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feie Regierung einmal zu gerechten Repressalien ver
anlassen ?
Humanität ist nur so lange in Kriegszeiten auf
recht zu erhalten und zu üben, wie sie g'genseitiq
ist; wird sie aber nur noch von der einen Seite
ausgeübt, ,o nimmt sie zu leicht den Charakter der
Schwäche an.
Rendsburg, den 17. Octbr. Nach den osfi-
ciellen Angaben beträgt unser Verlust in dem Ge
fechte bei Tönning und dem Sturm auf Friedrichstadt
(vom 28. Seht. bis zum 5. Oct.), nach Abrechnung
der leichtverwundeten Mannschaften, welche bei ihren
Corps verblieben und sonach nicht als Verlust be
trachtet werden können: 38 Officiere. 62 Unterosfi-
ciere und 598 Gemeine; im Ganzen 698 Mann
Nach der detaillirten Uebersicht sind todt: 12 Officiere
10 Unteroffic. und 51 Gem.; verwundet: 23 Officiere'
43 Untcrofsiciere und 406 Gemeine; vermißt (ent
weder gefallen oder gefangen): 3 Officiere, 9 Unter-
officiere und 141 Gemeine.
Friedrichstadt und die Ģiderdàen
Altona, den 15. October.
Auf einige Lage von Rendsburg abwesend er
greife ich von hier aus die Feder, um in Anlaß'einer
Mittheilung der heutigen Nummer dieser Blätter
einige Bemerkungen niederzuschreiben. Es war sonst
meine Absicht, mit ihnen die ausführlichere Darstel
lung zu schließen, die ich für die Leser der „Ham
burger Nachrichten" über die Vorgänge von Frie-
drichstadt zu vollenden im Begriffe stehe. Den Um
ständen nach scheint es mir indeß angerathen, das
Nachstehende ungesäumt zu veröffentlichen.
Ich lese nämlich heute in den „Hamburger Nach
richten", einem Privatschreiben aus Husum entuom-
men, eine Schilderung der gegenwärtigen Lage Frie-
drichstadts, die mir sofort einiger Berichtigung zu
bedürfen scheint. Der Berichtigung füge ich Anderes
hinzu über die Bedeutung der Beschießung der Stadt
welcher Art sic in der That war, und wie man sie
dänischcrseits auslegt. Die neuesten Kriegsereignisse
dort im Westen Schleswigs sind wichtig, sehr wich
tig; die deutsche Presse wird das Ihrige dazu bei
tragen, das rechte Verständniß derselben zu er-
mitteln.
_ Am 6ten October, zwei Tage, nach dem Sturm
auf das unglückliche Friedrichstadt, führten mich in
öffentlichen Angelegenheiten dringende Geschäfte nach
St. Annen und Süderstapel, und was ich von dort
ans in eigener Anschauung der Verhältnisse wahrge
nommen bleibt erheblich hinter der obenerwähnten
Darstellung zurück. Die arme Stadt hat allerdings
schwer gelttken, und ihre Bewohner haben den ge
rechtesten Anspruch auf das Beileid nicht allein, son
dern auf die thätigste Theilnahme unseres Landes,
die sich auch bereits aller Orten trotz aller schweren
Lasten, die wir, wenn auch freudig, ertragen, zu re
gen beginnt. Allein es fehlt doch noch viel', um
lagen zu können: „Friedrichstadt existire nicht mehr."
Vom Dach des etwa 600 Schritte vor Friedrichstadt
liegenden Seether Chausseehauses, das bald darauf
von 100 Mann Dänen besetzt wurde, und vom dies
seitigen Eiderbeich gegenüber der Stadt habe ich sehr
genau übersehen können, was und wie viel unsere
Geschütze dort vernichtet haben. Die südliche Häuser
reihe gegenüber der Eider ist allerdings niedergeschos-
!en, so wie auf dem Eilande das Fährhaus und die
sonst dort belcgcnen kleineren Gebäude. Auch vom
Süden her weiter hinein in die Stadt war mancher
Bau demolirt, so unter Anderm die Kirche der Re-
mvnstrantev. Allein der ganze nördliche Theil stand
unversehrt, und die Schäden, die einzelne Kugeln an
gerichtet haben mögen, werden jedenfalls leicht zu
reparircn sein. Uebrigens ward bei Weitem nicht
Alles, was niedergebrannt ist, von unsrer Seite in Flam
men gesetzt. Das wenigstens ist unzweifelhafte That
sache, daß die Dänen jene Kirche u. mehrere dazu passend
Gelegene Gebäude mit eigener Hand in Brand steck
ten, um beim Sturm durch den Feuerschein unsre
Lruppen zu blenden und sich selber zu Stutzen die
Dunkelheit zu erhellen.
Die Veröffentlichung dieser Thatsache mag dazu
dienen, eine neue Perfidie der dänischen Presse in
das rechte Licht zu stellen. Die Herren vom „Fae-
dreland", von der „Flensb. Zeitung" und Konsorten
beeilen sich nämlich, die Beschießung Friedrichstadts
durch unsere Truppen zu ihren Zwecken auszubeuten.
„Das", sagen sie, „sei die letzte Heldenthat der schles
wig-holsteinischen Armee, die Niederbrennung des
genannten Ortes, und man müsse gestehen, daß sie
Mr rücksichtloser Geringschätzung menschlicher Wohl
fahrt, an schonungsloser Grausamkeit Alles übertreffe,
was bisher prästirt ,worben sei. Doch Eine gute
Wirkung werde sie wohl haben, diese schändliche That;
>w werde den deutschen und deutschgesinntcn Bewoh
nern Schleswigs die Augen öffnen, unr zu lernen
Nnd einzusehen, daß bas, wofür gekämpft werbe,
keineswegs Schleswigs Friede und Glück sei. das
n st durch den Krieg zerstört worden, sondern die
j gehe»! der schleswigschen Bevölkerung den Urhebern
des Krregs eben so gleichgültig sei, wie dessen
Führern!"
. Wer sind sie, „die Urheber des Kriegs", die unsere
sonst ,o glücklichen Lande mit den Drangsalen über
schütteten, unter denen wir seit nunmehr 3 Jahren
fast leiden?
Die bekannte Partei jener oppositionellen Resi-
denzler, die sich bei ihrem Meth und Honig, bei ihrem
Thor und Odin rn die Anschauung der alten ver
gangenen Größe des Dänenreiches versenkte, die den
allerdings belebenden Gedanken einer neuen skandi
navischen Staatsschöpfuug an die Spitze alles ihres
Sinnens und Trachtens stellte, die indeß die Wür
den und Ehren der „Drei Kronen" in den letzten
Augenblicken, da es unrettbar in sich selber zerfällt,
noch dem altersschwachen „Danmark" über das wa
ckelnde Haupt zu stürzen sich vermaß, — jene Herren
vom „Faedreland" und was drum und dran sich
hängt, sie sinds, die die große europ. Bewegung be
nutzten von 48, um mit Hülfe des fanatisirten Pö
bels ihren und unseren Landesherrn zu terrorisiren
das ganze bisherige Regierungs-System zu stürzen,
Creaturen der eigenen Partei an die Spitze der Re
gierung zu stellen und die ruhigen Herzogthümer
»nt Krieg zu überziehen. Und während ihr eigenes
Land sich verblutet aus allen lebensmüden Adern
an den Wunden, die die „uebligten Traumbilder
lener überspannten Phantasten" ihm geschlagen, wäh
rend sie Tausende „gemeiner Seeländer und Jüten"
für ihr Dänemark bis zur Eider, die Bedingung
der dänischen Herr,chaft über den skandinavischen
Norden. Ichonungslos hinsenden in den Tod bleiben
sie ruhig daheim in der, in dem Elend des Landes
schwelgenden Hauptstadt und schüren immer von
Neuem die Gluth des Hasses, der hier'die engver
bundenen Völkerstämme in wilder Feindschaft ent
zweit!
Wehe über sie, wenn der Tag der Vergeltung
kommt, der Tag, an dem sie Recheiischaft geben sol
len für all’ das vergossene Blut aus ihrer, auf un
serer Seite Auch auf unserer Seite sind der Bra
ven schon Viele geopfert, auch wir liegen gedrückt
darnieder von der Last der Drangsale, die eine ehr
geizige und yerrschsüchtige Rotte von der Fremde
her über uns verhängt Wir aber kämpfen für das
Recht, das man niedertreten will, für die Freiheit,
bie man uns zu rauben droht, für unsere Eristenz
weil sur unsere Nationalität. Und daß wir nimmer'
--d-ä-n «-->», -h. °°-,Ichļ- Mann gefallet, "da"
möge man jenseits am Sund in de» Flammen le-
sen, die über das unglückliche Friedrichstadt zusam
mengeschlagen. Denn das ist's was mit Feuerschrist
der 4te October in die Geschichte unserer Erhebung
eingeschrieben: „Wàims -Theuerste 'uns selber ist
das geben wir willig der Vernichtung Preis, wird
das Vaterland nur gerettet."
Und es wird gerettet! Wir sind gebeugt von den
harren Schlägen des Schicksals, doch — nicht ge*
blochen. Wir harren aus bis ans letzte Ende, der
Schleswiger mit dem Holsteiner, und alle schnöde
Berfuhrungskunst, die der Landesfeind r»
erführungskunst, die der Landesfeind zu üben ver
sucht, Jvird zu Schanden werden an dem unbeugsa
me" Sinn des auf sein Recht und seine Freiheit
gestellten ^ Schleswig-Holsteiners.
Unglückliche Brüder jenseits der Eider Ihr dul
det für uns. wir kämpfen für Euch; die Stunde
der Erlösung wird schlagen, der Uebermuth des Fein
des wird gebrochen. Der bei Jdstedt im dichtesten
Kugelregen, der bei Miffunde im mörderischen Feuer
der vor Friedrichstadt mitten unter den stürmenden
Truppen die Reihen der Unsrigen führte, er wird
sie führen zum letzten entscheidenden Kamps, und das
Recht wird siegen.
Und siegen wir nicht, dann werden wir unter
gehen, wie es Männern geziemt! (H. N.)
Ungebildeten Forderungen einer ehrgeitzjgen Fürsten-
fnniilic, die selbstständige Macht ' '"' r '
—■»*v‘ einer egoistischen
ffwreaukiatle, die nebligten Traumbilder überspann-
Phantasiern, während dahingegen das Wohler-
Ansprache
an das deutsche Botk.
-. , Hamburg, den 15. Octbr.
Wir leben uns tu den Stand gesetzt, die von
şâ.Iŗàen Schleswig-Holsteins in Hanover ge-
saßten Beschlusse nebst Ansprache an das deutsche
Volk nunmehr vollständig mitzutheilen. Wir beglei-
£V ,le ""t der zuversichtlichen Hoffnung, daß jene
Zusammenkunft von Männern, die, nicht verzweifelnd
Mn Vaterlande, das Streben vereinte, zur
Sicherung seiner Zukunft, zur Rettung der
Gegenwart der Nation voranzugehen, ein Moment
werden möge in der Entwickelung der Geschicke
Deutschlands, wie der schwer heimgesuchten Bruber-
ande Mögen die Beschlüsse der patriotischen Män
ner, wie sie i,n Namen der Tausenden gefaßt, aus
dem Herzen von Tausenden gekommen sind wieder
zu den Herzen von Aber und Aber Tausenden drin-
ķ und das Bewußtsein beleben, daß fern von den
Ņbsichsten Marken her bis hinaus zu den Quellen
des deutschen Stromes Ein Volk lebt, dem cs Ernst
ist. sich sein Recht, seine Ehre, seine Zukunft nicht
; uŗ^ bchlomatische Intriguen und Protocol rauben
zu lassen! Möge namentlich die Ansprache als eine
vorläufige Antwort Deutschlands auf den Zuruf S ,
Landtages der bedrängte» Herzogthümer dazu bei- '
tragen, die Ausdauer und Festigkeit der Geprüften !
zu starken! Mögen sie aber endlich vor Allem die
nahen und fernen Gauen Deutschlands die Kalten
und Gleichgültigen wecken, die Lässigen und Träaen
aufrütteln, die Untäthigen vorwärts treiben daß
Veder, froh des gemeinsamen Strebens, nach 'seinen
Kräften leiste, was dem Vaterlande gebührt, bevor
es zu spat wird!
An das deutsche Volk'
. à zu Hannover versammelten Abgeordneten
der Hulssvereine ur Schleswig-Holstein haben die
nachfolgenden Beschlusse gefaßt:
ie a Ņersammlung ^erklärt: Daß sie, um
Schleswig-Holstein in den stand zu setzen, die durch
den Krieg mit Dänemark herbeigeführten Kosten
dauernd tragen zu können, einen monatlichen Zu
schuß von mindestens 200.000 Rthlr. aus den übri
gen Theilen des Vaterlandes für nothwendig hält
Jmdem ge zur Herbeischaffung derselben die Ver
pflichtung zu wöchentliche» Beiträgen dringend em-
fiehlt, ersucht sie alle Vaterlandsfreunde, insbesondere
aber alle Vereine, auf die Herbeischaffung des ver
hältnismäßigen Beitrages in ihrem Wirkungskreise
nut allen ihnen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mit
teln einzuwirken. '
2) Die Versammlung erkennt in der kräftiaen
Förderung der freiwilligen Anleihe eins der wirk
samsten Mittel zur Unterstützung der Herzogthümer
und fordert alle Hülfsvereine Deutschlands, - die
vertretenen wie die abwesenden dringend — auf,
ungesäumt die geeigneten Maßregeln zu ergreifen'
mn eine der Größe ihres Umkreises entsprechende
Anzahl von Obligationen, mindestens eine Obligation
von 50 preuß. Crt. auf je 1000 Seelen, in kürzester
Frist unterzubringen.
3) Die Versammlung fordert die Hülfsvereine
und alle Freunde Schleswig-Holsteins auf, dieseni-
gen, welche bereit sind, in das schleswig-holsteinische
Heer einzutreten, mit den erforderlichen Mitteln zu
versehen. °
4) Die Versammlung ersucht alle Vereine und
Freunde Schleswig-Holsteins, dahin zu wirken, daß
den Streitern vorzugsweise Beschäftigung und Arbeit
gesichert werde.
5) Die Versammlung erklärt, daß. sie die Recht-
maßigkelt der Ansprüche des Herzogthums Holstein
gegen die betreffenden deutschen Einzelregierunqcn
auf Erstattung der Kosten für die Verpflequna ihrer
Truppen während des Jahres 1849, als unzweifel
haft betrachtet und es daher als eine heilige Pflicht
eines jeden Vaterlandsfreundes ansteht, die sofortige
Zahlung der bis jetzt rückständigen. Summen in sei
nem Wirkungskreise nach Kräften zu betreiben"
r à Versammlung empfiehlt diese Beschlüsse allen
Freunden des Vaterlandes; sie legt sie allen ans
Herz, die einst der deutschen Sache der Herzoatbü-
mer kräftige Unterstützung gelobten und an die jetzt
.die ernste Mahnung ergeht, ihr Wort zu lösen.
Die Beschlusse enthalten nicht Alles, was ein
warmes Herz Vielen eingeben mag; jie berücksichtigen
alle hemmenden Verhältnisse, alle gesetzlichen Anord
nungen und fordern nur das Mögliche und zugleich
Unerläßliche; sie dringen darauf, daß die malmende
Ansprache der Vertreter Schleswig-Holsteins an das
deutsche Volk beantwortet werde.
Auch wir wünschen mit der Bevölkerung der Her*
zogthüiner eure friedliche Lösung des schweren Strei
tes, wenn diese Lösung mit der Ehre, wenn sie mit
dem unbestreitbaren Rechte verträglich ist So lange
aber die Entscheidung der Waffen gilt, geziemt es
uns, die Herzogthümer in ihrer gefahrvollen Laae
zu verlassen. Wenn ein edler Volsstamm in ver-
zweiflungsvollem Kampfe untergehen nrüßte oder ein
fanatischer Sieger mit blinder Willkühr die Bedin
gungen eines schmachvollen Friedens dictiren dürfte-
Deutschlands schwache und laue Unterstützuna Mac
die Schuld. Diese Schande von Deutschland fern
zu halten, ist heilige Pflicht des deutschen Volks.'
Laßt Euch nicht abwenden von der Erfüllung
dieser Pflicht durch jene dumpfe Hoffnungslosigkeit,
die so oft für Selbstsucht und Engherzigkeit ein
Vorwand ist.
Der Wille eines großen Volkes, das für sein
Recht eintritt, wird einer anmaßenden, dies gute
Recht dem eigenen vermeintlichen Vortheil übermü
thig unterordnenden Politik gegenüber, seine Bedeu
tung auch dieses Mal bewähren. Sollte wirklich
was uns noch immer undenkbar und was nach der
neuesten Wendung der Dinge fast aufgegeben zu
sein scheint, fremde Gewalt das alte Recht der Her
zogthümer und Deutschlands kränken und willkührli-
ches Belieben an dessen Stelle setzen wollen: dann
würde das deutsche Volk, das den übermächtigen Er
oberer einst aus seinen Marken getrieben, Gewalt '
mit Gewalt zu erwidern und zu zeigen wisse», daß
es einen Platz unter den selbstständigen Völkern dew .
Erde einzunehmen noch würdig ist!
Den täten October 1850.
!)r. Gabriel Messer von Hamburg, Präsident.
Syndicus Laug 1. von Verden, Pice-Prästdent.
schatzrath Merkel von Hannover, Schriftführer.
!)>•. Adolph Stocksleth von Hamburg, do.
„ r N int eU
Ein Freund Mittels, welcher sich viele Mühe ge
geben hat, sur dessen entsetzliche Lage eine Milderung