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— Mehrere Deutsche in Alexandria haben, wie
der „Schles. Ztg." aus Wien geschrieben wird, der
Redaction der Ostdeutschen Post den Betrag von
5211 Piastern für Schleswig-Holstein zugesendet.
Frankfurt, den 23. Sept. Die „D. Z." be
richtet: Die kurhessische Regierung hat sich bekannt
lich an den „Bundestag" gewendet. Der „Bundes
tag" hat vorgestern den Beschluß gefaßt: daß die
curhessische Regierung die Steuern nach wie vor er
heben und den Widerstand dagegen durch alle „ver
fassungsmäßigen" Mittel zu brechen suchen solle. Auf
den Fall, daß sie hiermit nicht zu Stande kommt,
ist den Regierungen von Hannover und Würtemberg
deren Gesandten den Auftrag mit Dank annehmen,
ausgegeben worden, Truppen (10,000 Mann) bereit
zu halten und beim ersten Wink zur kräftigen Hand
habung des durch die Verordnung vom 7. Septbr.
verkündigten Kriegszustandes in Curheffen einrücken
zu lassen. Man erfährt übrigens, daß alle Schritte,
welche Herr Hassenpflug gethan, aus gemeinsamen
Berathungen mit den übrigen Bundestagsgejandten
hervorgegangen sind und daß er sogar so vorsichtig
gewesen ist, die Verordnungen vom 4ten und 7ten
Sept. vor ihrer Bekanntmachung dem engeren Rathe
zur Durchsicht und Approbation vorzulegen.
Kassel, den 20. Sept. An sämmtliche hier noch
weilende kursürstl. Haus- und Hofbeamte ist der Be
fehl ergangen, sich bis Mitte der nächsten Woche bei
Verlust ihrer Stellen nach Wilhelmsbad, Frankfurt
und Hanau zu begeben. — Auch die bei den Wasser
künsten in Wilhelmshöhe beschäftigten Techniker haben
Ordre erhalten, ihre Verrichtungen einzustellen.
— Ein Frankfurter - Correspondent ‘ der „K. Z."
meldet vom 20. Sept: Bei der großen Wichtigkeit
welche die Entwickelung in Kurhessen für ganz Deutsch
land hat, lind wir es der Geschichte schuldig, jede
uns bekannt gewordene erhebliche Einzelheit zu re-
gistriren. Es hieß gestern, der Kurfürst sei in der
Nacht zuvor hier eingetroffen. Die Sache verhielt
sich anders. Er war in Wilhelmsbad; dagegen
kehrte in der Nacht Lord Cowley von dorther in
emem vierspännigen Wagen zurück. Zufällig be
gleitete ihn ein Husaren-Ofsicier zu Pferde, und dies
diente dazu, die schon vorhandene Aehnlichkeit seines
Reisezuges mit dem des Kurfürsten zu erhöhen. Ein
vermuthlich dadurch irregeführter Menschentrupp warf
,ich dem Wagen in der Nähe des Thores mit wü
thendem Geschrei entgegen. Man hörte rufen: „Her
aus mit dem Hunde, schlagt ihn todt!" Doch es
blieb bei dem respectwidrigen Geschrei, und Lord
Cowley, dem der Ruf wahrlich nicht gegolten hatte
entkam. num iXbxx totefcir ‘a&oTşwrtg
ter nachdachte, begab sich Graf Thun gestern Vor
mittags Wieder zum Kurfürsten nach Wilhelmsbad.
Die Unterredung zwischen Beiden hatte kaum geen
det, als der Letztere seine nächsten Agnaten in Schloß
Rumpenheim besuchte. Diese schwerlich ahnend, daß
sie dadurch nur ein Mittel zu ihrer erstrebten Aus
schließung von der Thronfolge darbieten würden, er
klärten dem Kurfürsten die volle Zustimmung zu dem
Hassenpstuglchen Schand-Regnnent und zu weiteren
Gewaltstreichen. Dann kehrte der Kurfürst nach Wil
helmsbad zurück. Auf dem Schloßhofe fragte er den
wachthabenden Officier, wie ihm der Kriegszustand
gefalle? „Es ist alles ruhig", antwortete der Officier
trocken. „Nun" versetzte der Kurfürst mit wüthen
dem Blick, „es muß noch schärfer genommen wer
den." Da sie in wenigen Worten ein höchsteigenes
Programm, woran wir den dringenden Wunsch knüp
fen, daß ihm die braven Kurhessen ein unerschütter-
llches Festhalten an Besonnenheit und Loyalität ent
gegensetzen und dadurch die verruchten Pläne ihrer
und unserer Feinde vernichten mögen.
Berlin, den 24. Sept. Die „Köln. Zeitung"
schreibt: Einstweilen soll, wie wir hören, in West-
phaleu, bei Paderborn, ein Beobachtungs-Corps in
Curheffen zusammengezogen werden. Wahrscheinlich
wird dasselbe Verstärkung, namentlich Artillerie, auch
vom Rheine her an sich ziehen.
Die „N. Z." sagt: Wir glauben gut unterrichtet
zu sein, wenn wir mittheilen, daß von Seiten Ruß-
tands lediglich die Erbfolge des Prinzen Peter von
Oldenburg in Dänemark, nicht die des Großherzogs,
begünstigt wird, daß wenigstens nur für diesen Fall
der Kaiser von Rußland sich bereit erklärt hat, auf
seine holstem-gottorp'schen Erbansprüche zu verzichten.
Was über die Begründung einer Secundogenitur des
großherzoglich oldenburgischen Hauses oder über eine
eventuelle Regentschaft des Prinzen Peter über den
Punzen Elimar berichtet wird, fällt daher bis fetzt
jedenfalls nur in das Gebiet der Vermuthungen.
Von der Saale, 23. September. Soeben höre
l & ^3 beic Literat Bösche, der eine Zeitlang als
Mitarbeiter an Ruge's Reform sehr thätig war und
dann, nachdem er als preußischer Landwehrunterofsi-
eier bei der Renitenz des halleschen Bataillons im
Mvember des Jahres 134s eine sehr hervorragende
Rolle gespielt, als Lieutenant unter Bem in Ungarn
gedient, auf dem Bahnhöfe z» Weißensels von der
Polizei entdeckt und verhaftet worden sei.
(D. A. Z.)
Dldenbnrg, den 22. September. Tags nach
der Rückkehr des Großherzogs von Rehme, welche
vorgestern Nacht r Uhr erfolgte ist ein Cabinets-
courier mit Depeschen an den "König Otto von Grie
chenland nach Aschaffenburg abgegangen. Man er
innert sich, daß im vorigen Jahre während der An
wesenheit der Königin Amalie vielfach die 'Rede da
von war, daß die Königin ihren jüngsten Bruder,
de» Herzog Elimar, zum Thronfolger in Griechen
land, bestimmt zu sehen wünsche; es darf daher nicht
wundern, daß gerade jetzt, wo die Zeitungen bereits
von den Thronentsagungs - Absichten des Königs
Otto sprechen, wiederum derartige Muthmaßungen
auftauchen.
Königsberg, vom 18. Sept. Der bekannte
Räuberhauptmann Raudons Krotinnos, welcher an
der russischen Grenze sein Wesen trieb und das Haupt
der dort die großartigsten Geschäfte machenden Schmugg
lerbanden war, ist auf russischem Gebiete eingefangen
und soll nach Petersburg transportirt werden; auf
seinen Kopf waren 1000 S.-R. gesetzt.
Cuxhafen, den 23. Sept. Laut Mittheilung
des Schiffers Beekmann vom hannoverschen Galleas-
Ewer Emanuel, gestern von Friedrichstadt hier ein
getroffen, sind am 23. d. M. etwa 40 Schiffe ver
schiedener Nationen von den Dänen aus der Eider
gewiesen worden. Ein großer Theil derselben hat
bereits die vorschriftmäßige Ouarantaine gehalten,
und mußte sich, ohne die erlegten Kosten erstattet
zu bekommen, entfernen. — Selbst das auf dort
fahrende englische Dampfboot lag an genanntem Tage
seit 0 Uhr Morgens vor den Drogden, ohne einlau
sen zu dürfen.
Hamburg vom 24. Sept. Capitän Olivieri,
der zu diesem Zwecke aus Paris abgesandt worden
war, hat der Statthalterschaft eine italienische Legion,
welche unter dem Commando des Grafen Pianciani
steht, und sich ohne weitere Bedingungen zu stellen,
dem Dienst der schleswig-holsteinischen Sache widmen
wollte, angeboten. Die Statthalterschaft erwiederte
dem Capitän nach reiflicher ' Ueberlegung, daß der
Annahme des Anerbietens, für welches sie ihren Dank
ausspreche, politische Gründe entgegenständen. Wir
können dem Danke der Regierung nur den unsrigen
hinzufügen, weil wir in jenem Anerbieten einen Be-
weis der für die Völkerrechte glühenden Empfindun
gen erblicken, welche die italienische Nation aus
zeichnen.
Hamburg, den 24. Sept. Einem uns gütigst
mitgetheilten Privatschreiben eines schlesw.-holsteini-
schen Gefangenen in Kopenhagen, der in der idstedter
Schlacht in Gefangenschaft gerieth, entnehnren wir
Folgendes: „Am 25. Juli, Abends 7 Uhr, wurden
wir in Flensburg eingebracht und auf Schiffe ge
packt. Wie es uns von hier bis zu unserer Ankunft
in Kopenhagen erging, muß ich verschweigen. Am
Q- NrtowtWw- v»v* — -m
gen ans Land gesetzt und nach der Sölvgaden-Ca-
serne transportirt, wo wir in die einzelnen Stuben
vertheilt wurden. Alle suchten die Ruhe, die wir
seit dreimal vierundzwanzig Stunden entbehrt hatten.
Am andern Morgen (es war Sonntag) ward uns
die Erlaubniß, in der Caserne umherzugehen und
auf dem Hofe zu spatziren. Den folgenden Tag.
Morgens 2 Uhr, wurden wir von der Caserne nach
den Schiffen umquartiert. Zuerst kam Alles nach
dem „Waldemar" wo es entsetzlich voll wurde; jetzt
sind wir hier noch 400 Mann, indem die klebrigen
sich auf beiden Fregatten Danmark" und „Fylla"
befinden, die mit dem „Waldemar" in einer
Linie liegen. Das letztgenannte Schiff hat 4 Decke;
das 3te und 4te enthält die Schlaflocale, das zweite
die Marketenderei und das oberste dient als Spatzier
gang. Am Tage vertreibt Jeder die Langeweile, so
gut er kann. Hier schnitzt Einer hölzerne Löffel oder
Dominosteine, dort wird gespielt, dort eine Zeitung
verlesen; wir bekommen nämlich jeden Morgen die
„Flyvepvsten und die Berlingsche Zeitung". Um 8
Uhr Abends versammelt sich am Backbord die recht
gute Liedertafel und singt Heimathklänge, die mit
Gewalt das Herz nach Deutjchland und Allem, was
uns dort lieb ist, hinüberziehen. Um 9 Uhr bläst
das Horn, das unerbittliche, den Apell und alles
geht zu seinen Schlafstellen. Dann wird entweder
der Gesang unter Deck fortgesetzt oder es wird er
zählt und vorgelesen bis 12 Uhr, wo man sich zur
Ruhe begiebt und mit dem Gedanken einschläft:
Wie lange wird es noch dauern?
Lübeck, vom 24. Sept. Die bisher in Schles
wig zurückgehaltenen Aerzte der schleswig-holsteini
schen Armee: Oberarzt Dr. H. Schwarz und die
Doctoren Kästner. Graf, Beckendahl, Harald Schwarz
und Nölting sind heute aus Kopenhagen hier ange
kommen.
Şch êes w Lg - H v lst eê n.
Kiel. Zum Besten der m Kopenhagen befind
lichen verwundeten und gefangenen Schieswiq-Hol-
stelner sind bis zum 20. d. M. bei dem sich hierfür
gebildeten Comitv 3101 tnĶ eingegangen.
Altona, den 24. Septbr. Der „Merc." ent
hält eine interessante Uebersicht der aus Deutschland
und anderen Ländern eingegangenen freiwilligen Bei
träge für Schleswig-Holstein bis zum 2ten d., die
wir unten nach der Reihenfolge der Summengrößen
Ihnen zusammenstellen. Zu bemerken ist dabei übri
gens, daß die Summe der Beiträge aus Hamburg
wie bekannt, weit größer ist und zunächst Hannover
würde auszuführen sein, wenn nicht im Einverständ-
niß mit Beikommendem der größte Theil des Er-
22 10
14 4
träges der Sammlungen anderweitig zur Verwen
dung gekonimen wäre.
Uebersicht. Pr. Crt.-Thlr. Sgr. Pf.
Hannover 33,875 18 5
Baiern 19,086
Sachsen, Königreich 11,864
Bremen 11,668
Würtemberg 9,420
Oldenburg 9,383
Mecklenburg-Schwerin 7,104
Oesterreich 6,123
Frankfurt am Main 6,048
Baden 5,916
Hamburg 5,465
Hessen, Churfürstenthum 5,238
Braunschweig . . 4,964
Sachsen-Weimar 3,613
Lübeck 2,794
Lübeck, Fürstenthum 2,349
12 10
13 3
Hessen, Großherzogthum.
Sachsen-Meiningen . .
Sachsen-Coburg-Gotha
Lippe-Detmold ....
Lauenburg
Anhalt
Nassau
Reuß
Vierlande 1,137
Sachsen-Altenburg 1,02 7
Holstein 835
Santos (Brasilien) 800
Mecklenburg-Strelitz . 725
Waldeck 720
Schaumburg-Lippe 510
England 499
Niederlande (Amsterdam) 454
Schwarzburg-Rudolstadt 411
Schwarzburg-Sondershausen . . . 200
Hessen-Homburg I68
Preußen .' 84,058
250,122 16 4
Bis zum 20. d. M. ist die Gesanrmtsumme der
Beitrage auf circa 700,000 Mrk. gestiegen, auch sind
bis dahin von Oldenburg und von Anhalt-Bern-
burg Abschlagsjummen für die Verpflegung u. der
resp. Truppen von 10,000 Rthlr. und 2000 Rthlr.
eingezahlt.
Kiel, 23. Sept. In der heutigen Sitzung ist
der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abkürzung
des Verfahrens bet den höheren Kriegsgerichten wäh
rend der Zeit, da die Armee im Felde steht, von der
woxfc*«. Die Wahl eines Arrs-
ichusfes wird beschlossen und in demselben Claussen
und Major v. Dalitz, Malmros, Wiggers, Momm-
sen gewählt.
Dr. Heiberg richtet eine Interpellation an den
Departementschefs der auswärtigen Angelegenheiten
in Bezug auf eine Mittheilung im „Hamb. Corr"
wonach der Herzog von Braunschweig die Ratifica-
tion des Berliner Friedens nach langem Zögern „auf
den Wunsch der Statthalterschaft" vollzogen haben
lolle. Der Departementschef erwiederte, daß er die
selbe Meinung gelesen, auch sonst von einem solchen
Wunsche der Statthalterschaft gehört habe, daß aber
den beiden Mitglieder» der Statthalterschaft selbst
nichts von einem solchen Wunsche bekannt ,ei.
Hierauf verwandelt sich die Sitzung in eine ge
heime.
Kiel, den 25. Sept. Heute fand hier die Er
satzwahl der größeren Grundbesitzer für ihre aus der
Landesversammlnng ausgeschiedenen Deputaten, Graf
Reventlow-Jersbeck und Graf Baudissin-Borstel statt
Die Wahl siel auf den Grafen Baudissin-Sophien-
hof, Better des Borsteler, und von Kronstern Be
sitzer von Nehmten und Marutendorf, Schwieger
vater des bekannten Hrn. v. Plessen der seiner Zeit
im Dienste der Landesverwaltung stand.
(Fr. Pr.)
—. den 25. Sept. Das in der heutigen Land
tagsitzung vertheilte Verzeichniß der schleswig-holst.
Hülfsvereme in Deutschland ergiebt, nach der „B.-H.„
die Ge,ammtzahl von 424 Vereinen, nämlich: An
halt 5. Baden 7. Baiern 27. Bremen 2. Braun
schweig 5. Frankfurt a. M. 1. Hamburger Gebiet
5. Hannover 67. Großherzth. Hessen 5. Curheffen
9. Homborg l. Lauenburg 5. Lippe (beide) 7.
Lübeck 2. Nassau 4. Mecklenburg (beide) 18. Oe
sterreich 8. Oldenburg 24. Preußen 170. Sächs.
Lerzogth. 23. Königr. Sachsen 16. Fürstenthum
Reuß. Schwarzburg und Waldeck 16. Würtemberg
3. Hiernach verhält sich die Zahl der Vereine in
Preußen zu dem ganzen übrigen Deutschland mit
Oesterreich ungefähr wie 3 zu 4. Von den preußi
schen Vereinen zählt am meisten die Rheinprovinz
(45) und Westphalen (39). Die wenigsten Pommern
(10) und Posen (5).
—, den 22. September. Der Commandeur des
dänischen Kriegsdampfers Geyser, der neulich beim
Zufanlmenstoß mit unsern drei Kanonenböten in der
Westsee so unangenehme Erfahrungen gemacht hat,
soll sich vorher, lch weiß nicht ob auf Helgoland oder
onstwo vermessen haben, wenn er unsern Kanonen
böten begegne, so werde er dieselbe keines Schusses
würdigen, sondern sich einfach darauf beschränken, sie
uberzusegeln. Wahrscheinlich wird in Folge jenes
Gefechts dem Hrn. Bramarbas die Lust zum Ueber-