Full text: Newspaper volume (1850)

43te 
endsburger 
Jahrgang, 
_ 1850. 
ist für Interessent-,., denen es hier am Orte zugebracht w,rd v'-"eiä lich 19 ß und Tn, 5‘* k '? b Fre.tags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. - D r Preis 
amtern machen, ist der Preis dierteljährlich f txA T- Sgg» werden "7 L' »f, Ablauf ^ glit Auswärtige, welche BesteLgen'bel d-» Pş 
Tagesgefchichte. 
Grotzbritannie 
Den „H. N." geht von London aus folgende 
Ansprache der Committee des Friedens-Congresses 
zu: 
„An die Bewohner Dänemarks und der 
Herzogthümer Schleswig-Holstein. 
Brüder! zu sehen, wie zwei Pölker in einen 
blutigen Krieg verwickelt eines des anderen Gebiet 
betreten und Verwüstung und Tod mit sich führen, 
ist schon unter anderen Umständen ein trauriges 
Schauspiel; aber dieses Gefühl wird zum Abscheu, 
wenn die streitenden Theile bisher politisch vereinigt 
und durch tausend Bande der Verwandschaft und 
Freundschaft miteinander verbunden waren. Das ist 
leider Euer Fall im gegenwärtigen Augenblick und 
die Freunde der Religion und des Friedens in Groß 
britannien sind hiedurch schmerzlich bewegt. 
Giebt es keinen Weg, diesen natürlichen Streit 
zu beendigen? Keine Mittel, um das fernere Blut 
vergießen und die Zerstörung des Eigenthums zu 
hemmen? Soll der Krieg fortgehen, bis Euere Hülss- 
guellen versiegt sind und Ihr keinen Mann mehr ins 
Feld stellen könnt, um geschlachtet zu werden? Der 
Krieg muß enden auf die eine oder andere Weise; 
wird aber der Sieger in jedem Falle das Ziel er 
reichen, das er sucht? Das darf mit gu.em Grund 
bezweifelt werben; denn verlaßt Euch darauf, die 
Streitpuncte, weiche es auch sein mögen, werden 
noch eine Erledigung durch Unterhandlungen und 
Vereinbarung zu bestehen, und nicht unwahrscheinlich 
werden Dritte schließlich über Euere Streitfrage zu 
entscheiden haben. Die Friedensfreunde möchten da 
her als Brüder, die tiefen Antheil nehmen an Eue 
rem Wohl, Euch rathen, sofort die Feindseligkeiten 
einzustellen und die wichtigen Fragen der Entschei 
dung eines aufgeklärten und unparteiischen Schieds 
gerichts zu unterwersen. Von einem solchen Trrbu 
nal mögen beide Theile Gerechtigkeit erwarten, 
vom Schwerte, nimmer! 
Die Friedensfreunde möchten sich aber noch aus 
höheren Gründen an Euch wenden. Ihr bekennt 
Euch zum Christenthum; Ihr anerkennt die Autori 
tät des Fürsten des Friedens. Sie möchten daher 
ernstlich und feierlich an Euch die Frage richten, ob 
die Verlängerung des gegenwärtigen Krieges' mit 
seinen Geboten vereinbar ist; ob nicht vielmehr alle 
jene Empfindungen und Gefühle, welche Menschen 
und Christen durch die heiligsten Verpflichtungen ge 
halten jind, gegeneinander zu hegen, dadurch vernich 
tet werden ? Du sollst lieben nicht bloß Deinen Nächsten, 
sondern auch Deinen Feind, ist ein klares Gebot des Chri 
stenthums; erlaubt daher Eueren Freunden und Brü 
dern, Euch zu ermahnen bet Allein, was heilig in 
unserer gemeinsamen Menschlichkeit und bei Allem 
was heilig in unserer gemeinsamen Religion, vom 
Steile abzulassen. Alles, was Ihr je durch das 
Schwert gewinnen könnt, ist Verlust — Verlust des 
Eigenthums, — Verlust des Glückes — Verlust des 
Lebens! Wie weise wäre es also, zu horchen auf die 
Friedensberather! Wie vernünftig. Eure Streitigkei 
ten einer schiedsrichterlichen Entscheidung zu unter 
wersen! Wie religiös, die Waffen des Krieges fah 
ren zu lassen und sich den Aussprüchen der Gerech 
tigkeit und Billigkeit zu unterwerfen! Wir bitten 
Euch freundlich und dringend: laßt ab von fernerer 
Gewaltthat gegeneinander und befleißigt Euch eines 
Geistes der Mäßigung, Güte und des Wohlwollens. 
Setzt nicht unbarmherzigen und wilden Krieg sort, 
und bedenkt, daß jedes Schwert, das Ihr zieht, je- 
hcs Gewehr, das Ihr abfeuert, jede Kanone, die Ihr 
^st, gegen die Brust eines Bruders gerichtet ist 
Denkt an die Hausen die bereits verödet sind, an 
dw Wittwen und Waisen, die den Verlust ihrer 
Manner und Vater beweinen, an die Freunde die 
getrennt wurden, und an die moralischen und socia 
len Uebel, die em Krieg unveränderlich mit sick 
brmgt und unterhalt. Angesichts solcher Betrack 
tungen laßt Männer, in die Ihr wechstlseitig Ver- 
trauen setzet, erwählet werden, um aus Grundlage 
aller ihnen vorliegenden Thatsachen, Euere Strett- 
fragen zu untersuchen, und laßt ihre Entscheidung 
eme schließ lche sein. Ihr werdet so Anderen in 
ähnlichen Umstanden ein würdiges Beispiel geben- 
Ihr werdet einen blutigen und kostbaren Krieg be- 
endlgeir; Euere Soldaten werden zu den friedlichen 
Beschäftigungen des Hauses und des Gewerbes ent- 
laisen werden; Euere Dörfer werden neu erbauet und 
Euere Städte wiederhergestellt werden; Euere Ern- 
)v"ben eingebracht werden; Euer Handel wird 
aufbUrhen, und vor Allem, Ihr werdet Euere An- 
jpruche, von Eueren Glaubeiisbrüdern als Christen 
angesehen zu werden, gerechtfertigt haben. 
Wir wenden uns nicht als Parteimänner an 
Euch, wir bevorzugen Keinen, wir sind gleicherweise 
Freunde der Dänen, wie der Bewohner der Herzog 
tümer. Es ist nicht unsere Sache den Ursprung 
des Streites zwischen Euch zu untersuchen, noch eine 
Ansicht auszustellen, ob einer der streitenden Theile 
oder beide Unrecht haben. Wir sind gegen alle 
Intervention in Eure Augelegenheite», es sei denn 
ffut Eurer eigenen Zustimmung und dem alleinigen 
Zweck, Versöhnung und Frieden durch friedliche Mit 
tel zu fördern. Brüder! Laßt Euch leiten von dem 
Geiste des Friedens und möge Er, der da ist Gott 
des Friedens, Euch so rathen und führen, daß Ihr 
ernstlicy nach jenem großen Segen strebet und im 
Stande seid, ihn Euch zu sichern. 
Congresses ^ ® omittee beá britischen Friedens- 
(gez.) Joseph Cooper, Vorsitzender 
Elihu Burrltt, Secretair 
„ Henry Richard, Secretaiw 
^ondon, den 16. Oct. Die „Times" bespre- 
Ken heute in ihrer bekannten dänensreundlichen Weise 
die Affaire gegen Friedrichstadt und tadeln besonders 
General Willisen,, daß er an von der Tan», der 
„Heißsporn der Herzogtümer" die ganze Expedition 
uberließ, obwohl er selbst unzweifelhaft von der Stärke 
der feindlichen Stellung volle Kenntniß hatte. Im 
Uebngen haben auch die „Times" ihr Bedenken we 
gen des herannahenden Winters und der Nachttbeile 
die derselbe für die Dänen mit sick führt 
London den 15. Oct. Allmählig arbeitet sich 
das eiserne Gerüst des Glas-Palastes im Hyde Part 
b/rgesta t heraus, daß man sich von dem ungeheuer 
st X5 Il & der uns im nächsten Frühjahr bevor- 
steht, eine Vorstellung machen kann. Die Allee 
mächtiger Ulmen, die von einer Art Quersckiff tum 
r e öi C 4 bl f der Terminologie entbehrende Gattung 
der Architect»! einen Ausdruck kirchlichen Baustyls 
anzuwenden) ganz unversehrt eingeschlossen und be 
deckt werden soll, giebt den besten Maßstab für die 
Höhe, die parallel mit einem Theil des Gebäudes 
N'nden Stalle und Reitbahnen der Leibgarde, einen 
Maßstab fur die Lange ab. Ganz verschwinden müssen 
ringsum die nicht verächtlichen Constructionen ans 
e, A- 11 u i lb ^ ,l ü , enu der Erstling einer neuen Bau- 
aus neuen Elementen fertig dastehn wird. Einer 
mccbenn eine solche ist mit dem co 
lossalen Wagestück geboren. Schoil beschäftigt sich 
dw in Neuerungen kühne Phantasie de! Engländer 
mit großartiger Anwendung des neuen Princips der 
Mnrohrartig in einander geschobenen, eiser 
nen Rohren, dieser tragenden Knochen für die glä- 
serne Haut, zu den mannigsaltigsten Zwecken. So 
sind sie in Stratford am Avon auf den Einfall ge 
kommen, Shakspeare's Haus, das dem Zahne der 
zu erllegen droht, um es vor Wetter und Wind 
zu schütze», wie eine Nutzuhr oder kostbares Nivv- 
zeug uàr einen Partouschen gläsernen Deckel zu 
setzen. Mr. Paxton,. der so mir einem Schlage zu 
mehr» als europäischem Ruhme gelangte Architect, 
meldete neulich in einem Meeting von einer ganzen 
Menge ähnlicher ihm gestellter Aufgaben. Mit einem 
Worte die Prophezeihung des genialen architectoni- 
schen Schriftstellers Bötticher ist erfüllt; die Bau- 
kunsl, die in Stein und Holz abgeschlossen war und 
nur noch nachahmen konnte, lebt in Glas und Eisen 
wieder jung auf. Es flickt die alte am cölner Dom, 
des Cultus riesenhaftestem Tempel, und muß ihn 
doch unvollendet lassen, den neuen babylonischen Thurm 
die neue Archltectur wird in einem Winter'mit ihrem 
Tempel dein Tempel der Cultur, fertig, der allein 
mehr Raum m sich schließt, als der cölner Dom, 
die Peterskirche und die Paulskirche zusammenqe- 
nommen. Das ist Stoff zum Nachdenken; freilich 
SlütftSf "Şà N.ch. 
D ä H e nt a t k. 
r <. Ķo>pc,ļļ,.r.,eik Die russ. Flotte hat bekannt. 
N îhre Station m unserem Fahrwasser in voriger 
Woch verlassen; unsere Schiffe, die ungefäbr ì 
demselben Fahrwasser liegen, können woh? guck n 
diesen Tagen zurückerwartet werden; so mag mS 
Jei diesjährige Feldzug für beendigt angesehen wer 
den, ivahrend unser Heer seine festen Stellungen 
in Schleswig vertheidigt und der Feind seinHaupt- 
quartier in Rendsburg hat, von wo er denn freilick 
zu jeder Jett, wenn ihm die Gelegenheit bequem 
scheint, uns zu beunruhigen suchen kann. Der Win 
ter nähert sich mittlerweile, die Dampfschiffahrt hört 
auf und es scheint nicht, daß unsere 'Regierung für 
eine Landpo,t-Beforderung gesorgt hat oder hat sor 
gen können. — Der Correspondent der D. R" 
schreibt, daß der aus der schleswig-holsteinischen Ar 
mee desertirte österreichische Officier Jvanowitsch sich 
ui Kopenhagen als Gefangener auf Ehrenwort in 
einem der ersten Hotels befindet und vom Krieas 
"'^^.^Thlr. Diäten erhält. - Sämmtliche dä- 
nl,che Blatter bringen kürzere oder längere Berichte 
über die Versammlung der Freunde Schleswig-Hol 
steins m Hannover, je nach ihrer Weise und mit 
? ^aiwglossen, in der Regel „Niedersächs. Ztg." 
Nur „Kjobenhp. meint doch, solche Versammlungen 
seien nicht ohne Bedeutung; in Deutschland sei stets 
wohlfeile Begeisterung und baar Geld genug, um 
eme Zeitlang den holsteinischen Krieg auf diesem 
Wege zu unterhalten; sicherlich werde die däniicke 
Regierung aber Reclamation erheben, da das in 
offenem Gegensatz gegen den Friedensschluß stehe, 
die Organisation eines allgemeinen deutschen Volks 
krieges gegen Dänemark sei. 
, , ' 5 en Oct. Die „Berl. Tid." von gestern 
hat an der Spitze des Blattes eine (officiöse) Mit 
theilung über die Angelegenheit der„Geston". Nack- 
dem bemerkt ist, baß Preußen es bei der Friedens- 
ratlfication zur Bedingung gemacht habe, daß die 
„Gesion" sofort oder jedenfalls nach der Ratification 
dem deutschen Bunde zur Verfügung gestellt werde 
sowie daß Dänemark daraus bei der Äusweckstluna 
zu Protocoll erklärt, wie man von dänischer Seite 
sobald der Friedenstractat vom deutschen Bunde rati- 
sicilt sei, dem genannten Bunde unverzüglich bas 
ffeie Eigenthums- und Dispositionsrecht über die 
Fregatte überlassen werde, wird bann, nach Erwäh 
nung der Ratification von Preußen, mit mehreren 
anderen deutschen Staaten, die nunmehr am 3. er 
folgte Ratification Seitens der „deutschen Bundes 
versammlung gemeldet und hinzugefügt; „Da sol-
	        
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