Full text: Newspaper volume (1850)

43 s 
U 
Jahrgang, 
M 86. 
Sonnabend, den 26. October 
1850. 
Aufruf zur Unterstützung der hülfsbedürftigeii Friedrichstädter! 
Nachdem schon eine vorläufige Committee zur Abhelsuug der ersten Noth bestanden hatte, hat .sich nunmehr aus Beschluß der Stadteollegieu die 
unterzeichnete Central-Committee gebildet, um d,e Unterstützungen fur btc durch ein sechstägrgcs Bombardement in die hülslosefte Lage versetzten 
Einwohner der Stadt zweckmäßig zu vertheilen. Indem wir unsern herzlichsten Dank aussprechcn für die lins bereits gewordene uicuscheufreund- 
liche Hülse, bitten wir, die für unsere unglücklichen Mitbürger bestimmte,k Geldsendungen an die unterzeichnete Committee gefälligst adresstrcu 
zu wollen. Friedrichstadt, den 15. October 1850. J 
Central-Committee für die Hülfsbedürftigen. 
I. FrdOFeddersen. S. A. Schnittger. H. B. Peters. I. I. Schütt jun. 
- I. I. v. d. Leck. F. G. Strchr. F. S. Maynzhuftn. P. Jvers. 
Mit Beziehung auf vorstehende Aufforderung erlaubt sich die unterzeichnete, hicsclbst zusammengetretene Committee die Einwohner Rends 
burgs und der Umgegend aufzufordern, ihrer bekam,ten mildthätigen Gesinnung durch milde Beiträge zur Unterstützung der hülföbedürftiqeu Fami 
lien Friedrichstadts Ausdruck zu verleihen, und zeigt zugleich an, daß Jeder der Unterzeichneten crbötig ist, solche Beiträge entgegenrunebmen. 
Rendsburg, den 34. October l850. . a 7 
S3. Barca. Bitterling. Ioh. Brandt. Callifen. Fabricius. S. Herz. 
Chr. Jess. F. Junglöw. Rahe. Rheindorff. Ruchmann. I. H. Schulze. 
H. Volmers. Zersftn. 
N u H l a it d. 
In Warschau hat während der Anwesenheit 
des russischen Kaisers der Fürst Paskiewitsch sein 
SOjähriges Dienstjubiläuin gefeiert und dabei von 
seinem Herrn ein sehr anerkennendes Schreiben er 
halten, dessen Schluß folgendermaaßen lautet: 
„Angenehm war es mir immer, Ihre Verdienste 
anzuerkennen und zu belohnen; heute, bei Gelegen 
heit Ihres 50jährigen Dienstjnbelfestes, habe ich be 
fohlen. einen Feldwarschall mit einer diamantenen 
Inschrift zu schmücken. Indem ich selbigen Ihnen 
übergebe, erneuere ich den Ausdruck meiner steten und 
wahren Gefühle der Anerkennung für Ihre erhabe 
nen Thaten, die Ihnen ein so gutes Recht auf meine 
wie des Vaterlandes und der Nachwelt Dankbarkeit 
erworben haben. Ich verbleibe Ihr unveränderlich 
wohlwollender Nikolaus. Warschau, am 17teu 
October 1350." 
Berliner Blätter berichten über die Feier noch 
Folgendes: 
Der Kaiser nahm zugleich selbst an den Glück 
wünschen Theil, die dem Fürsten Feldmarschall bei 
Gelegenheit seines 50jährigen Dienstjubiläum ge 
bracht wurden. Zu diesem Zwecke begab sich der 
Kaiser mit der Generalität in die Wohnung des 
Fürsten. Später übergab der Kaiser auf dem Ujaz- 
dvwcr Platze, wo das Jägerregiment, dessen Chcs 
der Feldmarschall ist. defiiirte, dem Fürsten den oben 
erwähnten Felbhcrrnstab. Dieser Stab wurde von 
dem Sohne des Fürsten getragen, welchem die Groß 
fürsten Nicolaus und Michael, Söhne des Kaisers, 
zur Seite gingen. Der Feldherr beugte seine Knie, 
der Kaiser hob ihn auf und umarmte ihn. Nach 
Beendigung dieser Feier nahm der Feldmarschall die 
Gratulationen der Bischöfe, der Beamten, sämmtli 
cher Dicastericn, der Deputationen des Adels, sämmt 
licher Gouvernements und der Bewohner Warschaus 
entgegen. Außerdem hatte der König von Preußen 
eine Deputation nach Warschau gesandt, bestehend 
aus dem Obersten und mehreren Ofsiciercn des 1. 
Infanterie-Regiments, zu dessen Chef der Fürst Feld 
marschall ernannt ist. Dieselbe überbrachte zugleich 
die Uniform des Regiments. Der König von Däne- 
mark ernannte den Fürsten zum Ritter des Elephan- 
ten-Ordcns, dessen Insignien demselben durch den in 
Warschau anwesende» Herzog von Schleswig-Holstein 
übergeben wurden. Der Herzog von Wellington 
endlich, gleichfalls russischer Feldmarschall, huldigte 
seinem Waffenbruder durch ein Schreiben, in wel 
chem er sowohl seilte Anhänglichkeitsgefühle, als seine 
Glückwünsche zu der Feier ausspricht. 
Dane n. a r k. 
Kopenhagen, vom 22. Oct. Die dänischen 
Blätter bestätigen die Nachricht, daß das russische 
Schrauben-Dampfboot „Archimedes" bei der Insel 
Bornholm, am Hvidcodde-Riff gerade nördlich von 
Rönne gestrandet ist. Officiere und Mannschaft sind 
mit Ausnahme von 7 Mann gerettet; dagegen sind 
3 Fischer von der Insel dabei ertrunken. Nach einem 
Briefe von Rönne in „Facdrel." ist wenig Aussicht, 
das schist wieder abzubringen, das diesen Sommer 
die erste Seereise machte. 
Bei „Faedrcl." sind bisher 6098 Nbthlr. 4 ß für 
die Friedrichstädter eingegangen. 
Die „Dannevirke" bringt den Brief eines Sol 
daten aus Schleswig. Er schreibt, daß täglich kleine 
Gefechte vorfielen, namentlich bei Kropp, 'wenn pa- 
trouillirt würde. Schon früh jeden Morgen iff auf 
Linie Alles auf den Beinen, da es der Anfmerksam- 
keit bedürfe, weil der Fe,nd kein Mittel unversucht 
lasse, hier oder dort durchzubrechen. Die „Freia" 
beklagt sich darüber, daß in Husum der „schlimme 
deutsche Geist" noch in voller Kraft sei. Sogar 
ein Wirthshaus trage »och ein Schild mit der Auf 
schrift ,.Schleswig-Holsteinisches Haus" und in dem 
selben finde man aufrührerische Attribute. Dennoch 
verkehrten dänische Officiere dort. ja man erzählt 
sogar, daß das besagte Schild bewacht werde, damit 
cs nicht ubcrtheert werde. — Also dergleichen hat 
man nicht allein in Hamburg zu fürchten. 
Rinkjöbing, den 12. Oct. In der vorigen 
Nacht strandete hier an unserer Küste ein großer 
spanischer Dreimaster mit einer sehr großen und 
kostbaren Ladung. Er kam von Havana und war 
mit 1526 Zuckerkisten, jede zu 400 Pfd. geladen. 
Das Schiff ward ganz zertrümmert und voll der 
Ladung ward nichts gerettet; nur einiges Brenn 
holz war das ganze Ueberbleibsel. Bon der Be 
satzung wurden 13 Mann gerettet. Der Capitän 
und 1 Matrose ertranken. Die Schiffbrüchigen find 
hier in der Stadt mit Kleidern versehen worden, 
da sie leider Alles verloren hatten. 
Nach „Fyens Avis" ist Lieutenant Adelman», der 
schwer verwundet vor Friedrichstadt den Dänen in 
die Hände fiel, an seinen Wuliden gestorben. 
Dentsichkerrrd. 
Berlin Neulich hat sich Herr v. Bjelke be 
klagt, daß preußische Soldaten und Unterofficiere nach 
Rendsburg kämen, um sich dort einkleiden zu lassen 
Man mußte ihm auseinandersetzen, wie es kein MiC 
tel gebe, preußische Reservisten, denen die Uniform 
verbleibt, an einer Reise nach Hamburg zu verhindern. 
Weimar, vom 19. Oct. Unsere Wochensamm- 
lmrgen für Schleswig-Holstein haben einen ziemlich 
gleichmäßigen und nachhaltigen Fortgang. Die Stadt 
Weimar mit der nächsten Umgegend hat bis jetzt im 
Ganzen inindestens 2600 Thlr. zusammengebracht. In 
der heutigen Nummer der „Weimar'schen Zeitung" 
werden aus der nur 22 Einwohner zählenden Ge 
meinde Letzendors 12 Thaler aufgeführt. 
Aus der Provinz Preußen, 14. Oct. Der als 
preußischer Bevollmächtigter in Schleswig bekannt 
gewordene Gras Eulen bürg hat sein neues Amt 
als Präsident der Regierung zu Marienwerder vor 
einigen Tagen angetreten. 
Dem in Gotha erscheinenden „Tageblatte" wird 
von Gera aus geschrieben: In den meisten Staa- 
ten iufieres Vaterlandes haben sich Vereine gebildet, 
um unsern bedrängten schleswig-holsteinischen Brü 
der!» mit Sendungen von Geld, Kleidung rc. zu 
Hülfe zu kommen und nur in dem deutschen Staat 
(!) Reuß-Greiz geschah dies nicht, das Greizer Völk 
chen that nichts für diese nationale Sache. Dahin 
gegen that der Regent Fürst Reuß-Greiz viel mehr, 
als man erwarten sonnte und die ganze Stadt Gera 
ist voll davon; denn dieser hochherzige deutsche Fürst 
brachte nach der über beide Armeen der reussischen 
Länder (778 Mann stark) abgehaltenen Parade bei 
der Tafel des Fürsten Heinrich LX4). einen Toast aus „auk 
den guten Sieg der tapferen — Dänen bei Fric- 
drichstadt!" — Armes Schleswig-Holstein, jetzt bist 
Du verloren, denn Reuß-Schleiz-Greiz-Lobenstein ist 
gegen Dich!" 
München, den 17. Oct. Der ehemalige baicr- 
sche, nun schleswig-holsteiniche Militärarzt Dr. Karl 
Herrich schreibt aus Delve ln Dithmarschen, daß 
er nebst Dr. Stromeier und sieben andern Aerzten 
die Verwundeten pflege, die aus dem nur zwei Stun 
den entfernten Friedrichsstadt gebracht wurden. Ein 
Verwundeter erzählte ihm Folgendes: „Als ich von 
KartcWcn schwer getroffen da lag, kam der Ober- 
jäger W. Henke (ein baierischer Freiwilliger) die 
Büchse auf dem Rücken, lud mich mitten im Feuer 
der feindlichen Schanze auf und trug mich zurück. 
Sogleich riesen noch drei andere Verwundete aus
	        
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