Ş»
Rendsbêirger
Jahrgang.
M 81.
Mittwoch, den 9, October
1850.
SB 0 « diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch »nd Sonnabend eine Nummer,
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen > ‘
ift für Interessenten, denen cs hier am Orte zugebracht wrro, vierrertuv»»»- v> —•? '■'*•»•> t » wu vn uvur^vr» »uv
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 wage vor Ablauf eines Quartals erbeten.
Expedition
dieses Blattes
den Post-
Tagesgeschichte.
•iSti.
Dänem «r t* k.
Kopenhagen, den 2. Oct. „Ny. P. Esten."
bringen folgende officiclle Mittheilung des Kriegsmi
nisteriums über die Vorgänge bei Friedrichstadt: „In
Folge eines heute Morgen eingegangenen Berichts
hat der Feind am 29. dieses, Morgens, Friedrichstadt
angegriffen, sowohl von den Wegen von Seth und
Drage als von dem südlichen Eiderufer, von wo
2 feindliche Kanonenböte die Stadt beschossen haben.
Obschon mehrere Häuser dadurch in Brand gerathen
sind, blieb die Besatzung in ihrer Stellung. Eins
der vorgeschobenen Werke wurde für einen Augen
blick aufgegeben, aber sogleich wieder genommen und
verschiedene im Sturm gemachte Angriffe des Fein
des wurden ohne sonderlichen Verlust für die Be
satzung abgeschlagen. — Mittlerweile hatte der Feind
eine Stärke über die Eider geworfen und Tönning
angegriffen, dessen Besatzung die Vertheidigung dieser
Stadt aufgeben und sich vor der Uebermacht zurück
ziehen mußte. Abends 5 Uhr wurde der Angriff
auf Friedrichstadt erneuert. Er wurde einige Stun
den fortgesetzt, bis die Dunkelheit den Kampf unter
brach, ohne daß es dem Feind glückte, unsere Be
satzung von irgend einem Puncte zu vertreiben. In
der Nacht vom 29. auf den 30. wurde eine Verstär
kung zu den von Tönning und Garding zurückgezo
genen Abtheilungen abgeschickt und dem telegraphi
schen Bericht zufolge ist der Feind über die Eider
zurückgeworfen und Tönning am Mittage des 30sten
von unseren Truppen besetzt worden. — Wenn gleich
rer Feind am 30sten, 10 Uhr Vormittags, seinen
Angriff auf Friedrichstadt noch nicht erneuert hatte,
so ist es Loch nicht unwahrscheinlich, daß dies später
geschehen ist. — Die Stellung bei Schleswig wurde
den ganzen Tag am 29sten vom Feinde allarmirt.
Detaillirtere Mittheilungen über den Kamps sowohl
als den Verlust werden noch erwartet; bei der Be
schießung von Friedrichstadt soll ein Theil der Ein
wohner getödtet oder verwundet sein."
Kopenhagen, vom 3. Octbr. (D. R.) Der
^Regierungs-Commissär v. Tillisch ist hier angekom
men und wird sich einige Tage hier aufhalten.
— Die Affaire mit der Gefion soll veranlaßt
haben, daß nicht allein eine preußische, sondern auch
eine österreichische Note an Len hiesigen Gesandten
gelichtet worden ist, um von der hiesigen Regierung
Aufklärung darüber zu verlangen. Oesterreich ver
langt eine solche Aufklärung im Namen des deut
schen Bundes uwd Preußen in eigenem und eben
falls im Namen des deutschen Bundes. — Eine Ant
wort der hiesigen Regierung soll bereits erfolgt sein —
wie sie lautet, ist aber noch nicht bekannt.
Deutschland.
Berlin vom 4. October. So eben ist Herr
,n Manteufel nach Potsdam gefahren, seine Ent-
ssung einzureichen. Der eigentliche Beweggrund
noch nicht bekannt. Herrn v. Radowitz's Verjchwen-
,nq die Einberufung der Re,erven, seine Zweideu-
afeit in der österreichischen, hessischen und holstei-
schen Politik mögen als wahrscheinliche Ursache ge-
innt werden.
Frankfurt, vom 2. October. (N. Z.) Man
»sichert, daß Baiern jetzt förmlich aufgefordert wor-
>n, Truppen nach Kürhessen zu entsenden, während
eichzeitig von München berichtet wird, daß die
olgeleistung daselbst beschlossen sei. — Noch geht
uns heute die Mittheilung zu, daß der Däne v. Bü-
low den Antrag bei der in der Eschenheimer Gasse
versammelten Gesellschaft ans deren Zustimmnng zum
bewaffneten Einschreiten des Königs von Dänemark
in das Herzogthum Holstein wirklich eingebracht habe,
und daß, wie sich natürlich nicht anders erwarten
läßt, die Ansicht des Clubs schon jetzt dem Gesuch
zugewandt sei.
Berlin, den 3. Oct. Man liest in der „N. P.
Z.": In Bezug aus die Gefion sind sofort nach dem
Tage von Eckernförde preußischer Seits Unterhand
lungen mit Dänemark eingeleitet worden. Wir er
fahren, daß Rußland seine Vermittelung angeboten
hat, die auch von beiden Seiten angenommen wor
den ist. Von einem Entscheid in dieser Angelegen
heit ist zur Zeit noch keine Rede.
Kassel, vom 4. Octbr. Die Bürgergarde ist wäh
rend der großen Militärparade aufgelöst worden und
soll um 6 Uhr die Waffen abliefern.
Kassel, vom 4. Octbr. Bei der heutige» Pa
rade hat General v. Haynau eine scharfe Rede für
das absolute Fürstenregiment an die Officiere gehal
ten. Die Bürgergarde wird die Waffen freiwillig
nicht abliefern. Dem Ober-Steuercollegium ist die
Ausführung der Verordnung wegen der Steuererhe
bung anbefohlen worden. Der Abgeordnete Henkel,
Mitglied des bleidenden ständischen Ausschusses, ist ver
haftet. Das Ständehaus ,st geschlossen, worden,
während die Mitglieder des Ausschusses sich in dem
selben befanden. Die Stimmung ist durchweg sehr
aufgeregt; äußerlich indeß herrscht die größte Ruhe.
München, den 30. Sept. Vor Kurzem ließ
sich der „Flensburger Correspondent" iu einem Briefe
aus Randersborg in Jütland gräuelhafte Dinge er
zählen, welche von bayerischen Soldaten in der nahen
Kirche zu Skanderup verübt worden sein sollten.
Der betreffende Brief ging fast in alle deutsche Blät
ter über, so daß sich das bayerische Kriegsmiuisterium
veranlaßt sah, den Gegenstand in amtliche Behandlung
zu nehmen, deren Resultats demnächst amtlich veröf
fentlicht werden dürfte. Inzwischen hat der ehema
lige Feldcaplan Filser, welcher der bayerischen Bri
gade beigegeben war, in bayerischen Blättern die
erwähnten Beschuldigungen aufs Bündigste widerlegt
und aufgeklärt. Gestatten Sie mir, in Ihrem in
den Herzogtümern so viel gelesenen Blatte Las We-
seutliche dieser „Abwehr" zur Rechtfertigung der baye
rischen Waffen-Ehre mitzutheilen:
Es war — so erzählt unser Gewährsmann —
von dem Obergeneral Prittwitz angeordnet worden,
daß eine Feldwache (bei 200 Mann stark) sowohl
als Replis der vorgeschobenen Aufstellung und Vor
posten, als auch zur Deckung des Divisions- und
Brigade-Stabes, so wie der Geschütze in die nur eine
Achtel Stunde von der Stadt Skanderborg entfernte
Skanderup-Kirche gelegt werde. Die Kirche ist nach
altem katholischen Styl erbaut; es sind darin noch
Kanzel, Hochaltar und Beichtstühle von Alters her.
Der Fußboden war von Brettern, welche durch ihr
Alter ganz morsch geworden, an mehreren Stellen
zerbrochen waren. Diele Kirche ward zum Aufent
halt der Feldwache bestimmt; mit Stroh dick belegt
diente sie als Lager und zum Schutz gegen die schnei
dende Kälte. Die zum erstenmal diese Feldwache be
zogen, waren nicht wenig überrascht, als, da sie sich
niederlegten, der Boden durchbrach und die Soldaten
sich auf einmal unter weiß Gott wie viel hundert
jährigen Leichen befanden. Es muß dort Sikte ge
wesen sein, unter den Fußboden der Kirchen zu be
graben; denn bei näherer Untersuchung fand sich eine
Leiche an die andere gereiht vor. Die Aufmerksam
keit der Soldaten wurde u. A. durch das sehr gut
erhaltene Gerippe einer Frau gefesselt, die an der
Stelle der Brust ein Kind hielt. Thatsache ist cs,
daß der Fußboden an mehreren Stellen durchbrach,
und daß sodann die Leichen zum Vorschein kamen.
Allein dies war nicht Schuld der Soldaten. Eben
so wenig wird man es diesen verargen Mncn. daß
sie die Vertiefungen mit Stroh ausfüllten, um nicht
geradezu auf den Leichen gehen und schlafen zu müssen.
Als die Soldaten die Kirche, in welche sie hinein-
commandirt waren, freiwillig verließen, um ihr La
ger, weil sie es vor Modergeruch nicht aushalten
konnten, außerhalb derselben aufzuschlagen, wobei sie
auch das Stroh mit herausnahmen, da bot sie aller-
dings einen unheimlichen Anblick dar und wer die
Sache nicht wußte, mochte an einen Frevel denken,
wie es auch geschehen ist. Daß absichtlich Gräber
geöffnet wurden, ist eine Lüge, die nur der Haß er
fand und weiter verbreitete. Thatsache ist cs ferner,
daß Herr Hauptmann Vogt, der ungefähr in der
dritten Woche die Feldwache befehligte, die dürftigen
und wenigen Altarzierrathen aus freiem Antrieb dem
Hrn. Pastor unversehrt übergab. Sowohl während
des Aufenthalts der Baiern in Skanderborg als auch
beim Abzüge äußerte sich der Herr Pastor unverho-
len, daß man mit dem Betragen der Baiern zufrie
den sein könne und daß sie nichts gethan hätten, was
nicht der Krieg nothwendig mit sich brächte. Soll
ten auch etliche alte Stühle verbrannt worden sein,
so ist dies keine Profanation und kann mit der Noth
entschuldigt werden. Aeußerte doch der Hr. Pastor
selbst, daß es in Betreff der Stühle nicht viel zu
bedeuten habe. Sollte einem Engel ein Schnauzbart
gemahlt worden sein, so ist dieses ein Unfug', den
man nicht vertheidigen will, den man aber Soldaten
nicht so gar hoch anrechnen darf.
Anderes, versichert der Feldcaplan Filser, habe
er nicht gesehen, noch auch von Augenzeugen gehört.
Die Baiern seien auch nicht wenig erstaunt gewesen,
als sie einige Wochen nach dem Abmarsche die gräu
lichsten Dinge hörten, die dort verübt worden sein
sollten. Den Schlüssel hiezu findet er in dem poli
tisch fanatischen, hinterlistigen Wesen und in der
Tücke der Jüten selbst, die obwohl sie von den baieri-
schen Generälen mit aller Schonung und Rücksicht
behandelt worden, denselben beim Abmarsche doch
Spottschüsse hinterhersandten. Er stellt sodann die
Gegenfrage:
„Wenn die Dänen einen so tiefen, religiösen Sinn
haben wollen, wie sie hier vorgeben, warum haben
sie dann, nicht etwa aus Noth, die herrliche Schloß
kirche zu Gravenstcin (so wie im Jahr 1848 die zu
Glücksbucg) auf eine so vandalische Weise verwüstet
und in der That profanirt? Warum war ihnen in
dieser Kirche nichts heilig? Die Glocken waren vom
Thurme herabgestürzt, die herrlichen Wandgemälde
sämmtlich ruinirt, die meisten von Bayonettcnsticheu
durchlöchert, nicht einmal der Plafond blieb ver
schont; sämmtliche Malereien, deren diese große und
schöne Kirche voll ist, wurden systematisch zerstört.
Durch den Commandanten des 2. baierischen Jäger-
Bataillons, Oberst von Reck, wurde diese Kirche wie
der einigermaßen zu einer Kirche gemacht, so daß
Gottesdienst gehalten werden konnte."
Aus dieser thatsächlichen Berichtigung geht her
vor, daß die Baiern weder als Kirchen- noch als
Leichenschänder sich erwiesen haben, wie die Dänen
es ihnen imputiren wollen. Wollte Gott, die Dä
nen wären in dem armen Schleswig mit eben so viel
Schonung und Rücksicht verfahren, als von Seiten
der Baiern, Preußen und der übrigen Bundestrup-'
peii Jütland behandelt wurde.
Berlin, vom 4. Oct. Wie ich Ihnen schon
in meinen früheren Briefen gemeldet, wird auch die
preußische Intervention in Hessen nichts sein, als
ein Wettlauf mit den Bundostäglern zu Gunsten
des Kurfürsten. Das 3. und 6. Armeecorps hat
Marschbereitschaftsordre erhalten, von da bis zum
Ausrücken liegen noch die beiden Instanzen Mobil-