Full text: Newspaper volume (1850)

Rendsburger 
Jahrgangs 
M W. 
Sonnabend, den 28. September 
1850. 
Vo» diesem Blatte erscheint ,'cdcn Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder dircete abgeliefert, oder unter der Bercichnuna: „An die Erneditlo» 
des Wochenblatts »I Rendsburg," entgegengenomcn werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten.- Der Preis dieses Bla tes 
ist für Interessenten, dciieu eS hier am Drte in ük . und inenn v.. ..i...... a* r.* .. ~ - - - ' -oiance 
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 
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welche Bestellungen bei den Post- 
Tttgesgefchichte. 
A „l e r i k st. 
Aus New Aork vom 7. d. M. wird geschrie 
ben: Jenny Lind reißt hier Alles mit sich fort. Die 
ernstesten und ruhigsten Bürger drängen sich in itffe 
Gemächer, um der gepriesenen Sängerin ihre Auf 
wartung zu machen. In einigen Tagen wird sie in 
Castle-Garden auftreten, das 6000 Personen zu fassen 
vermag. Das Entree-Billet kostet 3 Dollars, aber 
die Billete werden versteigert und kommen so sehr 
viel höher. Hr. Barnum, der Fräul. Lind engagirte, 
hat den Contract, den er mit ihr abgeschlossen hatte, 
inodificirt. Sie ist für zwei Jahre cngagirt und wird 
sowohl in den Vcr. Staaten als in Europa singen. 
Für jedes Concert erhält sie 1000 Dollars fest, und 
außerdem die Hälfte der Mehr-Einnahme. Jn New- 
yjinf, meint man, wird jedes Concert durchschnittlich 
12,000 Dollars einbringen und diese Einnahme er 
wartet man für eine Reihe von 20 bis 30 Concer 
ten. Der Preis von 200 Pfd. St., den Barnum 
für ein von Jenny Lind zu singendes National-Lied 
ausgesetzt hat, ist von einer poetischen Comite an 
Bayard Taylor ertheilt worden. 
Großbritannien. 
London, den 20. September. Der bekannte 
„Correspondent der „Const. Ztg." schreibt: Wie sehr 
man hier von gewisser Seite mit den bisherigen 
Erfolgen des so dringend anempfohlenen Protocolls 
unzufrieden ist. beweisen häufige Aeußerungen der 
uns feindlich gesinnten Presse. Es geht bereits wie 
der über Lord Palmerston her, der trotz all seines 
Drängens und Drehens Preußen nicht zur Theil 
nahme bringen konnte. Während wir uns einmal 
über die Festigkeit Preußens freuen durften, an der 
die Pfiffigkeit des russischen Machwerks gescheitert ist, 
muß cs sich der fcinkluge Lord gefallen lassen nach 
der Auffassung des „Morning Chronicle" von einem 
pedantischen preußischen Diplomaten hinters Licht ge 
führt zu sein, ja, man verhehlt sogar seine Scha 
denfreude nicht, wenn der erste Staatssecretair, wie 
man sich denkt, von den Profefforen Gervinus und 
Bunsen (!) mit Verachtung behandelt werde. Mit 
Verachtung nun wohl eben nicht, aber mit dem Er 
staunen der Befremdung über die unglaubliche Ver 
blendung, in welche sich Palmerston in die russischen 
Netze einsangen ließ. Mau erfährt hier aus sicherer 
Quelle, daß von Frankreichs Seite viel behutsamer 
zur Theilnahme am Protocoll geschritten wurde, es 
geschah erst nach vielem Drängen von Rußland. 
Auch in Paris ist man von Anfange an dem Kriege 
zwischen Deutschland und Dänemark abhold gewesen, 
gegenwärtig aber wird der Beitritt zum Protocoll 
aufrichtig bedauert, da durch dasselbe jeder Friede 
mit Dänemark nur um so wahrscheinlicher wird und 
besonders da man sehr gut weiß, daß cs nur dar 
auf angelegt war, die Pläne 'Rußlands fördern zu 
Helsen. Zu einer Fortsetzung der Macht des Czaren 
am Sunde oder in Kiel wird aber Frankreich nie 
mals die Hand bieten, es wird der von Rußland 
vorgeschlagenen Erbfolge niemals seine Billigung er 
theilen. Ganz anders England, es will den Krieg 
und nicht den Frieden und läßt den Willen des 
Czaren geschehen. Das sind die Bestrebungen der 
wüthenden Tory-Partei, für deren Organe von Ber 
lin und London aus so wacker gearbeitet wird. Lord 
Palmerston aber kann es ihnen nicht recht machen, 
sie würden ihm vielleicht nur wieder gut werden, 
sobald er die unverschämte Behauptung russischer An 
sprüche auf Kiel für legal erklärte. 
D ä n e m a r k. 
Kopenhagen, vorn 2t. Sept. Am 25. d.M. 
wird das Linienschiff Dannebrog vom Stapel laufen 
—, vom 23. Sept. Die „Berl. Ztg." enthält 
folgenden Rapport des Marine-Ministeriums über die 
am 17. stattgefundene Affaire des „Geyser" Capt 
Lieut. Wulff: 
Das Dampfschiff „Geyser", welches in der Hewer. 
Mündung statiomrt war, um den Rückzug der Ka 
nonenböte der Insurgenten nach dem Süden abzu 
schneiden, bemerkte am 17., Vormittags um 10 Uhr, 
das Dampfschiff „Kiel" mit drei Kanonenböten im 
Schlepptau südwärts steuernd. Der „Geyser" steuerte 
ihnen irordwärts entgegen und gab dem Feinde un 
gefähr um 11 Uhr auf 1000 bis 1200 Ellen Ab 
stand zuerst eure Lage vom Backbord, die vom Feinde 
sogleich beantwortet wurde; der „Geyser" drehte dar 
aus die andere Seite bei und lies rund um die feind 
liche Linie, die beständig südwärts steuerte, unter 
einem lebhaften Feuer von beiden Seiten. Nach 
einem Kamps von % Stundest wurde die Bomben 
kanone auf dem „Geyser" durch einen Schuß iu den 
Protzkasten unbrauchbar und da zugleich eine 18pfün- 
dige Kanone unbrauchbar geworden war, stand der 
„Geyser" von der Verfolgung ab, drehte die Breit 
seite bei und fuhr fort, den Feind zu beschießen so 
lange cr ihn reichen konnte. Da der Rauch eines 
Dampfschiffes, das man für den „Bildanden" mit den 
dänischen Kanonenböten im Schlepptau hielt, im Nor 
den gesehen wurde, beschloß Capt. Wulff mit dem 
Angriff gegen den überlegenen Feind aufzuhören und 
steuerte aus unsere Kanonenböte zu. um möglicher 
weise noch vor Abend mit ihnen im Schlepptau den 
Feind zu erreichen. Der Strom hielt mittlerweile 
sowohl den „Geyser" als die Kanonenböte zurück, so 
daß es für zu spät befunden wurde, dem Feind zu 
folgen, der während dessen um die Nacht einen großen 
Vorsprung in der See erlangt hatte, so daß unsere 
Kanonenböte verhindert wurden, am Kampfe Theil 
zu nehmen. Der „Geyser" hat nicht mehr gelitten, 
als daß cr in einigen Tagen seinen Schaden reparirt 
haben wird; er hatte 10 Verwundete, von denen 
Einer später starb. Man meint, daß die feindlichen 
Fahrzeuge bedeutend gelitten haben, da das Gefecht 
auf kurzem Abstand stattfand. 
„Flyveposten" meldet, daß dem Verlauten nach 
der König am nächsten Donnerstage zur Armee ab 
reisen werde. 
Auf dem Nyholm wird ein neues Schraubendampf-■ 
schiff für die Marine gebaut, das den Namen „Thor" 
führen soll. Das Linienschiff „Dannebrog" ist von 
84 Kanonen, aber der großen Geschütze wegen län 
ger und breiter gebaut als die andern Linienschiffe. 
„Kjodenhavnsposten", die neulich von der Regie 
rung verlangte, sie solle darauf drängen, daß Hol 
stein von österreichischen Truppen besetzt werde, weil 
dieje nicht deutsch seien und nicht gleich den Truppen 
aller andern deutschen Länder schleswig-holsteinische 
Sympathicen hätten, schlägt jetzt die Bildung einer 
Friedensgesellschast vor, mit dem doppelten Zwecke, 
sowohl zur Erreichung eines friedlichen Abkommens 
als später zur Aufrechthaltung des Friedens beizu 
tragen. Sie meint, die Gesellschaft könne Gutes 
wirken, selbst wenn der Bürgerkrieg noch eine 
Zeitlang fortdauerte. Die Soldaten bekämen ' ihren 
Muth nicht durch die kriegerischen Großsprecher in 
der Hauptstadt oder durch aufhetzende Zeitungsartikel, 
un Gegentheil, wenn es etwas gäbe das der Sol 
daten Hingebung schwächen könnte, so wäre es dieses. 
Der Soldat ziehe den Schluß daraus, daß er durch 
seine Anstrengungen, seine Entbehrungen und seine 
Bereitwilligkeit sein Leben hinzugebe», nur der Ge 
genstand — warum sollten wir es nicht sagen — 
„der Lust der Kopenhagener an dem Schauspiel sei, 
welches ihnen der Krieg in ihrer sichern Stellung 
k verschaffe." Man frage blos Denjenigen, der in die- 
sem Jahre die Armee iu Schleswig besucht habe, 
„ob nickt solche Vorstellungen in den Reihen der Ar 
mee anfangen Worte zu finden." „Kjöbenhavnsp." 
meint, daß das die Integrität der dänischen Monar 
chie sichernde (?) Londoner Protocoll eine andere Po 
litik für die Zukunft erfordere, nämlich eine Aner 
kennung, daß alle dazu gehörenden Staatstheile eine 
friedliche, die Freiheit und Humanität anstrebende, 
iu ihren gegenseitigen Institutionen enger oder weiter 
verbundene Gesammtheit bilden können. Durch eine 
solche Tendenz könne die Gesellschaft vermeiden, we 
der der Partei zu dienen, die die deutschen Herzog- 
thümer, und wäre es auch nur den deutschen Theil 
Schleswigs, aus der Staatsvcrbindung mit Däne 
mark stoßen, noch der Partei, die den alten absolnti- 
stijchcn Zustand zurückführen will. 
„Flyveposten" sagt bei Gelegenheit der Nachricht, 
daß Oldenburg 10,000 Rthlr. Cour, an die Statt 
halterschaft für Berpflegungsgelder bezahlt habe, daß, 
wenn dies gegründet sei, es höchlich überraschen müsse, 
daß diese Regierung zur Führung des AufrnhrkriegeS 
beitrage, während der Großherzog oder ein ihm »aber 
Verwandter auf die dänische Königskrone aspirire 
Das könne dieser Succession nicht zur Empfehluna 
dienen. ^ 
— „Berl. Tid." bringt bei Gelegenheit des See 
gefechtes vom 17ten folgende Notizen über Büsum- 
„Der Hafen ist 300 Ellen lang und 30 Fuß breit 
bei gewöhnlicher Fluth 8 Fuß tief. Im Jahre 
1813 (3. Sept.) haben die Engländer mit 10 Ka 
nonenböten und 4 Barkassen 7 auf der büsumer 
Rhede liegende dänische Kanonenböte angegriffen, 
aber nach 5-stündigem Gefecht die Rhede wieder ver- 
lassen müssen." Das Bl. giebt einen beachtens- 
werthcn Wink, indenr es fragt, ob man nicht däni- 
scherieits die Aufrührer aus der Büsumer Rhede 
angreifen könne, da sie mit Kriegsfahrzeugen der 
Dänen auf offener See und an ihren Küsten an 
gegriffen hätten, im Friedenstractact aber Nichts be 
stimmt sei über Angriffe zur See. 
— Nach der „Dannev." sollen in Eidcrstcdt un 
gefähr zwanzig Bauern und Knechte arretirt worden 
sein, weil sie drei dänische Soldaten überfallen hätten, 
die in die dortige Gegend gekommen waren, um 
Butter für ihre Compagnie einzukaufen. Die Sol- 
daten wehrten sich, und brachten einen derselbe» mit 
ins Quartier, der die übrigen angegeben haben soll, 
welche daraus von Dragonern abgeholt wurden. Sonst 
sei man in Tönning und Eiderstedt mit dem neuen 
dänischen Regiment nicht unzufrieden. — Weiter er 
zählt die „Dannevirke", daß bei dem Angriff auf 
Missunde die schleswig-holsteinischen Truppen aus 
Ausgewählten aus allen Bataillonen und Corps be 
standen hätten, was ihr als Beweis dient, daß die 
Truppen im Allgemeinen nicht auf die Schanzen hät 
ten losgehen wollen. Unter den eingebrachten Ge 
fangenen befinden sich zwei geborne Haderslebener, 
ein Hr. Lauritz Moeller, der im Sommer freiwillig 
nach Rendsburg ging, und des Advocate» Selig 
Sohn. 
DeMschêaudş 
Wien, den 21. Sept. Der Gemeinderath von 
Wien überreichte dieser Tage dem FZM. Haynau 
das Ehrenbürger-Diplom. In demselben wird des 
Attentats in London mit Entrüstung erwähnt. 
Von Böhmen ertönen unaufhörliche Klagen über 
das Umsichgreifen der Cholera. Sie haus't jetzt in 
458 Ortschaften Böhmens, über l5,000 Menschen 
wurden von ihr befallen und beinahe die Hälfte da- 
von ist ihr erlegen, 
43'L
	        
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