meza's ganze Division mit dein 
frühesten Morgen aus den Beinen, die Wache» wür- 
deu Abends verstärkt und so fei eine Ueberrnmpelung 
unmöglich. Ein Tagesbefehl über die Recognoscirung 
gegen Süderstapel, welche nuck des Feindes Aufmerk 
samkeit von dem Eiderstedtischen ableiten sollte, lautet: 
^,Bei der gestern vorgenominenen Recognoscirung hat 
namentlich die von Friedrichstadt ausgesandte Stärke 
versehen; man vermuthet, sie seien nach der sckles- 
wigscheli Küste bcstinlmt. ' 
Kopenhagen, vom 14. Sept. Die.,B. Z." theilt 
die Ofsiciers-Verlustliste vom 8. d. bei Süderstapel 
mit. Gefallen sind Prem.-Lieut. v. Fick, Sec .Lieut 
v. Wendl; verwundet die Sec.-Lieuts. v Carlsen 
v.. Pedersen und v. Bintzer. Nach der „Ny. P. Eft." 
sind außerdem verwundet 5 Unterofficiere, 5 Unter- 
corporale und Vl Gemeine vom 7. Linie,',-Bat. und 
2 Unterofficiere und 6 Gemeine vom 4. VcrjUat.. 
sowie vom ersteren 5 Mann gefallen, vom letzteren i 
,'Kjöbh." spricht in einem Leitartikel über die ccntra- 
lisirende Verwaltung im Hekzvgthum Schleswig für 
die Rechte des schlcswigschen Volkes, das ein Recht 
habe, dabei ein Wort mitzusprechen, was nur auf 
dem Wege der Repräsentation geschehen könne; man 
müsse doch vor Allem den Schein meiden, als wenn 
d,e Beschlüsse des dänischen Reichstages für Schles 
wig gültig seien. Das Blatt dringt daraus, daß die 
Wahlen zum dänischen Reichstage oder eine,,, schleS- 
wigfchen Landtage vorgciiommen werde». 
DeritschSmev. 
Wren, vom 9. Sept. Der „W. Z." wird un 
ter diesem Datum geschrieben: Die Bevollmächtig 
ten der in Frankfurt vertretenen deutschen Regiern,,, 
gen haben, wie wir hören, die Ordre zur Ratisica- 
tioi, des dänischen Friedens erhalten. Ein Rathschlag, 
der von Seite zweier fremder Mächte nach Kopen 
hagen ergangen, und der von Seite des hiesigen Ca- 
bincttes seine vollständige Zustimmung erhalten soll 
darin bestehen: daß der König von Dänemark' eine 
neuerliche Proclamation an dic Schleswig-Holsteiner 
zur Niederlcgung der Waffen ergehen lassen solle. — 
In dieser letzteren ,ei eine völlige Amnestie zu ver 
heißen, >o wie zu versichern, daß die holsteinische Ar 
mee reorganisirt werden solle. Würde der Pact von 
den Holsteinern nicht eingegangen werde», so soll der 
Uebergang über die Eider von Seite Dänemarks mit 
Unterstützung der englischen und russischen Flotte von 
der Sccseile erfolgen. (?) 
München, vom 8. Sept. Dem Lieutenant 
Lossignola des 2. Jägerbataillon in Bnrghansen
	        
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