Full text: Newspaper volume (1850)

zu erzielen, hat endlich von der preußischen Regierung 
folgende Antwort erhalten: 
„Das in Ew.Wohlgeb.Vorstellung vom20.d.M. 
vorgetragene Gesuch: dem Strafgefangenen, früheren 
Professor Kinkel, in der Strafanstalt zu Spandau, 
die Fortarbeitung seines begonnenen Werkes: „Kunst 
geschichte der, christlichen Völker", und Ihnen die Lie 
ferung der dazu nöthigen Hülfsmittel zu gestatten, 
muß, als der für die Strafanstalten gegebenen In 
struction zuwider, hiermit zurückgewiesen werden. 
Potsdam, den 3t. August. K. Reg. Abtheilung 
des Innern: Troschil." 
Aus diesem Actenstück geht zur Genüge hervor, 
daß die Berichte wohlgesinnter Blätter und Behörden 
über die rücksichtsvolle Behandlung des deutschen Ge 
lehrten und Dichters nur dazu dienen sollen, die 
Stimmung des weiteren Vaterlandes gegen Preußen 
zu beschwichtigen. 
Der oben erwähnte Freund Kinkels, jo wre an 
dere Petenten in dieser Sache, sind während vieler 
Monate im Kreise umher geschickt worden. Der Mi 
nister des Innern versicherte, er habe mit der Sache 
Kinkel's nichts mehr zu schaffen. Die Behandlung 
desselben hänge lediglich vvn dem Gutdünken des 
Zuchthausdirectors ab. (Ein schönes Geständniß!!!) 
Der Zuchthausdirector verwies die Bittenden an die 
Regierung in Potsdam, und diese schickte sie wieder 
an den Minister. Endlich ließ sich die Potsdamer 
Regierung zu der oben mitgetheilten Antwort herbei. 
Eine dem Minister Manteuffel nahe stehende Per 
sönlichkeit hat indeß in einem Privatgejpräch diesen 
von der Verantwortlichkeit hinsichtlich Kinkel's Behand 
lung zu reinigen versucht, indem sie versicherte: der 
Minister sei nicht unmenschlich und wolle dem unglück 
lichen Dichter nicht übel; aber „eine allerhöchste un 
verantwortliche Person habe sich insbesondere die Be 
strafung des ehemaligen Theologen vorbehalten" und 
nur von dieser erhalte der Zuchthausdirector seine 
Instructionen. 
Es ist sehr schwer, etwas Näheres über die Lage 
Kinkel's zu erfahren. Soldaten, welche vor seiner 
Zelle Schildwache gestanden haben, äußerten: „Das 
Herz hat uns geblutet, wenn die Spitzbuben und 
Gauner zur Spazierstunde ins Freie gelassen wurden, 
und des einen Mannes Thür verschlossen blieb. Wir 
hörten deutlich sein Spulrad schnurren. Wenn er 
auf dem Corridor Luft schöpfen durfte, so wurden 
wir vorher entfernt, so gern wir ihn einmal gesehen 
hätten." 
Wie es heißt, fröstelt Kinkel beständig, und hat 
er flehentlich um wärmere Kleider gebeten, da der 
Mangel an Bewegung und Luftgenuß seine Kräfte 
sehr geschwächt hat. Erhalten hat er die erbetenen 
Kleider nicht. Wenn dieser Genius erlischt, wenn 
wir eines Tages die Trauerkunde vernehmen: Kinkel 
ist nicht mehr, dann wissen wir, woran er gestorben. 
(Osn. Tagebl.) 
Vermischtes. 
Amerika. Vom 1. Januar bis zum letzten 
Juni 1850 gingen auf dem Mississippi 67 Dampf 
schiffe verloren; der Verlust an Menschen betrug 
550 Personen. — Ende Juli fuhr ein mit Vieh be 
lasteter Zug auf der Newyork- und Erie-Eisenbahn 
über die eiserne Brücke bei Lackawaren. Sie brach 
und der Zug stürzte hinab. Die Brücke war 60 
Fuß lang, die Schlucht 50 Fuß tief. 15 Karren 
wurden zertrümmert und etwa 700 Stück Vieh kamen 
um. Der Paffagierzug war eine Viertelstunde vor 
her glücklich hinübergekommen. Noch ein ähnlicher 
Fall. Ende Juli tobte in Maryland ein fürchterli 
cher Sturm; er hatte die Brücke an der Baltimore 
und Susquehanna so beschädigt, daß der Zug nicht 
hinüberfahren mochte. Allein der Ingenieur^ Dun 
can hielt die Brücke noch für haltbar und lößte die 
Locomotive ab. Aber kaum war er halb hinüber 
als die Brücke abbrach und die Locomotive in den 
Fluß stürzte. Man hat von dem Waghals nichts 
mehr gesehen. 
Intelligenz - Anzeigen. 
Kirchliche Anzeige. 
Am Sonntage den 20. Octbr. predigen'in der Christ- und 
Garnisonskirche: 
Im Vormittagsgottesdienste Herr Propst Calli sc». 
Im Nachmittagsgottesdienste Herr Pastor Ruchmann. 
cursmasse gehöriger Schrank, i Schilderei und 1 
Hygrometer daselbst verkauft werden. 
Rendsburg, den 7. Octbr. 1850. 
Der Magistrat. 
Bekanntmachung. 
Durch die am 15. d. Mts. vorgenommenen Wah 
len sind zu Mitgliedern der Revisions-Com 
mission 
der Senator Beckmann mit 43 und 
den Kaufmann Kaufmann mit 42 Stimmen; 
zu Mitgliedern der Recurs - B ehörd e, die Stadt 
verordneten 
Kaufmann Fromm mit 35 und 
Brauer Chr. Jess mit 19 Stimmen; 
erwählt worden, welches hiemittelst bekannt gemacht 
wird. 
Rendsburg, den 18. October 1850. 
Der stra t. 
Bekanntmachung. 
Der aus den 24. und 25. October fallende 
Rendsburger Achsen- und Viehmarkt 
wird in diesem'Jahre nicht auf dem Rothen-Hofe, 
sondern mit Genehmigung des Gouvernements auf 
dem Exercier platze, an der nach Osterrönfeldt 
belegenen Seite, auf einem daselbst näher zu bezeich 
nenden Platze abgehalten werden. 
Rendsburger Polizeiamt, den 17. October 1850. 
Krohn, const. 
Am Donnerstag, den 24. October, Morgens 9 
Uhr sollen aus dem Hofe Georgenthal verschiedene 
Mobilien, als: 
Bettstellen, Tische, Stühle, Gartenbänke und 
Tische, sonstiges Hausgeräth, sowie Flachs, Heede, 
Federn, Betten u. s. w., 
in öffentlicher Auction, gegen baare Zahlung, oder 
vorher zu bewilligenden Credit verkauft werden.- 
Justitiariat des adel. Guts Georgenthal. 
Graba. 
Am Mittwoch in nächster Woche, den 23. d. M., 
Vormittags von 9 Uhr an, sollen im Souterrain an 
der Obereider für Rechnung der schleswig-holsteinischen 
Armee-Verpflegungs-Commission, eine Parthie 
Branntweinsfässer und Fleischtonnen, 
in paffenden Cavelingen, auf vierwöchentlichen Credit, 
gegen genügende Sicherheit, in öffentlicher Auction 
verkauft werden. 
Rendsburg. den 19. October 1850. 
Bekanntmachung 
Am Montage den 21sten October d. I. Vormit 
tags 10 Uhr, soll das zu der Concursmasse des 
Schiffers. Johann Daniel Jacobsen gehörige, 
in der Königstraße belegene Wohnhaus nebst Pertr- 
nentien, unter den im Termin zu verlesenden Be 
dingungen, welche bei dem Güterpfleger, dem Advoka- 
tenHelm cke und im Stadtsecretarrate eingesehen wer 
den können, au Ort und Stelle verkauft werden. 
Zugleich wird ein zur Jacob sen'schm Con 
H. Haase, const. 
Anzeige. 
Mit hoher Bewilligung wird von dem Unterzeich 
neten heute Sonnabend den 19. October Abends 
6*4 Uhr ein großes 
Instrumental- u. Vocal-Concert 
zum Besten der 
F r i ü d r i cb st a ï> t e v 
im hiesigen Schauspielhause 
gegeben werden. 
Die Herren Kumpel und Bvie aus Altona 
haben ihre gütige Mitwirkung zugesagt. 
Das Nähere werden Anschlagezettel besagen. 
Rendsburg, den 15. Oct. 1850. 
C. Gurlitt, 
Brigade - Musikdirektor. 
in Altona 
Diejenigen, welche bei vielem Verein versichert 
haben und jetzt ihre Wohnungen verändern, wollen bal 
digst bei mir Anzeige davon machen, damit die vor 
schriftsmäßige Umschreibung der Policen beschafft wer 
den kann. Rheindorff. 
Der Herr Sch unck, Director der Kieler Schau 
spielergesellschaft, wird hiedurch aufgefordert, doch 
recht bald mit seiner Gesellschaft hierher zu kommen 
und uns Rcndsburgern die gegenwärtige trübe Jah 
reszeit durch die Kunst etwas zu erheitern. Wrr glaubten 
übrigens nicht.daß es zu solchem Behuf erstemer Auffor 
derung unserer Seils bedurft, sondern daß das eigene 
Interesse des Herrn Schunck sowohl als der bekannte 
Kunstsinn der Rendsburger ihn von selbst zu uns 
geführt hätte, und wollen wir daher hoffen, daß 
Herr Schunck diese Zeilen berücksichtigen und nun 
mehr recht bald die hiesige Bühne eröffnen lassen 
werde. 
Rendsburg, den 18. Oct. 1850. 
Mehrere Theaterfreunde. 
Anzeige. 
Mein wohlassortirtes Lager von wollenem 
Strickgarn empfehle ich einem geehrten Publi 
kum bestens. 
S. H. Man. 
Beachtungswerth! 
Cine Partie weise, wollene Decken, 
von der feinsten Wolle gearbeitet, zu 
auffallend billigen Preisen; ferner achtel», 
feinen, blauen Düffclzu dem enorm bil 
ligen Preise von S Mk. pr. Glle, bei 
Geschäfts - Anzeige. 
Die erfolgte Eröffnung meines 
Goìoàì. ÄàŞ \u\*D şiŞ 
WHWWCW 
erlaube ich mir hiermit dem geehrte» hiesigen und auswärtigen 
Publicum anzuzeigen, unter Zusicherung der promptesten und 
reellsten Bedienung. , ,, . 
Zugleich zeige ich an, daß ich im Bcsitz emes Lagers 
sämmtlicher Fabricate der Carlshuttc bm, welche zu Hutten- 
Preisen verkauft werde». 
Rendsburg, den 12. October 1850. 
C. F. Jaeger, 
am Schloßplätze in der Altstadt 
kicoh Meyer. 
Bf »lives - Auslern 
empfiehlt 
F. A. Correll. 
Anzeige 
Die Seiden - Wasch - und Färberei wird nach wie vor 
fortgesetzt, bei 
W. Stadtker, 
Neustraßc Nr. 58. 
Wohnungsveranderung. 
Daß ich jetzt in dem von mir käuflich erstandenen, der 
Wittwe Hudemann zugehörig gewesenen, in der Tulipanstraße 
unter Nr. 602 belegenen Hanse wohne, beehre ich mich hie 
durch zur Kenntniß deê Publikums zn bringen- 
Hinrich Gosch, 
Brauer und Brenner. 
Wohuungsveränderilug. 
Ich wohne jetzt bei dem Tischlermeister Herrn 
S ck^u ltz in der Materialhofstraße. 
Herz Rathan 
Anerbieten. 
Ein junger Mann mit guten Schulkenntnissen versehen, 
wünscht als «chreiber oder in ähnlicher Charge angestcllt zu 
werden. Adressen unter b 6. werden in der Erped. d- Bk. 
erbeten. 
Unterrichts-Grtbeilung. 
Ein junger Mann wünscht in einigen seiner Freistunden 
Knaben zu unterrichten. Unter II. nimmt das Comptoir 
d. Bl. Offerten entgegen. 
Zu verkaufen. 
Die Einrichtung zu einer Salzraffineric ist billig zu kau 
fen bei Hcllborn. 
Entlaufene Kuh. 
Bor circa 8 Tagen ist dem Unterzeichneten eine gelbbuntc 
Kuh, welche 9 bis lO Mal gekalbt hat, entlaufen. Wer tm 
Besitz derselben sein sollte wird gebeten, solches dem Unter 
zeichneten anzuzeigr». 
Rendsburg, den 17. October 1850. 
H. Nissen, Schlachter. 
Verlorenes. 
Sonntag, den 13. October, habe ich in Rendsburg mein 
Taschenbuch mit sämmtlichen Papieren verloren. DaS Ta 
schenbuch war in rothem Saffian gebunden und enthielt Tauf 
schein, Jmpfungsschci», Heimathsschein, Akademische Matrikel, 
nebst einigen andern Papieren, die doch Niemanden nütze» 
können. Der ehrliche Finder wird gebeten, solches im Polizer- 
amt zn Rendsburg, gegen eine angemessene Belohnung, abzu 
liefern. ' Jäger Julius Wagner, 
2. Comp, des 4. Jägercorps, 
Der ehrliche Finder einer am Freitag Morgen 
verlorenen roth-faffianen Brieftasche, enthaltend einen 
Ausland- und Landwehrpaß vom 22sten preuß. Land 
wehrregiment, auf Joseph Latka lautend, und noch 
einige andere Papiere, wird um Rückgabe in der Ex 
pedition d. Bl. gebeten. 
Zu vermietheu. 
Ein Saal ist in Miethe zu haben zum 1. Nov. 1850. 
Wo? erfährt man in der Erped. d. Bl. 
Zu vermietheu 
ist in einer angenehmen Gegend auf dem Lande unweit Rends 
burg eine bequeme Wohnung mit mehreren Zimmern und 
andern Räumlichkeiten, Feuerung >c., event, auch mit cuiew 
hübschen Garten. Wo, erfährt man »> der Erped. d. Bl. 
Mleth-Gefuch. 
ES wird ein kleines möblirtes Zimmer von einer DaMt 
gesucht. Adressen bittet man in der Erped. d. Bl. abzugeben- 
Eingekommen zum Besten der Armen: 
Wege» Dcrmiethung zwischen B. und W. 8 ß, 
Rendsburg, den 17. Oct. 1850. 
I. Chr. ZcrSse". 
jm 
f 
Rcdigirt, gedruckt und herausgegeben von F. M. Wendell.
	        
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