erhalten, auf Cappeln zurückzugehen und ward dies
eben vor der Besetzung Borby's ausgeführt. Nur
etwa 100 Mann Dänen unter dem Hauptmann Fal-
kenbcrg waren in Eckernfe.de zurückgeblieben.
Ehe der Hauptmann Falkenberg die Stadt Eckern
förde verlassend auf die Schiffe sich zurückzog, ließ
er durch Pechkränze das große Holzlager des Sena-
tvrs Lange in Brand stecken. Die Dänen schossen
von ihren Schiffen auf die in der Nähe befindlichen
Abtheilungen unseres 5. Jägercorps und setzten da
durch 3 Häuser in Borbyc. so wie 1 Haus und 1
Speicher in Eckernförde m Brand.
Nach beendigter Recognoscirung gingen unsere
Truppen, die in den verschiedenen Gefechten von un
serer Artillerie ausgezeichnet unterstützt worden waren,
wieder zurück.
In einer andern aus Kiel heißt es: Was uns
Laien in unserer Ungeduld als das Vorspiel einer
entscheidenden Schlacht erschien, die Expedition von
gestern, hat sich als eine große Recognoscirung er
wiesen. Es mag ja sein, daß der Commandirende
erst die Schwäche-oder Stärke der feindlichen Posi
tion auf der ganzen Linie kennen muß, ehe er etwas
Entscheidendes unternehmen kann. Bon dem rechten
Flügel des Feindes hatte man sich diese Kenntniß
bereits verschafft, jetzt ist die Untersuchung auch auf
seinem linken Flügel gründlich Und mit Erfolg an
gestellt worden. Heute ist nichts mehr vorgefallen,
doch ist das Hauptquartier noch nicht nach Rendsburg
zurückverlegt. Ueber die Haltung der Truppen bei
dieser Recognoscirung ist nur Eine Stimme; unsere
herrlichen Jungen sind wie zum Tanze vorgegangen,
und nachdem sie „Hannemann" gejagt, eben so munter
zurückgekommen, in der sichern Hoffnung, baß der
Tanz bald auf's Neue beginnen werde. Wenn der
Däne sich immer eiligst vor uns hinter seine Schan
zen zurückzieht, so muß er dort wenigstens Tag für
Tag und Nacht für Nacht beunruhigt werden. Das
ist in der letzten Zeit schon trefflich gelungen. Die
Gefangenen sagen, daß sie keine Nacht meht ruhig
schlafen konnten, immer von Neuem allarmirt wur
den. Wir haben gegen 50 Gefangene gemacht. Das
Lager bei Kochendorf mit seinen zum Theil gedielten
und mit Matten belegten Strohhütten haben unsere
Soldaten sehr bewundert, aber nichtsdestoweniger in
Brand gesteckt, als sic es verließen. — Eckernförde
ist weder von uns, noch von den Dänen besetzt, doch
. liegt der Hafen voll dänischer Schiffe, welche die Stadt
demoliren würden, wenn wir sie besetzte». An den
Dänen hat es nicht gelegen, wenn die Gesion noch
existirt; das so freundlich in Brand geschossene Holz
lager hat das ganz nahe davor liegende Schiff förm
lich gebraten und die Besatzung ist dem Schicksal des
heil. Laurentius kaum entgangen. Der Commandant
soll eine Estafette nach Berlin geschickt haben. Man
wird dort zu spät bedauern, die „Gesion" nicht zu
rechter Zeit in den kieler Hafen geborgen zu haben.
Ohne Zweifel wird aber der Major Etzel zu ener
gischen Vorstellungen in Kopenhagen ermächtigt wer
den und diese werden unfehlbar den tiefsten Eindruck
machen.
— Ngch der „N. ft. Pr." sind bei dem letzten
Gefechte bei Missunde folgende Ofsiciere verwundet
worden: Lieut. Petersen und Hauptmann Ritter
vom 1. Bataillon. Hauptmann Schmidt vom 2. Jä-
ercorps und die Lieutenants von Hauchwitz und
schuck vom 15. Bataillon.
— In einer Korrespondenz der „Nrdd. fr. Pr."
heißt es"unter Anderm: Von ver Artillerie soll na
mentlich die 4te (ipfd. Batterie. Hauptmann Rüstow.
im Feuer gewesen sein, indem die Granatbatterie
nebst einer 12pfd. Batterie dein anfangs stark zurück
weichenden Feinde nicht so schnell folgen konnten.
Die 4te 6pfd. Batterie, welche anfangs bei der Ver
folgung in den einzelnen Aufstellungen immer nur
wenige Schüsse thun konnte, gerieth dann bet Mis-
sundc in ein heftiges Engagement mit den gegen
über liegenden verschanzten dänischen Batterien, und
ward mit einem wahren Hagel von Granaten und
Vollkugeln überschüttet. Die zum Theil noch junge
Mannschaft bewährte in dem mehrere Stunden an
haltenden heftigen Geschützkamps Jnc ausgezeichnetste
Kaltblütigkeit und Präcision, und erwarb sich dadurch
die besondere Anerkennung des Generals.
Eckernsörde, welches gegenwärtig wieder von den
Dänen besetzt ist, ist nicht eigentlich von unseren
Truppen besetzt gewesen, sondern nur Patrouillen
vom 5. Jägercorps und anderen Truppenabtheilun-
geu haben es durchzogen. Groß ist die Freude un
serer dort noch liegenden verwundeten Gefangenen
gewesen, die so plötzlich befreit und sofort auf Wa
gen hierher transportirt sind. Sehr unangenehm
ist bei dieser Affaire die Lage der Preußen aus der
Gesion gewesen; das genannte angeblich neutrale
Schiff hat nämlich von den Dänen nicht weniger
als 0 Schüsse erhalten. Das es überhaupt noch
erhalten worden, ist nur einem Zufall zu danken.
Der dänische Capstan Falkenberg, ehemals (vor 1848)
bei den lauenburger Jägern in Kiel, ließ nämlich
bei seinem Abmarsch ein großes, Kaufmann Lange
gehöriges Holzlager anzünden, (beiläufig im Werthe
von etwa 6000 Rthlr.) welches fast unmittelbar an
.den Stationsplatz der Gesion stieß. Die Absicht
dieser Brandstiftung konnte keine andere sein, als
die Gesion zu vernichten. Der Zufall wollte es in
deß, daß gerade hoher Wasserstand war, wodurch es
möglich ward, das Schiff von der Brandstelle so
weit zu entfernen, daß es nicht durch die Flammen
ergriffen werden konnte.
Welche Mittel nun Preußen ergreifen wird, um
die seiner neutralen Flagge durch die dänischen Schüsse
und die versuchte Brandstiftung angethane Beleidigung
zu ahnden, das müssen wir den Männern überlassen,
welche stets den Mund so voll von preußischer Ehre
zu nehmen pflegen.
Zur Ergänzung obiger Berichte über die Affaire
vom 12ten theilen wir aus der „B.-H." noch fol
gendem mit:
Ein Theil der Armee rst gestern bei Missunde
gewesen und hat dort die Schanzen stecognoscrrt, welche
von den Dänen bei der Brücke angelegt sind. Die
Truppen, speciell zu diesem Dienst beordert, gehörten
zu der Avantgarde und waren 5 bis 6000 Mann
stark mit 2 Kanonen. Um to Uhr rückten sie von
Holzbunge aus und in schnellem Marsche zwischen
dem Bisten- und Wittcnsee durch Damendorf, Hütten
und' Osterbye. Eine viertel Stunde hinter Osterbye
liegt Westerthal, und hier begann das erste Gefecht.
Die Dänen lagen in Westerthal selbst und in einem
kleinen Holze links ab. Sobald man ihre Gegen
wart gewahr wurde, wurden Tirailleurs auf beiden
Seiten ausgeschickt, die mit schnellem Schritt von
Knick zu Kmck eilten und in wenigen Minuten dicht
vor dem Holze standen. Hier entspann sich ein leb
haftes Kleingewehrfeuer, das sich schnell aus der lin
ken Seite ausdehnte bis nach Kochendorf. Da die
Dänen das Hoiz hartnäckig vertheidigten, wurde Be
fehl ertheilt, es mit Sturm zu nehmen. Unter lau
tem Hurrah wurde der Befehl vollzogen und die
Dänen liefen was sie konnten aus dem Holze' her
aus und quer Feld ein nach Kochendorf. Hinter
diesem Dorfe lagen drei Lager mit sehr künstlich ge
bauten Hütten, in welchen eine dänische Brigade
einquartirt war. Diese zog zuerst nach Kochendors,
um das Dorf zu vertheidigen, wurde aber schnell ge
zwungen. sich alls dem Wege nach Missunde zurück
zuziehen. Die Unsrigen folgten ihr so schnell als
möglich in die Schußlinie der Schanzen der Brücke
zu Missunde. Bon diesen Schanzen wurden sie mit
einem heftigen Feuer empfangen und gezwungen,
auf die Artillerie zu warten, welche durch die Däm
mung eines Baches aufgehalten ' war. Bald er
schien sie jedoch und zog durch merkliche Zeichen ihrer
Gegenwart das feindliche Feuer auf sich. Sehr
bald löste sich das. Gefecht in ein heftiges Ge-
schützseuer aus, jedoch schossen auch die Jäger, die
sich bis an die Anhöhen an der Schlei heran
geschlichen ^hatten, von da aus über das Wasser
auf den Feind. Unter diesem fürchterlichen Ku
gelregen ging der General Willisen mit einem
Theile seines Stabes vor. um die Verschanzungen
genau zu besehen. Es ergab sich-, daß die Dänen
drei große regelrechte Forts gebaut hatten, welche
alle das Defile' nach der Brücke bestreichen. Eins
dieser Forts soll sogar mit 20 Stück Geschütz von
schwerem Caliber armirt sein. Auf beiden Seiten
dieser Forts sind Auswürfe für Infanterie angelegt
und an mehreren Stellen Schanzen für die Feld-
batterien. In der That, die Dänen haben die Zeit
benutzt und sich dermaßen befestigt, daß es unmög
lich sein wird, sie von dieser Position ohne den aller
größten Verlust zu vertreiben. Diese Ueberzeugung
wurde bald gewonnen und da der Zweck des Vor
gehens erreicht war, wurden Befehle gegeben, sich
langsam zurückzuziehen. Kaum war der 'Rückmarsch
angetreten, so rückten die Dänen auch schon heraus.
Man ließ sie ruhig herankommen bis dicht an die
Chaussee zwischen Eckernförde und Schleswig, dort
wurden sie von einer 12psd. Batterie empfangen,
und zwar mit solchem Effect, daß sie sich nach "der
Schlei zurückzogen. Die Truppen nrarschirte» ruhig
weiter und im Vorbeigehen wurden die drei däni
schen Lager von einzelnen Leuten in Brand gesteckt.
Diese loderten hoch auf und erhellten den Weg auf
mehr als eine Stunde weit. Das Bivouak der
Truppen wurde in und um Osterbye aufgeschlagen;
in dem Orte selbst lag Oberst Gerhardt" mit dem
Stabe der Avantgarde." DaS Hauptquartier wurde
in Damendorf aufgeschlagen. Während man auf
Missunde nrarschirte, ging ein kleineres Corps aus
Eckernsörde zu und trieb die Dänen mit wenigen
Schüssen aus der Stadt. Vom Wasser aus beschossen
die Befehlshaber der dänischen Fregatte und Kanonen
böte die unglückliche offene Stadt mit Bomben und
Granaten. Stunden lang hindurch wurde alle zwei
Minuten eine Bombe hineingeworfen. Niir zwei
Häuser sind jedoch abgebrannt mit einem sehr gro
ßen Holzlager. Das Dorf Borbye soll auch gebrannt
und die^„Gefion" soll einige unvorsichtige oder zu
fällige Schüsse bekommen haben. Verwundete haben
wir ziemlich viel, jedoch 'wenig Todte. Die Zahl
letzteren ist noch nicht bekannt. Es sollen circa 140
Verwundete sein, unter ihnen sind zwei Hauptieutc
des 3ten Jägercorps Dohmeier und Schmidt und
. Lieuten. Petersin vom Isten Bataillon, Lieutenant
Koch vom isten Bataillon ist verwundet und ge
fangen. Das 12te Bataillon hat wohl am meisten
gelitten, doch fehlen die genauen Zahlen noch. Es
heißt, daß nn Ganzen 50 Mann in der Gefangen
schaft der Dänen gerathen seien; gefangene Dänen
werden m gleicher Anzahl hier sein. Das Haupt
quartier ist wieder nach Rendsburg verlegt und die
Truppen find heute Morgen zurück nach Holzbrmgk
marsch, rt.
SvnbeLburg, den io. Sept. „D. D. Sk."
schreibt: Die hier" liegende russische Escadre werde
im Laufe her Woche abgehen;' ob die ganze Divi
sion das Fahrwasser verlassen und in diesem Fall
von einer anderen werde abgelöst werden, wisse man
nicht gewiß.
Deutschlands Noch.
'Ernst Moritz Arndt erhebt in der „Köln. Zig."
seine wohlbekannte Stimme:
O Männer nicht, nein, Weiber!
Wo sind die starken Leiber?
Wo sind die starken Herzen?
Die tapfern dentschen Schmerzen?
Wankt nicht, was sollte stehen?
Hinkt nicht, was sollte gehen?
Kriecht nicht, was sollte stiegen?
Ist das ein Stand zum Siegen?
Solche Verse wollte es jüngst in einem langen
Liede in mir singen, aber ich habe den Gesang bis
jetzt in meiner stillen Brust, welche doch nicht zu
still ist zurückgehalten. Was frommt nun die ein
same verschwiegene Stille? Leider tönt mir der Jam
mer dieser Reime von allen Seiten aus Tausenden
deutscher Herzen entgegen. O, daß er immer aus
tapfern deutschen Herzen tönte!
Dahin also wären wir mit leeren und hohlen
Freiheits- und Freudenklängen der letzten vier Jahre
gefahren? Dahin wären unsere besten und treuesten
Hoffnungen gesunken und mit allen ihren edelsten
Flammen so weit gelöscht, daß die große Menge
des Volkes wieder in Erstarrung und Gleichgültig
keit gaffte, wie sie das letzte Menschenalter vergebens
gegafft und gehofft hat, und daß aus der Oberfläche
Unmuts) und Vaterlands-Vergessenheit, in der Tiefe
Groll und Haß wühlte und brütete? Wahrlich eine
tausend Mal schlimmere Wühlerei in den Gemüthern
als die schlimmsten, welche die Blume und Schlöffet
jemals getrieben haben. Dahin wären wir gekom
men? Solche Geduld oder vielmehr solche (Gleich
gültigkeit und Ehrvergessenheit hätten die diplomati
schen Zettelungen, Verschleppungen und Verschleifuu-
gen der besten deutschen Gefühle und Gedanken uns
gebracht, daß wir in der Mitte zwischen Ohmnacht
und Schande mit zweifelnder Geduld oder vielmehr
mit geduldigen Zweifeln stehen und gaffen könnten,
ohne daß Zorn die Brüste sprengte, das Wort aus
der Zunge börste und donnerte und die Hand ans
Schwert griffe?
So müffeir wir fragen und fragen weiter: Sind
wir so verstrickt durch Fürstenunseligkeiten (Fürsten-
Fatalitäten werden die Diplomaten sagen), und kön
nen oder wollen die Könige und Fürsten diese Stricke
nicht zerreißen, sondern sind sie, damit wir Deut
schen uns nimmer selbst helfen können, gleichsam das
Umgebinbe und Angebinde ihrer Wiegen? haben sie
darin gleichsam eine mitgeborne Fackel der' Althäa?
und darf uns dieser grauenvollen Verstrickung und
Fesselung wegen zugemuthet werden, die Unsrigen
von Fremden wie Schafe verkaufen und abschlachten
zu lassen und dadurch vor Europa zu bekennen, daß
wir ein armseliges Volk ohne Zorn und Liebe, ohne
Recht und Ehre sind?
Doch stiller aus dem Unmuth oder vielmehr
nach dem Unmuth! Das Gefühl dieses UnmutheS
ist Gottlob von einem proletarischen Haß und einer
undeutschen Verzweiflung gleich weit entfernt. Wir
wollen uns bemühen, die Dinge und vor Allem die
vor uns liegenden deutschen Dinge etwas ruhiger
zu betrachten. Erlaubt ist uns, vor den Könige»
und Fürsten und vor allem Volk von unsern Ver
hältnissen und von den Schäden und Gefahren des
Tages recht offen und frei zu reden, je mehr wir
uns bewußt sind und dafür, aller Welt Zeugniß
haben, immer mehr für die große deutsche Freiheit
gestrebt und gearbeitet zu haben, mehr für die Ehre,
Nacht und Unabhängigkeit unseres Volkes dem Aus
land? gegenüber, als" für die kleine Freiheit, nämlich
für die heutiges Tages Menschenrechte und Grund-
rechte genannten Herrlichkeiten, in welchen vies mehr
Unklarheit und ungeheuertiches Ungethüm nistet und
sich versteckt, als es auf dem Gebiete der großen
Freiheit möglich ist. Indem wir so für die große
deutsche Freiheit gekämpft haben, meinen wir freilich
auch am besten für Volk und Vaterland, aber dem
Scheine nach noch mehr für die Könige und Fürsten
gefochten zu haben, welche ja nur ihrem Namen
und Beruf nach für sich unî^ für das Volk auf Herr
lichkeit, Majestät und Unabhängigkeit angewiesen sind
und in jedem Augenblick für diese leben und sterben
sollen.
Diese Majestät und Unabhängigkeit der Fürsten
und des Volkes ist durch die unglaubliche Frechheit
der Londoner Protokolle vor der ganzen Welt be
fleckt. Ich will die Sünden nicht zum zehnten und
hundertsten Mal auszählen, wodurch die fremden,
Deutschlands Glück und Ehre belauernden und be
neidenden Völker za solcher Verwegenheit gekommen
sind. Da hätte ich Sünden, Gebrechen und Ver--