Full text: Newspaper volume (1850)

des Königs' dem Operationssysteme des Feindes eine 
andere Richtung geben, namentlich das dänische Heer 
in die Offensive übergehen werde, hat sich demnach 
bis jetzt nicht bestätigt. 
Die „N. fr. Pr." läßt sich unter Anderm schreibest: 
Kiel, den l. October. Nach einem Berichte 
der im Ganzen als zuverlässig gelten kann, ist Fol 
gendes der Hergang bei dem Angriff unserer Trup 
peil auf Friederichstadt am 29. Sept. Zuerst wurde 
von den Unsrigen das äußerste Blockhaus der Dä 
nen auf der Chaussee von Seth nach Friedrichstadt 
ohne Gegenwehr des Feindes genommen. Die Bat 
terie Christiansen ging daraus weiter auf der Chaussee 
vor, und schoß unter Beistand unserer Kanonenböte 
auf der Eider die erste Mllisadenreihe der Dänen 
ein. Eine Compagnie des ersten Jägercorps nahm 
darauf mit Sturm die erste Linie und besetzte die 
Schanze der Dänen, welche auf der Chaussee lag. 
Hier soll nach einer Nachricht Vollertsen gefallen 
sein. (Nach einer andern Nachricht fiel er bei Tön 
ning). In der Schanze setzten sich nun die Unsrigen 
fest, und stellten da die kleine Mörserbatterie aus; 
gleichzeitig gingen aber auch zwei Kanonenboote (Kie 
ler) vor, wobei der Lieutenant Kjer leicht verwundet 
wurde. Nun begann das Beschießen der nahe vor 
bet Stadt liegenden Pallisadenlinie und Per Schanze 
bei der Borkmühle. Sobald eine hinreichende Oeff- 
nung geschossen worden, sollte von der Artillerie 
ein Trompeten-Signal zum Angriff gegeben werden; 
auf das gegebene Signal ging eine Compagnie vom 
6. Bataillon vor, fand aber nur eine Oeffnung in 
der Pallisadenreihe, wodurch sechs Mann zur Zeit 
passiren konnten. Sie brach hindurch, um einen An 
lauf auf die Schanze zu machen, aber zu früh, hin 
ter den Pallisaden wurde sie von deu noch nicht ab 
gezogenen Dänen mit einer fürchterlichen Salve 
empfangen. Die Angreifenden mußten kehren, und 
ein Kartätschenfeuer folgte ihnen nach. Gegen 40 
Mann blieben liegen, die Kanonenboote konnten we 
gen des Deiches wohl die Pallisaden, aber nicht die 
Schanzen treff n. Die Dänen hatten ihr Geschütz 
in der Schanze hinter Schießscharten, die bombenfest 
zugedeckt sind. Unsere 12pfündige Batterie aus der 
holsteinischen Seite, der Stadt schräge gegenüber, 
traf in eine Schießscharte hinein, und sprengte einen 
Protzkasten. 
Am 30. Septbr. war Ruhe. Es wurde mehr 
Munition und noch eine Batterie herangezogen. Der 
Magistrat von Friedrichstadt bat unseren Höchstcom- 
mandirenden, daß die Stadt nicht beschossen werden 
möge, worauf von der Tann die Antwort ertheilt 
haben soll, daß, sobald die Dänen die Stadt ver 
ließen, vom Beschießen nicht die Rede sein, könne. 
Unser Gesammtverlust vor Friedrichstadt wird auf 
gegen 200 Mann geschätzt. 
—, den 2. Oct. (172 Uhr Nachmittags.) Heute 
Morgen sind nur einzelne Kanonenschüsse von der 
Westseite gehört worden. Mehrere Kanonenböte, 
seit dem letzten Gefechte von Friedlichstadt nach Sü- 
derstapcl abgegangen, wegen Mangel an Munition, 
waren heute Morgen wieder vor Friedrichstadt beor 
dert. Vorige Nacht wurden dort Leuchtkugeln ge 
worfen. — Heute Morgen wurden hier in Rends 
burg 1 dänischer Lieutenant und 1 Arzt gefangen 
eingebracht. — Von den Vorposten unseres Centrums 
ist keine wichtige Meldung eingelaufen. — Major 
Aldosser soll sich in der Nähe des Obersten von Der 
Tann besinden. Das Dampfschiff „Rendsburg" wird 
morgen wieder fahren können. 
Dänemark und die Herzogthümer. 
(A. d. f>. R.) 
Hamburg, den 2. Oct. Wir sind in den Stand 
gesetzt, unseren Lesern nachstehend den Bericht mitzu 
theilen, den die bekannten drei Mitglieder des Frie- 
denscongresses in Betreff ihrer Bemühungen, eine 
friedliche Ausgleichung in der schleswig-holsteinischen 
Frage herbeizuführen, an die Mitglieder dieses Con 
gresses abgestattet haben. 
An die Mitglieder des zu Frankfurt 
am Main gehaltenen F r i e d e n s - Con 
gresses. 
Es ist Ihnen wohl allgemein bekannt, daß am 
Morgen der letzten Sitzung ein sehr achtungswer- 
thes Mitglied aus Berlin beim Bureau die Erlaub 
niß nachsuchte, eine Eingabe vorzulegen, welche von meh 
reren angesehenen Männern aus jener Stadt unter 
zeichnet war Diese Eingabe forderte den Congreß 
auf, die zwischen Dänemark und den Herzogthümern 
Schleswig-Holstein obschwebende Streitfrage zu un 
tersuchen. Nach stattgefundener Erwägung ward ent 
schieden, daß man auf eine solche Untersuchung sich 
nicht einlassen könne, ohne eine ver Regeln der an- 
genommenen Geschäfts-Ordnung zu verletzen, durch 
welche jede unmittelbare Anspielung auf die pottujchen 
Ereignisse der Gegenwart ausgeschlossen wurde. In 
dessen waren viele Mitglieder des Congresses von 
dem ernstlichen Wunsche beseelt, daß keine günstige 
Gelegenheit verabsäumt werden sollte, Rathschlage 
des Friedens anzubringen, in der Hoffnung, daß fer 
nerem Blutvergießen vorgebeugt, und eine gütliche 
Beilegung des Streites gefördert werden möchte. 
§Jn dieser Hoffnung und mit der ausdrücklichen 
Erklärung, daß es nicht unsere Absicht sein könne, 
auf die Erörterung der Streitfrage selbst einzugehen, 
wagten wir es, einzig und allein auf eigene Ver 
antwortlichkeit. uns nach dem Schauplatze des Kampfes 
zu verfügen, um an die kämpfenden Parteien die 
dringende Bitte zu richten, daß sie die ganze Streit 
frage der Entscheidung aufgeklärter und unpartei 
ischer Schiedsrichter überweisen, und somit sich sel 
ber die ferneren Leiden und Schrecken eines Krieges 
ersparen möchten, der doch niemals in genügender 
Weise den Streit erledigen würde, und welcher mit 
schmerzlicher vBetrübniß . von den Freunden der Re 
ligion und der Humanität in der ganzen Welt be 
trachtet werde. 
Um jedem Mißverständniß über den Zweck unse 
rer freiwillig übernommenen Sendung vorzubeugen, 
faßten wir die im Vorstehenden ausgedrückten Ansich 
ten in einer schriftlichen Erklärung zusammen, welche 
zuerst der Regierung Schleswig-Holsteins vorgelegt 
werden sollte. Wir langten am Abend des 2. Sept. 
in Kiel an und machten am folgenden Tage unsern 
Besuch bei dem Präsidenten und mehreren anderen 
Mitgliedern der Landesversamlung, bei dem Bürger 
meister der Stadt, bei mehreren Mitgliedern der 
Universität und andern Männern von' Einfluß in 
verschiedenen Kreisen der Gesellschaft, und wir setzten 
ihnen den Zweck unsers Besuches auseinander. Wenn 
gleich unverkennbar fest entschlossen, Gewalt mit Ge 
walt bis zum Alleräußersten zurückzuweisen, erklärten 
doch Alle, ohne Ausnahme, ihre Bereitwilligkeit, die 
Entscheidung der ganzen Frage einem unparteiischen 
Schiedsgerichte zu überlassen. 
Am folgenden Tage begaben wir Ms nach Rends 
burg, der bedeutendsten Festung in Holstein und zur 
Zeit dem Sitze der Regierung, und machten den 
Statthaltern und andern Mitgliedern der Regierung 
unsern Besuch. Sie empfingen uns mit großer Ar 
tigkeit und vernahmen mit ernster Aufmerksamkeit 
die Verlesung unserer schriftlichen Ansprache, wie auch 
die Erwägungen und Gründe, die wir für eine 
schiedsrichterliche Behandlung, als eine der Billigkeit 
entsprechende und zweckmäßige Art der Lösung der 
obwaltenden Schwierigkeit geltend machten. Sie er 
wiederten, es sei für die Regierung der Hèrzogthû- 
mer ganz unmöglich, irgend einen Antrag von sich 
aus zu stellen, und wir müßten uns darüber ganz 
klar sein, daß wir von ihnen keine Mission an die 
dänische Regierung hätten; aber sie erklärten: sie 
würden ihrerseits bereit sein, die Ansprüche der Her 
zogthümer der.Entscheidung aufgeklärter und unpar 
teiischer Schiedsrichter zu überweisen — vorausge 
setzt, daß auch Dänemark seinerseits seine Ansprüche 
demselben Tribunal unterwerfen wolle, und indem 
die Bestimmungen über Ernennung, Zusammensetzung 
und Jurisdiction der Entscheidungsbehörde einer 
eventuellen Verständigung vorbehalten bleiben. 
Wir zeichneten diese Antwort schriftlich auf und 
legten sie ihnen später zur Prüfung vor, woraus sie 
über die Genauigkait derselben sich zustimmig erklärten. 
Als wir diese Erklärung von der Regierung der 
Herzogthümer erlangt, reisten wir den nächsten Mor 
gen nach Kopenhagen ab, wo wir am 10. ankamen, 
nachdem wir mehrere Tage in der Quarantaine auf 
gehalten worden. Wir erwirkten leicht eine Zusam 
menkunft mit dem ersten Minister und mit dem Mi 
nister der auswärtigen Angelegenheiten, mit jedem 
besonders, und sie empfingen uns in einer freundli 
chen und cordialen Weise. Wie legten ihnen eine 
schriftliche Erläuterung über den Zweck unserer Mission 
und über Dasjenige vor, was in Rendsburg vorge 
kommen. Wir nahmen ihre besondere Aufmerksam 
keit in Anspruch für den Unionsvertrag zwischen Dä 
nemark und den Herzogthümern vom Jahre 1533, 
welcher 1623 erneuert und zu Travendahl 1700 be 
stätigt worden; nach welchem die vertragschließenden 
Theile sich zu gegenseitigem Beistand verpflichteten 
und in Bezug aus Differenzen, die zwischen ihnen 
entstehen möchten, die Vereinbarung trafen, dieselben 
nicht durch die Waffen, sondern durch die Räthe zu 
schlichten, welche beiderseits als Schiedsrichter ausge 
stellt und von ihren Eiden, Pflichten und Gelübden 
endbunden werden sollten. Wir schlossen unsere An 
sprache mit den Worten: — „Wir kommen als Pri 
vatleute, mit keiner politischen Autorität bekleidet. 
Aber wir wissen, daß wir die Ueberzeugungen und 
Sympathieen von Millionen, auf beiden Seiten des 
Weltmeeres, vertreten; und wir bitten die dänische 
Regierung im Namen unsers gemeinsamen Christen 
thums, Einhalt zu thun den ferneren Todtschlag. 
Derjenigen, welche Gott mit ihnen verbunden hat 
nicht allein durch das gemeinsame Bruderband aller 
Menschen, sondern auch durch nahe Verwandtschaft 
und Grenznachbarschaft, ja, die sie als ihre eigenen 
Landsleute betrachten. Wir sprechen sie ernstlich an, 
diesem unnatürlichen, beklagenswerthen Krieg ein 
Ende zu machen, und eine Art der Schlichtung des 
Streites anzunehmen, welche die rechtmäßigen An 
sprüche beider Parteien zur gesicherten Anerkennung 
bringen und den Riß heilen kann, den zwischen bei 
den das Schwert geschlagen hat." 
Wir fügten einige mündliche Bemerkungen und 
unter andern diese hinzu, daß Dänemark Durch eine 
solche Schlichtung des Streites derjenigen Verpflich 
tungen gegen die fremde Diplomatie sich entledigen 
würde, wodurch die volle Entwickelung şàr fteim 
Institutionen gehemmt werden könnte. 
Bilde Minister sprachen den Wunsch aus, eine 
genügende und friedliche Verständigung herbeizufüh 
ren. Sie sagten sie seien der Uebel des Krieges Pich 
wohl bewußt, und wünschten von Herzen denselben 
durch eine gütliche Beilegung zu schleunigem Ende 
zu bringen. Bei unserer letzten Zusammenkunft mit 
dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten sagte 
dieser im Wesentlichen: wenn die Regierung der 
Herzogthümer einen Plan oder eine Grundlage schieds 
richterlicher Erledigung autorisiren wollte, so würde 
die dänische Regierung sie in unmittelbare Erwä 
gung ziehen. Wir erhielten später die Erklärung, 
daß "die dänische Regierung den Grundsatz schieds 
richterlicher Entscheidung in derselben Ausdehnung 
annehme, wie derselbe von der Regierung Schles 
wig-Holsteins zu Rendsburg angenommen worden. 
Nachdem wir diese Antwort empfangen hatten, 
gingen wir wieder nach Kiel, um sie der Regierung 
der Herzogthümer mitzutheilen und um den Versuch 
zu machen, eine directe Unterhaltung über Zusam 
mensetzung, Ernennung und Jurisdiction des Schieds 
gerichtes anzubahnen. Am 23. und 24. September 
traten wir mit dem Minister der auswärtigen An 
gelegenheiten zusammen, der einen Plan schiedsrich 
terlicher Entscheidung genehmigte^ wie er in dem 
von uns oben angeführten Vertrage zwischen den 
beiden Ländern vorgeschrieben ist. Er bezeichnete 
auch einen Herrn, der mit irgend Jemandem den die 
dänische Regierung beauftragen möchte, zusammen 
treten sollte, um über die zur Ausführung des Pla 
nes erforderlichen Maaßregeln sich zu einigen. Es 
sind Schritte gethan worden, um die beiden Parteien 
sobald als möglich zusammenzubringen, und Einer 
von uns (Elihu Burritt) wird einige Wochen in 
Hamburg verweilen, um Alles, was in seinen Kräf 
ten steht, zu thun, dieses vorläufige Stadium einer 
Unterhandln!!« zu erleichtern und zu beschleunigen. 
Wenngleich Sie in keiner Weise für unsere frei 
willige Sendung verantwortlich waren, so haben wir 
Ihnen doch den gegenwärtigen Bericht geglaubt vor 
legen zu sollen, da "jene Sendung in der aus Ber 
lin an deu Congreß gerichteten Eingabe ihren Ur 
sprung hatte, und da die tiefe, dem Gegenstand zu 
gewandte Theilnahme uns bekannt ist. Noch immer 
mögen Schwierigkeiten auf dem Wege einer schließ- 
lichen und genügenden Ausgleichung zwischen den 
kämpfenden Theilen sich finden; aber wir haben gro 
ßes Vertrauen, daß Diejenigen, in deren Händel! sie 
jetzt liegt, im Stande sein werden, sie zu einem schleu 
nigen und glücklichen Abschluß zu bringen. Und in 
der That. uns hat es mit Erstaunen nicht minder 
als Betrübniß erfüllt, daß, dieser unnatürliche Krieg, 
in welchem der Bruder gegen den Bruder und selbst 
der Vater gegen den Sohn steht, jemals erklärt wer 
den und daß er so lange dauern konnt»/ während 
an der Spitze beider Regierungen Männer stehen, 
welche lebhaft diejenigen Verpflichtungen der Huma 
nität und der christlichen Religion zu empfinden schei 
nen, durch welche ihnen das ernste Gebot auferlegt 
ist, den Streit durch Vernunft und Recht und nicht 
durch rohe Gewalt zu erledigen. 
Wird aber eine solche Erledigung jetzt nicht er 
zielt, so glauben wir, daß dies in der Hauptsache 
der Intervention der großen europäischen Mächte 
zuzuschreiben sein wird, welche im Widersprüche mit 
dem Wunsch einer der Parteien im Londoner Pro 
to coll vom 2. August angekündigt ist — in einem 
Actenstück, das starke Unzufriedenheit in den Ge 
müthern der Bewohner der Herzogthümer erregt hat, 
eine Unzufriedenheit, an welcher Millionen in andern 
Theilen Europas in reichlichem Maße theilnehmen. 
Wenn die Schritte, welche jetzt eingeleitet sind, zu 
einer friedlichen Lösung der in dieser Weise erhöh 
ten Schwierigkeit führen, so hoffen wir, daß alle 
Freunde des " Friedens ermuthigt sein werden, mit 
erneutem, rüstigem Eifer dahin zu wirken, daß in 
jeglichem Fall' internationaler Streitigkeiten der 
Schiedsspruch der Vernunft, des Rechts und der Hu 
manität an die Stelle der grausamen und barbari 
schen Entscheidung des Schwertes treten möge. 
Hamburg, den 25. September 1850. 
Joseph Sturze (England). 
Elihu Bur ritt (Ver. Staaten). 
Frederick Wheeler (England). 
Amtliches 
In Folge besonderer Auszeichnung im Gefechte 
am 12. d. M. sind ernannt worden: 
Zu Şeconde-Lieutenants: 
Der Portepee-Fähnrich v. Knobelsdorf v. 3. Jäqer-C. 
„ „ Emil Birkenstock v. 3. „ 
I ., „ J.C.G. Knutze „ 3. „ 
„ Obersergeant Th. Ch. C. Schmidt v. 12. Bat. 
Zn Portepee-Fähnrichen; 
Sergeant und Officieraspirant I. W. Chr. Hechler 
vom 3. Jäger-Corps. 
„ und Officieraspirant I. G. A. Bollqnardsen 
vom 3. Jäger-Corps. 
Zu Ofsicier - Aspiranten: 
Sergeant Christian Schmidt vom 2. Jäger-C. 
„ E. A. M. Delss „ 3. 
Jäger W. E. Westedt v. 3. Jäger-C,
	        
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