gimmter Reiterei zu 600 Mann das Regiment, 1
Regiment Artillerie zu 96 Geschützen. Zu diesen
Truppen kommen noch die Pioniere (Mineure, Pon-
tonniers u. s. w.) und der Train. Die vollstän
digste Ausrüstung für alle diese Truppen liegt bereit,,
neu und im besten Zustande. Die nöthigen Pferde
ankäufe werden nach bestehender Ordnung in wenig
Tagen vollendet, denn sämmtliche tin Lande befind
lichen Pferde sind in den Listen der Landrathsämter
verzeichnet. Zu dieser Ausrüstung kommen noch 28
Festungen im trefflichsten Zustande, und alle vollkom
men armirt, wozu bekanntlich Tausende von Ge
schützen gehören. Wenn es Preußen Ernst ist mit
einem Kriege, wird es nicht so zum Frühstück auf
gefressen, wie sich manche österreichische und baieri-
rische Blätter einbilden.
Die Stimmung unserer Armee ist vortrefflich,
d. h. sie ist kampflustig im höchsten Grade.
(H. SMf
Kassel, den 12. Nov. Heute Morgen sind von
mehreren Privatleuten die übereinstimmenden Nach
richten hier eingelaufen, daß die Preußen Fulda ver
lassen und die Barern in sehr starker Anzahl einge
rückt sind. Die Stadt Fulda soll aus militärischen
Rücksichten verlassen worden sein, weil die Baiern
die Rhön umgangen und die eine Rückzugsstraße nach
dem Norden mit einer ganz besonders schwierigen
Passage zwischen Hünfeld und Hersfeld bedroht hat
ten. Freilich bei der grandiösen Lässigkeit, mit der
man selbst nach dem 6ten November und trotz des
immer derber aufrückenden Feindes auch die defen
sive Stellung zu stärken betrieben hat, kann es nicht
Wunder nehmen, daß man so sehr viel Rücksicht aus
den Rückzug nehmen muß, in derselben Stunde, wo
ein preußisches Corps von Süden her den Feind im
Rücken fassen könnte und überall feindliche Bevölke
rung denselben umgiebt und umlauert. Die Götter
mögen allein wissen, an welche nebelhafte Pacifici-
rungen und Vereinbarungen das preußische Ministe
rium noch immer denkt, noch immer! — Sie kön
nen sich denken, wie man hier eine solche Nachricht
ausgenommen hat, nachdem man nun schon öfter bis
an die Grenze des Aeußersten in der Nachgiebigkeit
und dem Zurückweichen gekommen zu sein glaubte.
Und wenn sich nych so klar die militärische Noth
wendigkeit herausstellte, man kann den Schmerz nicht
verwinden, daß auch an dieser Nothwendigkeit die
Mannlosigkeit der preußischen Regierung Schuld ge
wesen ist.
Kassel. Der „D. A. Z." zufolge haben nach
glaubwürdigen Nachrichten sich die Preußen nur bis
nach Hünfeld zurückgezogen, welches in der Mitte
zwischen Fulda und Hersseld gelegen ist. Sollten
jedoch die Nachrichten von dem Vordringen österreichi
scher Lruppenmafsen aver Dchweinsutt und Bamberg
sich bestätigen, so ist allerdings zu erwarten, daß Ge
neral v. d. Gröben sich über Vacha und Eisenach
nach Erfurt zurückzieht, und die Straße nach Kassel,
die Etappenstraße über Hersfeld und Alsfeld, sowie
S Kurhessen preisgiebt. Freilich würde damit die
indung des östlichen mit dem westlichen Theile
der Pr. Monarchie zum Theil abgeschnitten. In
Kassel hält man es unter den eingetretenen Umstän
den gar nicht für unmöglich, daß in wenigen Tagen
die Baiern hier einziehen.
Berlin, den 13. Nov. Wie die „Nationalztg."
heute meldet, so standen gestern die wechselnden Ge
rüchte über Krieg und Frieden entschieden aus Sei
ten der letzteren." Herr v. Radowitz hat den Befehl
erhalten, nach England zu gehen — um das dortige
Kiezs-, namentlich das Artilleriewesen zu studiren,
einähatsache, die man gleichfalls im Sinne des
Friedens deutet. Preußen werde, sagt die „N. Z."
wie càemein verlaute, dem Bundestag in Hessen-
Wàund' in Schleswig-Holstein freie Hand lassen,
dMgen dzr freien Conferenzen und das Recht der
- UMrung, Un den Schranken des Art. 9 der Bundes-
Sdfc, keineswegs die Anerkennung der Union vertan
a?V^ Oesterreich werde nicht auf die Anerkennung
LeŞMd^tages dringen, Preußen demselben aber
nnr/paMen Widerstand entgegensetzen.
/— Auch die „ConstitutionelleZeitung" von heute
meldet: Nach einem mit ziemlicher Gewißheit auf
tretenden Gerüchte wäre der vorgestrige Ministerrath
für, die Entscheidung unserer Politik verhängnißvoll
gewesen. Es wird versichert, daß die Verständigung
zwischen Oesterreich und Preußen auf der nur wenig
modificirten Basis der Warschauer Verabredungen in
der Weise von Neuem zu Stande gekommen sei, baß
Preußen in Curhessen, aus seine Etappenstraßen zu
rückgezogen die Bundesexecution vor sich gehen läßt,
und daß es ebenso den Durchmarsch österr. Execu-
tionstruppen durch sein Land nach Holstein gestattet,
für die dortige Execution sich jedoch keinenfaüs der
activen Theilnahme enthält und einen Vorbehalt aus
ş den Inhalt der Bundes-Beschlüsse von 1846 geltend
macht. Die Forderung des wechselnden Präsidiums
.. beim Centralorgan des Bundes, resp. bei den freien
' Conferenzen wäre das Einzige, was Preußen als
Gegenpreis jener exorbitanten Concession in Anspruch
genommen. Die freien Conferenzen, wird Hinzuge,
fügt, sei Oesterreich bereit, neben dem als interlink
frische Executrvgewalt und Bundesorgan fortbestehen
den „Bundestag" zuzugestehen. Mit dieser Verstän
digung der beiden Mächte wird eine neueste Erklä
rung Rußlands in ursächlichen Zusammenhang ge
bracht, nach welcher an die Voraussetzung, daß Preu
ßen die Bundesexecution in Hessen "und Schleswig-
Holstein dulde, die Zusicherung geknüpft wird, die
übrigen Ansprüche Preußens (!) an Oesterreich zu
unterstützen.
Es heißt, daß der General v. d. Gröben in
Folge der ihm in Berlin zugegangenen Befehle seinen
Abschied verlangt, aber nicht erhalten habe. Dasselbe
wurde von den Generalen Bonin und Fürst Radzi-
will erzählt.
Man liest in der „N. Z.": Nach übereinstimmen
den Privatnachrichren, welche mehreren hier anwesen
den Ungarn aus ihrem Vaterlande zukommen, wären
die Russin in Ungarn bereits eingerückt. Die Briefe
sprechen übereinstimmend von einem 18—20,000 M.
starken Corps.
Fņàkfurt. Ueber den Inhalt des Schreibens,
welches Neulich durch einen Adjutanten des Grasen
Thun Ş Statthalterschaft zu Kiel überbracht ist,
wird der „Niedersächsischen Zeitung" Folgendes mit
getheilt.' Die Bundesversammlung verweiset im
Eingänge desselben aus die erfolgte Ratification des
Friedens mit Dänemark, so wie aus das Protocoll
vom 25. Oct. Dann heißt es, der Zeitpunkt sei
nun umgetreten, welcher es der Bundesversammlung
zur Pflicht mache, den Frieden durchzuführen.
Der Bund gehe von dem Gesichtspunkte ans, der
durch den Bundesbeschluß vom 17. Septbr. 1846
festgestellt sei und wornach alle rechtliche Beziehun
gen Holsteins zum deutschen Bunde ausrecht erhalten
werden würden. Es sei aber gleichwohl auch Pflicht
des Bundesorganes für die Aufrechthaltung der Ruhe
im Bundesgebiete zu sorgen. Die Bundesversamm
lung gebe sich der Hoffnung hin, daß eine kräftige
Unterstützung von Seiten der augenblicklich thatsäch
lich an der Spitze der Landesregierung sich befindli
chen Statthalterschaft dieses Bestreben erleichtern
werde. Ein Bundescommissair werde gegenwärtigem
Erlasse bald folgen, der beauftragt sei, für die Voll
ziehung des Bundesbeschlusses vom 25. October zu
sorgen, so wie an den einzuleitenden Verhandlungen
behufs der Ordnung der staatlichen Verhältnisse Hol
steins gemäß den Rechten und Interessen dieses Bun
desstaates und des Bundes selbst — in entsprechen
der Weise Theil zu nehmen. Die Statthalterschaft
wird schließlich zur Versöhnlichkeit ermahnt und an
ihre große Verantwortlichkeit ernstlich erinnert, na
mentlich aber nutzloses Blutvergießen nicht länger zu
veranlassen.
Wiesbaden, den 9.. Nov. Man will als
ziemlich bestimmt wissen, daß die Einberufung der
Beurlaubten von dem Ministerium beschlossen sei, u.
daß 6000 Mann Nassauer mit l6 Geschützen zu
Dem Preußische» fan <v(n«.
(Diese Mittheilung wild in der „R. Mg. Zig." be
stätigt.)
Lübeck, 11. Novbr. Der so viel besprochene
französische Oberst Latour du Pin, der nicht in Paris,
sondern nur in Berlin gewesen zu sein scheint, war
gestern wieder hier. Er kam von Hamburg, und es
scheint also, daß er wieder nach Kopenhagen gehen
wird.
Detmold, 10. Novbr. In der Nacht vom 4.
auf den 5. d. M. ist, wie das fürstlich lippesche Re
gierungsblatt anzeigt, von den auf der Grotenburg
am Fuße des kolossalen Unterbaus in einer Bretter
bude aufbewahrten kupfernen Fragmenten zu einem
künftigen Standbllde Hermanns des Cherus
kers der rechte Arm gestohlen worden. Es scheint
nicht, daß die Diebe, wahrscheinlich politisch sehr un
schuldige Hirtenjungen aus einem der benachbarten
Dörfer, eine Anspielung auf den dermaligen Stand
der deutschen Sache beabsichtigt haben.
Hamburg, vom 12. Novbr. (Ein Opfer für
Schleswig-Holstein.) Eine hiesige Dame hat ihren
sehr kostbaren und geschmackvollen Per len sch muck
zum Besten Schleswig-Holsteins, namentlich zur
Pflege der Verwundeten bestimmt und ihn zu dem
Zweck durch Vermittelung von Fräulein O. Olshau-
sen, dem Schleswig-Holsteinischen Hülfs-Comittee zur
Verwerthung übersandt. Möge der Ertrag reichlich
ausfallen.
Berlin, vom 9. Novbr. Im Laufe des ge
strigen Tages ist der Ştaatsregierungķ von Seiten der
hiesigen Kaufmannschaft das Anerbieten eines Anle
hens von vierzehn Millionen Thalern gemacht
worden.
— Die sächsische Regierung hat, Meldungen aus
Leipzig zufolge, die Annahme preußischer Cafsenan-
weisungen in'den öffentlichen Lassen untersagt.
— Die „Const. Corr." meldet: In österreichisch
Olbersdorf und Comeise an der oberschlesischen Grenze
sind neuerdings ungarische Husaren-Commando's von
resp. 50 und 22 Mann eingerückt. Die in dortiger
Gegend stationirten Husaren sollen aber dem Ver
nehmen nach bald abziehen und durch 3 kaiserliche
Jnfanterieregimcnter ersetzt werden, zu deren Mf-
nahme bereits die jenseits längs der Grenze belège-
nen größeren Gebäude und Schlösser in Casernen
und Lazarethe umgewandelt werden. In und um
Prag haben 30,000° Mann gestanden. Davon sind
15,000 Mann unter dem Commando des F.M.L.
Haschitzki nach Baiern abgerückt, 50,000 Mann un
ter dem Befehl des F.M. Radetzki werden in Prag
erwartet. Am 5. ist das Regiment Fürst Schwac-
zenburg von Reichenberg nach Josephstadt abmar-
schirtttmd bis zum 3. kein Ersatz dafür in Reichen
berg eingetroffen. werden zur Besetzung der
Grenze gegen Preußen Kroaten erwartet. Alle Be
urlaubten werden eingezogen, die Festungen There
sienstadt und Josephstadt stark verschanzt.
—, den I l. Novbr. Der „Deutschen Reform"
wird geschrieben: Frankreichs Anerkennung des Bun
destages steht zu erwarten. Tallenach denkt nächster
Tage seine Accreditive zu überreichen. England hat
die Anerkennung beharrlich verweigert.
Man will wissen, daß Graf Bernstorff, Fürst
Schwarzenberg und v. d. Pfordten zu freien Confe
renzen in Dresden zusammentreten werden.
Von der Meldcr, den 9. Nov. Das Hauptquar
tier der Bundestruppen ist heute nach Fulda ver
legt worden. — Abends. Alle Feindseligkeiten sind
eingestellt. Die Preußen haben Len Bundestruppen
nicht bloß Fulda geräumt, sondern auch die Straße
nach Cassel freigegeben. Sie behalten sich bloß ihre
Etappen-Orte vor.
Ş eh l c s w i g - H v l st ein.
Dem „Jtzh. W." wird ans dem Schleswig
fchen geschrieben: Unter den charakteristischen Bei
spielen dänischer Menschlichkeit darf die Behandlung
des Hauptmanns Wedderkopp nicht fehlen. Als die
ser brave Osficier im flensburger Lazareth amputirt
war und man gewahrte, daß er nicht das Leben be
halten werde, ließ man ihn in seiner Kammer lie
gen, ohne sich weiter um ihn zu bekümmern, als
daß man ihm seine Nahrung hinsetzen ließ. Umsonst
flehte der Sterbende um eine Unterredung mit ir
gend gebildeten Menschen, da er noch etwas Wichti
ges, welches ihm auf dem Herzen liege, mitzutheilen
habe; umsonst baten einige Damen, zu ihm gelassen
zu werden: es sei nicht mehr nöthig, hieß es, der
Verwundete müsse doch sterben. So ist er denn
auch am 3ten Tage allein und verlassen gestorben,
wie es heißt, bei verschlossener Thür, und nicht ein
mal seine Todesstunde ist Jemanden bekannt gewor
den, denn bei seinem letzten Kampfe war Niemand
zugegen.
— Das „K. Corr. Bl." kann aus ganz zuverlch-
siger Quelle Folgendes berichten:
Am Tage der Schlacht bei Jdstedr verließ der
Hufner Jeß Hansen aus Havetoft-Loit, Amts Got-
torff, mit vielen andern die Heimath und floh nach
Süden, kehrte jedoch bald von hieraus zurück, wir
wissen nicht, ob durch die Vorposten durchgclassin
oder über Kopenhagen. Kaum in der Heimath an
gekommen, ward er vor Schrader citirt und von die
sem ohne weiteres zu einer 4 mal 5tägigen Gesäng-.
niSîìràss n»i Wasser und Brot nerurtbeilt. nachdem
man vorher versucht hatte, durch wiederholten Ge--
brauch der Daumschrauben ihn zu zwingen, die Stel
lung unserer Armee zu verrathen. Aus dem Ge
fängniß entlassen, ward er nach Flensburg und von
da nach Fühnen geschleppt. — Ein Herr v. Staffeldt
aus Angeln, der auch wieder von hier nach Angeln
zurückgekehrt war, ist sofort wieder verwiesen.
Kiel, vom 9. Novbr. Die sürstl. lippesche Re
gierung hat, nachdem sie von dem Ausschuß ihrer
Landstände dazu ermächtigt ist, die Auszahlung von
7000 Thlr. aus die den fürstlichen Truppen im Jahre
1849 von den Herzogthümern geleisteten Verpflegungs-
Vorschüsse verfügt.
—, Der letzte heftige Sturm hat auch uns Un
glück gebracht. Das Kanonenboot Nr. 8, welches
sich von Büsum in die Elbe zu retten versuchte, ist
beim Einlaufen in dieselbe gekentert, und die
ganze Mannschaft verunglückt. Das Wrack treibt
an der Küste. Die beiden anderen Kanonenböte so
wie das Dampfschiff sind gerettet. Die ganze Westküste
ist überdies mit Schiffstrümmern aller Art nach je
nem unseligen Sturme bedeckt, da an der Elbe und
Weser mehrere größere Seefahrer untergegangen, un
ter andern ein Westindiensahrer, mit Kaffee befrachtet.
Itzehoe vom 10. Novbr. Sie werden aus -
dem Jtzehoer Wochenblatte bereits ersehen haben,
daß auch an hiesigem Orte eine Beitrittserklärung
zu der von Prälaten und Gutsbesitzern an die Groß
mächte rc. zu erlassenden Declaration circulirte. Die
selbe hat vollständig Fiasco gemacht und zählte bei
ihrer durch den Polizeimeister "erfolgten Beschlagnahm
erst 8 Unterschriften, welche noch dazu Männern an
gehören, die fast sämmtlich von jeher als „dänisch
gesinnt bezeichnet wurden und deren Namen daher
schon allein im Stande waren, die Sache verdäch
tig zu machen. Den Reigen der Friedensmänner,
deren Bestrebungen gewiß" jeder Vaterlandsfreund
als gefährlich erkennen wird» eröffnet unser würdi
ger Freund, der Amtmann v. Kardorff, rühmlichst
bekannt schon aus früherer Zeit. Derselbe ist. frei-
lich nach unserer Meinung durchaus nicht zum Vor
tänzer geeignet, aber — der Geschmack ist verschie
den, und deshalb enthalten wir uns jeder Kritik die
ser Wahl. Ihm folgen der dänische Canzleirath
Poel, der dänische Etatsrath und Ritter vom Dan-
nebrog Rötger, Kaufmann Westphal. Advocat
Bendixen; Caud. juris Gold, Advocat Scheel
(zugleich Colporteur der Beitrittserklärung), sowie
der Rittmeister und Controlleur v Schoppe. Da
wir der Ansicht sind, daß dein Verdienste seine Kro
nen nicht entgehen dürfen und es nöthig ist, daß
das Vaterland seine Freunde sowohl, als seine FeuwL