ê.
Reņ-sburger
Jahrgang >
Wochen -
84.
Sonnabend, den 19. October
1850.
nt> ,e ? en ^îttwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder dirccte abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Erveditio»
des Wochenblatts ,n Rendsburg entaegengenomen werden., Jntelllaenz . Anze,gen werde» bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten.- Der Preis dieses Blattes
ist für ^ntneffente», denen es h,er am >^rte zugebracht wird, vierteliahrlich 1.) ßl., und wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestelmngen bei den Post
ämter» machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. - Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. a ' ’ 1 B n
Tagcsgefchichte.
Grostbrita n nie n.
London, den 14. October. Capt. Forsyth,
der bekanntlich vor Kurzem mit dem Schiffe „Priuce
Albert" von seiner Expedition zur Aufsuchung Sir
I. Franklins zurückkehrte, hat auf Veranstaltung der
Admiralität eine Zusammenkunft in London mit dem
durch seine Reisen in den Polargegenden wohlbe
kannten Sir Edw. Parry gehabt und diesem über
das aus Cap Riley aufgefundene Tauwerk u. s. w.
nähere Mittheilung gemacht. Sir Edw. Parry hat
sich hienach bestimmt dahin ausgesprochen, daß wirk
lich Spuren der Franklin'sehen Expedition aufgefun
den seien. — Das zur Aufsuchung der letzteren be-
stimnlte Schiff „Enterprise" ist von den Sandwich-
Inseln nach der Behringsnraße abgegangen; der
„Investigator" wollte dieselben am 6. Juli verlassen,
um sich mit dem ersteren Schiffe in den arktischen
Gewässern zu vereinigen.
Rußland «nd Polen.
Die russische Armee in Polen besteht ans drei
großen Corps, die gegen Nord, West und Süden auf
gestellt sind, und wovon Warschau samnlt Umgebung
Len Mittelpunkt bildet; die Gesammtstärke dieser Ar
mee beträgt 180,000 Mann, worunter 35,000 Ka
vallerie und 200 Geschütze. Ueberdies stehen aus der
Linie zwischen Kamieniez podolski, Chotim und Ben
der 25,000 Mann, alle im bestgerüsteten Zustande.
Die Hälfte der Truppen steht in Lagern, die andere
ist in Casernen und bei den Einwohnern einquartirt;
alle sechs Wochen wechseln die Truppen aus dem
Lager in die Quartiere, um Erkrankungen hintan
zuhalten.
Dänemark.
Kopenhagen, vom 12. Oct. Der König hat
ein die Disciplin der Armee belobendes Rescript an
den Generallieutenant v. Krogh erlassen.
Kopenhagen- Die heute eingetroffenen dä
nischen Blätter vom 14ten und 15ten bringen wenig
Bemerkenswerthes; es möchten denn die massenhaften
Ordensdecorationen sein, die namentlich auch von
dem rufst Czaaren an die dänische Armee verliehen
sind. Die „Berl. Tid." theilt aus der „Dep. Tid."
die Verzeichnisse mit. Aus dem Eingang ersieht
man, daß der Czaar dem Könige eine Anzahl De-
corationen des St. Annen-Ordens (eines ursprüng
lich schleswig-holsteinischen Ordens!) zur Vertheilung
an die Militärs, die am meisten zu dem rühmlichen
Ausfall des Kampfes vom 24. und 25sten Juli bei
getragen, zur Disposition gestellt hat. Hiermit be
glückt sind (abgesehen von dem Generallieutenanl
Krogh, der, wie mitgetheilt, unmittelbar mit dem
gedachten Orden erster Classe mit Brillanten begna
digt ist) namentlich die General-Majors Moltke und
de Meza (Iste Classe), G. M. Flindt und die Ober
sten Thestrup, Flensborg und Scheplern (2te Classe
mit kaiserl. Krone) die Obersten Krabbe, Baggesen,
Raedcr, Jrminger, Gerlach, Oberst!. Henckel (2te
Classe ohne die Krone), Oberst Kirchhofs. Oberst!.
Hindenburg, Walther, Brauner, la Cour, Maj.Wil-
ster, Bett und Kauffmann (3te Classe mit der Co-
carde) re. rc. Noch länger und dennoch nicht zu
Ende ist die Liste der ausgetheilten Dannebrogsor-
den. Das Großkreuz hat de Meza, das Comman-
deurkreuz; Krappe, Thestrup, Raeder, Schepeleren,
Jrminger, Wachs erhalten; ferner sind eine Menge
Ritter und Danncbrogsmänner ernannt.
„Kolb. Avis" erzählt: daß die „Jnsurgenten-
Fahne,'die ein schleswig-holstcmischer Fahnenjunker
unter Aufopferung seines Lebens einen Augenblick
auf der Brustwehr der dänischen Schanzen vor Fric-
dlichstadt auszustanzen so glücklich gewesen, am 11
durch Kolbing gebracht ist, so wie eine Parthei er
oberter'Gewehre und anderer Waffenstücke.
Deutschland.
Die „Brest. Ztg." meldet von Berlin: „Be
kanntlich befindet sich der schlaue und bei den deut
schen Wirren viel verwendete Fürst Gortschakoff
bereits seit 8 Tagen in Frankfurt, und man weiß
auch, daß Graf Nejselrode dem Fürsten Schwarzen
berg bei der Jschl'er Zusammenkunft die sormelle Be
glaubigung eines russischen Gesandten bei dem Bun
destage in Aussicht gestellt hat. Eben höre ich nun
»nt Bestimmtheit, daß Fürst Gortschakoff sein Be
glaubigungsschreiben zu diesem Behufe bereits in Hä»,
den habe, und daß russischerseits für die Uebergabe
desselben die Bedingung gestellt ist, daß durch Oester
reich Schritte von Selten der Bundesversaiiimlung
vermittelt werden, um dem Kampfe in Schleswig-
Holstein ein Ziel zu setzen. Schon die allernächsten
Tage werden daher den Erlaß eines derartigen In
hibitoriums von Bundeswegen wahrscheinlich
bringen."
Kassel, vom 15. Oct. Es ist Aussicht auf fol
gende Zusammenstellung eines neuen Ministeriums:
Elwers, Minister-Präsident. Flügel-Adjutant Lo s-
berg, Kriegsminister. Ober-Finanzrath Duysing,
Finanzminister. Beide letztere nach Wilhelmsbab be
rufen, sind heute dahin-abgegangen. Losberg war
bisher wegen mißliebiger Aeußerungen über Hassen
pflug in Ungnade, und Duysing ist als verfassungs-
tren bekannt.
Kassel, den 14. October. Auf das Abschieds
gesuch der curhessischen Officiere ist bis zur Stunde
noch keine definitive Antwort erfolgt. Plan ist ganz
offenbar in Wilhelmsbad von der Einstimmigkeit be
troffen, in welcher sich das Officiercorps zu diesem
schweren Opfer für seine Ueberzeugung entschlossen
hat. Der Curfürst mag fühlen, daß er mit der Ge
währung 'des Abschiedes sich selber am härtesten
trifft. Haynau, der hiesige Oberbefehlshaber, welcher
eine Vollmacht besitzt, Officiere, die darum nachsuchen
sollten, den Abschied zu ertheilen, hatte erst eine 24-
stündige Bedenkzeit und dann abermals eine ötägige
zur Zurücknahme des Gesuches den Officiere» gege
ben. Das Gerücht von einem Wechsel des Ministe
riums erhält sich und hat neue Nahrung erhalten,
nachdem Oberappellationsgerichtsrath Dr. Elvers,
welcher unter der Deputation des Oberappellations-
gerichtes an den Curfürsten war und auch nach der
Abreise seiner College» noch einige Zeit in Wilhelms
bad verlieb, gestern Abend wiederum dahin auf er
haltene Ordre abgereist ist. Hier ist Alles nach wie
vors,n der größten glühe; das Abschiedsgesuch der
Osficiere hat eine Art von Waffenstillstandsvertraq
herbeigeführt, wornach factisch Alles im Statu quo
verbleibt. Die schlimmste Frucht davon hat der arme
Oetker, der noch immer im Castell sitzt. Diese
Thatsache ist in der That eine der widerlichsten, weil
man hinsichtlich ihrer unwillkürlich an das Vorhan
den,en, der gemeinsten persönliche» Motive bei den
kllegszuständlichen Maßregeln gemahnt wird.
(H. gl.)
Berlin. Die Postverwaltung, welche bisher
regelmäßig bedeutende Geldüberschüsse in die Staats
kasse ablieferte, nimmt jetzt selbst in Folge der neuen
Einrichtungen Zuschüsse in erheblichem Maße in An
spruch. Man hofft indeß, daß sich dies in Zutünst
günstiger gestalten werde.
Berlin, vom 14. Oct. Die „Berl. N." schrei
ben: Der Commodore Schröder, welcher sich gegen
wärtig in der Angelegenheit der „Gefion" in London
befindet, wird von dort noch mit einem besonderen
Auftrage nach Kopenhagen gehen.
Hannover, 12. Oct. Beim hiesigen Comite
sind ;etzt über 17,035 Thlr. eingegangen?
Bremen, vom 15. Oct. Der von der Ver-
sammlung der schleswig-holsteinischen Vereine in Han-
novcr erlassene Aufruf ist in unserer Stadt auf frucht-
baren Boden gefallen. Aus einer Anzahl patriotisch
gesinnter Männer, die schon vorher durch die gemein
same Ueberzeugung, daß ein erneuertes, thatkräftiges
Handeln für den großen Zweck Noth sei, zusammen
geführt waren, ist eine neue Comite für Schleswig-
Holstein hervorgegangen, welche sich mit einem Auf-
ruf an die Mitbürger wendet. Darin heißt es unter
Anderm:
„„Hunderttausend Thaler müssen Bremens Bürger
freiwillig geben!"" sagte Einer unserer Mitbürger,
„„dann zeichne ich Tausend!""
„Welche Chimaire! welcher Traum! — Nicht
wahr, das ist Euer erster Gedanke? Er war es auch
bei uns. Da traten einige dreißig Männer zusam-
men und zeichneten, ein Jeder nach seinen Kräften,
und sofort waren etwa 12,0 0 0 Thaler unter jener
Bedingung gezeichnet. Sollten nur 30 in Bremen
so denken? Nein, schon regt es sich in Vielen. Auch
100,000 Thlr. sind noch eine Kleinigkeit. Aber wer
zweifelt, daß die Kunde: „In Bremen sind 100,000
Thaler gezeichnet für Schleswig-Holstein", wie ein
Blitzstrahl in allen noch fürs Vaterland nicht verlo
renen Herzen zünden, und Millionen in Deutschland
zur Folge haben würden?! Soll die alte freie Han-
sestadt das deutsche Panier wieder zu Ehren bringen?"
(W. Z.)
Neustrelitz, den 13. Oct. Die heutige Num
mer des „Offic. Anzeigers" enthält eine Verordnung
vom 9. Oet. wegen Aufhebung des Reichsgesetzes
vom 27 Dec. 1818, betreffend die Grundrechte des
deutschen Volks.
Bremen, 14. Oct. Dem Count« sind vom 6.
bis 12. October 686 Thlr. 66 Gr. zugegangen, dar-
unter 411 Thlr. 37 Gr. als Ertrag der Wochen-
sammlungen. Die Gesammtsumme der Beiträge ist
14,398 Thlr. 52 Gr.
Hannover, vom 15. Oct. Der nach den heu
tigen amtlichen Nachrichten aus dem hiesigen Mili
tärdienst ausgetretene Lieutenant Bansen ist derselbe
Officier, welcher einen Urlaub benutzte, um die Schlacht
bei Jdstedt mitzumachen, dort verwundet wurde, seine
Urlaubszeit deshalb überschreiten und eine Strafe er
leiden mußte. Wir zweifeln nicht, daß Lieutenant
Bansen in die Armee der Herzogthümer eintreten
werde. (Z. f. N.)
Schleswig-Holstein.
Kiel, vom 14. Oct. Vorgestern ist der frühere
Departementschef der auswärtigen Angelegenheiten,
Herr v. Harbou, nach Berlin zu seiner neuen Be
stimmung abgereist- Es dürfte von großem Werthe
sein, wenn dieser einsichtsvolle und unserer Verhält
nisse so überaus kundige Staatsmann, der sich seinem
jeweiligen Berufe mit aller Hingebung widmet, für
die weitere diplomatische Entwickelung unserer Änge-
legenheitcn in der Nähe der preußischen Regierung
verweilt. Wir wissen recht gut, was 'wir dem preu
ßischen Cabinette verdanken, und daß wir, wenn auch
eine energische Entscheidung oft und eine thatsächliche
Hülfe jetzt uns fehlt, dennoch darauf fest bauen kön
nen, daß es die Rechte der Herzogthümer auf Selbst
ständigkeit und Nnzertrennlichkeit und Successionsan-
spräche des Augustenburger Hauses niemals preisge
ben würde. Es ist klar, daß Oesterreich jetzt wieder,
nachdem das londoner Protocol! vielleicht mehr an
der Beharrlichkeit Schleswig-Holsteins, als an dex