quartiert sich in die Kaserne. Schon gestern Hai die
Artillerie ihre Pferde in den Ställen des curfürst-
lichen Schlosses untergebracht. — Die Bürgergarde
bezieht, nach wie vor, die Hauptwache. General v.
d. Grüben hat sich persönlich auf die Wache bege
ben und dem wachthabenden Officier erklärt, daß der
Wachtdienst der Bürgergarde jetzt zwar nicht erfor
derlich sei, daß jedoch in allen gesetzlichen und ver
fassungsmäßigen Einrichtungen nichts aeändert cher-
den solle. - (H. N.)
Wien, vom 2. Nov. Während die Sprache der p
ministeriellen Organe in Folge der Warschauer Conferen-
zen bis zur Kläglichkeit kleinlaut und friedlich geworden
ist, lassen die österreichischen ihrem Siegesbewußtsein
mit dem übermüthigsten Hohn gegen Preußen den
freiesten Lauf. Die ministerielle „Oesterreichische Cor-
respondenz" läßt sich in einem Ringern geharnischten
Artikel über das Ergebniß der „Warschauer Confe-
renzen" folgendermaßen vernehmen:
„Wir können unsere Leser aus das Bestimmteste
versichern, daß die österreichische Politik beim russi
schen Cabinet nicht nur ihren allgemeinen Umrissen
sondern auch in einzelnen Maßregeln »»getheilte Zu-
stimmnng gefunden hat." Rußland, als Garant der
Wiener Verträge, wird Hand in Hand mit Oester
reich in allen Eventualitäten gehen, die sich in Aus
rechthaltung und Vertheidigung dieser Verträge al
lenfalls ergeben sollten. Oesterreich ist entschlossen
die Bundesacte als die gesetzliche Basis festzuhalten
aus der die zeitgemäße Neugestaltung Deutschlands
sich auf gesetzlichem Wege zu entwickeln hat.' Aus
der Bundesacte wird auch Oesterreich das Recht und
die Mittel ableiten, einstweilen eintretenden Schwierig
keiten und Bedürfnissen in Hessen oder Holstein zu
begegnen. „Preußen hat allerdings bestimmte Dro
hungen für den Fall der Verwirklichung dieses Ent
schlusses ausgesprochen. Es freut uns, die Versiche
rung aussprechen zu können, daß eine solche Drohung
lucht den mindesten Eindruck gemacht bat" Was
wäre Oesterreich, wenn es seine Rechte vor Drohun
gen hingäbe, und eben nur so viel in Europa zu
gelten einwilligte, als ein übermüthiger Nachbar ge
stattet. Oesterreich hat sich auch sogleich in die Ver
fassung gesetzt, um solchen Drohungen gewachsen zu
siln. Nachdem die für die Mobilmachung einer gro
ßen Armee unvermeidlichen Opfer gebracht sind be-
greist wohl Jeder, daß Oesterreich auch nicht' um
euren schritt von seinem Rechte zurücktreten wird
Ww hosten, man werde auch in Berlin sich über
diesen Punkt keiner Täuschung hingeben. „So träu
merische Pläne von Macht und Größe, wie sie als
em Rest des Ueberreizes der Revolutiousjahre in ei-
lugen Köpfen in Berlin" zu spucken scheinen, mögen
wohl schon in der Seà «uASJûkfn tààr-á We
siegreichen Schlachtfeldern gereift sein. Aber das
Unternehmen ist neu und orginell, sie am Schreib-
sischc in Ausführung bringen zu wollen, und eine
Weltherrschaft zu gründe», durch Abfassung von Pa
ragraphen zur Constituirung eines noch uneroberten
Reiches. „Ehe wir uns diesen Gesetzartikeln beugen
wollen wir im Vertrauen aus unsere starke kriegsge
wohnte Armee noch einen Gang daran wagen."
In Betreff der durch den österreichischen Officier
der Statthalterschaft angedrohten Bundcserecution
schreibt die „Deutsche Reform":
Berlin, vom 4. Novbr. Wir können von
mehreren sonst wohl unterrichteten Setten aus Han
nover berichten, daß das neue hannoversche Ministe
rium keinesweges gesonnen ist, blind in die Fußstap-
fen der österreichischen Politik zu treten. Es soll bei
den ueuen Ministern sogar eine entschiedene Neigung
vorherrschen, wieder in ein freundschaftlicheres Ver
hältniß zu Preußen zu treten, und namentlich den
baierischen Ueberhebungen entgegenzuwirken. Der
Beschluß der Frankfurter Versammlung, Hannover
mit der BundeSexecution zu beauftragen, dürfte nach
der in Hannover vorherrschenden Stimmung schwer
lich zur Ausführung gelangen. Ueberhaupt scheint
Preußen bei die,er „Bundesunternehmung" gegen
Schleswig-Holstein ebenfalls ein ernstes Wort einre
den zu wollen.
— Nach einer Frankfurter Correfpoudenz der
„Mg. Ztg." vom 29. Octbr. hat der Bundestag
hinsichtlich der Pacification Holstein's deren
Erzwingung durch österreichische Streitkräsle be-
schlossen. ^Dieselben Truppen, oder die Truppen sol
cher Nationen dort zu verwenden, die eben erst als
Verbündete mit den Schleswig-Holsteiner« gefochten
hätten, um nun biete Länder unter die Herrschaft
Dänemarks zurückzuführen habe weder klug noch ver-
itaudig geschienen. Die bisher unbetheiligien Oester
reicher eigneten sich besser dazu? — Wir denken, es
wird gute Weile haben, mit dem Erscheinen der
Oesterrercher an der Ost- und Nordsee.
Im Widerspruch mit der obigen Mittheilung der
..ÄÜü. iitd. |tf)ïeibî bis' miß
nitenz stieße, so würde man auch gegen diese Staa
ten erecutivisch verfahren.
. Hannover, vom 4, Nov. Der Wunsch des
Herrn Strive, daß sogenannte Bundescommiffare
nach Schleswig-Holstein gesandt werden möchten, um
die Verhältnisse zwischen den Herzogthümern und
Dänemark zu arrangrren, scheint wirktich in Erfül
lung gehen zu sollen. Es wird nämlich von meh
reren Seiten versichert, daß unser früherer Justizmi
Ulster v. Düring, als sogenannter Bundescom
missar nach Schleswig-Holstein abreisen werde. Nach
einer Mittheilung hätte sich Herr v. Düring bereits
auf den Weg begeben. Im Namen der sogenannten
Bundesvertammiung, des famosen Eschenheimer Gas-
senclubs!. Schmähliche Zeit, die über Deutschland
hereingebrochen ist! Ueber die Instruction des Herrn
v. Düring habe ich noch nichts weiter erfahren kön
nen. Nimmt er ein Inhibitorium an Ihre Statt
halterschaft mit, oder ist er beauftragt, in allgemei
ne Verhandlungen sich zunächst einzulassen? Die Zeit
wird es lehren. — Herr v. Düring hätte also diese
Mission angenommen? Es wird behauptet. Herr
v. Düring war Derjenige unter unsern Märzmini
stern, welcher sich durch sein Auftreten und sein gan
zes Benehmen wohl die meisten Freunde erworben
hat. Warum nimmt er nun eine solche Mission an?
Wie denkt er über die schleswig-holsteinische Frage?
Als un Winter 1849 Lang IR in zweiter Kammer
einen Antrag zu Gunsten Schleswig-Holsteins stellte,
erhoben jich nur vier Männer dagegen. Diese wa
rm die damaligen Minister Stüve, Ļehzen,
v. Düring und der Abgeordnete Buddenberg.
Die Minister pflegten freilich in der Regel einer wie
alle zu stimmen. Allein diese Abstimmung bleibt
immerhin ein^sehr trauriges Präjudiz für Herrn
v. Düring. Trauriger aber ist es jedenfalls noch,
daß bas Ministerium Münchhausen-Lindemann, vor
ausgesetzt, daß Herr v. Düring wirklich als söge-
»Allg. Ztg. schreibt die „Deutsche Volkshalle" aus
Frankfurt vom 28. Octbr.: „Welche Bundes-
tnippe» un Falle des Ungehorsams der schleswig-
holsten,Ischen Armee in Holstein einrücken werben
läßt sich bis jetzt noch »echt mit Bestimmtheit sagen'
'Die Bundesversammlung wird sonder Zweifel dieje
nigen Staaken mit der 511 leistenden Bnndeshülfe
-»nächst, beauftragen, die ihrer geographischen Lage
nach vorzugsweise geeignet sind. Sollte der kaum
denkbare Fall eintreten, daß man auch hier auf Re-
nannter Bundescoinmissar nach Schleswig-Holstein
gesandt worden ist, dadurch eben so gut wie früher
das Ministerium Stüve den Frankfurter Bundesclub
anerkannt hat. Von einer Abberufung des Herrn
Detmold aus Frankfurt wird demnach wohl nicht
mehr die Diebe sein können. Wie aber wird sich
Ihre Statthalterschaft den sogenannten Bundescom-
missaren gegenüber verhalten? Hoffentlich wird sie
fest und entjchiebe» bleiben, und sich durch nichts in
der Welt von einem Winterseldzuge abhalten lassen.
Exminister Stüve soll sich in Jena aufhalten,
Graf v. Bennigsen ist nach einem kurzen Ausfluge
hierher zurückgekehrt. Den abgegangenen Ministern
lind in öffentlichen Blättern diese oder jene Aemter
zuerkannt worden, worüber indessen noch nichts Of-
sicielles bekannt aema.4t worden ist. — Von einer
Mvonmacynng unserer Truppen an oie hessi,che Grenze
verlautet bis jetzt nichts. Wird auch nicht nöthig
lein, da die Baiern, Oesterreicher und die Preußen
wohl Alles in brüderlicher Eintracht abmachen wer
den. — Die hessische Verfassung geht natürlich in
Scherben. (Fr. Pr.)
Frankfurt, den 1. Novbr. (Der Einmarsch
der Baiern in Curhessen.) Der neue Monat sängt
mit den wichtigsten Ereignissen an. Heute Mittag
um 1 Uhr sind 5000 Mann Baiern, 5 Bataillone
Infanterie, 2 Regimenter Cavallerie mit 24 Ge
schützen in Hanau eingerückt. Der alte General
v. Haynau empfing sie; die Stadt war wie ausge
storben; nur im Inneren der Wohnungen konnte
man gewahr werden, daß die Erbitterung des feind
lich überzogenen Bolks den höchstmöglichen Grad er
reicht hat. Bei den baierschen Truppen begegnet
man dem vollen Verständniß dessen, was sie für das
unglückliche Hessenland sind. Sie betrachten sich schon
als Opfer einer in ihrem Rücken lauernden Volks-
wüth, der sie nicht ausweichen mögen, wenn der
Kampf begonnen hat. Die Stimmung der Baiern
wird uns daher von glaubwürdigen Beobachtern als
eine sehr gedrückte bezeichnet. -V Da Fürst Thum
und Tags schon vorgestern hier war, um mit dem
Kurfürsten und den Genossen der Eschenheimergassen-
Clnbs Rath zu pflegen, wird das heutige Ereigniß
wohl richtiger auf die Uebereinstimmung der gestern
von München für ihn eingetroffeneiss Befehle mit
enen Besprechungen als aus letztem allein zurückge
führt. Uebrigens ist gestern auch für das kürzlich
erst hier eingerückte 1. bayersche Jägerbataillon Ordre
zur Marschbereitschaft eingetroffen. — Heute Nach
mittag gingen 200 Mann kurhesflsche Infanterie mit
18 Officieren hier durch nach Bockenheim; sie waren
um 12 Uhr Mittags »ach Hanau abmarschirt. —
Wir sehen jetzl mit äußerster Spannung dem wei
teren Verlaus entgegen. Bei unbeschreiblicher Auf
regung der Gemüther herrscht hier in der Stadt
vollkommene äußere Ruhe. — Fürst Thum und
Tags hat sein Hauptquartier in Hanau.
(Wes. Ztg.)
Lübeck, den 4. Novbr. Gestern Abend durch
zogen mehrere hundert junger Leute, meistens aus
dem Gesellenstande unsere Hauptstraßen mit dem
volltönenden Gesänge: „Schleswig-Holstein mehrum-
chlungen", — eine Demonstration wie es scheint,
gegen das polizeiliche Verbot der. voin politischen
Verein für Schleswig-Holstein eingerichteten Haus-
Collecte. Die Beiträge fließen inzwischen gleich er
giebig fort, wenn auch nicht mehr auf dem untersag
ten Wege.
. Hamburg, den 6. Nov. Nachdem bereits vor
einigen Tagen die preußijchen Truppen Beseht be
kommen hatten, sich in Marschbereitschaft zu halten
ist nunmehr der Beseht zum Abmarsch eingetroffen.
Die Cavallerie und Artillerie ist bereits abmarschirt.
Schleswig - Holstein.
2ļus dem Schleswigfcheu, den 22. Oct.
Die „B.-H." theilt unter Mehrerem Folgendes mit:
„Die Schanz-Arbeiten der Dänen bei Düppel sind
beendigt. Ihre dortigen Verschanzunge» liegen un
gefähr da, wo die der deutschen Truppen iaqen
denen sie übrigens an Großartigkeit und Solidität be
deutend nachstehen, und ziehen sich wie bisse quer
über die Löhe oder die ganze Landzunge. Esptg-
".olen und ichwere Geschützstücke, welche schon vor
einiger Zeit zu Flensburg ans Land gebracht wor
den, stehen noch immer daselbst. Von letzteren sind
bereits nur noch einzelne vorhanden.
In Flensburg halten sich gegenwärtig ein un
garischer und ein österreichischer (nicht'der schon
be,prochene) Ofsicier auf, welche in dänischen Dienst
zu treten beabsichtigen.
Kiel, den 4. Nov. Dem Vemehnien nach (oll
das dänssche Ministerium sehr friedfertig sich in Ber
lin ausgesprochen haben. Als Beleg dieser Gesin
nung mag der Umstand gelten, daß Dänemark die
Blokade des steter Hafens erneuert. Es geht uns
nämlich folgendes Document zu:
Auf dem Schiffspaß des von Königsberg hierher
bestimmten, und von dem Commandeur des däni
schen Corvettichiffes „Valkyrien" vor der kieler Föhrde
abgewiesenen schwedischen Schiffes „Anna Catharina"
Capt. Cronberg, ist diese Abweisung folgendermaßen
bemerkt:
Vom Einlaufen in den kieler Hasen abgewiesen
auf Grund der von der k. dänischen Armee getroffe
nen militärischen Verwaltungsmaaßregeln. — Sr. Mas.
Corvette „Valkyrien". Den 31. Oct. 1850, 7 Uhr
Vormittags. — Proesilius, Schiffschef. (H. N.) ļ
— Als Inhalt der in Kiel angelangten De
pesche des Bundestags bezeichnet eine Kieler Cor-
respondenz der „D. Res.", daß die Statthalterschaft
den Krieg sofort dadurch zu beendigen habe, daß' sie
alle und jede Feindseligkeiten einstelle, die Armee
über die holsteinische Grenze zurückziehe, wodurch
Schleswig gänzlich geräumt würde, und die Armee
auf holsteinischem Boden, als Bundesgebiet, bis zur
gesetzlichen Stärke des Bundes-Contingents auflöse
und entlasse. Dieser Beschluß wird als ein rechts
gültiger vom sogenannten Bundestage unter Beifü
gung der betreffenden Gesetze angeordnet und tm
UnteUaffunassalle 'mit,der Erecution non Ruàâ- .
iruppen gevroyt. Ob von Seiten der Statthalter
schaft eine Antwort darauf erfolgen wird, können
wir »och nicht berichten; erfolgt eine, so wird jeden
falls dieser sogenannten Bundesversammlung das
Recht zu einem solchen Beschluß unbedingt bestritten
werden, da diejelbe in keinem Falle den Bundestag
reprä,entire, und man ist ganz fest entschlossen, cs
auf das Aeutzerste kommen zu lassen, da man die
Ausführung einer Bundesexecution für unmöglich hält.
—, Len 5. Nov. Sicherm Vernehmen nach ist
dem österreichischen. Courier, welcher der Statthalter
schaft das „tm Namen des deutschen Bundes" abge
faßte Schreiben des Grafen Thun in Frankfurt über
bracht hat, heute das Autwortschretben der Statt
halterschaft überreicht worden. Dasselbe ist, wie wir
hören und wie sich voraussehen ließ, ein ableh
nendes.
den 6. Nov. Wie es heißt, hat der Adju
tant des Generals Hahn. Lieutenant Schwarz, als
Antwort auf die Waffenstillstanbsvfferten, der Statt
halterschaft die Erklärung der preußischen Regierung
überbracht, daß jetbige diese Bedingungen den Da
nen überall mcht^vorlegen könne und werde. Kann
man damit die Sache als beseitigt ansehen, so ist
dle von vielen schleswigschen Flüchtlingen in Holstein
gegen solches Nachgeben der Statthalterschaft einge
reichte protestirende Adresse ohne practische Bedeu
tung.
—, den 3. Nov. Nichts beschäftigt uns in die
sem Augenblick mehr, als die Anwesenheit bes Ge
nerals Hahn und die Sendung eines österreichischen
Officiers von Frankfurt aus. Jeder fühlt an den
Schwlngungèil der höheren pvtitischen Luft, daß etwas
Entscheidendes im Werke ist. Dumpfe Schwüle ist
an die Stelle der sonst so heitern Stimmung Kiels
getreten, und leider dient bas Wenige, das wir in
diesem Meer der Ungewißheit zu wissen glauben,
nicht dazu, Lichtstreifen aus das dunkle Gemälde der
Politik des Augenblicks zu werfen. So wie die Zu-
kunft des ganzen deutschen Reichs auch dein Hellse-
heudsten unklar ist, so wisse» auch wir nicht, was wir
zu erwarten haben.
Das uns Nächstliegende sind die Waffenstillstands-
bedingungen, die diesseits gestellt find. Hoffentlich
wird es nicht zum Abschluß dieses, im günstigsten
Falle politisch nichtssagenden Waffenstillstandes kom
men. Bei de» unermeßliche» Opfern, die das Land
gebracht hat und die namentlich von Nord-Schleswig
gebracht sind, würde es besonders schmerzen müssen,
daß der Waffenstillstand uns von einem Theile unsrer
bravsten Landsleute trennen sollte. Denn, in Wahr
heit, gerade das wegen seiner angeblich dänischen