Full text: Newspaper volume (1850)

4M 
Reņdsburger 
Jahrgang. 
M 95. 
Mittwoch, de», 27. November 
1850. 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge könne» entweder directe abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Expedition 
des Wochenblatts in Rendsburg, entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blatte« 
ist für Interessenten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei 
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. 
den Post- 
Tagesgeschichte. 
Großbritannien. 
Manchester, den 17. Nov. Die Subscrip 
tion für die braven verabschiedeten curhessischen Of- 
ficiere hat den besten Fortgang. Auch die Englän 
der betheiligen sich daran, sie nennen diese Sache 
a noble case, und Tories und Whigs zeichnen ohne 
Unterschied. Selbst die „Times" wagt die offenbar 
gerechte Sache nicht anzugreifen. Hier sind bis heute 
1500 Pf. Sterlinge unterschrieben. 
R u st l a n d. 
Petersburg, den 14. Nov. Der Kaiser hat 
unterm 28. October aus Warschau folgende Hand 
schreiben erlassen: 
„1) An unsern außerordentlichen Gesandten und 
bevollmächtigen Minister bei Sr. Mas dem Könige 
von Dänemark, wirklichen Staatsrath Baron Ungern- 
Sternberg. Die Unsern Absichten vollkoiilinen ent 
sprechende Erklärung der Ihnen inmitten der Gefah 
ren. die das Reich Unser.eS Verbündeten, Sr. Mas. 
des Königs von Dänemark, bedroht, durch Unser 
Vertrauen auferlegten Obliegenheiten hat unsere Auf 
merksamkeit auf Sie gelenkt. Zum Beweise dessen 
verleihen wir Ihnen das Großkreuz des St. 
Wladimir-Ordens zweiter Klasse, dessen hierbei er 
folgende Insignien wir Ihnen anzulegen und den 
Statuten gemäß zu tragen befehlen. Wir verbleiben 
Ihnen mit Unserer kaiserlichen Gnade wohlgewogen." 
„2) An Unseren außerordentlichen Gesandten und 
bevollmächtigten Minister bei Sr. Mas. dem Kaiser 
von Oesterreich, Geheimen Rath Baron v. Meyen- 
dorff. Die ausgezeichneten Dienste, welche Sie in 
der Eigenschaft unseres außerordentlichen Gesandten 
und bevollmächtigten Ministers während Ihrer lang 
jährigen Anwesenheit bei Sr. Mas. dem Könige von 
Preußen geleistet, haben stets Unsere Aufmerksamkeit 
auf Sie gelenkt. Durch eifrige und erfolgreiche Mit 
wirkung zur Beseitigung der Schwierigkeiten, die so 
lange den Abschluß des Friedenstractates zwischen 
dem dentschen Bunde und Dänemark behinderten, 
haben Sie neue Rechte auf Unser besonderes Wohl 
wollen erworben. Zum Zeichen desselben und zur 
Belohnung Ihrer eifrigen und nützlichen Bemühun 
gen verleihen wir Ihnen allergnädigst die mit Dia 
manten geschmückten Insignien des St. Alexander- 
Newski-Ordens, welche hierbei folgen. Wir bleiben 
Ihnen mit Unserer kaiserlichen Gnade wohlgewogen." 
Die Originale sind von dem Kaiser eigenhändig un 
terzeichnet. 
Petersburg, vom 14. Rovbr. Der k. däni 
sche Gesandte Hieselbst, Graf v. Pleffen, hat unter 
dem 29. v. M. den St. Annen-Orden erster Klasse 
erhalten. 
Ş ct) w e i z. 
Basel den 19. November. Der Dichter Gott 
fried Kinkel, aus dem Zuchthause in Spandau ent 
flohen, ist in der Schweiz angekommen. 
(Carlsr. Z.) 
Schweden. 
Stoekbolm, den 15. November. Nach der 
„Post- och Jnrikes-Tdn." hat der in der schleswig 
holst. Armee dienende Lieutenant Lindström eine kö 
nigliche Ordre vom 23. September d. I. erhalten, 
binnen acht Tagen die schleswig-holsteinischen Dienste 
zu verlassen und innerhalb eines Monats sich in 
Schweden einzufinden, derselbe hat demgemäß seinen 
Abschied verlangt und bewilligt erhalten. 
Dänemark. 
Kopenhagen, den 21. Nov. „Kjöbenhavns- 
posten" sagt, man habe noch keine bestimmte Nach 
richt über das mit Sehnsucht erwartete Vor 
rücken der Kroaten und Panduren nach Holstein. 
Es scheint jetzt gewiß, daß der österreichische 
Lieutenant Jovannovich den Mordversuch auf den 
Makler Fürst in räuberischer Absicht gemacht habe, 
da er sich zur Bezahlung von Schulden auf den 
nächsten Tag verpflichtet hatte. Derselbe hat von 
Neuem einen mißlungenen Versuch gemacht, sich den 
Hals abzuschneiden. 
Kopenhagen, den 22. November. Im „Fae- 
drelandet" fordert ein Kopenhagener Committee zur 
Unterstützung der Kriegsgefangeneil in Glückstadt auf. 
Anfangs sei, wie man auf eingegangene Erkundigun 
gen erfahren habe, ihr Zustand und ihre Behand 
lung der Art gewesen, daß ein solcher Schritt über 
flüssig gewejen wäre, jetzt mache sich aber ein Man 
gel an passenden Kleidungsstücken fühlbar. 
—, den 22. Novbr. Nach „Aalb. Av." war im 
östlichen Jütland am 18. eine so bedeutende Menge 
Schnee gefallen, daß von Aalborg bis 14 Meile 
nördlich von Horsens Schlittenbahn war. 
Deutschland. 
Bremen, vom 20. Novbr. Dem hiesigen Co 
mite für Schleswig-Holstein ist heute das folgende 
Schreiben des schleswig-holsteinischen Departements 
chefs der Finanzen, Herrn Francke, zugegangen: „Von 
dem deutschen Ausschuß des schleswig-holsteinischen 
Vereins ist an das Finanzdepartement eine von dem 
Comite für Schleswig-Holstein in Bremen eingesandte 
Anweisung auf 59,000 Mk. Bc. abgeliefert worden. Das 
Finanzdepartemenü unterläßt nicht, für diesen erneu 
erten Beweis der warmen Theilnahme an der Sache 
der Herzogthümer dem verehrlichen Comite und al 
len freundlichen Gebern hiedurch seinen aufrichtig 
sten Dank auszusprechen, und ertheilt dabei die Zu 
sicherung, daß die obige Summe, dem Willen der 
Geber gemäß, ausschließlich für Verwundete und 
durch den Krieg hülfsbedürftig Gewordene verwen 
det werden wird. Kiel, den 16. Novbr. 1850. In 
besonderer Hochachtung Francke. An das Comite für 
Schleswig -Holstein in Bremen." (W. Z.) 
Berlin, den 21. November. Der König hat 
heute die Session der Kammern in eigener Person 
eröffnet. Der auf die deutsche Frage bezügliche Theil 
der Thronrede ist folgenden Inhalts: 
„Meine Absicht eure den Bedürfnissen der deut 
schen Nation entsprechende Verfassung derselben zu 
verschaffen, ist bisher unerreicht geblieben. An dem 
Gedanken jedoch, der meinen bisherigen Bestrebungen 
zu Grunde lag, soll in Hoffnung huf die Zukunft 
festgehalten werden, obschon dessen Verwirklichung auf 
neue Grundlagen erst dann wieder aufgenommen wer 
den kann, wenn über die künftige Gestaltung des 
deutschen Bundes entschieden sein wird. Ich hoffe, 
daß die darauf bezüglichen Unterhandlungen zu einem 
gedeihlichen Ende führen werden. Ich hoffe, daß 
unsere Erhebung genügen wird, unser Recht zu wah 
ren; wenn dies erreicht wird, so ist sie für die Ruhe 
Europas gefahrlos; denn mein Volk ist eben so be 
sonnen wie kräftig. Wir suchen nicht den Krieg und 
wollen Niemands Rechte schmälern; aber wir wollen 
eine Einrichtung des Gesammtvaterlandes, zu der 
Preußen seine angemessene Stellung einnimmt. 
Durch die französischen Rüstungen veranlaßt, giebt 
die „Const. Corr." in einem längeren Leitartikel Ver 
sicherungen, daß von Preußen aus weder eine reac- 
tionäre Invasion, noch, wie die dortige Ordnungs- 
Partei befürchte, eine neue Revolutionrrung Frank 
reichs beabsichtigt wird. 
Der „C. Z." zufolge soll eine gestern Nachmittag 
hier angekommene Depesche an das Kriegsministeri 
um den Einmarsch österreichischer Truppen in Sach 
sen gemeldet haben. 
Der k. Marstall hat Befehl erhalten, in diesen 
Tagen von Berlin aufzubrechen. Ein Theil der 
Pferde geht nach Schlesien, ein anderer Theil nach 
dem Rhein. Auch die k. Stallmeister haben Auftrag 
sich reisefertig zu halten. 
Aus Petersburg sind vorgestern Depeschen einge 
troffen, deren Inhalt nicht günstig lauten soll. — 
Von den Mitgliedern des Fürsten-Collegiums sollen 
mehrere ihre Abreise vorbereiten. 
—, den 22. Nov. Die Kammer hat in ihrer 
heutigen Sitzung einen festeren Charakter zur Schau 
gestellt als sonst. Die linke Seite des Hauses und 
das Centrum war stärker besetzt als die rechte. Frei 
herr v. Vincke war ein Gegenstand allgemeiner Be 
grüßungen und gab förmlich Audienzen in dem Halb- 
kreis um die Rednerbühne während der Präsidentenwah 
len. Sein gerades Gegenstück bildete heute Manteuffel. 
Sein Gesicht schien mir magerer, vergilbter und seine 
Züge schärfer geworden. Er saß oft minutenlang 
starr und in sich versunken da in dem erdrückenden 
Gxfüht ferner Einsamkeit mitten in der tobenden Na 
tion. Von der überwiegenden Majorität der Nation, 
die er hinter sich vorgab, war nicht einmal mehr 
der Treubund übrig geblieben, der eben eine flam- 
mend kriegerische Adresse an den König gerichtet. 
Wenn sein spitziger Blick über die Versammlung lief, 
die ihn weniger als sonst zu beachten und zu fürcht 
ten schien, kam es mir vor, als der beunruhigende 
Gedanke aus seiner Stirne zuckle: Die riecht nicht 
nach Leichen, wie im Jahre 1849. Die Rede de- 
Präsidenten Schwerin und noch mehr deren demon 
strative Betonung machte einen fast bewältigenden 
Eindruck auf den Urheber des Programms vom 2. 
Nov. Als er im Verlaus der Sitzung über einen 
unbedeutenden Gegenstand sich auszusprechen hatte, 
zeigte sich seine gedrückte Stimmung auffallend, in 
dem er stotternd einige kaum zusammenhängende 
Sätze vorzubringen vermochte. Man sah deutlich, 
daß sein Geist nicht recht bei dem war, was er von 
Zeit zu Zeit niederschrieb. Der im Halbkreis sich 
bewegende Vincke schien seinen Blick fortwährend an 
sich zu fesseln. Einmal als er lange in Betrachtun- 
gen versunken war, erhob er sich Plötzlich und ging 
von der hochgelegenen und abgesonderten Minister 
bank in den Halbkreis herab, was er bisher noch nie ge 
than. Die Ministerbank hat ihren eigenen Ausgang aus 
dem Saale. Er ging zwischen den dicht umherstehcnden 
Abgeordneten hin, ohne begrüßt zu werden, ja ohne 
daß man ihm ehrerbietig Platz machte. Zu großem 
Erstaunen ging er grade auf Vincke zu, der zufällig 
mit dem Rücken gegen die Ministerbank stand und 
legte ihm wie vertraulich und um seine Aufmerksam 
keit zu erwecken die Hand aus die Schulter. Vincke 
war einen Augenblick etwas betreten, schien aber 
gleich zu durchschauen, daß es auf eine Demonstra 
tion abgesehen sei, und sein Gesicht nahm eine ganz 
gleichgültige und lachende Miene an. Einige Minu 
ten später erwiederte Vincke den Besuch indem er auf 
einige Augenblicke an die Minsterbank trat und mit 
Manteuffel einigeWorte wechselte, woraufer alsGegende- 
monstration einen Platz ander äußerstenLinkeneinnahm. 
Braunschweig, 21. Nov. Die drohende 
Gefahr einer bundestaglichen „Execution gegen Schles 
wig-Holstein" hat den Ausschuß der braunschweigi 
schen Abgeordnetenversammlung veranlaßt in einem 
Schreiben an die Negierung energisch gegen die Aus 
führung dieses _ schmählichen Attentates zu protesti- 
ren. Der Ausschuß drückt zum Schluß seines bered 
ten Schreibens das Vertrauen aus, „daß hohe Lan 
desregierung nicht allein der," unter dem angemaß 
ten Namen einer Arme? des deutschen Bnndes, Mch
	        
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