len zu deuten. Unser freundlicher Wächter
tröstete uns in diesen Tagen mit"der Versicherung,
daß wir noch diese Woche unsere Mäntel, die uns
der der Gefangennahme abgenommen wurden, zurück
erhalten, es wäre doch etwas mehr, man kann doch
daun am Tage bei schlechtem Wetter die frische Lust
auf dem obersten Deck genießen. Da aber in Ko
penhagen Alles überfüllt mit Verwundeten ist und
jede Caserne zum Lazarett) benutzt wird, so wird
man uns vorläufig wohl hier lassen; die Schiffe wer
den jetzt kalfatert, und wird es kälter, werden diesel
ben wohl weiter zurück nach Gammelholm gezogen,
wo das Fahrwasser schmaler und sie den Winden
nicht so ausgesetzt sein sollen. Außerdem spricht man
auch von Kronburg, dem Gefängnisse unserer Offi-
cicre, vom alten Staatsgefängnisse bei Helsingör
welches aber alt und feucht von den Dänen selbst
als der schrecklichste Aufenthalt geschildert wird Ich
habe die große Schattenseite unseres täglichen sich
stets wiederholenden Lebenslaufes geschildert Als
Lichtseite wenigstens hier aus dem Waldemar will
ich nicht vergessen zu loben, daß nur die äußeren
Umstände uns die Gefangenschaft so erschweren die
selbe aber durch die Behandlung unserer Oberen nur
gemildert wird. Dies ist um so anerkennenswerther
da es jeder in seiner Macht hat, die Fesseln in jeder
Minute straffer zu ziehen und wir hier aus dem
Waldemar im Vergleich zu den Gefangenen aus den
beiden anderen Schiffen bedeutend im Vorzug sind
Schon vor der Ankunft des Wechsels hatte ich durch
einen Bekannten m Kopenhagen eine Parthie dicker
isländischer Unterjacken gekauft, und habe bei der
Verthcilung derselben mich nur durch die verschiede
nen Grade der Krankheiten bestimmen lassen Du
kannst nicht glauben, wie viele erquickt und gestärkt
wurden durch die Gaben Eurer Liebe und Theilnahme
mit welcher Freude, mit welchem Behagen dieselben
empfangen wurden! Es sind so viele, welche von
Gicht-und 'Rheumatismus dermaßen geplagt werden
daß sie mit Strümpfen run den Hals, Kissen im Ge
sicht auf dem Deck umherrennen, um nur warm zu
werden, morgen wieder mit steifem «ein umherhum
peln, heute über Schmerzen hier, morgen dort jam
mern, und st ist warme Unterbekleidung für sie mehr
werķêMank und Speise. «Für die Verwunde
te» MMĶ den Jacken auch noch dicke Unter-
belnklcàMuft, welche ihnen ebenfalls im höch
sten Grade nöthig sind. M .... hat alles an ihn
geschickte Geld zum Ankauf solcher Sachen wie auch
dicker Halstücher verwandt, so daß doch den Meist-
bcdülfttgen geholfen wird; mit dem übrigen Theil
der Summe werde ich im Stillen aushelfen und
sehr haushälterisch umgehen, unsere schwerste Zeit
haben wir ja noch vor uns. Verschiedene Briefe aus
Holstein sprechen stets von den vielen Sammlungen
die für uns stattfinden, bis jetzt ist indeß nur wenig
angelangt. (F. Pr.)
Der Weserzeitung wird aus Roàrîbàgà,
vom 28. Oetober geschrieben: Wenn auch meine früher
ausgesprochene Erwartung, daß die vor einigen Ta
gen in Kiel gehaltene Versammlung der Prälaten
und Ritterschaft ebensowenig ein positives Resultat
ergeben werde, wie die ihr vorangegangene Hambur
ger Privatbesprechung nicht in Erfüllung gegangen
ist; wenn vielmehr unter bcu Auspicien des glatten
und gewandten Grasen Moltke.- Grünholz, obwohl
mit geringer Majorität unter den obendrein nicht
zahlreich Versammelten, doch ein der Friedenssucht
eines Theiles der schleswig-holsteinischen Aristokratie
entsprechender Beschluß am 24. d. M. gefaßt worden
ist: so darf doch nicht übersehen werden, daß dieser
Beschluß nichts weiter als ein jà» desiderium ist
und fürs Erste auch wohl noch bleiben wird. Denn
Niemand wird es sich verhehlen, daß alle Erklärun
gen von Prälaten und Ritterschaft das Verhältniß
der Herzogthümer zu Dänemark, wie es sich nun
einmal seit dem März 1848 gestaltet und. nament
lich seit dem Anfange des diesjährigen Feldzuges im-
nier mehr verbittert hat, nicht zu ändern vermögen
Das haben denn auch die Hochgebornen, hochwürdi-
gen und edlen Herren selbst klar erkannt und, dem
Vernehmen - nach, ihren eigenen Beschluß nachträglich
o verclausulirt, daß ihm jede Hoffnung ans irgend
'velche praklische Wirkung geraubt ist. Gerade das
Zusammenbleiben der Herzogthümer ist es nämlich,
lvas den Prälaten und der Ritterschaft für die con-"
'litio sine qua non der Wiederherstellung des Frie
dens gitt; eben diese ewige, unzertrennliche Verbin
dung ist es aber wieder, die kein dänisches Ministe
rium zugestehen wird. — Auch jedem etwaigen Ber
nich Preußens, den Frieden zwischen Dänemark und
den Herzogthümcrn auf eine solche Basis hin ver
mitteln zu wollen, ist ein gleiches ungünstiges Prog
nostikon zu stellen; und selbst wenn, wie ausgesprengt
wird, General Hahn als Ueberbringer derartiger
Vorschläge erschienen wäre und — was wohl kaum
wahrscheinlich ist — die Statthalterschaft dieselben ac-
sdpttrte, so würde doch der Frieden um keinen Schritt
wester angebahnt sein. Uebrigens ist die eben er
"ahnte Aussprengung eben nichts als eine selbstge-
wachte Conjectur, der wir die ans guter Quelle
wurmende Mittheilung entgegenstellen können, daß
General Hahn - kciueöweges ungünstige Botschaften
M) Kiel überbracht hat. - Bet dieser Gelegenheit
wollen wir auch erwähnen, daß sich General Hahn
erstich gegen einen angesehenen Mann aus Schles
wig, in dessen Familienkreise der General während
der ersten Hälfte dieses Jahres oft verweilte/ und
der, jetzt Flüchtling, ihn jüngst in' Berlin besuchte,
sich ungemein günstig über General Willisens mi!t-
tarlsche Talente und Character aussprach und wenn
auch unter Mißbilligung des Sturms auf Friedrich-
stadt, erklärt hat, die Schleswig-Holsteiner könnten
ans Willisen fest vertrauen und, je mehr ihm freie
Hand gelassen werde, desto sicherer sich auf eine gün
stige Wendung der Kriegsoperationen Hoffnung machen.
Rendsbrrrg, vom 29.Octbr. Bei Eckernförde
liegen nur noch zwei däni,che Kriegsschiffe; die an
dern Kriegsschiffe sind von dorten sortgesegelt. Die
Brücke, welche die Dänen bei Cappeln über die Schlei
gelegt hatten, ist abgebrochen, mithin werden solche
einstweilen die Landschaft Schwansen auszugeben be
absichtigen. Die Fregatte Eckernförde ist bei hohem
Wasserstande ausgelegt, und man erwartet die An
kunft eines Dampfschiffes, das dieselbe buqflren oder
geleiten wird. (ft. H.)
Mendsburg, den 30. October. Unsere Armee
hat leider dieser Tage wiederum einen ihrer ausge
zeichnetsten Ofsicierc, das Vaterland einen seiner brav
sten und edelsten Söhne verloren. A» den Folgen
seiner Verwundung vor Friedrichstadt starb vorge
stern un Lazarett) zu Delve in Rorderdithmarschen
der Chef der 4ten Comp, des Isten Jägercorps
Hauptmann Julius Bärens, aus Flensburg. Noch
kurz vor seinem Ende ward ihm für den bei Frie
drichstadt von ihm bewiesenen Heldenmuth die auch
rn diesen Blättern bereits, erwähnte Auszeichnung
zu Theil. An der Spitze seiner Mannschaft war er
der Erste der in der Sturmcolonne am Eiderdeich
bis auf die Brüstung der Borkmühlschanze vordrang
Hier traf ihm die feindliche Kugel, die ihm das Ge-
faß semes ,Degens so fest in die Hand hineinschoß,
daß cs spater, als man ihn »ach Süderstapel zurück
brachte herausgefeilt werden mußte. J>n Lazarett)
zu Delve schien es sich anfangs mit ihm so rasch m
bessern daß die Aerzte die besten Hoffnungen heg
ten. Spater wandte es sich indeß zum Schlimme
ren und vorgestern mußte er dem Schmerze erlie
gen....Barens beabsichtigte in seiner Jugend. Milt-
talr zu werden und begab sich z« diesem Zweck nach
Kopenhagen. Bald> indeß entschloß er sich^ eines An
deren unch ging nach Kiel. um die Rechte zu studi-
ŞşNachsemench Examen Aintssecretair in Neu
munster, schloß er sich un März 1848 der Erhebung,
an und tbat anaere ttoii alä
Waffenstillstände 'm'ïa« 'tfti Jägeno7pS übergtt^
â diesem braven Corps hat er dann an allen
Schlachten und bedeutenden Gefechten Theil genonr-
»wn »»b überall als einen der tapfersten unb tüch
tigsten O^ieiere sich bewiesen. In den weiten Krei
m Finer Bekannten hier im Lande wird, wie in
der ganzen Armee, die Trauerbotschaft von seinem
L-ode die allgemeinste Theilnahme erregen. (H. N.)
So sehr also den Dänen an einem Waffenstill
stand gelegen sein muß, um ihr Regiment in Schles
wig, befestigen zu können, eben so sehr ist es aus
dense den Gründen in unserm Interesse, iebcu Waf
fenstillstand. selbst jede Waffenruhe zu verwerfen,
^etzt einen Waffenstillstand schließen, wäre nichts
Anderes, „als unserer eigenen Sache den Todesstoß
Denn es wäre gleichbedeutend mit der
vollständigen Preisgebung Schleswigs, mit der Aus
losung unserer Armee, mit dem Zurücksinken in die
Netze oev Diplomatie, die uns bann unfehlbar bald
werden"^* Ķopf würden zusammengezogen
Die Statthalterschaft kann, will sie anders keinen
polltlschm Se bstmord begehen, das Ansinnen eines
Waffenstillstandes, falls es sich darum handelt, nur
mit aller Entschiedenheit abweisen.
Was Preußens angebliche Nöthigung durch die
Großmächte anbetrifft, so ist dieselbe bereits durch
die ausländische Presse auf ihren wahren Werth zu
rückgeführt. Nachdem die englische Presse kaum die
Andeutung einer russisch-französischen Drohung gegen
Preußen gegeben hat. entsteht darüber in England
ein solcher Lärm, daß selbst die conservativen Organe
wie „Times" und „Globe", mit ganz ängstlicher Miene
zum Rückzug blasen, und uns selbst versichern daß
Ganze sei nichts als eine teere Demonstration, an
deren Verwirklichung Niemand denke.
Preußen hat, — „wenn es anders selbst nur
will — gegenwärtig eine sehr günstige politische Stel
lung. England braucht Preußen, um von der Lei
tung der Politik des Continents nicht ganz ausge
schlossen zu werden. England kann so wenig daran
denken, selbst etwas Ernstliches gegen Preußen vor
zunehmen, daß es vielmehr nolens voleus in sei
nem eigenen Interesse ein Bundesgenosse Preußens
werden muß, sobald etwas Ernstliches von Anderen
etwa von Frankreich und Rußland gegen Preußen
unternommen werden lvürde. Dies hat der Aufschrei
der öffentlichen Meinung in England bei dem Ge
danken eines russich-französischen Angriffs gegen Preu
ßen und ernes dadurch verursachten continentalen
Kriegs unwiderleglich bewiesen.
Unter solchen Umständen hat Preußen auch von
Frankreich nichts als etwa einige drohende Noten zu
befürchten. Es gäbe in diesem Augenblicke nichts
JnpopuläreresZ in Frankreich, als einen Krieg gegen
Preußin und England. Daher hat auch der „Con-
!1” U ÄK a Efä eit r! Civil-Adjutant des Prim ! ftitutionel" - bekanntlich' bonapartisches" Organ -
ÎSlÄÄ . bîs, er nach dem Malnàşiichts Eiligeres ,zu Gun gehabt, als die ersten alar-
Die Mission des General Bahn
tit zwar, was ihren eigentlichen Zweck und Charac
wft anbetrifft, noch in Geheimniß gehüllt. Allein
daß ge nicht gerade erfreuliches für schleswiq-Hol
stein gebracht hat, kann man sich schon aus der schweig
samen Zuruckhaltung oder aus den verlegenen Mte-
der halb officiellen Correspondenten gewisser
Blatter entnehmen, die sonst immer gleich mit En
thusiastischen Trompetenstößen bei der Hand sind wo
es irgend -etwas von der preußischen Regierung zu
berichten giebt, was auch nur de» Schein eines ener
gischen, Patriotischen oder auch nur anständigen Be
nehmens hat. ö
Es ist bereits früher jn diesem Blatt hingewie
sen au; die wahrscheinliche Bedeutung der Sendung
des Gen Hahn und ihren wesentlichen Zusammen
hang mtt dem Andringen der Großmächte auf Preu
ßen wegen Beendigung der schleswig-holsteinischen
Angelegenheit. Die aus England seitdem einqetrof-
senen Nachrichten haben nur dazu dienen können
jene Wahrscheinlichkeit zu erhöhen. Man will jetzt
wissen, Paß es sich um einen von Schleswig-Holstein
zu crlaiPenden Waffenstillstand oder wenigstens
um eine factischc Waffenruhe handele, durch die es
den Danen möglich würde, den Winter über „unge
stört im Besitze Schleswigs" zu verbleiben
Der Winter ft die schwache Stelle für'die Kriea-
ftlhrung Per Danen, und deshalb haben sie auch mit
m ‘f x m ià Winter einen
Waffenstillstand zu erlangen g ontzt. Sie haben
auch gegenwar lg wieder alte Minen springen lassen
nm funden nächsten Winter eine,, solchen zu eriän-
gen. Sehr natürlich, der Winter raubt ihnen ihre
Flankendeckung durch die Seemacht, der Winter macht
ihre ausgedehnte Stellung von Eckernförde quer durch
Schleswig bis Tönning schwach, weil die schleswig?
chen Gewässer und künstlichen Überschwemmungen
ņti^àr shren,, Character schützender Deckungen
o.r..cren. Die Danen wurden sich entweder, wenn
haà fWm auch für den Winter be-
S . ; (.' 3c l a )v aussetzen, ihre ausgedehnte
Niàtâ? ŗchbrochen zu seyen, und eure vollständige
Kir? "leiden, oder aber sie würden genöthigt
Stellung mehr zu concentliren, damit aber
anî'ugebe>^ņ des eroberten Schleswig wieder
mirenden Nachrichten ^ der „Times" zu desavouiren
So bliebe nur noch Rußland nach, von dem Preu
ßen, auf England gestützt, nichts zu sürchten hat,
wenn es nur den Muth hat, ihm entgegenzutreten.
Also mit den angeblichen Verlegenheiten Preußms,
wodurch es gedrängt werden könnte etwas geW
Schleswig-Holstein zu unternehmen, ist es nichts^
wenig als es damit in den Jahren 1848 und 184»--
etwas auf sich hatte. Preußen ist nicht in Verlegen
heit, wenn es nicht in Verlegenheit sein will.
Um so weniger können die angeblichen Verlegen
heiten Preußens die Regierung der Herzogthümer
bewegen, einen solchen selbstmörderischen Schritt wie
die Abschließung eines Waffenstillstandes zu thun.
Sollte aber für den Falt, daß Preußen sich wei
gerte einzuschreiten, eine fremde Intervention in
Schleswig-Holstein angedroht - sein, woraus die Aeu
ßerung des „Pariser Constitütionel" hinzudeu
ten scheint ,v ist es von der Drohung mit dersel
ben ^bis zur Ausführung immer noch ein wei
ter Schritt, und der hereinbrechende Winter sichert
uns. da sie zur See kommen müßte, in den ersten
sechs Monaten vor ihrer Ausführung. (Fr. Pr.)
Kirchliche Anzeige.
Am Sonntage den 3. Novbr. predigen in der ChkĢ/und
Garmşim-kircher
3m Äormîttagsgottesdļenste Herr Propst Catkisen.è.
/ftft Aachmütagsgottesdienste Herr Pastor Nttchm àrâ
Donnerstag, dAorgenö 8 Uljr N^onalö-Predial chön HàìL
Pastor Brod er sen. *
, . Bekanntmachung
Mit Beziehung auf nachstehendes Circulair des
Finanzdepartements:
„Bevor die Obligationen über die in Gemäß
heit der Gesetze vom 4ten Oct. 1850 aufzu
bringenden .Anleihen ausgefertigt werden, haben
die Beitragspflichtigen Vene Departement der
Finanzen die geschehene Berichtigung der An
leihen durch Einsendung der erhaltenen Quittun
gen darzuthun, auch mit Rücksicht daraus daß
nach dem Wunsche der Betheiligten die Obliga
tionen entweder auf Inhaber oder auf den Na
men lautend zu ertheilen sind, und bei Summen
über 100 Mark mehrere Obligationen verlangt
werden können, hinsichtlich der von ihnen ge
wünschten Obligationen eine nähere Erklärung
abzugeben. Da nun de» Beitragspflichtigen
manche Weitlaustigkeften und Kosten erwachsen
würden, wenn jeder Einzelne eine desfallsiqe
Emgabe denn Departement der Finanzen einz'u-