Kiel, vom 17. November. Wie weit die lä
cherliche Wuth der Dänen geht, steht man sogar an
ihren Spielkarten. Don Schleswigschen Flüchtlin
gen hat man hier ein Spiel Karten, versehen mit
dem Stempel des Königs von Dänemark, unter de
nen die Buben besonders witzig bedacht sind. Das
Bild des einen Buben soll den „Hoiforräderen Här
ingen as Augustenburg" darstellen, der zweite Bube
„Hoiforrädern Prinzen as Roer", und trägt die Un
terschrift „Bau"; der dritte den „Corporal" Wrangel,
der vierte „Datier Bonin" mit dem Beisatz „Friede-
ricia." General Wrangel wird darum die Dänen
nicht hassen, er hat seine Gutmüthigkeit gegen sie
bei Schleswig hinlänglich gezeigt, und der König
von Preußen wird diese Jnsultirung seiner Generäle
gewiß sür eine neue witzige Liebenswürdigkeit seines
Köniql. Vetters halten, weiß er doch gute Witze zu
würdigen. (iss. F. P.)
— Bei einer am 17. d. M. in der Nähe von
Gettorf stattgehabten Recognoscirung ist es zu einem
ernsthaften Gefecht gekommen, in welchem wir 1
Todten und einige Verwundete haben.
Der „W. Z. wird aus. RoLdâMnH'â un
term 16. November geschrieben: Es sollen 'in Oester
reich zwei Männer von hohem Einflüsse für uns
aufgetreten sein: Erzherzog Johann und Marschall
Radetzky, so daß das Gerücht nicht ganz unwahr
scheinlich klingt, Welches behauptet, daß seit Kurzem
ein sehr lebhafter Briefwechsel zwischen Radetzky und
Gen. Wiltisen, sowie zwischen dem Erzherzog Jo
hann einer- und dem Grafen Reventlou-Preetz (dem
Statthalter) und Reveütlow-Farve andererseits ge
führt werde. Die unserem Lande ungehörigen Brief
steller sollen äußerst warm, kräftig und bereht die
moralischen und politischen Nachtheile und die Ge
fahren auseinandergesetzt haben, welche für Oester
reich erwachsen könnten, wenn es seine Truppen zur
Unterdrückung des deutschgesinnten Schleswig-Hol
steins verwendete. ^
Altona, vom 20. November. Hier sind ge
stern Abend 25 Matrosen von der Besatzung des
„Ernst August" aus Bremerhaven angekommen; sie
sollen sich nach Lübeck begeben, um die Besatzung der
„Gefion" zu verstärken, die man dem Vernehmen
nach durch die Belte nach Bremerhaven bringen will.
Rendsburg, vom 18: November: Dem eng
lischen Arzte Statham ist es gestattet als Volentair-
arzt in der schleswig-holsteinischen Amee zu dienen,
mit der Erlaubniß die Uniform eines Assistenzarztes
>. Klasse zu tragen.
Der Major v. Seelhorst ist aus schleswig-holstei
nischen Militärdiensten entlassen. (N. F. P.)
Städtische Angelegenheit.
Unterm 17. d. M. ist wiederum von den Stadt
verordneten hiesiger Stadt folgende Eingabe an die
Statthalterschaft gerichtet:
An die hohe Statthalterschaft Schles
wig-Holsteins I
Unterm 22sten August d. I. hat der Magistrat
hiesiger Stadt Einer hohen Statthalterschaft das
Resultat der Taxation übersandt, welche von ihm zur
Ermittelung des, durch die Explosion vom 7ten s. M.
an den Gebäuden der Stadt verursachten Schadens
angeordnet war, und unterm Ilten September d. I.
hat das unterzeichnete Collegium' sich die Freiheit
genommen, um baldige Anweisung der bezüglichen
Taxationssumme zu bitten; allein bisher ist den Bc-
theiligten weder die Entschädigung bezahlt, noch auch
nur eine desfältige bestimmte Resolution zu Theil
geworden. Unter diesen Umständen erlauben wir
uns, im Interesse unserer Commüne und durch zahl
reiche Aufforderungen Einzelner getrieben, unsere
frühere Bitte zu wiederholen, und hiebei, zur Moti-
virung unsers Drängens, Einer hohen Statthalter
schaft Folgendes ganz ergebenst vorstellig zu machen.
Bekanntlich beträgt die fragliche Taxationssumme
140,223 Mark Courant, allein dieselbe erreicht bei
Weitem nicht die Höhe des angerichteten rmmit-
tetbare» Schadens, vielmehr hat dieser sich über
all nachträglich bedeutender herausgestellt, als wofür
er anfangs gehalten wurde, und es kann, nach den
gemachten Erfahrungen gegenwärtig, der strengsten
Wahrheit gemäß, behauptet werden, daß von den
auch nur etwas schwer Betroffenen Niemand durch
die ihm zutaxirte Summe entschädigt werden, sondern
er noch eine, oftmals sehr bedeutende, Zubuße zu
tragen haben wird.
Um einen Maaßstab für den Druck zu geben, den
der fragliche Schaden auf die Commüne und deren
Mitglieder geäußert hat und äußern muß, können
wir nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen,
daß selbst die bemerkte niedrige Taxationssumme den
Belauf der in diesen Tagen von der Commüne aus
gebrachten Staatsanleihe, zu welcher doch absolut das
ganze Vermögen und alle Einkünfte der Commüne und
sämmtlicher Einwohner hinzugezogen ist, um 50 Pro
cent übersteigt. Bedenkt inan nun, daß der fragliche
Schaden lediglich die Hausbesitzer hiesigen
Orts, aber bei Weitem nicht alle getroffen hat;
daß er, der Natur der Sache nach, höchst ungleich
ausgefallen ist, und daß hiebei endlich noch wieder
das Vermögen des Einzelnen gar kein Maas sür
dessen Verlust gegeben hat, so wird man sich eine
einigermaaßen richtige Ansicht von dem Verlust der
Betroffenen und dem Druck des Unglücks aus deren
Vermögensverhältnisse machen können und wenigstens
zu einer richtigeren Würdigung der Dinge gelangen,
als wenn man sich bei der Meinung beruhigt:
Rendsburg könne den Schaben wohl tragen, weil
es eben jetzt gut verdiene.
Hohe Statthalterschaft! der fragliche Schaden ist
im Allgemeinen ein sehr großer zu nennen, und
es bedarf für jeden Kundigen nur eines Blicks in
das Taxationsprotocoll, um zu sehen und sich davon
zu überzeugen, daß der Verlust für viele der Betroffe
nen eine drückende Last ist, manche aber derartig heim
gesucht sind, daß sie, wenn ihnen nicht geholfen wird,
als ruinirt zu betrachten sind.
Der Druck des bezüglichen Schadens wird beson
ders dadurch vergrößert, daß er" nothwendig augen
blicklich hat gebessert werden müssen, oder doch in
kürzester Zeit zu bessern ist, folglich die ganze Schwere
desselben mit einem Male auf die Betheiligten fällt
und diesen die benöthigten Mittel eben durch den
erhöhten Bedarf noch verringert und vertheuert
werden.
Hohe Statthalterschaft! Erwägt man, daß in
dieser Zeit, in Folge der Explosion, von vielen unse
rer Mitbürger Hunderte von Marken, ja Thalern,
zu zahlen sind und aufgebracht werben müssen, daß
aber viele Hausbesitzer; weil ihnen der benöthigte
Credit fehlt, allganz noch keine Besserung ihrer Woh
nungen haben vornehmen können, sondern gezwungen
sind, täglich allen Ungemach der jetzigen Witterung
in ihren zertrümmerten Häusern zu ertragen, so wird
man die Ungeduld erklärlich und verzeihlich finden,
mit welcher die Betheiligten nunmehr schon seit Mo
naten der Resolution entgegen gesehen haben, durch
welche über die zu ertheilende Entschädigung entschie
den sein wird.
Durch tägliches Vorfragen und Anforderungen
dieser Betheiligten gedrängt, erlauben wir uns,' im
Gefühl unserer Pflicht als Stadtverordnete, für die
Regulirung der fraglichen Angelegenheit, welche so
wohl das Interesse der Commüne als einer großen
Anzahl unserer Mitbürger betrifft, sorgen zu müssen —
unsere ganz gehorsamste Bitte an Eine Hohe Statt
halterschaft dahin zu wiederholen:.
„Eine hohe Statthalterschaft wolle das Erfor-
„berliche veranlassen, daß die bezüglichen Ent-
„schädrgungsgelder baldmöglichst ausbezahlt wer-
„den. Ganz gehorsamst
das Collegium der Stadtverordneten:
Joh. Gottfr. Petersen. Niel. Paap. I. G. Meggersee.
H. Caspersohn. I. M. Barbeck. A I. Andersen.
C. Fromm. G. Reiff. H. Volmers. P. H. Lorenzen.
H. Beseler. I. Höling. C. Wieck. P. Sievers.
C. H. Jess. F. Hellbvrn. P. H. I. Rheindorsf.
Auszug aus einem Briefe aus Friedrich-
stadt, datirt vom 2. ILovbr.
Die traurige Episode wird für unsre kleine Stadt
so nachhaltige traurige Folgen haben, baß sie sich
schwerlich wieder erholt, wenn nicht das ganze Land
eine kräftige Hülfe leistet.
Aus angelegtem Blatt ersehen Sie, daß der größte
Theil in Trümmern liegt und zwar der wohlhabendste,
da die Wohnungen der ärmern Classe in der mehr
verschonten Hinterstadt an der Treene liegen.
Der Brandcafsenwerth des Abgebrannten muß
ja freilich vom ganzen Lande ersetzt werden, es fehlt
dann aber der Ersatz des Zerschossenen und die Ein
richtung des Hauses, da das rohe Gebäude »och nicht
bewohnbar ist. Schlimmer als dies, ist der Verlust
der Mobilien, der Waarenlager, für welche die Asse-
curanz nicht verbindlich ist und daun die Störung
des Betriebs, die Unmöglichkeit, baß die Leute hier
wohnen.
Unsere Nachbarstädte hetfeu mit großer Aufopfe
rung dem augenblicklichen Mangel an Allem ab, in
deß muß hier noch ferner geholfen werben, «schwer
ist es, den ganzen Schaben in Summen anzugeben,
indeß glaube ich, die vorstehenden Verluste zu
sammengerechnet, denselben auf 1)4—2 Millionen
Mark schätzen zu können, von dem' nur der Ersatz
des Brandcassenwerths in Aussicht steht. Es wer
den deshalb große Opfer verlangt; ich hoffe aber
nicht mit einer Fehlbitte zu kommen, wenn ich auch
Sie bitte, bort zur Bildung einer Unterstützungs-
committee thätig zu sein, da wir noch nicht zu den
nothwendigsten Bedürfnissen für den Winter Rath
wissen.
Was eingeht bin ich gerne erbötig durch Meine
Hamburger Freunde hieher zu überweisen, da ich,
wenigstens noch auf unbestimmte Zeit hier bleibe
und mich den Bestrebungen der hier zusammenge
tretenen Committee anschließe.
Die jetzige Einwohnerzahl wird 3—400 nicht
übersteigen. — Theilweise sind die Abwesenden ob
dachlos, theilweise durch die noch neue Erinnerung
au die überstandencn Gefahren zurückgehalten.
Wie erwähnt, gewähren die benachbarten Di-
stricte und Städte ihnen Brnderhülfe.
Amtliches.
Bekanntmachung,
betreffend die einstweilige Verlegung der Naviga-
tionsprüsung nach der sradl Krei.
Nachdem der Besuch der Navigationsschule und
die Abhaltung der Navigationsprüfung in der Stadt
Tönning durch die Kriegsereignisse gestört worden,
ist, um d'en Seefahrenden die Benutzung dieser Ein
richtungen nicht zu entziehen, mit Genehmigung der
Statthalterschaft, die Navigationsschule und die Na
vigationsprüfung, vom l. December 1Z50 an, bis
weiter in die Stadt Kiel verlegt worden.
Beide Anstalten stehen zunächst unter der Mari-
necommission. Als Navigationslehrer wird der Ma-
rineofficier Köster, als Navigationsexaminator der
Navigationslehrer an der Seecadettenschule, Weyer,
sungiren; letzterem'werden zwei von der Marinecom-
mission zu wählende Marineofficiere behufs Abhaltung
der Prüfung beigegeben. Im klebrigen bleiben nach
wie vor die Bestimmungen des Patents vom I.
September 1837 in Kraft.
Vorstehendes wird hiedurch 'zur allgemeinen Kunde
gebracht mit dem Beifügen, daß die Marinccommls-
fion die in Betracht kommenden näheren Bestimmun
gen veröffentlichen wird.
Kiel, den 19. Novbr. 1850.
Die Departements des Innern und der Finanzen.
B o y s e n. F r a n ck e.
__ Qualen.
B c V m i f ch 1 es.
Die Englische Nationalschuld beträgt „achthun
dert Mill. Pfund Sterling" (über 13,500 Millionen
Mark), ein Sümmchen, das, in Souvereigns einer
hart neben dem andern aufgezählt — Vas Stück zu
y 8 Zoll in der Breite — eine Reihe von 11,047
englischen Meilen bilden würde. Diese Goldstücke
würden, aufeinandergelegt — 15 Zstück auf einen
Zoll — eine 841 Meilen hohe Säule geben, also
11000 Mal höher als die St. Paulskirche in Lon
don sein, weiche 404 Fuß hoch ist. Das Gewicht
der gesammten Goldstücke würde 5600 Tonnen be
trauen. Vertheilte man dieses Sümmchen unter die
Bevölkerung von England und Wales (16,900,000),
so käme auf jeden Kops 50 Pfund. Wollte Jemand
die Summe in Souvereigns zählen und zählte er
60 Stück in einer Minute und täglich zwölf Stun-
den lang, so würde er dazu 51 Jahre gebrauchen.
Wollte Einer die Schuld in Scheidemünze bezahlen
und zählte er jede . Minute 5 Schillinge, so würde
er damit 6000 Jahre zubringen, folglich unser
Stammvater Adam noch heutigen Tages die Schuld
nicht abgetragen haben. Um die summe in Gold
fortzutragen, würden, wenn ein Mann zwei Centner
trüge, 56,000 Mann erforderlich fein. (Mithin kein
Wnnder, daß die englische Nation sehr schwer da
ran zu tragen hat.)
ZKteLLgeZrz - A^zeigem.
Kirchliche Anzeige.
Am Toiuitage den 24.. predigen in hiesiger Kirche:
Im Vormittags-Gottesdienste (Todtcnsest) Herr Propst
C a l l i f c n.
Im Nachmittags-Gottesdienste Herr Pastor Ruch mann.
Bekanntnrachnnst.
In Concurssachen der Wittwe des verstorbenen
Tischlermeisters Marcus Ludwig Heinrich Kühil,
Sophie, geb. Boog, ist Termin zum öffentlichen
Verkauf des zur Masse gehörigen, im Brandcataster
unter Nro. 373 A ausgeführten Wohnhauses auf
Freitag den 27. December d. I. Mittags
12 Uhr anberaumt. — Kaufliebhaber werden gela
den, sich zur angegebenen Zeit an Ort und Stelle
in der Obereiderstraße einzufinden.
Ferner werden am selbigen Tage Morgens 9 Uhr
in dem genannten Hause verschiedene Mobilien und
Effecten, einiges Bettzeug, Haus- und Küchengcräth
öffentlich au den Meistbietenden gegen baare Zahlung
ober.bei zu leistender Sicherheit kwöchigen Credit
von Gerichtswegen verkauft und wird event.' die
Auction am Nachmittage von 2 Uhr an fortgesetzt
werden
Die Bedingungen betreffs des Hausvcrkaufs ton
nen 14 Tage vorher im Stadtsecretariate eingesehen
werden.
Rendsburg, den Ilten Novbr. 1850.
Der M a g i st r a t.
Bekanntma â n n g.
Am Montage, den 9. December, von Morgens
9 Uhr an. soll auf dem hiesigen Rathhause siir den
abgehenden Stadtverordneten Lorenzen eine Stadt-
vervrdncten-Wahl für Neuwert',- unter Leitung der unter
zeichneten Wahlcommisston, stattfinden.
Vorstehendes wird mit dem Bemerken bekannt
gemacht, daß das Verzeichnis! der Wahlberechtigten
vom Montage, den 25. d. Mts. an, vierzehn Tage
hindurch, von Morgens 9 bis Mittags >2 Uhr, auf