Full text: Newspaper volume (1850)

43fc 
Rendsburg« 
Jahrgang. 
M fmp. 
Sonnabend, den 9. November 
im®. 
Aufruf zur Unterstützung der hülfsbedürftigen Friedrichstädter! 
Nachdem schon eine vorläufige Committee zur Abhelfnng der ersten Noth bestanden hatte, hat sich nunmehr auf Beschluß der Stadtcollegicn die 
unterzeichnete Central-Committee gebildet, um die Unterstützungen für die durch ein sechstägiges Bombardement in die hülsloseste Lage versetzten 
Einwohner der Stadt zweckmäßig zu vertheilen. Indem wir unsern herzlichsten Dank aussprechen für die uns bereits gewordene menschenfreund 
liche Hülfe, bitten wir, die für unsere unglücklichen Mitbürger bestimmten Geldsendungen an die unterzeichnete Committee gefälligst adressiren 
zu wollen. Friedrichstadt, den 15. October 1850. 
Central-Comittee für die Hilfsbedürftigen. 
I. Frd. Feddersen. S. A. Schnittger. H. B. Peters. I. I. Schütt jun. 
I. I. v. d. Leck. F. G. Stuhr. F. S. Maynzhusen. P. Jvers. 
Indem die unterzeichnete hiesige Committee hiedurch ihren in den Nummern 86 und 87 d. Bl. veröffentlichten Aufruf zur Unterstützung 
der hülfsbedürstigen Familien Fricdrichstadts hat in Erinnerung bringen wollen, theilt sic ihren Mitbürgern die freudige Nachricht mit, daß bis 
jetzt bei den verschiedenen Committee-Mitgliedern die Summe von 541 -mļ/ 9 ß nebst einem goldenen Ringe eingegangen ist, bittet aber zu 
gleich um fernere möglichst baldige Unterstützung. 
Rendsburg, den 8. November 1850. 
B. Barca. Bitterling. Joh. Brandt. Callisen. Fabricius. S. Herz. 
Cbr. Jess. F Jungt öw. Rabe. Rheindorff. Ruchmann. I. H. Schulze. 
H. Volmers. Zerssen. 
Tagesgeschichte. 
Großbritannien. 
London, den 5, Novbr. Der „Globe" hebt 
ausdrücklich hervor, daß in dem Beitritt des Lord 
Cowley zu dem (über den Akt der Auswechselung 
der Friedensratisicationsurkunden in Frankfurt auf- 
euommenen) Protocoll, in welchem der Graf Thun 
selbst als einen Minister des Bundes bezeichnet, 
keine Anerkennung von Seiten Großbritanniens we 
der der Befähigung noch der Berechtigung (wisdom 
or justice) zur Wiederherstellung des deutschen Bun 
des gefunden werden dürfe. 
Dänemark. 
Kopenhagen Der Prinz Christian zu Schlesw.- 
Holstein-Sonderb.-Glücksburg und der Baron v. Ples- 
sen sind Sonntag von ihrer Mission nach Warschau 
zurückgekehrt. Ueber den Ausfall der Sendung will 
man nach „Flyvep." erfahren haben, daß dieselbe sehr 
zufriedenstellend und daß sichere Hoffnung sei. daß 
die deutsch-dänische Frage einer zufriedenstellenden 
Lösung nahe sei. Die Nachricht von der franz.-russ. 
Intervention sei fast aus der Luft gegriffen (bekannt 
lich nur nach officiösen Dementis). — „Berl. Tid." 
zählt als ein Indicium für die ausgedehnte Recru- 
tirung der schleswig-holsteinischen Armee aus ver 
schiedenen deutschen Staaten aus der Verlustliste von 
Fricdlickstadt, deren Zuverlässigkeit dahingestellt, die 
nicht-schleswig-holst. Verwundeten auf, nämlich 60 
Preußen, 0 Hamburger, 8 Hannoveraner, 7 Bayern, 
7 Mecklenburger, 6 Hessen und 36 von einem Theile 
anderer deutscher Staaten, im Ganzen 133 fremde 
Individuen oder 19 Procent des ganzen Verlustes. 
„Kold. Av." giebt das Resultat der Verhandlun 
gen der Erstattungscomitee für Kriegsschäden im I. 
1849 für die des Amts Veile und deren einzelne 
Theile an. Für das Amt beträgt die Summe im 
Ganzen 799,985 Rbthlr. 56 bßl. Aus den fernereil 
Notizen ersieht man, daß für das Amt Ripen 180,000 
Rbthlr. angekommen waren. 
Rönne (Bornholm), den 28. Octbr. Letzten 
Freitag kam der Bergungskutter Camilla hier an, 
welcher mit dem früher hier angekommenen sämmt 
liche Kanonen der Fregatte Archimedes gehoben und 
hier an Land gebracht hat. Gestern versuchte man 
das Wasser aus der Fregatte zu pumpen, und als 
cs zu gelingen schien, wurde eine Expresse nach Ko 
penhagen abgesandt, um ein Dampfschiff herbeizuho 
len, welches dieselbe nach Kopenhagen an die Docks 
bringen soll. 
DerrtschlMrd. 
Von der Nnterweşer, den 26. Oct. Ein Theil 
der bisher auf der Rhede von Blexen stationirten 
Nordsee-Flottille hat schon die Winterquartiere bezo 
gen: die Corvetten „Frankfurt", „Lübeck", „Bremen", 
„Hamburg", „Großherzog vou Oldenburg" und das 
Segelschiff „Deutschland" sind in den Hafen von 
Brake geholt, der, ursprünglich nur für kleinere 
Schiffe bestimmt, zu diesem Zwecke bedeutend ausge 
baggert und mit einem Bollwerk versehen worden 
ist. Die Fregatten „Hansa" und „Barbarossa" und 
die Corvette „der königliche Ernst August" haben sich 
vor Bremerhaven vor Anker gelegt und werden näch 
stens wieder in die Geeste geholt, in deren Schlick 
und Schlamm sie nun schon den zweiten Winter ver 
bringen werden. 
Bremen, vom 31. Octbr. Das neue Comite 
für Schleswig-Holstein theilt mit, daß chis heute 
Abend das Ergebniß der gezeichneten oder baar ein 
gegangenen Beiträge sich auf 75,102 Thlr. 3 Gr. 
herausgestellt hat, daß aber die Sammlung und 
Zeichnung noch keineswegs abgeschlossen sei, daß sie 
vielmehr die Hoffnung hege, die als das nächste 
Endziel bezeichnete Summe von 100,000 Thlr. werde 
sich in Kurzem vollständig erreichen lassen. 
Harnrover, den 5. Rov. Das neue Ministeri 
um hat sein erstes Lebenszeichen gegeben: ein Ver 
bot der Sammlungen für Schleswig-Holstein. 
^ ' (Z. f. N.) 
Kassel, vom 4. Nov. Der Finanzminister be 
fiehlt der Haupt-Staatskaffe, allen Beamten die 
Gehalte auszuzahlen. Die Baiern sind bis zur 
Grenze des Bezirks Fulda vorgedrungen. 
(Tel. Dep.) 
— Die „Const. Ztg." berichtet: Der Curfürst ist 
von seinem eigenen Schwiegersöhne, dem Grafen von 
Jsenburg-Wächtersbach, der Fälschung angeklagt! 
Die Ehe des Grafen v. Jsenburg-Wuchtcrsbàch mit 
der ältesten Tochter des Kurfürsten wurde immer als 
eine der glücklichsten im Laude gerühmt, bis die Rück 
kehr Haffcnpflug's nach Hessen, wodurch so manche 
Familie in Unglück und Elend gestürzt wurde, auch 
in der gräflich Isenburg'schen Familie Anlaß zu un 
heilvoller Zwietracht gab. Der Graf, ein Ehren 
mann im vollsten Sinne des Wortes, konnte sich 
nicht enthalten, laut seine Mißbilligung über das 
verbrecherische Treiben Hassenpflug's zu äußern und 
den Kurfürsten zu tadeln, daß er mit einem solchen 
Menschen gemeinschaftliche Sache mache. Die Grä 
fin fühlte sich durch diese Aeußerungen beleidigt, und 
so erzeugte sich eine Spannung, welche in einen förm 
lichen Bruch ausartete, als die Regierung ihre nichts 
würdigen Maßregeln auf die Spitze trieb und alle 
ehrlichen Männer im Lande zwang, sich offen von 
ihr loszusagen. Besonders wurde das ehrenhafte 
Vorgehen des Militärs zu einem Stein des Anstoßes 
für alle zwischen Recht und Hofgunst schwankenden 
Männer. Graf Isenburg stellte sich, wie zu erwar 
ten war, auf die Seite des Militärs, während seine 
Gemahlin cs begreiflicherweise mit ihrem cursürstli- 
chcn Vater hielt. Schon sprach man von einer be 
vorstehenden Ehescheidung, als vor Kurzem eine Nach 
richt zur Kunde des Grafen kam, welche, obgleich 
seit lange in vielen Kreisen bekannt, niemals in die 
Oeffentlichkcit gedrungen ist, nämlich: daß der Kur 
fürst, zur Verheimlichung der Thatsache, daß seine 
älteste Tochter (die Gräfin Isenburg) schon vor sei 
ner Ehe mit der Gräfin Schaumburg geboren wurde, 
durch Bestechung einen Prediger in der Gegend von 
Fulda zur Ausstellung eines falschen Taufscheines 
bewogen hat. Graf Isenburg macht jetzt dem Kur 
fürsten den Prozeß wegen Fälschung des Taufscheins 
seiner Tochter, da der Gras die Beweise in Händen 
hat, daß sie vor der Ehe geboren und deshalb im 
Lehne nicht erbfähig ist. 
Fnlda, den 3. Novbr. Das Hauptquartier des 
preußischen Corps unter Graf v. d. Grüben befin 
det sich dahier. Derselbe hat erklärt, er besetze die 
Etappenstraßen, zu welchen auch die Leipzig-Fuldaer- 
Straße seit dem vorigen Jahre (?) zu rechnen sei; 
man werde die Baiern nur dann angreifen, wenn 
dieselben das Corps von dieser Straße verdrängen 
wollten. Die vorgeschobenen Abtheilungen haben 
den Befehl, nicht anzugreifen. Die Baiern stehen 
nach sicheren Nachrichten in großer Menge bis Sal 
münster; die Vorposten sollen schon in Schlüchtern 
sein. Die preußischen Vorposten waren bis in die 
Nähe von Neuhof vorgegangen. Ihnen ist heute 
Mittag der größere Theil der Avantgarde, etwa 
2000 Mann stark, welcher gestern im Eilmarsch hier 
her gerückt und die Nacht hier einquartirt war, ge 
folgt. So eben (um 1 Uhr) rückt ein neues Corps, 
angeblich 6000 Mann, hier ein. Das 4. Regiment
	        
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