Full text: Newspaper volume (1850)

43"2 
Rendsburg« 
Jahrgang, 
M 8V. 
Mittwoch, den 30. October 
L8S0. 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen 
ist für Interessenten, denen es hier am Orte zu^e' ' 
«mietn mächen, ist der Preis vierteljährlich 1 Äark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. 
Aufruf zur Unterstützung der hülfsdedürstigen Friedrichstädter! 
Nachdem sckon eine vorläufige Committee zur Abhelstiug der erstell Noth bestanden hatte, hat sich nunmehr auf Beschluß der Stadtcollegien die 
unterzeichnete Central-Committee gebildet, um die Unterstützungen für die durch ein sechstägiges Bombardement in die hülfloseste Lage versetzten 
Einwohner der Stadt zweckmäßig zu vertheilen. Indem wir unsern herzlichsten Dank aussprechen für die uns bereits gewordene menschenfreund 
liche Hülse, bitten wir, die für' unsere unglücklichen Mitbürger bestimmten Geldsendungen an die unterzeichnete Committee gefälligst adressiren 
in wollen. Friedrichstadt, den 15. October 1850. 
Central-Committee für dir Hülssbedürftigen. 
I. Frd. Fedderftn. S. A. Schnittger. H. B. Peters. I. I. Schütt jun. 
I. I. v. d. Leck. F. G. Stuhr. F. S. Maynzhusen. P. Jvcrs. 
Mit Beziehung aus vorstehende Aufforderung erlaubt sich die unterzeichnete, Hieselbst zusammengetretene Committee die Einwohner Rends- 
bllrgs und der Umgegend aufzufordern, ihrer bekannten mildthätigen Gesinnung durch milde Beiträge zur Unterstützung der hülssbedürftigen Fami 
lien Friedrichstadts Ausdruck zu verleihen, und zeigt zugleich an, daß Jeder der Unterzeichneten erbötig ist, solche Beiträge entgegenzunehmen. 
Rendsburg, den 24. October 1850. 
B. Barca. Bitterling. Ioh. Brandt. Callisen. Fabricius. ^ Herz. 
Chr. Jess. F. Junglöw. Rahe. Rheindorff. Ruchmann. I. H. Schulze. 
H. Volmers. Zerssen. 
TageSgeschiehte 
Großbritannien. 
London, den 23. Oct. Die „Times" melden, 
daß in einem gestern gehaltenen Cabinetsralhe über 
einem dein britischen Ministerium gemeinschaftlich von 
Rußland und Frankreich gemachten Vorschlag bera 
then worden sei, demzufolge die drei Mächte Preu 
ßen zur Erfüllung seiner neuerdings gegen Däne 
mark übernommenen Verpflichtungen und zur Zurück- 
ziehung der den schleswig-holsteinischen Truppen bis- 
her gewährten Unterstützungen auffordern sollen. 
Falls Preußen Bedenken trage, auf dieses Ver 
langen einzugehen, seien Rußland und Frankreich be 
reit, demselben durch eine Invasion resp. der Pro 
vinz Schlesien und der Rhcinprovinz Nachdruck zu 
geben. Vorgängig wünschen sie indeß die Betheili 
gung Englands "an den Preußen zu machenden Vor 
stellungen und wollen ohne diese für jetzt ihre Be 
wegung nicht ausführen. 
Ueber den Beschluß des englischen Cabinettes mel 
den die „Times" noch nichts, bemerken aber, daß 
sich derselbe im Voraus angeben lasse. Es werde 
sich weigern, an einer Note so drohenden Inhalts 
sich zu betheiligen, vielmehr vorschlagen, daß jeve 
der drei Mächte für sich Preußen wegen seines Treu 
bruchs in Bezug auf Däneinark Vorstellungen macht. 
Ob diese dreifachen Remonstrationen übrigens mehr 
Erfolg haben werden, als die bisherigen diplomati 
schen Bemühungen in dieser Sache, muffe dahin ge 
stellt bleiben. 
Der „ministerielle „Globe" bezeichnet die Vermu 
thung der „Times" über den Inhalt der britischen 
Antwort als nichts denn eine glückliche Muthmaßung, 
welche sich wohl auf die der französischen und rufst- 
scheu Gesandschaft zu Gebote stehende Auskunft stützen 
möge. 
In einer längeren Auseinandersetzung sucht in 
deß der „Globe" zugleich nachzuweisen, daß die bri 
tische Antwort den Umständen nach nicht wohl eine 
andere sein könne. England habe Sympathie für 
seine constitutionellen und protestantischen Bundesge 
noffen hinreichend kundgegeben, könne aber nicht ge 
statten, daß Dänemark so Khr geschwächt werde, daß es 
zu einer russischen Provinz herabsinke und habe weder den 
Willen noch die Macht, Preußen wenn es aus der. 
bisherigen Bahn beharre, daß es sich einem sehr un 
bequeme» Drucke sowohl von Seiten Rußlands als 
Frankreichs preisgegeben finde. 
Däne nr a r k. 
Kopenhagen. Der Correspondent der deut 
schen Reform schreibt bei Bestätigung der Nachricht 
über die Strandung des „Archimedes". Diese Un 
glücksbotschaft machte aus die Officiere einen sehr 
niederschlagenden Eindruck. Besonders dürste es dem 
Oberst v. Glasenapp unangenehm sein, indem sein 
Bruder, Capitän v. Glasenapp, die Fregatte „Archi 
medes" befehligte. Gleich nach der cingetroffenen 
Nachricht ist der Oberst v. Glasenapp mit der Dampf- 
fregatte „Kamtschatka" von hier nach Bornholm ab 
gegangen. — Die Dampffregatte „Smeloh" ging auch 
gestern von hier nach Elseneur ab, und heute Mor 
gen ist auch das dntte russische Kriegsdampfschiff 
„Ottwaschney" von hier direct nach Kronstadt abge- 
Œ , wahrscheinlich um die Nachricht von dem 
e der „Archimedes" In überbringen. 
Kopenhagen, den 23. October. Die „Deut 
sche Ref." theilt folgende telegraphische Depesche toon 
hier mit: „Anfangs nächsten Monats wird durch ei 
nen Commiffarius im Herzogthum Lauenburg von 
Beamten und Militär der Eid der Treue für den 
König-Herzog abgenommen werden." 
— Der „Bert. Tid.", die in der Nummer vom 
2t. die Presse warnt, keine Privatmittheilungen vom 
Kriegsschauplätze zu geben, die leicht nachtheilig auf 
die Operationen der Armee und auf dre Lage der 
„Treugesinnten" in Südschleswig wirken könnten, er 
hält von „Faedrel" eine Erwiederung, in der jene, 
vielleicht inspirirte Warnung mit einem Gerücht zu 
sammengebracht wird, demzufolge das Ministerium 
oder das^ Generalkommando an dem gedachten Tage 
alle Briefe von der Armee in Flensburg habe öffnen 
lassen, in Folge dessen ein Officier wegen des In 
halts eines Briefes arretirt sein solle. „Faedrel." 
wünscht Aufklärung über diese „ziemlich sonderbare" 
-Begebenheit. — Nach der Eorrespondenz der 
„D. R." sind die Fregatten „Dronning Maria" und 
„Thetis" hier angekommen. 
' Deutschland. 
Hamburgs, vom 25. Octbr. Gestern passierte 
hier, wie es schien incognito, der General Hahn 
durch, um sich nach Kiel zur Statthalterschaft 
zu begeben. Der genannte General ist, wie Sie 
wissen, seit vorigem Jahre in den Herzögthümern 
eine beliebte Persönlichkeit; man flüstert von einer 
vertraulichen Sendung, deren Inhalt man 
natürlich nicht kennt. Aber aus der Persönlichkeit 
des Gesandten will man schließen, daß man es in 
Beriln für nöthig gehalten habe, den Eindruck einer 
unwillkommenen Sendung durch einen willkommenen 
Gesandten zu mildern. Man bringt die Sendung 
des General Hahn in Verbindung mit dem Andrin 
gen der Großmächte auf Beendigung der schleswig- 
holsteinischen Angelegenheit, mit gewissen Vorgängen 
im Schooße des preußischen Ministeriums, endlich mit 
einein beabsichtigteir oder schon getroffenen Arrange 
ment der deutschen Frage, die für Schleswig-Holstein 
nichts weniger als günstig sein dürfte. — „Bange 
machen gilt nicht," wird es auch heißen; der heran 
nahende Winter sichert Schleswig-Holstein gegen eine 
Intervention von der See aus, und eine solche würde 
sowohl die russische als die englische sein müssen; 
Preußen aber wie überhaupt die deutschen Mächte 
dürsten sich doch dreimal besinnen, ehe sie sich zn 
der infamirenden Rolle eines dänisch-russischen Büt 
tels gegen Schleswig-Holstein bergeben. 
(N. F. P.) 
Berlin, vom 24. Octbr. Die „C. P. Z" ver- 
nimmt folgendes ans verlässiger Quelle über die 
Lage der kurhessischen Angelegenheit, soweit sie Preu 
ßen betrifft: „nachdem der Kriegsminister, Herr v. Stock- 
hausen und der Minister des Auswärtigen, Herr v. 
Radowitz, im Ministerium des Auswärtigen eine 
zweistündige C-mfcrcnz gehabt, hat der Commandi- 
rende des längs der hessischen Grenze aufgestellten 
preußischen Armeecorps, Generallieutenant Graf v. d. 
Groeben, seine letzten Befehle erhalten, dahin lautend, 
etwa in Hessen einrückende Baiern zurück 
zuwerfen. Im Staatsministerium soll bei dem 
desfallsigen Beschlusse Einstimmigkeit geherrscht 
haben. "Sobald der Gras v. d. Groeben diesen Be 
fehl erhalten, theilte Herr v. Radowitz denselben auch 
dem österreichischen Gesandten am hwsigen Hofe. 
Herrn Ritter Prokesch von Osten, mit, der seiner 
Seits diese Nachricht aus telegraphischem Wege an 
den Grafen Thun sandte, mit dem Bemerken, es 
dürste Baiern von einer sofortigen Ueberschreitung 
der hessischen Grenze abzmncchnen"sein." 
Berlin, den 18. Oct. Die Stellung welche. 
Rußland zu den deutschen Angelegenheiten einnimmt, 
muß insofern als eine neutrale bezeichnet werden, 
als eine bewaffnete Einmischung wobt jedenfalls aus 
geschlossen ist. Daß das Petersburger Kabinet da 
gegen durch einen Norenkrieg für die Herstellung 
eines absoluten Regiments arbeitet, versteht sich von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.