nach Wien gehen. Der Inhalt derselben läßt sich
nunmehr errathen.
Frankfurt. Die „Augsb. Postztg." schreibt
über den Inhalt des an die streitenden Theile in
den Heizogthümern angenommenen Inhibitoriums:
Die holsteinische Armee erhält den Befehl, Schles
wig gänzlich zu räumen, der König von' Dänemark
wird in seine Rechte als Landesherr Holsteins wie
der eingesetzt, während der Bund alle Rechte wahrt
und unter seine Obhut nimmt, die aus den bekann
ten Bundesbeschlüssen von 1846 resultiren. Verwei
gern die Holsteiner den Gehorsam, so requirirt die
Bundesversammlung Bundestruppen, und zwar nicht
allein von den „hundesgetreuen" Staaten, sondern
wahrscheinlich auch von einigen Gliedern der bishe
rigen Union, deren geographische Nähe sich vorzugs
weise dazu eignet. Findet man auch von dieser
Seite Renitenz, so wird durch andere Bundestrup-
peist executivisch gegen die betreffenden Regierungen
verfahren werden. „Dem Marsche der Bundestrup
pen nach Holstein hin"—sagt derselbe Correspondent —
„kann Preußen keinen Widerstand entgegensetzen, weil
dieser einer Kriegserklärung gegen die übrigen Groß
mächte gleichkäme. Es muß also ruhig zusehen,
wenn feindliche Heere sich in seinem Rücken aufstel
len. Dadurch allein aber schon werden alle seine
Kriegsoperationen in der Mitte Deutschlands un
möglich genlacht."
Aus Noeddeutfchlttnd bringt die „Z. s. N."
stets eine Menge erfreulicher Mittheilungen von ver
schiedenen Orten über die rege Theilnahme für Schles
wig-Holstein. Die Vereine breiten sich stets weiter
aus. Namentlich bilden sich immer mehr Frauen
Committee's, so in Bückeburg. % Emden war die
Gesammt-Einnahme 1672 Thlr. Im Norden hatte
eine Lotterie 192 Thlr. eingebracht, von Osnabrück
waren 3895 Thlr. abgesandt, die Wochensammlungen
gingen fort und lieferten ungefähr 70 Thlr. Auch
auf dem Laude waren Wochensammlungen eingerich
tet, wie man gleichfalls Betheiligung bei der frei
willigen Anleihe erwartete. In Hameln große Thä
tigkeit. In Hildesheim, Uelzen, Osterwald Wochen
zeichnungen im Gange. In Hannover ist der Ertrag
bis zum 27sten von 18,787 Thlr. 14 gGr. 9 Pf.
und 100 Obligationen jede zu 50 Thlr. sind abge
geben. In Celle waren 15 solcher Obligationen jede
zu 100 Mk. Beo. untergebracht und mehrere requi-
rrrt. In Bremen sind erschienen: „Lieder, Schles
wig-Holstein geweiht, von V. P.", neun Gedichte,
m denen einer edlen Begeisterung für die deutsche
Sache, die in den Herzogthümern verfochten wird,
ein beredter Ausdruck gegeben ist; sie preisen den
Kampfesmuth, der das kleine Volk, das an unsern
Nordmarken für miajâmļnï, sins wfuw-
ist dem Sturm aus Friedrichstadt gewidmet. Wenn
irgendwo — schreibt die „W. Ztg." — so ist hier
die politische Poesie an ihrem Platze, Die von tie
fem Gefühl für unsere Sache eingegebenen und in
schöner Form gesungenen Lieder empfehlen wir um
so lieber der öffentlichen Aufmerksamkeit, als der Er
trag des Heftes der Sammlung für Schleswig-Hol
stein hinzugefügt werden soll.
Aehnlich berichtet namentlich der „Schw. M."
über die lebhaften und thätigen Sympathien in
Süddeutschland. Wochensammlungen sind neuer
dings an mehreren Orten eingeleitet (Ulm, Goldbach,
Hall). Lotterien waren in Bietingheim und Ellwan-
S i veranlaßt. Auch im Würtembergischen zeichnen
die Damen durch eine erhöhte Thätigkeit aus,
Der Stand der Stuttgarter Sammlung war 25,843 fl.
17 Kr.
Hamürrrg, vom 31. Octbr. Das „Hambur
ger Kramer-Amt" hat Anspruch auf den Dank aller
Freunde der Sache Schleswig-Holsteins, somit aller
wahrhaften deutschen Patrioten. In einer außeror
dentlichen Versammlung der Mitglieder des Kramer
amtes hat dasselbe „tausend Mark Courant" für die
Herzogthümer bestimmt. Für diese Summe werden
zunächst Obligationen der freiwilligen Anleihe gekauft
und sollten diese in künftiger Zeit vom Lande einge
löst werden, so fallen jene Et. Mk. 1000 dem schles
wig-holsteinischen Jnvalidensonds anheim.
Schleswig-Holstein.
„ Die ,,Consist. Ztg." theilt noch Folgendes nach
träglich über die „ritterschastliche Friedensversamm
lung" mit:
Kiel, vom 28. October. Dieselbe bestand we
der aus 23 noch 25 sondern aus 24 Mitgliedern,
und für und gegen die bekannte Adresse waren gleich
viel Stimmen. Einer der dafür stimmenden Herren
war jedoch außer der. eigenen Stimme noch mit ei
ner Vollmacht bekleidet und gab durch diese blinde
Stimme den Ausschlag, — Die Herren scheinen selbst
gefühlt zu haben, daß ihr Votum nicht füglig für
die Stimme des von ihnen vertretenen Standes gel
ten könne. Sie ryeilten daher ihre Adresse, um der
selben mehr Gewicht zu geben, einem gleichzeitig ver
sammelten Convent der Ritterschaft zum Beitritt mit.
Dieser aber sandte sie zurück mit km Bemerken:
die Ritterschaft wünsche zwar allerdings lebhaft den
Frieden, aber nur eilten solchen, welcher die Landes
rechte anerkenne. — Hiernach scheint selbst der Con-
vocant der Versammlung von Prälaten und Grund
besitzer» der nach allen Richtungen mit großer Hitze
vorgehende Graf Mo like (denn Sie werden sich er
innern, daß eben er im Jahre 1848 der einzige in
der Ritterjchaft war, welcher auf Absetzung Kö
nig Friedrich Vst. eifrig drang) — eingesehen zu
habe», daß er mit feiner Adresse eine Dummheit
begangen habe. Es ward nun beschlossen, die Adresse
nochmals in Circulation zu setzen, und über die wirk
liche Erlassung derselben ist es darüber noch gar nicht
zum Beschluß gekommen.
Friedrichstndt. Ueber die Vorgänge nach
dem Sturm vom 4ten fehlen noch die nöthigen Auf
klärungen; nur einzeln sieht man, unerwünscht von
dänischer Seite, den Schleier sich lüsten. So hört
man, daß Bewohner Friedrichstadts sich weniger über
die durch das Feuer, als vielmehr über die in der Ver
Wirrung durch Plünderungen ihnen zugefügten Ver
lüste beklagen. Thatsache ist es, daß jüngst ein Frie
drichstädter, der in Flensburg dergleichen zu äußern
wagte, plötzlich einen Ausweisungsbefehl erhielt.
(H. N.)
Aus Angel»» hat die „Fl. Ztg." eine Ein
sendung, die über die Gefliinung und Charakterse-
stigkeit der Bevölkerung das schönste Zeugniß ablegt.
Als praktisches Mittel, um den passiven Widerstand
zu brechen, verlangt der Einsender die Entfernung
der Zurückgebliebenen oder zurückgekehrten „Aufrüh
rer" und die Errichtung einer Gensd'armerie, aber
schnell, „ehe das Feuer Alles ergriffen haben werde."
Altouà, den 4. November. General Hahn
kehrte heute Abend von Kiel zurück.
Kiel, den 6. Nov. Gestern ist hier ein öster
reichischer Osficier mit Depeschen des sogenannten
Bundestages an die Statthalterschaft angekommen.
Daß diese das Inhibitorium gegen die Fortsetzung
der Feindseligkeiten enthalten, ist stricht zu bezweifeln.
Die Statthalterschaft hielt gestern hier am Orte
in dieser Veranlassung Staatsrathssitzung. Das Re
sultat derselben ist nicht bekannt, denn" man wird
auch ohne dies wissen können, daß jede Folgeleistung
den Befehlen einer usurpatorischen Behörde gegen
über von vorn herein abgelehnt wird. So lange
Preußen an der ihm durch den berliner Frieden zu
gewiesenen Stellung einerseits und an der gegen Oester
reich eingeschlagenen Politik andererseits sesthäll,
wird mit der Verweigerung des Gehorsams auch ge
ringe Gefahr vorhanden sein. Denn die Macht der
in Frankfurt vertretenen Regierungen ist ohne Preu
ßen und gegen Preußen nicht im Stande, eine be
waffnete Pacification der Herzogthümer auch nur
zu versuchen. Vorläufig kann man den von Frank
furt aus angedrohten Attentaten mit einiger Ruhe
zusehen. Schlimmer würde sich die Sache gestalten,
wenn die von mehreren Blättern geäußerten Be-
üb« bl« ')ur und Militia bsv tfeittiguwg
Preußens und Oesterreichs sich ratificirten, was man
nach den Antecedentien der preußischen Politik aller
dings nicht zu den Unmöglichkeiten rechnen darf. So
gut wie Preußen in der schleswig-holsteinischen An
gelegenheit aus die Erklärung an den Herzog von
Augustenburg den malmöer, den berliner Waffenstill
stand und schließlich den Frieden von Berlin in fort
gehender Stufenfolge hat folgen lassen, wird die
Furcht vor dem Zorn des großen Czaren und die
Hoffnung, durch ein kleines Opfer an der Ehre eine
Verständigung mit Oesterreich bewirken zu können,
auch dahin führen, sich den Maßregeln des „Bun
destages" wenigstens nicht zu widersetzen. Daß Preu
ßen sich noch in der elften Stunde aufraffen sollte,
wage ich nicht zu hoffen. Sollte es dahin kommen,
daß deutsche Truppen ohne Widerspruch einer deut
schen Regierung hieher gesandt würden, uns dem
Dänenthum zu überliefern, so würden wir als Mär
tyrer für die deutsche Ehre untergehen und die Na-
tion aus unserem Grabe vielleicht die Kraft finden,
sich aus dem Jammer der dynastischen Interessen
zu einer nationalen Politik zu erheben. Jedenfalls
würde das ein ehrenvolleres Ende sein, als wenn
wir jetzt vor dem verrufenen Eichenheimer Club in
Frankfurt die Waffen strecken. Das fühlt hier Je
der und darum kann die Antwort aus die gestellte
Zumuthung nicht zweifelhaft sein.
—, Der „Weser-Zeitung" wird geschrieben, daß
am 28. Octbr. der bisherige würtembergische Obrist
lieutenant von Serssiein aus Donaueschtngen, mit
dem das Kriegsdepartement seit einiger Zeit Unter
handlungen wegen seines Eintritts in unsere Armee
angeknüpft hatte, nach Rendsburg durchpasstrt sei.
Hoffentlich sei er nun definitiv für uns gewonnen.
Aus dem Schleswigschen, Ende October.
Zur „Warnung für Flüchtlinge aus Schleswig", die
in ihre Heimath zurückzukehren beabsichtigend diene
die sichere Nachricht, daß von 12 kürzlich nach Schles
wig zurückgegangenen Flüchtlingen 5, unter ihnen der
Briefträger Engel, nach abgehaltener Quarantaine
und Aufenthalt im Gefängnisse, „nach Fühnen trans-
portirt sind".
Der „Const. Ztg." entnehmen wir nachstehendes
Schreiben von einem Nicht-Schleswig-Holsteiner im
Lager bei Groß-Witteusee: Heute Morgen (den 28.
Oct.) hatte das 2te Jägercorps wieder" einmal eine
Recognoscirung nach Kochendorf zu. Wieder liefen
die Dänen von Osterbye über Westenthal in ihre
festen Positionen eiligst zurück. Sie scheinen uns
zu weiterem Vordringen über Kochendorf hinaus
locken zu wollen. Vor der Hand sind wir aber zu
frieden, sie fortwährend in Athem zu halten. Viel
bringen allerdings derlei Recognoscirungen nicht ein,
nicht einmal eines Gefangenen sind wir heute hab
haft geworden, einige Tornister sind die ganze Beute.
Dafür haben wir trotz des unerwarteten Feuers,
womit uns eine dänische Patrourlle gleich in Oster
bye bewillkommete, nur einen Verwundeten, während
wir von den Dänen mehrere fallen sahen. Leider
ist dieser Blessirte einer der tüchtigsten Leute, wegen
seines unermüdlichen Humors, der Liebling der Com
pagnie. Das heutige Gefecht war eine Probe für
die neueinrangirten Leute: sie wurde bestanden. Die
Rekruten gingen wie die Alten mit der größten
Ruhe in den Kugelregen hinein, und heute Abend,
nachdem der Nachmittag zu gemüthlichen Austausch
des Erlebten und zur glast verwendet worden, sind
die Meisten von den 60 Mann meines Quartiers
schon wieder beschäftigt, eine Tanzmusik zu rmprovi-
siren. Auf der großen Diele des Bauernhofes stehen
sie, einige mit dem Schraubenschlüssel an den Lad
stock schlagend, andere mit dem Finger an den Fut
terkasten den Baß imitirend, noch Andere pfeifend
und blasend. Zwei oder Drei nur mit den Bauer
mädchen tanzend. Eine unbekümmerte Kaltblütigkeit,
eine vorsichtige und doch sichere Sorglosigkeit üeqt
in diesen Leuten, die uns aufgeregteren Südländern
völlig fremd ist. Bei solchem Sinne und Wesen ist
an einem guten Ausgange nicht zu zweifeln, wenn
anders nicht die auswärtigen Mächte Alles zu Schan
den machen.
Mends'bnrg. den 2sten Novbr. Es ist begreif-
lich, daß die Sendung des Generals Hahn nach
Kiel die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade
erregt hat. Wir glauben zur Berichtigung mannich-
facher irrthümlicher und unbegründeter Gerüchte die
nachfolgenden Mittheilungen, welche uns aus zuver
lässiger Quelle zugehen, machen zu dürfen.
Der General Hahn war beauftragt, der Statt
halterschaft ein Schreiben des preußischen Ministers
Hrn. v. Radowitz zu überbringen und persönlich den
Inhalt dieses Schreibens zu erläutern, in welchem
der Statthalterschaft der Abschluß eines Waffenstill
standes mit Dänemark angerathen ward. Die Statt
halterschaft hat daraus in einem Antwortsschreiben
die Bedingungen mitgetheilt, unter welchen sie einen
Waffenstillstand abzuschließen bereit ist. Diese find,
wie wir mit Sicherheit vernehmen, folgende:
1) der im Süden der Demarcationslinie, welche
in Folge der berliner Waffenstillstandsconvention v.
loten Juli 1849 gezogen ward, belegene Theil des
schleswigschen Festlandes, mit Inbegriff der Insel
Fehmarn und der schleswigschen Westseeinseln, sowie:
der im Norden der- Demarcationsltnie, östlich von
der Stadt Flensburg belegene Angelnsche Landdistrict
Truppen geräumt und von der Statthalterschaft'nüt
dem Herzogthum Holstein gemeinsam regiert.
2) die dänischen Kriegsschiffe verlassen die Ge
wässer und Seeküsten der Herzogthümer;
3) sämmtliche Kriegs- und politische Gefangene
werden, beiderseits ausgeliefert, und alles aus poli-
tischen. Gründen mit Beschlag belegte Privateigen
thum wieder zur Disposition der Eigner ge
stellt;
4) die zum dänischen Kriegsdienst wider Willen
gezogenen Angehörigen der Herzogthümer werden aus
ihr Verlangen entlassen;
5) dem Schiffahrtsverkehr wird beiderseits mög
lichste Erleichterung und Begünstigung zu Theil;
6) der Waffenstillstand wird auf die Dauer eines
Jahres geschlossen und darüber hinaus stillschweigend
verlängert, insofern nicht eine Kündigung mit sechs
wöchiger Frist von der einen oder andern Seite er- '
folgt.
Man sieht, daß die Statthalterschaft, indent sie
an die Grenze dessen gegangen ist, was sie deut
Lande gegenüber verantworten kann, von Neuem
einen Beweis ihrer friedlichen Gesinnungen gegeben
hat. Zu gleicher Zeit hat die Statthalterschaft sich
wiederholt dahin ausgesprochen, daß sie den von.
dätiischer Seite zu erwartenden Vorschlägen die ein
gehendste Erwägung widmen werde. Dagegen ist
nirgends, wie Ihnen gestern von Berlin aus' ange
deutet ward, die Anerkennung einer etwa beabsichtig
ten preußisch-österreichischen Commission all hoc aus
gesprochen, und die Erwartung ist als selbstverständ
lich hingestellt, daß, wenn die schleswig-holsteinische
Angelegenheit von einem Deutschland wahrhaft ver
tretenden Organ in Verhandlung genommen werden
sollte, der Statthalterschaft, als der zu meist bethei
ligten Bundesregierung, dabei volle Vertretung werde
eingeräumt werden. (H. N.)
— Ueber einen der bei Friedrichstadt gefallenem
Officiere theilt die „Weserztg." noch Folgendes mit:
Den Ruhmesthaten vor Friedrichstadt, die in
diesen Blättern schon Erwähnung gesunden haben,
können wir eine neue hinzufügen. Der Held dersel
ben, Lieutenant Frhr. v. Uslar-Gleichen, hat,
wie ebenfalls schon berichtet ist, seine ruhmvolle Lauf
bahn schon geschlossen. Nachdem die ©einigen eine
längere Zeit hindurch die Hoffnung nähren dursten,
daß der bei Friedrichstadt verwundet aus dem Kampfe
Getragene und seitdem Vermißte noch am Leben sei,
ist nunmehr das Gegentheil zur traurigen Gewißheit
geworden. In einem uns zur Veröffentlichung über-
assenen Briese aus der schleswig-holsteinischen Armee
vom. 22, October, wird darüber folgendes geschrieben: