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Rendsburg«
Jahrgang.
Sonnabend, den 23. November
1850.
M 04.
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Tagesgesichiehte.
Großbritannie n.
London. Die „Daily News" enthalten einen
langem Artikel über die deutschen Angelegenheiten
dem wir den folgenden Schluß entnehmen: „So lange
die Norddeutschen unter einander stritten, als Preu
ßen die Sachsen niederwarf, und die Hannoveraner
mit den Hessen zankten, waren das nur vorüberge
hende Zwiste. Aber, wie es jetzt geschieht, die Oe
sterreicher und Baiern ans einem entfernten Winkel
Deutschlands hinaufzuführen, um an bcm andern
Ende eine Bevölkerung und eine Sache niederzuwer
fen, welche, gleichviel' ob eine gerechte oder eine un
gerechte, den Norddeutschen sehr theuer ist — wir
meinen die Holsteins — das heißt die Saat des
Hasses und des Krieges zwischen den Deutschen streuen,
von der wir nach Jahren hören werden. Wenn
Preußen die Oesterreicher und Baiern nach deni
Norden kommen läßt, so wird das ihm zum ewigen
Schimpf gereichen. Es wird sogar ein Schimpf für
Hannover sein, und die Unpopularität seines Königs
vollenden helfen. Nichts könnte größer« und an
dauernden Abscheu gegen den Namen Oesterreichs
und des Frankfurter Bundestages erregen, als eine
solche Expedition. Und wir glauben nicht, daß irgend
eine Macht, irgend eine Regierung die Partisane
Norddeutschlands abhalten könne nach Holstein zu ge
hen, um es zu vertheidigen. Geschieht dies, so muß
Rußland seine Drohung erfüllen und vorrücken, und
Preußen, es mag wollen oder nicht, kann der Noth
wendigkeit des Widerstandes nicht entgehen.
Und wofür dies Wagniß? Was kümmert Oester
reich, was Baiern die Integrität Dänemarks? Beide
haben bisher Dänemark gegenübergestanden (auch
Oesterreich?) und sich um die deutsche Popularität
beworben, indem sie für Holstein Partei ergriffen.
Aber nun da man durch solche Popularität nichts
mehr gewinnen, aber Alles durch eine Allianz mit
Rußland erlangen kann, nun schlagen diese unedlen
und charakterlosen Potentaten um, und zeigen den
ganzen Eifer von Apostaten in der Ausführung der
Befehle des Czaren.
Bei Pen augenblicklichen Interessen und Leidenschaf
ten und Zuträglichkeiten die hier gegeneinander in
Antagonismus treten und deren Möglichkeit gegeben
ist, kommt das Schicksal Holsteins nicht in Betracht.
Was aus Deutschland wird, wird auch aus Holstein.
Wird das Ein« gekettet, so wird das Andere an
Dänemark gefesselt. Aber die Knechtschaft des Einen
und die Feffeln des Andern werden an demselben
Tage abgestreift werden.
'Wo kein Sinn für Gerechtigkeit, keine Achtung
vor des Volkes Rechte die Schließung von Verträ
gen leitet, ist das durch diese gewonnene Besitzrecht
nur ein Pachtvertrag auf Kündigung. Hätte der
König von Dänemark die Herzogthümer durch Bil
ligkeit wieder an sich gezogen, so würde er sie haben
behalten und sein Königreich sichern können. Aber
in der Weise, wie sie nun unterworfen und ihm
überliefert werden sollen, werden beide Herzogthümer
den Dänen, selbst während die dänische Flagge über
ihnen flattert, nie eine Kraft gewähren, und sie wer
den das dänische Joch bei dem ersten Anzeichen einer
europäischen Convulsion abschütteln.
„Das Protocol! von London hat nach unserer
Meinung für immer die Integrität Dänemarks ver
nichtet und unhaltbar gemacht."
Däne m a f t
Kopenliaqe», den 18. Nov. Das preußische
armirte Barkschiff „Mercurius" hat am löten Hel-
smgör nordwärts verlassen. „Flyvep." bemerkt, es
habe von Kronborg keine Salutschüsse erhalten was
doch Brauch und Sitte bei Kriegsschiffen sei; (einem
Gerüchte, daß der Chef, der „Verräther" Donner
am Lande gewesen, könne kaum Glauben beiqemesfen
werden.
—, vom 18. Novbr. Das Kriegsministerium
hat folgenden Bericht veröffentlicht: Am 14. d. M.
hat der Feind eine Recognoscirung gegen unsere
Stellung nördlich von Breckendors vorgenommen.
Bei dem dadurch veranlaßten Zusammenstoß ha
ben wir 1 Ofsicrer und 5 Gemeine zu Gefangenen
gemacht; unser Verlust beträgt 3 Verwundete und
4 Vermißte. Am selbe» Abend wurde unter dem
Oberst v. Gerlach eine Recognoscirung nach Brecken
dorf vorgenommen. Der Feind wurde aus dem
Dors geworfen und ließ 3 Todte und 11 Gefangene
in unsern Handen. Wir hatten keinen Verlust".
— den 18. Nov. Nach „Vib. Av." ist in Vi-
bora erne Committee zusammengetreten, um die An-
fchaffung von Feldmänteln aus Wachsleinwand zum
Gebrauch der Truppen im Vorpostendienst zu veran
lassen.
Bei der Gallus-Schanze zwischen Aarhus und
Marseesborg bat man 18 <%AM iLpsimdigc Grana
te» gefunden, welche wahrscheinlich dort seit den, Ab
züge der Kailerlichen im dreißigjährigen Kriege (1658
ober 1660) gelegen haben.
Deutschland.
Berlin, den loten Nov. Die „N. Pr. Ztg."
d/ssîchtet: Se. Maj. der König werden übermorgen
Allerhöchst selbst die Kammern im weißen Saale des
k. Schlosses eröffnen.
Die/Thronrede ist, wie Sie „Nat.Z." erfährt, im
Ministerium bereits berathen und angenommen. Die
Rede soll die Versicherung aussprechen, daß eine
Storung des Friedens, trotz dec drohenden Verwicke
lungen nicht zu befürchten s i, und daß die Gefahren,
die dem Wohlstände und b r organischen Entwicke-
ung entgegen treten, auf dun Wege der Untcrhand-
lungen werden abgewendet werden.
Berlin, vom 19. November. Von Seiten der
„braunschweigischen Regierung" ist hier eine Erklä-
rnng eingegangen, nach welcher diese Regierung den
Durchmarsch von sogenannten Bundestrnppen'' nach
Schleswig-Holstein nicht gestatten will und die Un
terstützung Preußens gegen die etwaige Anwendung
von Zwangsmitteln in Anspruch nimmt."
Die „Nationalzeitung" theilt Koch folgendes
Nähere mit:
Der braunschweigische Bevollmächtigte beim Für-
sten-Collegium ist beauftragt worden, der preußischen
Regierung hiervon Mittheilst '.g zu machen und um
den vertragsmäßigen Schutz des braunschweigischen
Gebiets anzusuchen." Derselbe Bevollmächtigte Dr
Liebe, hat seinen Austraf gestern bereits erfüllt
mid in dieser Angelegenheit auch eine Audienz in
Sanssouci bei Sr. Maj. dem Könige gehabt In
Frankfurt wird inzwischen dt- Vollziehung der Bim-
desexecution eifrig vorbereitet. Die Beschlüsse und
Proclamationen, mit welche» der Bundestag die
Execution begleiten wird, siiid bereits gefaßt uub
vollendet.
In einem Artikel, in welchem sie die gegenwär
tige Sachlage bespricht, sagt die „Nationalztg.": In
der Frage des Durchzugs der Bundestruppen durch
Braunschweig ist die Möglichkeit abgeschnitten, das
formelle Recht des Bundesll sis irgendwie zu dcdu-
zlre». Es geht nur durch ff raunschweig oder durch
Preußen ein Weg nach Hannover und Holstein. Durch
die Union und durch die Militärconventionen hat
Preußen die Pflicht vertragsmäßig übernommen, den
btaunschweigischen Boden mit leiner ganzen Kraft
eben so zu schützen, wie den Boden des eigenen preu-
ßsichen Landes. Preußen will die gewaltsame In-
terventlon in Holstein zwar geschehen lassen, erklärt
es aber doch für ein böswilliges Gerücht, wenn ver
breitet wird, daß es den Durchmarsch der zu jenem
Zwecke bestimmten Truppen durch eigenes Gebiet qe-
statten werde. Braunschweigisches Gebiet aber gilt
hier so viel wie preußisches.
Wenn es den Bundestagstruppen gestattet würde,
dieses Gebiet zu durchziehen, so wäre damit eine
active Hülssleistung vollzogen. Preußen hätte dann
nicht mehr die Intervention blos geschehen lassen
es hatte sie möglich gemacht, dadurch möglich ge
macht, daß es die Pflicht des Schutzes seines oder
des verbündeten Gebiets versäumt. Die braunschwei
gische Durchzugsfrage ist es daher, auf deren Lösung
man hier vorzugsweise die Aufmerksamkeit richtet;
sic ist nach dem gegenwärtigen Stande der Unter-
Haltungen zum Knotenpunkt geworden. Wenn man
auch hier nachgiebt. so wird cs Niemand mehr be-
greifen können, wozu die umfassenden Rüstungen noch
immer fortgesetzt werden. Die Bundesexecution ist
m Frankfurt unabänderlich beschlossen. Rußland hat
mit dir Anerkennung des Bundestags Oesterreich je
den Rückzug aus seiner Stellung abgeschnitten und
es zur Vollziehung dieser Intervention verpflichtet.
Preußen muß also der Vollziehung einer Maßregel
des Bundestages Beistand leisten, das heißt, densel
ben als oberste Controllbehörde anerkennen, oder sich
mit den Waffen den Bundestagstrnppen entqeqen-
werfen, wenn sie braunschweigisches Gebiet betreten.
Die „Berliner. Nachrichten" melden: Man ver-
sichert, daß die „braunschweigische Regierung" einen
Durchmarsch der Oesterreicher durch ihr Land nicht
gestatten, und sich Zwangsmaßregeln gegenüber um
Hülfe an das verbündete Preußen wenden werde. Die
ses Gesuch, dessen Erfüllung Preußen seinem Verbünde
ten nicht verweigern kann, dürste eine Kriegserklä
rung gegen Oesterreich zur Folge haben, wenn letzte
res auf den Durchmarsch beharrt.
Berlin, vom 18. Novbr. Es fand, wie die
„N. Z." berichtet, diesen Morgen in Bellevue in Ge
genwart des Königs ein Ministerrath statt, in wel
chem die Thronrede berathen wurde. Man be
hauptet, daß Herr v. Ladenberg hier auf's Neue mit
dem Programm des Herrn v. Manteuffel, welches des
sen bekannte Jsolirungs- und Friedens-Politik auf's
Unzweideutigste ausdrückte, in heftigen Widerspruch
gerathen sei. Es war von einer in Folge dessen un
vermeidlichen Modification des Ministeriums nach der
einen oder andern Seite die Rede.
— In mehreren hiesigen Töchterschulen sind be
reits die Zöglinge aufgefordert worden, in den näch
sten Tagen alle Leinwand zum Charpiezupfen mit
zubringen und dies letztere dann in den Handarbeits
stunden vorzunehmen.
— Aus den Forsten von Tegel, Grünewald und
Falkmhagen müssen jetzt zur Befestigung Spandaus meh
rere Tausend KlafterHolz in Pallisaden geliefert werden.
Fttlda, den 16. Nov. Heute früh rückte baie-
rische Artillerie wieder nach hier ein, sonst hat sich
im Stande nichts geändert; außer dem Hauptquar
tier befindet sich auch her General v. Flotow hier.
Mit jedem Tage wird in der Stadt so wie in der
Umgegend der Druck fühlbarer, einzelne Dörfer sind
bere'its jetzt schon außer Stande, die Verpflegung zu
besorgen, zumal dieselbe nicht unbedeutend ist. Bei
spielshalber führe ich Ihnen hier nur das Reglement
an, das durch die Schelle bekannt gemacht ist und
worauf die Baiern mit der großen Entschiedenheit
bestehen; dasselbe bestimmt für den Tag 1 % Pfd.
Brot, y 2 Maß Bier, Morgens Suppe, Mittags
Suppe, '/ 2 ,Pfd. Fleisch und Gemüse, Abends Suppe
und V» Pfd. Fleisch. Die Hälfte der ganzen Be
völkerung Fuldas führte eine solche Kost höchstens'