Full text: Newspaper volume (1850)

Mittwoch, -eiî 25. September 
1850. 
Von diesem Blatte «scheint jeden Mittwochs,»d Sonnabend eine Nummer. PĢndHträac ïiimtnt ~ m 
bcs Wochenblatts in Rendsburg," entgcgengcnomeu werden, Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags^ÜndÄt«? svätàî ber Bczclchimng: „An die Erpeditio» 
ist für Interessenten, denen cS hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl„ und wenn es ņ der Ervedi isnÄt'K™ìWi m ?'» ^betcn. - Der PreiS dieses Blattes 
amtcrn machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. - Kündigungen werde» 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten^' 17 3ut Auswärtige, welche Bestellungen bet den Post' 
Tagesgefthiehte. 
ÎÏ r rt n k v c i eft. 
Paris, vom 17. Sept. Französische Blätter 
melde», daß gestern Abend zwei Attechlls des aus 
wärtigen Ministerium, der Eine nach Berlin, der 
Andere nach Wien, mit Depeschen und wichtigen In 
structionen abgereist sind, die sich der allgemeinen 
Meinung nach auf Schleswig-Holstein und Hessen 
tzassel beziehen. 
Dänemark. 
Kopenhagen, vom 18. Sept. Der Erbprinz 
Ferdinand will sich nach „B. T." morgen nach Flens 
burg begeben. — Das Marineministerium hat gestern 
einen Rapport über den Angriff der schleswig-hol 
steinischen Armee auf Eckcrnförde am 12. veröffent 
licht: „Der Feind rückte in starken Colonnen westlich 
um das WinLebyer Roer vor, befehle 3 von uns 
verlassene Schanzen und fing an, 2 Kanonenböte zu 
beschießen, die südlich stationirt waren. Die Schan 
zen wurden von den Schiffen beschossen, wodurch der 
Feiild gezwungen ward, die beiden östlichen zu ver 
lassen; er hielt sich aber in der dritten weiter abge 
lcgenen. Später ging der Feind westlich um das 
Roer herum und in Borbye hinein, das deshalb be 
schossen ward und in Brand gerietst. Mit der Dun 
kelheit hörte das Gefecht auf "und in der Nacht zog 
sich der Feind zurück." Auch in diesem Rapport wird 
der „Gefion" nicht erwähnt, so wenig wie des An 
zündens des Langcschen Holzlagers, dagegen fügt die 
„Berl. Tid.", indem sie sich vor Allem auf die leider 
in der Regel unrichtigen telegraphischen Depeschen 
bezieht, hinzu: die Wahrheit komme immer mehr an 
den Tag, nian scheine in den »eueren Berichten zur 
Erkenntniß zu kommen. Diese Einsicht, die der „Feind" 
gewonnen haben soll, ist keine andere, als die von 
dem Blatte selbst zuvor angegebene: daß General 
Willisen seine Hauptabsicht nicht erreicht habe. Wir 
widersprechen dem Kopenhagener Blatte nicht; Gene 
ral Willisen hat den Dänen wiederholt eine offene 
Feldschlacht angeboten; aber sie haben sich, wie am 12., 
feige hinter ihre Verschanzungen zurückgezogen. — 
Dabei bekommt der „H.C." das beneidenswerthe Com 
pliment, daß er unter den vielen fabelhaften Erzäh 
lungen noch die wahrhaftigsten Berichte enthalte (was 
„Flyvep." weniger anzuerkennen scheint, da sie von 
den „Räubergeschichten" des „H. C." erzählt). Andere 
Blätter dürfen sich damit trösten, daß die dänischen 
Berichterstatter sie nur auf einem Umwege a» fait 
setzen. So sollen nach einem flensburgerBerickt der 
„Nh. P. Ester." „die Deutschen" das Langcsche Holz 
lager aus Versehen angesteckt haben, und „D.D.Sl." 
erzählt aus zuverlässiger Quelle, daß die Insurgenten 
beim Angriff auf Missunde 15,000 Mann stark ge 
wesen seien. (!) „Faedrel." übertrifft sich sogar selbst 
in seinen Betrachtungen über die schleswig-holsteini 
schen Berichte. — Am 16. und 17. sind die Dampf 
schiffe „Christian VIII." und „Slesvig" mit Reconva- 
lesccnten und Gefangenen angekommen. — Mehrere 
dänische Blätter theilen das ''vorläufige Gesetz über 
die Aufhebung der jütschen Zollgrenze, so wie über 
das Aufhören der Consumtion und die Veränderung 
der Branntwcinsteurung außerhalb Kopenhagens vom 
15. mit, das die in dem schleswigschen Gesetze adop- 
tirten Grundsätze auch für das Königreich als norm 
gebend hinstellt. — Die Generale v. Krogh und 
v. Bülow haben das Großkreuz des Danebrogs er 
halten. Die Quarantaine-Absperrung für Lolland- 
Falster ist aufgehoben. Bandholm, das ungefähr 
150 Seelen zählt, hat 27 Cholerasälle gehabt, dar 
unter 14 Tvdte. 
J'ftder Berl. Tld." liest man unter den Inse 
raten eine Erklärung des von den Dänen wegac- 
schleppten (zugleich mit Pastor Lorenzen aus Adelbyc 
nach Kopenhagen abgeführten) Gutsbesikers Lorenzen 
von Wassersleben, von dem dänischerseits bekanntlich 
behauptet war. daß er, wenn wir nicht irren, sogar 
auch seine Gemahlin, auf dw einziehenden Dänen 
geschossen haben solle, die deutlich zeigt, daß man 
höheren Ortes dem kopenhagener Pobel-Terrorismus 
gegenüber zu einem eigenthümlichen Wege genöthigt 
ist, um dem ohne allen Grund gefangen gehaltenen 
und gemißhandelten Manne die Kerkerthur' wieder 
öffnen zu können. Hoffentlich ist die Erklärung der 
Vorläufer seiner Freilassung. Dieselbe lautet: Ans 
einem Flensburger Blatte sollen vor längerer Zeit in 
mehrere dänische Blätter sehr abenteuerliche Erzäh- 
lungen, welche ich und meine Hausgenossen gegen 
dänische Truppen beim Einmarsch der Armee verübt 
haben sollen, übergegangen sein; da jetzt von meiner 
Gegend aus diese Sache wieder berührt wird, bin ich 
zur nachstehenden Erkläruna veranlaßt: 
Beim Einmarsch der Königlichen Truppen nach 
Flensburg sind bei mir nichrere Hunderte ein- 
quartirt, oder en passant verpflegt worden, 
ohne.daß auch nur von Einzelnen irgend eine 
unfreundliche Begegnung stattgefunden. 
Was das Schießen anbelangt, kann ich die 
Versicherung geben, daß meines Wissens in 
20 Jahren kein geladenes Gewehr in meinem 
Hause war. 
Kopenhagen, den 11. Sept. 1850. 
Gehorsamst 
Lorenzen, 
„ „ von Wassersleben bei Flensburg. 
Kopenhagen, vom 18. Sept. Der königl. 
preuß. Major v. Etzel ist vorgestern wieder von Eckern- 
földe, in Begleitung des dänischen Lieutenants und 
Adjutanten des Kriegsministers Eibe, der dem Major 
von hier aus Beigegeben war, hierher zurückgekehrt 
und wrrd morgen nach Wismar abreisen. Wie wir 
hören, soll er der Besatzung der „Gefion" 12,000 
Preuß. Cour, von hier überbracht haben. — Aus 
authentischer Quelle erfahren wir, daß die „Gefion" 
bei der letzten Affaire bei Eckernförde wirklich von 
mehreren dänischen Kugeln getroffen worden ist; auch 
eure Bombe ist am Bord der Fregatte geplatzt, und 
zwar in der Nähe des Pulvermagazins, wodurch zwar 
Feuer entstand, welches jedoch glücklich wieder gelöscht 
wurde. Durch das Abbrennen des dicht an der „Ge- 
sion" belegenen Holzlagers des Kaufinanns Lange ge 
rieth auch die Takelage der Fregatte in Brand; dies 
,reuer wurde indeß auch glücklich gelöscht. Während 
die Gefahr am größten war, befahl der preußische 
Commandeur der Fregatte der Mannschaft, sich ans 
Lai.d zu begeben, und blieb selbst allein am Bord. 
Trotz der vielen Gefahren ist dennoch kein Mann 
der Besatzung verwundet worden, obgleich die Uni- 
fonnen und Pickelhauben derselben mehrfach durch 
löchert worden sind. (D. R.) 
.... den 21. Sept. Das Marineministerium ver- 
offentlicht folgendes: „Nach eingegangenen Nachrich 
ten ist Fohr den 16. d. Nachmittags vom Comman- 
às^ltain Ellbrecht mit der ihm untergebenen 
starke besetzt. Die feindlichen Kanonenböte und 
das Dampfschiff „Kiel" hatten die Insel am selben 
Nachmittage verlassen. Auf Westerland-Föhr wurde 
Misere Macht aller Orten mit Jubclruf empfangen. 
Die ^nsuraenlen hatten auf Fohr 6000 Mk. und 
eine Anzahl Provisionen ausgeschrieben, was durch 
die Besetzung verhindert ward. 
den 19. Sept. Nach „Flyveposten" sind lin 
ier den eingebrachten Gefangenen 71 Verwundete, 
worunter 4 Officiere. Sie sind in das Lazareth in 
der Soelvgade gebracht, die meisten von ihnen sind 
schwer verwundet, so daß man sehen kann, daß sie 
gegen Batterien gefochten haben. Unter den gefan 
genen Offtcieren befindet sich auch der Lieutenant 
Koch der mit 50 Manu eine Schanze zu stürme,l 
Ersuchte. Flyveposten" hat wieder einen Brief 
ihres Correspondenten aus Altona, der ihr Geschick- 
ten austischt, die er von verwundeten Schleswiq-Hol- 
stemern aus dem dortigen Bahnhöfe erfahre» haben 
will. Unter andern erzählt er, daß General Willisen 
das Commando niederlegen werde, und daß die 
Armee in den letzten Tagen keinen Sold ausgezahlt 
erhalten habe. ö s v 
Deutschland. 
Berlin, den 18. Sept. Die letzthin bei der 
vorübergehenden Besetzung Eckernfördes durch die 
Schleswig-Holsteiner von dänischer Seite gegen die 
„Gefion" bewiesenen feindlichen Absichten sind Ber- 
aniassur.g zu eurer energischen Erklärung Seitens un- 
serer Negierung geworden, indem nämlich in Folge 
«»einer Berathung innerhalb des Staatsministeriums 
dem Herrn v. Werther nach Kopenhagen eine De 
pesche zugesendet worden ist, worin ihm aufgegeben 
wird, dem dänischen Gouvernement zu erklären daß 
man jeden gegen das Schiff „Eckernförde" (so wurde 
bekanntlich die „Gefion" nach der Eroberung umae- 
taust) gerichteten Angriff einem Angriffe auf deut 
sches Bundeslgenthum gleich erachten, und dcmge- 
mäß die weiteren geeignet scheinenden Maßregeln 
ergreifen werde. Leider sind nun zwar diese Hoff 
nungen, daß man dergleichen Erklärungen auch den 
erforderlichen thatkräftigen Nachdruck zu geben kei- 
nen Anstand nehmen werde, durch die Vorgänge der 
ganzen letzten Zeit bedeutend herabgestimmt wor 
den doch wollen wir diese Hoffnung in diesem Falle 
noch nicyt aufgeben, da die Sendung des Hrn. v Etzel 
uns einen Beleg giebt, daß die preußische Regierung 
endlich im Interesse des erwähnten Schiffes han- 
delnd aufzutreten gesonnen sei, und da, wie wir aus 
guter Quelle hören der Besitz dieses Schiffes eine 
dem Könige speciell licbgewordene Idee ist. — Nach 
Belichten aus Kopenhagen ist Major v. Etzel am 
Sonnabend von bort per Dampfschiff über Flens 
burg ilach Eckernförde abgereist. 
Dcrrmstadt, den 16. September. In der heu 
tigen Sitzung der ersten Kaminer stellte der Abgd. 
Wiip den Antrag, die von der Statthalterschaft 
geforderten Verpflegungsgelder (auf welche laut offi- 
cicller Mittheilung bereits eine Abschlagszahlung 
von 10,000 Fl. erfolgt ist) vollständig zu zahlen. 
, 7/ ösn 17. September. Die zweite Kammer 
hat die alsbaldige volle Auszahlung der den Herzoa- 
thumern^ schuldigen Gelder beantragt. 
„ Ķassel. Das „ Corr.-Bür." meldet über die 
kurhessischcn Verhältnisse Folgendes: „Wir haben be° 
reits mitgetheilt, wie der König von Hannover im 
Einverständniß mit seinem Ministerium eine militä 
rische Hülfslcistung in Kurhessen vorerst abgelehnt 
habe. Der Adjutant des Kurfürsten, Herr von Esch- 
wege, derselbe Officier, der auch in Sanssouci war, 
erhielt zuerst den ablehnenden Bescheid, den auch 
der Kurfürst trotz seiner persönlichen Anwesenheit in 
Hannover nicht rückgängig zu machen vermochte. 
Man verwies hier mit der dem hannoverschen Mi- 
msterlum eigenen Zähigkeit auf den Bundestag. 
Baiern hat sich in gleicher Weise gegen die kurhes- 
sische Regierung ausgesprochen. In Frankfurt haben 
der Kurfürst und seine Minister mit dem Grafen 
Thun und Herrn v. Kübeck Besprechungen gehabt. 
Wahrend dieser Konferenzen traf aus Kassel ein 
Courier der preußischen Gesandschaft ein, welcher 
dein kurfürstlichen Minister von Baumbach die preu 
ßische Depesche überbrachte, durch welche, wie bereits 
4M 
Jahrgang,
	        
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